WW: Die neuen Geschäftsräume des ADC werden mit einer Ausstellung von Frank Bodins 100 #Creative #Imperatives eröffnet. Was ist die Idee?
Frank Bodin: Die Idee hat ihren Anfang genommen, als ich mich gezwungen sah, nebst Facebook, Myspace und Co. nun auch noch auf Twitter präsent zu sein. Unsere Amerikaner im Netzwerk sind da sehr aktiv und deshalb willigte ich ein. Die Auseinandersetzung mit den neuen digitalen Möglichkeiten sind ja für einen Kreativen wichtig. Ich möchte allerdings nichts Privates offenbaren und auch nicht in einem Tweet erzählen, dass ich jetzt gerade an unserem neuen Geschäftssitz des ADC bei einem Interview bin oder Pizza esse. So kam der Entschluss: Ich werde ein Jahr lang täglich einen möglichst nicht all zu blöden Gedanken zum Thema Kreativität verfassen. Gestartet ist das Experiment am 9. August 2011.
Wie war das Feedback?
Es hat sich unglaublich schnell verbreitet und extrem viel Feedback gegeben. Nach meinen 366 #Creative #Imperatives – 2012 war ein Schaltjahr – geht es deshalb jetzt weiter mit #Creative #Imperatives of Others, das sind neue Imperatives, die nun von den Fans unter ihrem eigenen Namen verfasst werden.
Vom Tweet zur Ausstellung im neuen Office des ADC: Wie ist es dazu gekommen?
Die Tweets sind in der Szene bekannt geworden. Der ADC-Vorstand hat mich deshalb angeregt, aus den besten oder provokantesten davon eine Ausstellung zu machen für die Eröffnung der neuen Geschäftsstelle und Galerie. Ich habe für die Show eine Auswahl von 100 zusammengestellt, im Rahmen 35 auf 50. Remy Fabrikant hat freundlicherweise mit seiner Agentur die #Imperatives abgesetzt. Ich selber habe am letzten Sonntag über acht Stunden lang 200 Nägel zum Aufhängen eingeschlagen.
Wie lange wird die Ausstellung zugänglich sein?
Geplant ist bis Ende Jahr. Die neue Geschäftsstelle und Galerie sowie unsere neue Geschäftsführerin Gioia Bozzato reflektieren natürlich auch ein neues Programm des ADC. Wir möchten in Zukunft viel mehr die Vereinigung der führenden Kreativen der Kommunikationswirtschaft sein. Wir wollen uns auch öffnen gegenüber Domänen, die jetzt noch untervertreten sind: mehr Fotografen, Filmer, Designer, Onliner. Aber es können auch Architekten sein oder Product Designer. Das Zweite ist ein alter Traum von mir. Schon immer war ich der Meinung, diese bisherige Geschäftsstelle verborgen im Oberdorf ist eigentlich ein falsches Zeichen. Wir sind eine Vereinigung von Kreativen, also sollten wir uns auch an einem kreativen Ort präsentieren. Der Filmer Michael Steiner ist ein Freund von mir, seine Frau Minerva hat hier an der Zentralstrasse die Galerie Mondejar geführt. Irgend einmal habe ich platziert: So ein Raum wäre auch was für uns. Nun hat sich die Gelegenheit geboten, weil die Familie Steiner mit ihren kleinen Kindern in nächster Zeit vermehrt unterwegs sein will. Wir haben die Chance im Vorstand diskutiert und alle die Idee begrüsst.
Was will der ADC mit diesem Raum?
Es soll ein Begegnungsort sein, ein Ort der Inspiration und Auseinandersetzung. Geplant sind acht bis zehn Veranstaltungen, Ausstellungen. Darüber hinaus gibt es die Buchvernissage oder auch mal eine Lesung oder kleine Konzerte. Ausstellen werden wir sicher die Arbeiten der Nachwuchskreativen. Geplant ist auch, dass mal ein Architekt sein Projekt vorstellen kann oder Fotografen ihre Arbeiten.
Werden Ihre Bilder verkauft?
Ja, aber es geht nicht darum, dass ich einen Nebenerwerb notwendig hätte. Das Stück kostet 200 Franken. Es gibt die #Imperatives in einer 5er-Auflage. Die Hälfte, also 100 Franken, geht direkt an den ADC für die Umbau-Investitionen beim neuen Geschäftssitz. Man kann die Sujets auch en bloc kaufen. Für nur 20 000 Franken hat man dann eine gesammelte Weisheit von 100 #Creative #Imperatives …
Interview: Andreas Panzeri