JEP Schweiz lanciert zwei Radiosender

Der Verein für Medienproduktionen JEP Schweiz startet mit zwei Radiosendern ins neue Jahr. Ab dem 1. Februar 2014 senden das Urbanradio und Radio Y ihr Programm ins Internet.

Nachdem Radio Looping im September 2013 aufgrund Personal-Mangel geschlossen wurde, steigt JEP Schweiz nun wieder ins Radiogeschäft ein, wie eine Mitteilung vom Mittwoch bekannt gibt. Urbanradio fokussiert sich auf alternative Musik und unterstützt neue Künstler aus der Schweiz. Radio Y will hingegen die breite Masse ansprechen und lässt Hits von den 80er bis zu den aktuellen Charts laufen. Beide Radiosender senden ihr Programm ins Internet und sprechen junge Erwachsene zwischen 15 bis 30 Jahren an.

Am 1. Februar 2014 nehmen beide Radiosender ihren Betrieb auf. In Folge dessen sendet Radio Y ein 30-stündiges Liveprogramm aus ihrem Radiostudio in Köniz (BE). «Mit den zwei Radiosendern wollen wir den Schweizer Internetradiomarkt bereichern und uns als beliebter Sender bei den jungen Erwachsenen positionieren», sagt JEP Schweiz CEO Christoph Marti.
 

Virgin «ertanzt» sich die Aufmerksamkeit der Passagiere

Wir alle kennen diesen Moment: Man steht sich beim Check-in die Beine in den Bauch, kämpft sich durch die Sicherheitskontrolle, zwängt sich durch den engen Korridor zum Sitzplatz, muss wiederholt aufstehen, um den Nachbar am Fensterplatz passieren zu lassen, und weiss nicht, wohin mit dem Handgepäck. Im schlechtesten Fall leidet man erst noch unter Flugangst. Da hilft nur eins: möglichst rasch in die Luft.

Leider nein: Da kommt ja zuerst noch das von der Cabin Crew einstudierte Ritual mit dem Sicherheitsvideo. Hand aufs Herz: Wer hört da schon zu? Niemand. Aus welchen Grund? Langweilig! Auf dem Bildschirm erscheint meist eine hübsche Flight Attendant, die uns mit gutem Willen erklärt, wo sich der Notausgang und die Schwimmwesten befinden, während die eine Hälfte der Passagiere im besten Fall belustigt zuschaut und die andere Hälfte gelangweilt in die Leere starrt. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die im Sicherheitsvideo demonstrierten Anweisungen in der Not tatsächlich umgesetzt werden müssten.

Wie zieht man also in diesem Moment die Aufmerksamkeit der Passagiere auf sich? Virgin America, die Billigfluglinie des Milliardärs Richard Branson, macht’s vor: ein Sicherheitsvideo in Form eines fünfminütigen Musik-Videos. Tanzendes Flugpersonal, singender Pilot und rappende Flugpassagiere. Das Video ist auf allen Virgin-America-Flügen zu sehen und erinnert an einen Mix zwischen Broadway Musical und MTV-Clip. Kein Wunder – das Video stammt von Jon Chu, Hollywood-Regisseur der Tanzfilmreihe «Step up». Auf You Tube ist das Video bereits ein Hit: Über acht Millionen Mal wurde es angeschaut. Zudem wurde das Video 430 000 Mal auf Facebook geteilt und 17 000 Mal getwittert.

Auch andere Fluggesellschaften wie etwa Air New Zealand versuchten bereits, mit einem innovativen Sicherheitsvideo die Aufmerksamkeit der Fluggäste zu wecken: Die Passagiere werden ins Reich des Herrn der Ringe entführt. Hexen, Zauberer und Hobbits erklären, wie man sich die Schwimmweste, den Gurt und die Sauerstoffmaske anlegt.

Die deutsche Fluggesellschaft Condor setzt dafür eher auf prominente Unterstützung: Doubles von Paris Hilton, Michael Schumacher, Elvis Presley und selbst der Queen befinden sich an Bord der Airline und zeigen, wie man sich im Flugzeug richtig verhält. Den Schlusspunkt setzt Neil Armstrong mit seinem weltberühmten Zitat: «Ein kleiner Schritt für Sie, aber ein groser Schritt für Ihre Flugsicherheit».

Doch auch lustige Videos haben ein Ablaufdatum: Nach dem zehnten Flug mit derselben Airline wird auch das kreativste und lustigste Tanzvideo ignoriert, dann wird es Zeit für einen neuen Dreh. Das aktuelle Video von Virgin America ist auf jeden Fall ein Ohrwurm und durchaus sehenswert. Deshalb darf man sich auf den neuen Dreh der Marke Virgin bereits jetzt schon freuen.

Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. www.fh-hwz.ch/smm

 

Genfer Justiz pfeift Medien zurück

Die Genfer Justiz hat den Medien im Fall Adeline Einschränkungen auferlegt. Sie ergriff eine superprovisorische Verfügung bezüglich der Publikation von Details über den Tod der jungen Sozialtherapeutin.

Die 34-jährige Frau war Mitte September während eines begleiteten Freigangs mit einem vorbestraften Vergewaltiger getötet worden. Der mutmassliche Täter flüchtete darauf nach Polen, wo er festgenommen wurde. Vergangene Woche wurde der 39-jährige Mann an die Schweiz ausgeliefert. Seither wird er von der Genfer Justiz einvernommen.

Die Familie des Opfers zeigt sich schockiert über die Veröffentlichung von Details zum Tod der jungen Frau. «Diese sehr schmerzhaften Details sind Teil der Privatsphäre des Opfer und folglich auch der Angehörigen», sagte am Donnerstag die Anwältin der Familie, Vesna Stanimirovic, der Nachrichtenagentur SDA.

Bereits in Kraft ist eine superprovisorische Verfügung gegen Ringier, welche die Veröffentlichung von Informationen des mutmasslichen Täters bezüglich des Hergangs des Tötungsdeliktes verbietet, wie Henri Della Casa, Mediensprecher der Justiz, auf Anfrage der SDA sagte. Am Sonntag hatte der Sonntagsblick einen Brief veröffentlicht, wonach der mutmassliche Täter Geld für Informationen zur Tat forderte. Die Zeitung hatte zuvor einen Brief nach Polen geschickt und nach Haftbedingungen und Reuegefühlen gefragt.

Die Anwälte der Opferfamilie richteten auch ein Schreiben an die Mediengruppe Tamedia und forderten diese zur gleichen Zurückhaltung auf. Weiter sollen keine Photos und persönlich Angaben zum Opfer und den Angehörigen publiziert werden. Es gehe darum, die Persönlichkeitsrechte zu wahren, betonte Vesna Stanimirovic. Am Mittwochnachmittag hatte die Internetseite der Zeitung Le Temps in einem Artikel Details zum Tod der jungen Frau veröffentlicht. Die Informationen wurden von der Gratiszeitung 20 Minutes übernommen.

Es gehe nicht darum, den Medien zu verbieten, über die Affäre zu berichten, sondern eine Zurückhaltung bezüglich schmerzhafter und intimen Elemente einzuhalten, so die Anwältin. Sie betont, dass ein grosser Teil der Medien eine Interessenabwägung vorgenommen habe, was die Familie des Opfers anerkenne. (SDA)

(Teaserbild: Keystone)
 

McDonald‘s wünscht guete Zmorge

McDonald‘s baut sein Frühstücksangebot aus. TBWA hat zu diesem Anlass eine Plakatkampagne entworfen.

Ab sieben Uhr gibt's in allen Zürcher Filialen von McDonald’s typischen Schweizer Zmorge mit Kafi, Gipfeli und Konfi aber auch Standards wie Egg McMuffin & Co. Sieben Uhr ist auch Dreh- und Angelpunkt der aktuellen Plakatkampagne. Zu sehen ist die Kampagne diesen Dezember in und um Zürich.

Verantwortlich bei McDonald‘s: Thomas Truttmann (Marketing & Communications Director Switzerland & Head Sports Europe), Thomas Frésard (Marketing Manager). Verantwortlich bei TBWA: Thomas Ammann, Marietta Albinus (Creative Direction), Natasa Maricic (Text), Sabine Grossmann (Junior Art Direction), Remo Christen (Senior Account Director), Marion Schlatter (Account Executive), E-Graphics (Produktion), S+K (Fotografie).

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Zur Sache: Von Wasserschlange zu Pferd

Wie jedes Jahr finden Sie in dieser Nummer das in der Branche jeweils mit Ungeduld erwartete Kreativranking. Beim Kreativranking der Werbewoche geht es um die kreative Leistung der Agenturen, die im Rahmen von nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet wurden.

Die Auswahl der Wettbewerbe und deren entsprechende Gewichtung erfolgte in Zusammenarbeit mit einer Delegation des Art Directors Club der Schweiz. Das Ranking basiert auf den Selbstangaben der beteiligten Agenturen, die aber von der Redaktion aufgrund der offiziellen Ranglisten der Kreativwettbewerbe kontrolliert wurden. Denen, die den Einzug in die Top Ten geschafft haben, gratuliere ich ganz herzlich.
 
Normalerweise haben wir Ihnen in dieser Nummer auch die sechs Nominierten für die Wahl zum «Werber des Jahres» vorgestellt. Auf Seite 38 können Sie lesen, warum die Nominierung der Kandidaten zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt.
 
2013 war ein interessantes Jahr, aber wir wollen in die Zukunft zu blicken. Und da gibt es einiges zu sehen. Le Temps wird einen neuen (oder alten?) Besitzer erhalten. Veit Dengler, der neue CEO, wird zeigen, was er mit seiner NZZ vor hat. Die Publicitas will ihr neues Geschäftsmodell zum Erfolg führen. Mobile-Werbung wird weiter zunehmen und vielleicht wird es sogar ein cleveres Monetarisierungsmodell geben. Watson, das neue Online-Portal von Hansi Voigt, das massgeblich von AZ-Verleger Peter Wanner finanziert wird, soll im ersten Quartal 2014 starten. Über 40 zum Teil sehr namhafte Journalisten werden dann bei Watson zu finden sein. Peter Wanner will im kommenden Jahr mit TV24 einen neuen Fernsehsender lancieren. Die Diskussion über Qualität in den Medien muss und wird weitergehen. Es wird hoffentlich nur Erfolge geben und keine Flops.
 
Wir aber machen jetzt zuerst einmal eine kurze Weihnachtspause. Die nächste gedruckte Werbewoche erscheint am 17. Januar 2014. Bis zum 23. Dezember und ab dem 6. Januar finden Sie auf Werbewoche.ch laufend News aus der Kommunikations- und Medienbranche. Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, möchten wir für Ihre Treue danken. Wir wünschen Ihnen eine schöne und geruhsame Zeit über die Weihnachtstage und hoffen zusammen mit Ihnen auf ein erfolgreiches und spannendes Jahr 2014.
 
Pierre C. Meier, Chefredaktor [email protected]

Neue Mediensprecherin bei Groupe E

Iris Mende verstärkt als Mediensprecherin den Bereich Kommunikation und Public Affairs der Groupe E. Sie verantwortet die Koordination der Öffentlichkeitsarbeit und den Kontakt zu den Medien, namentlich den deutschsprachigen Publikationen.

Iris Mende ist deutsche Staatsangehörige und promovierte in Philologie an der Universität Göttingen. Nach Tätigkeiten in der universitären Lehre und Forschung begann sie 2008 als Mitarbeiterin der Direktion Energie ihre Laufbahn bei Groupe E. Iris Mende besitzt ausgezeichnete Kenntnisse des Energiesektors und spricht neben ihrer Muttersprache Deutsch fliessend Französisch und Englisch, heisst es in einer Mitteilung des Unternehmens vom Donnerstag. Sie tritt die Nachfolge von Christophe Kaempf an, der bis im September 2013 als Mediensprecher amtete. Die Medienstelle der Groupe E besteht somit neu aus Iris Mende, Mediensprecherin, und Nathalie Salamin, Leiterin Kommunikation & Public Affairs.

 

Akribisch visualisierte Albträume

Advico hat eine Plakatkampagne für den Psyko-Store in Winterthur entworfen.

Im Psyko-Store findet der Horror- und Splatterfreund von Welt alles, was sein dunkles Herz begehrt: Unzählige Filme, Bücher, Figuren und Comics von ausgesuchter Scheusslichkeit liegen zum blutigen Plaisir der Kundschaft bereit.

Advico realisierte für den Store eine Plakatkampagne. Der agenturinterne Illustrator Jeremy Küng hat dazu drei seiner Albträume mit Bleistift bis ins kleinste Detail aufs vergilbte Papier gebracht. Die Sujets sind seit Dezember auf Plakaten im Raum Winterthur zu sehen.

Verantwortlich bei Psyko-Store: Heiko Muuss. Verantwortlich bei Advico: Martin Stulz, Dominik Oberwiler (CD), Jeremy Küng, Lukas Wietlisbach (AD), Martin Stulz (Text), Jeremy Küng (Illustration), Pascal Trütsch (Beratung).

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Neuer Migros-Mediensprecher für die Westschweiz

Tristan Cerf wechselt vom Journalismus in die Unternehmenskommunikation des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB). Er übernimmt ab 1. April 2014 die neu geschaffene Stelle des Mediensprechers für die Romandie.

Nach seinem Studium in Genf am Institut de Hautes Etudes Internationales begann Tristan Cerf seine journalistische Karriere als Kulturredaktor bei Le Temps. Später wechselte der 40-jährige Neuenburger für zwei Jahre als Stellvertretender Chefredaktor zur französischen Ausgabe des Migros-Magazins und wurde dann Chefredaktor der Gratiszeitung Matin Bleu. Nachdem unter seiner Leitung die Gratiszeitungen in der Romandie fusioniert wurden, stand Tristan Cerf der Redaktion von 20minutens vor. Danach verantwortete er das Webportal der Tribune de Genève. Seit einem Jahr leitet er beim Regionalfernsehen La Tele – Vaud Fribourg das Ressort «Information und Magazine».

 

Dusseliges Dumm-Deutsch

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über Wörter, Unwörter und Dummwörter.

Derzeit sind im deutschen Sprachraum wieder alle auf der Suche nach dem Unwort des Jahres. In Deutschland darf jedermann noch bis zum letzten Dezembertag Vorschläge einreichen, welchem Wörtchen der zweifelhafte Ruf «Unwort des Jahres 2013» gebührt. Als Schweizer Unwort-Star des Jahres wurde bereits das Adjektiv «systemrelevant» gekürt.

«Sprachliche Ausdrücke werden dadurch zu Unwörtern, dass sie von Sprechern entweder gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen verwendet werden, und dies im öffentlichen Kontext», definiert die deutsche Unwort-des-Jahres-Jury. Einige der berühmtesten Unwort-Exemplare sind Peanuts (1994), Kollateralschaden (1999) und Ich-AG (2002).  Mein persönlicher Favorit ist «Döner-Morde», das deutsche Unwort von 2011.

Gequirlte Sprache

Eigentlich ist bereits das Wort «Unwort» ein Unwort. Denn streng genommen ist ein Unwort ein Wort, das es nicht gibt, ein Nicht-Wort – das nämlich sagt das Präfix un-. Ehrlicher und klüger wäre es deshalb, von Dummwörtern zu sprechen, denn um solche handelt es sich in realiter. Dummwörter gibt es wahrlich viele. Und sie werden gerne, oft und seeeeeeeeeehr gedankenlos gebraucht. Wer welche sucht, wird nicht nur im politischen Einheits-Palaver fündig, sondern meist auch unter neu gebildeten, trendig-flippigen Anglizismen oder vielmehr unter den Wörtern, die gerne ebensolche Anglizismen wären. Und doch nur gequirlter Deutsch-Englisch-Blech-Sprech sind. Dass man im schweizerischen Sprachgebrauch manches «easy» nimmt und ganz «relaxt» in einen «Car» steigt, ist gut, richtig und völlig normal. Sprache lebt, und Fremdsprache belebt. Aber dreht sich Ihnen nicht auch der Magen um, wenn Sie an einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt lesen: «Geniessen Sie unsere alkoholfreien Finest Getränke warm und kalt»? Wozu so ein Quatsch? Naja, wenigstens haben sie nicht geschrieben «geniessen Sie unsere finesten Getränke …». So viel Durst kann ich gar nicht haben!

Sprach-Abriss

Und in Zürichs Villenquartier entstehen nun Traumwohnungen mit «Dressing Rooms» (toll, so eine eigene Salatbar!) und «Built-in Schränken». Da muss man sich schon fragen, ob nur die Macher der Werbebroschüre oder auch die Architekten einen an der Pfanne haben. Ist ein klassischer Einbauschrank zu wenig sexy für eine Hütte, deren magerste Ausführung 1,5 Millionen Franken kostet (für 2,5 Zimmer!)? Und klingt «Ankleidezimmer» nicht sogar mondäner als «Dressing Room»? In meinen Ohren schon. Nun ja, wer nicht genau verstanden hat, um welche Räumlichkeiten genau es sich handelt, kann sich im «Showroom» auf der Baustelle sein eigenes Bild von der «polygonalen Formgebung» der beiden «Wohnkörper» machen. Neu trifft alt, Wohnkörper trifft Lehrkörper und dann gibt es in Ausdruck und Grammatik eine glatte Eins.

In diesem völlig verwurmten (Sprach-)Bauwerk fehlen nun eigentlich nur noch der «Icecubemaker- Cold Schrank», eine «Sitz Edge» und mindestens zwei «Wet Räume», früher hätte man von Nasszellen gesprochen, heute eher von Badezimmer oder – wenn schon nobel, dann richtig – von Wellness- Oase. Aber da sich sowieso nur noch Russen ein Häuschen am Züriberg leisten können, ist es wahrscheinlich völlig übertrieben, das Augenmerk auf sprachliche Feinheiten zu richten. Nicht unwahrscheinlich, dass das Esszimmer in ein paar Jahren «Za zdorov›e Raum» (zu deutsch etwa: Prost-Kammer) heisst. Und niemand das seltsam findet. Bis auf die Unwort-des-Jahres-Jury und ein paar sprachverliebte, heillos staubige Journis: «Ey, bist Du dusty [dösti], ey!» 

Bloss nicht die Konsumenten fragen

Zweiwegkommunikation wird im Marketing grossgeschrieben. Wie denken die Kunden? Fragen wir sie doch. Das ist nicht immer von Vorteil. Beim Brand sollte man sich keinesfalls auf die Konsumenten verlassen, findet Nir Wegrzyn, CEO der Agentur Brand Opus.

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Auf den ersten Blick scheinen alle neuen Ideen verrückt. Das wusste schon der britische Philosoph Alfred North Whitehead (1861–1947) – und noch einige vor und nach ihm. Es liegt deshalb in der Natur der Sache, dass Skeptiker schnell auf dem Teppich sind, sobald neue Produkte oder Dienstleistungen das Licht der Welt erblicken. Als das Fernsehen erfunden wurde, prophezeiten nicht wenige, die Zuschauer würden des Mediums bald überdrüssig. Dasselbe beim «Walkman». Viele konnten sich schlicht keinen Grund vorstellen, weshalb jemand mit dem portablen Gerät herumspazieren sollte. 

Trotzdem vertrauen Unternehmen gerne auf ihre Kunden, wenn sie ein neues Produkt gestalten, einen Brand aufbauen oder ein Redesign umsetzen. In Umfragen oder Fokusgruppen fragen sie Konsumenten, ob sie das neue Produkt XY kauften. Sie wollen wissen, was sie von ihrer Marke halten. Sie präsentieren ihnen dasselbe Produkt in zwei verschiedenen Verpackungen und fragen, welches sie eher wählten. Unternehmen tun dies in der Annahme, durch die Befragung das Risiko von Fehlentscheidungen zu senken. Gib dem Kunden, was er will.

Sie liessen es besser bleiben, ist Nir Wegrzyn, CEO der Agentur Brand Opus (UK), überzeugt. In die Entscheidungen der Konsumenten spielten weitaus mehr Faktoren hinein, als sie sich dessen bewusst sind. Etwa der aktuelle Kontext und der kulturelle Hintergrund. 

«Wenn wir gefragt werden, ob wir ein Produkt kaufen würden, glauben wir vielleicht zu wissen, wie wir entscheiden werden. Das ist jedoch ein Trugschluss », erklärt der Branding-Spezialist, dessen Agentur sich auf kognitive Neurowissenschaften stützt. Die psychologischen Prozesse liefen weder kognitiv noch rational ab. Der Entscheidungsprozess sei anfällig für Verzerrungen (Biases) – ohne dass sich die Konsumenten dessen bewusst sind. «Zwischen dem, was Menschen denken, dass sie tun werden, und dem, was sie dann tatsächlich tun, klafft ein tiefer Graben.» Für unsinnig hält es Wegrzyn deshalb, sich bei der Entwicklung seines Brands auf die Kunden zu verlassen. «Sie wissen es selbst nicht.» 

Was also ist die Alternative? 

Nicht explizit fragen, sondern indirekt messen. Methodisch greift die in London und Melbourne ansässige Agentur auf semiotische Analysen oder etwa den Impliziten Assoziationstest zurück. Letzterer ist eine bewährte Messmethode aus der Psychologie, um implizite Einstellungen beziehungsweise unbewusst ablaufende Prozesse sichtbar zu machen. 

Personen werden Wörter oder Bilder präsentiert und ihre Reaktion darauf gemessen. Zum Beispiel müssen sie Adjektive verschiedenen Bildern zuordnen. Anhand der Unterschiede in den Reaktionszeiten wird auf die Stärke der Assoziationen zwischen den Konstrukten geschlossen. Kurze Reaktionszeiten stehen für starke Verbindungen, lange Reaktionszeit für schwache Links. Auf diese Weise kann etwa herausgefunden werden, welche Eigenschaften und Werte Konsumenten einer Marke zuschreiben. (Testen Sie Ihre Assoziationen zu diversen Themen: Implicit.harvard.edu.) 

Als Brand Opus dem Pommes-frites-Hersteller McCain zu einer neuen Identität verhalf, wurde der bestehende Auftritt dem neuen gegenübergestellt. Das «alte» Design weckte bei den Käufern Assoziationen, die mit moderner Fertigung von Produkten einhergehen. Das neue dagegen mit dem Sonnenschein, stellte bei den Kunden die Verbindung zur Natur her (siehe Abb.). Die Identität des Brands veränderte sich in den Köpfen der Konsumenten. Aus einem «künstlichen», «kalten» Brand wurde ein «natürlicher», «warmer» Brand. «Leider verwenden viele Unternehmen Brands in erster Linie dazu, Produkte unter einem Label zu organisieren », kritisiert Wegrzyn. Im Fokus müsste vielmehr die Effektivität stehen. Beeinflusst der Brand die Kaufentscheidung der Konsumenten wie intendiert? 

Branding und Kommunikation: Zwei paar Schuhe 

Um die Wirkungsweise von Branding zu erklären, holt Wegrzyn aus. Die Geschichte beginne im 14. Jahrhundert mit der Kennzeichnung von Rindern durch ein Brandeisen. Durch das Brandzeichen konnten die Tiere dem Besitzer zugeordnet werden. Der «Brand» stellte damit die Verbindung zwischen dem einzelnen Tier und seiner Zugehörigkeit her. Gleichermassen funktionierten Brands heute: Sie setzen ein einfaches Produkt mit etwas Grösserem, mit einer Idee in Verbindung. «Der Brand ist wie eine Brille. Sobald man sie aufsetzt, erhalten Dinge eine andere Bedeutung, einen Wert.» 

Die Stärke des Brands liege dabei darin, so Wegrzyn, dass sofort Assoziationen geweckt werden – ohne zusätzliche Erklärungen, ohne Kommunikation. Der Brand müsse deshalb als eigener Kanal, unabhängig von der Kommunikation betrachtet werden. 

«Ein Brand ist wie eine Person. Sie kann auf verschiedene Arten kommunizieren, in verschiedenen Rollen auftreten. Einmal bei einem Geschäftstermin sehr nüchtern, ein andermal an einer Party vollkommen ausgelassen. Die Art zu kommunizieren wandelt sich. Die Person dahinter bleibt jedoch dieselbe.» Gleichermassen sei es beim Brand. «Der Brand ist die Identität einer Person, ihr Charakter.» Die Kommunikation verändert sich, gerade auch durch neue Medien. Die Identität des Brands bleibt gleich. Strategen seien gefordert, losgelöst von der Kommunikation einen starken Brand-Charakter aufzubauen. Grundlage dafür ist das Wissen um die eigene Identität. Wer bin ich? Welche Rolle spiele ich in der Welt? «Weshalb habe ich das Recht, ein Produkt zu verkaufen? Weil ich ein zertifizierter Hersteller bin? Nein. Weil meine Produkte interessant sind? Das kann es nicht sein. Produkte verändern sich, laufend kommen neue auf den Markt», so Wegrzyn. «Da muss etwas Weiteres dahinterstecken.» 

Ist die zentrale Idee einmal gefunden, besteht der nächste Schritt darin, diese in den Köpfen der Menschen zu verankern – durch eine klare Struktur und konsistente Präsentation des Brands. Haben die Konsumenten eine klare Repräsentation im Kopf, ebnet dies der Lancierung neuer Produkte den Weg. «Als Apple das iPhone vorstellte, akzeptierten die Leute sofort, dass der Konzern nun auch eine Art Telefon herstellt. Neue Produkte werden stets durch die Brille des Brands betrachtet.» 

Ist der Kern noch nicht gefunden oder entspricht der Markenauftritt nicht der zentralen Idee, sollten sich Marketer nicht scheuen, rigoros umzubauen. Dies tat Brand Opus beispielsweise für den Honigproduzenten Rowse (siehe Abb.). Bei der neuen Identität beziehungsweise dem neuen Packaging erinnert nicht mehr viel an die alte Verpackung. «Marketingverantwortliche und Konsumenten, die man fragte, hielten die Veränderungen für viel zu radikal.» Brand Opus ignorierte dies und nutzte stattdessen implizite Methoden, um vorherzusagen, wie die Veränderung des Brands die Kaufentscheidungen beeinflusst. Mit Erfolg. Seit der Honig in Form einer Wabe und verziert mit einer Biene in den Regalen steht, verkauft sich das Produkt um 5% besser. 

Wegrzyn ist sicher: Man kann viel mehr ändern, als Leute kognitiv bereit sind zu akzeptieren. Richtet man sich bei einem Redesign nach den Aussagen von Kunden oder Marketingverantwortlichen, macht man nur kleine Schritte. Sie reagieren zumeist sehr konservativ. Tatsächlich gewöhnen sich Konsumenten sehr schnell daran. «Die Assoziationen verändern sich sofort.» Verkauft sich ein Produkt nach einem Redesign plötzlich besser, gibt es häufig keine rationale Erklärung dafür. Fragt man die Kunden nach dem Grund, können sie oftmals keinen benennen. Erst die implizite Analyse zeigt: Die Wahrnehmung des Brands, seine Bedeutung hat sich für die Konsumenten gewandelt. «Branding funktioniert nicht auf kognitiver Ebene », betont Wegrzyn. Muss ein Brand zuerst erklärt werden, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass er nicht funktioniert. 

Fragen hilft dabei nicht weiter. Das hat aber auch seine guten Seiten. Wer nicht die Kunden um Rat bittet, läuft weniger Gefahr, in den Mainstream gespült zu werden. Formten alle ihre Brands nach Kundenwunsch, entstünde ein Einheitsbrei. Sie sähen alle ähnlich aus, so, wie es den meisten Leuten eben gefällt. Oder besser gesagt: so, wie die Konsumenten sagen, dass es ihnen gefalle. Brands würden dadurch austauschbar – und wirkungslos. Deshalb: Bloss nicht die Konsumenten fragen. 

Isabel Imper

Das Gespräch mit Nir Wegrzyn fand am 5. Dezember im Rahmen des Eurobest in Lissabon statt

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Zu guter Letzt: Imagepflege für den Obststand

Eine deutsche Agentur parodiert ihr eigenes Metier: Sie hat einen Imagefilm über den Münchner Obsthändler Didi gedreht, der vor inhaltsleeren Floskeln nur so strotzt. Auf Youtube und Vimeo ist der Film dennoch ein Renner.

Die Inhalte sind des Films langweilig und beliebig, wie man es sich von Imagefilmen gewohnt ist. Trotzdem kommen diese Plattitüten für einmal erstaunlich gut an. Der Film hat bereits über 200 000 Klicks erreicht.

Die Kommentare lassen vermuten, dass das an Obsthändler Didi liegt.  Auch Schels von Al Dente Entertainment (die Agentur hat den Film produziert) sagt, er habe mit dem Imagefilm beweisen wollen, dass die Inhalte der meisten Unternehmensfilme komplett austauschbar seien und allein die Glaubwürdigkeit der Menschen zähle. Und dieses Unternehmen hat sozusagen einen charmanten CEO mit Profil, der mit echter Arbeit ehrliches Geld verdient.

Oder andersherum, wie ein ehemaliger Student der nahegelegenen Uni auf Youtube schreibt: «Wenn man den Typen nicht mag, nützt auch ein Imagefilm nichts! Mich hat er in meiner Studentenzeit ziemlich genervt.» (sis)

//www.youtube.com/watch?v=DXIsTTH2wzg

Newmedia: MS für Kinder erklärt

Die neue Website der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft beantwortet auf kindergerechte Art und Weise alle Fragen rund um die Krankheit. Newmedia hat die Website umgesetzt.

Erkrankt jemand an Multiple Sklerose ist das für Kinder oft völlig unverständlich. Was hat die Krankheit für Auswirkungen? Wer kann helfen? Diese und viele andere Fragen beantwortet die Website Ms-kids.ch, welche die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft kürzlich im Internet veröffentlich hat. Zusammen mit Newmedia habe man es geschafft, die komplexen Informationen kindergerecht aufzubereiten, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Fröhliche Schildkröte mit MS

Auf der Website kommen verschiedene Comicfiguren zum Einsatz. Zauberlehrling Maurelius Stern führt die Kinder auf der Seite herum, Eule Blu vermittelt den Kindern Wissenswertes, Katze Flo fodert zum Spielen oder Raten auf und Schildkröte Mü nimmt die Rolle des Betroffenen ein.

Das Design der Website wurde von Newmedia in Zusammenarbeit mit der Multiple Sklerose Gesellschaft entwickelt, die technische Umsetzung von Newmedia realisiert. Zum Einsatz kam das Content-Management-System Drupal, das sich besonders für Websites mit Community-Charakter eigne, wie die Agentur schreibt.

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