Verlage holen immer mehr Geld bei den Abonnenten
Per 2014 muteten einige Titel ihren Abonnenten und Kioskkäufern happige Preisaufschläge zu: Eine Zeitung verlangt 77 Franken mehr für ein Jahresabo, eine andere wurde am Kiosk um einen Franken teurer und ein dritter Titel verteuert sein E-Paper um 74 Franken. Das zeigt: Wegen sinkender Inserateeinnahmen werden die Zeitungsleser immer stärker zur Kasse gebeten.
Im Geschäftsbericht 2012 der NZZ-Mediengruppe war der folgende, bemerkenswerte Satz zu lesen: «Trotz anhaltender leicht rückläufiger Printauflagen ergeben sich aus dem Lesermarkt (Abo- und Einzelverkäufe) aufgrund von Preiserhöhungen und steigenden Einnahmen aus digitalen Abos weiterhin stabile Umsätze.» Tatsächlich hatten die NZZ und die NZZ am Sonntag auf das Jahr 2012 hin ihre Abotarife um 9 Prozent und 12 Prozent und die Einzelverkaufstarife um 8 und 5 Prozent erhöht. Kein Wunder, schenkte dies selbst bei rückläufigen Abo- Verkäufen noch ein. Nebenbei: Im selben Jahr gingen die NZZ-Erträge aus dem Inserateverkauf um 11 Prozent zurück.
Auch Tamedia wies im Bericht zum ersten Semester 2013 darauf hin, dass bei den Regionalzeitungen die Vertriebserlöse stabil geblieben waren, während die Werbeerträge zurückgingen. Das erstaunt insofern nicht, als Tamedia per 2013 bei fast allen Zeitungen sowohl den Abo- als auch den Kiosktarif hinaufgesetzt hatte. Was die zwei Grossverlage offen zugeben, ist in der Branche ein Trend: Weil die Werbeumsätze wegbrechen, holen sich die Verleger mehr Geld bei den Abonnenten. Das ist auch 2014 so: Von den über 100 hier aufgelisteten Titeln und Titelkombinationen nahmen drei Fünftel Preiserhöhungen beim Printabo vor, doch bloss 20 von diesen 60 hatten auch bei den Inseratetarifen per 2014 aufgeschlagen (siehe WW 21/13). Am deutlichsten sichtbar ist diese Diskrepanz bei der Südostschweiz: Sie erhöhte ihren Abopreis je nach Ausgabe um 7 bzw. 24 Prozent, doch ihren Anzeigenpreis reduzierte sie. Ähnlich Le Temps: Die Zeitung senkte den Preis für die Werbekunden um 3 Prozent, schlug aber beim Printabo um 4,8 Prozent auf.
Rekordverdächtige Aboaufschläge
Abgesehen von der Südostschweiz nahmen folgende Titel die prozentual höchsten Aboaufschläge per 2014 vor: Schweiz am Sonntag, Ausgabe Südostschweiz (+18,7%), La Quotidiana (+15,3%), Basler Zeitung (+10,5%), Tages-Anzeiger (+9,5%) und Rheintalische Volkszeitung, die neu mit dem St. Galler Tagblatt kooperiert (+9%). Die happigste Tariferhöhung in Franken ist ebenfalls bei der Südostschweiz, Ausgabe Glarus, Gaster See, auszumachen: Ihre Abonnenten müssen seit Neujahr satte 77 Franken mehr für ein Jahresabo bezahlen. Ob sie das goutieren, bleibt abzuwarten. An zweiter Stelle folgen der Tages-Anzeiger mit plus 42 Franken und die Basler Zeitung mit plus 41 Franken. Den geringsten Aufschlag nimmt die Zentralschweiz am Sonntag vor, sie wird – aber erst ab 1. April – 2 Franken mehr verlangen.Das teuerste Jahresabo (sechs Tage pro Woche) hat weiterhin die Westschweizer Tageszeitung Agéfi (700 Fr.), gefolgt von der NZZ (neu 649 Fr.) und Le Temps (neu 528 Fr.).
Interessant ist die Preisveränderung beim 7-Tagesabo des Bund: Dessen Abonnenten mussten ab 2013 für ein Abo der SonntagsZeitung (SoZ) bloss zusätzliche 20 Franken bezahlen. Mit diesem Lockvogelpeis ist jetzt aber Schluss: Tamedia erhöhte das Kombi-Abo per 2014 sogar stärker als das Bund- Abo, so dass sich der Zusatzobolus für das Kombi- Abo mit neu 35 Franken nahezu verdoppelte. Anders bei der Basler Zeitung: Dort wurde das Kombi- Abo mit der SoZ zwar ebenfalls erhöht, die Differenz zum Normalabo aber leicht reduziert.
Am Kiosk bis einen Franken teurer
Bei den Kiosktarifen waren die Verlage diesmal zurückhaltender als bei den Abopreisen: Nur 26 der hier aufgeführten Titel nahmen Erhöhungen vor: In der Regel handelt es sich um Aufschläge von 10 bis 20 Rappen. Doch es gibt auch grössere Sprünge: Das Bieler Tagblatt verlangt neuerdings gleich einen Franken mehr als früher für ein Einzelxemplar (+40%). Die Wochenzeitung La Broye schlägt um 25 Prozent auf (+ 50 Rappen). Ebenfalls 50 Rappen mehr verlangen das Journal du Jura (+20%) und die NZZ am Sonntag (+11%). Letztere hatte den Aufschlag allerdings schon anlässlich ihres Relaunches im September realisiert. Um 30 Rappen schlugen schliesslich die Titel der Südostschweiz auf, ebenso deren Schweiz-am-Sonntag- Ausgabe.
Die höchsten Kioskpreise sind weiterhin bei der WoZ (6 Fr.), bei der Finanz & Wirtschaft (neu 5.80) und bei der NZZ am Sonntag und der TagesWoche (je 5 Fr.) zu bezahlen. Weitere Spitzenpreise finden sich bei der Handelszeitung (4.80 Franken) sowie bei den Samstagsausgaben der NZZ (4.70) und des Bund (neu 4.60). In der Westschweiz kosten aktuell Agéfi, der Matin Dimanche und neu Terre et Nature am meisten, nämlich 4.50 Franken.
E-Paper bis 50 Prozent günstiger
Mittlerweile wagen es die Verlage, auch bei den E-Paper-Abos (so genannte Replicas) mehr zu verlangen. Fast 40 Titel erhöhten hier ihre Tarife. Happige Aufschläge nahmen wiederum die Titel der Südostschweiz vor, die seit Neujahr bis zu 69 Franken (+30%) mehr kosten. Spitzenreiter ist aber der Werdenberger & Obertoggenburger, der sich neu dem St. Galler Tagblatt angeschlossen hat und nun für das E-Paper 74 Franken mehr verlangen muss (+33,3%). Spannend sind die Preisanpassungen bei La Liberté: Dort hatte man das Replica- Abo vor einem Jahr um fast 50 Prozent auf 199 Franken reduziert, nun wird es wieder um 13 Prozent auf 225 Franken angehoben. Das zeigt: Einige Titel suchen im Digitalbereich noch immer den «richtigen» Preis. So auch die Tessiner Zeitung: Sie senkt als einziger Titel das E-Paper-Abo um 13,7 Prozent auf 120 Franken, bisher verlangte sie gleich viel wie beim Printabo.
Von den aufgeführten Titeln verlangen übrigens nur noch acht denselben Preis für das Printwie für das E-Paper-Abo. Bei allen andern ist das Replica günstiger. Die Rabattbandbreite ist jedoch weiterhin sehr gross: Während etwa die Rheintalische Volkszeitung ihr E-Paper-Abo bloss um 9 Prozent günstiger anbietet, beträgt die Reduktion bei Blick, SonntagsBlick und bei der TagesWoche exakt 50 Prozent. Ein Grossteil der Titel hat sich für eine Preisreduktion zwischen 20 und 40 Prozent entschieden. Das zeigt erneut, wie unterschiedlich die Verlage auf der einen Seite die Kosten für Papier, Druck und Vertrieb, auf der anderen Seite die Investitionen in digitale Publikationsformen gewichten.
Weitgehend auf allen Geräten lesbar
Grosse Unterschiede bestehen auch punkto Paywall. 22 Titel machten dazu gar keine Angaben. Allgemein ist aber die klassische Form am stärksten verbreitet: Die Titel bieten also keine oder nahezu keine redaktionellen Inhalte auf dem Internet gratis an. Wer darauf zugreifen will, braucht in der Regel ein Print- oder E-Paper-Abo. Immerhin acht Titel geben aber an, im laufenden Jahr auf eine (andere) Form der Bezahlschranke umsteigen zu wollen. Die meisten Verlage haben über ihr E-Paper hinaus noch kaum weitere Digitalabo-Angebote. So sind etwa Non-Replicas, also Websites, deren redaktionelle Inhalte fortlaufend akualisiert werden, nur selten anzutreffen. Im Vergleich zum letzten Jahr haben aber viele Verlage in die Technik investiert: Ihre digitalen Inhalte sind nicht mehr nur am PC, sondern auch auf mobilen Geräten lesbar – egal, ob sie nun mit iOS- oder Android-Betriebssystem ausgestattet sind.
Markus Knöpfli
* gilt auch für Solothurner Zeitung und Grenchner Tagblatt
** gilt auch für alle NLZ-Kopfblätter
*** gilt auch für die SGT-Kopfblätter ausser Rheintaler, RV, W&O
**** Auf Tageswoche.ch sind alle Ausgaben gratis abrufbar, nicht aber die jeweils aktuelle.
Quelle: Werbewoche-Umfrage



















