Wie die Sonntagszeitung berichtet, haben am Donnerstag elf 105- Leute – das gesamte Moderationsteam und fast die ganze Belegschaft – bereits ihre Arbeitsverträge bei Roger Schawinski unterschrieben. Diese werden gültig, sobald die Konzessionsvergabe abgeschlossen ist. Unter den Unterzeichnern sind auch Programmchef Jan Müller und Musikchef Dani König. Man habe, so Müller, sich hinter Schawinski gestellt, da dieser am klarsten für die Marke 105 Position bezogen habe und ein «wahrer Radiomann» sei. Laut Sonntagszeitung steht das Studio in den Räumlichkeiten von Radio 1 in Zürich-Hottingen bereit, ein weiteres soll in einer Woche in Betrieb genommen werden.
Schawinski ist von der Idee der Synergie-Nutzung begeistert: Radio 105 soll von der «nachweislich besten News-Redaktion» profitieren können, während Radio 1 unter anderem in den Bereichen Promi-Events und Musik durch die Stärken des Jugendradios bereichert werden soll. Synergien können zudem bei den Mieten, in der Technik, im Verkauf und bei der Crosspromotion genutzt werden.
Joiz TV als unbekannter Dritter?
Ein weniger definitives Bild zeichnet Schweiz am Sonntag. Die Zeitung weiss, dass Schawinskis 784'000 Franken überboten wurden – von wem, ist unbekannt. Vermutet wird, dass es sich dabei nicht um Radio Energy, sondern um den Social-TV-Sender Joiz handelt. Joiz-CEO Alexander Mazzara wollte dazu keine Stellung nehmen. Allerdings wird von Energy mit «ziemlich hoher Sicherheit» ein höheres Gebot folgen, so Geschäftsführer Dani Büchi gegenüber der Zeitung. Energy würde Radio 105 nur über DAB und Kabel betreiben und die UKW-Konzession aus gesetzlichen Gründen verkaufen oder zurückgeben. So könnte man laut Büchi die strategisch wichtige, aber wirtschaftlich uninteressante Zielgruppe der ganz jungen Hörer besetzen.
Dass Radio Energy mit dem Verschwinden von Radio 105 aus dem UKW-Bereich vermutlich zur Nummer Eins in Zürich würde, bestreitet Büchi nicht. Schawinskis Vorwurf, man wolle sich mit diesem «Manöver» bewusst den einzigen direkten Konkurrenten loswerden (Interview Tagesanzeiger/Newsnet) widerspricht er aber wehement. Büchi, der als Promoter von DAB+ gilt, glaubt sogar, das nur digital verbreitete Radio 105 werde erfolgreicher, als Schawinskis UKW-Version, da ohne Konzession auch viele Auflagen verschwinden würden. (SoZ/SaS/hae)
Teaserbild (Roger Schawinski): Keystone