Aufgefallen: Das Geheimnis weiblicher Schlankheit ist gelüftet. Richtig vermutet!

AufgefallenDas Geheimnis weiblicher Schlankheit ist gelüftet. Richtig vermutet! Es hängt direkt mit den Essgewohnheiten linienbewusster Frauen zusammen. Allerdings gehören Hollywood-Diäten und Slim-Fast-Köstlichkeiten längst der Vergangenheit an

Aufgefallen Das Geheimnis weiblicher Schlankheit ist gelüftet. Richtig vermutet! Es hängt direkt mit den Essgewohnheiten linienbewusster Frauen zusammen. Allerdings gehören Hollywood-Diäten und Slim-Fast-Köstlichkeiten längst der Vergangenheit an, denn eine Frau von heute verdaut ganz andere Kaliber. Sie trinkt Parfüm – am liebsten Roma von Laura Biagiotti – und isst zwischendurch mal einen Goldring. Lecker. Unbedingt probieren. Spätestens nach dem ersten Schluck Roma ist man reif für die Betty-Ford-Klinik. Klar ist jetzt auch, warum Frauen sich in den Dutyfree-Abteilungen oder in Parfümerien schier unermüdlich mit Parfüms bespritzen. Sie haben Durst, zumal bei diesem Aromawirrwarr gar keine Dufterkennung mehr möglich ist. Ist jetzt auch klar, warum sich Frauen gerne mit möglichst viel Schmuck behängen? Genau: Sicher ist sicher. Chandra Kurt
PS: Die roten Lippen in der Alfa-Anzeige (WW 4/02) gehören dem russischen Topmodel Tatiana Rudenko und nicht der amtierenden Miss Schweiz, Jennifer Ann Gerber.
Kolumne

Euphorie Von Carmelo Buffoli
Typisches Merkmal umwälzender Veränderungen ist, dass wir deren wahres Ausmass erst später erkennen. Auch ich, so muss ich gestehen, bin diesen menschlichen Wahrnehmungsgrenzen unterworfen.
Fakt ist aber: Mein Leben wird immer schöner, bunter und einfacher! Zumindest arbeiten andere hart, um mich das glauben zu machen. Auch für die Lancierung der neuen Schweizer Fluggesellschaft wurde hart gearbeitet, und ich bringe diesem Einsatz durchaus gewisse Sympathie entgegen. «Reduziert, einfach und klar» ist das neue Erscheinungsbild unserer Airline. Und wie verlockend klingt erst, was sie verspricht: Grenzenlose Freiheit, wie sie selbst in Demokratien bisher undenkbar war. Mit neuem Namen, Outfit und Elan aus den Siebzigern will sie vom Trümmerhaufen zur viertgrössten Gesellschaft Europas aufsteigen! Einfach wunderbar! Selber schuld, wer diese Freiheit nicht nutzt!
Die Reaktionen fielen zahlreich und vielfach euphorisch aus. Obwohl, von Swiss haben wir bis heute vor allem Verpackung gesehen. Die Devise dafür lautet nicht mehr «Stillstand ist Rückschritt», sondern «Retrodesign ist Fortschritt» – dies könnte allenfalls stimmen, jedenfalls bis zum nächsten Trend!
Jetzt bin ich vor allem auf den Inhalt der neuen Airline gespannt – und auf das wahre Ausmass der Veränderungen.
PS: In der ganzen Euphorie ging noch etwas vergessen: Es steht schlecht um die Konjunktur – und das weltweit. Alle Fluggesellschaften leiden weltweit unter der schlechten Wirtschaftslage. Die Ökonomen sind sich einig, erst für das Jahr 2003 ist eine Verbesserung wahrscheinlich…!?
[email protected]

Carmelo Buffoli ist Inhaber von Buffoli und Partner GmbH, ASW.
Business Lunch

Ganz nahe an die Perfektion ran
Beat und Nathalie Caduff haben sich mit ihrer Wine Loft einen Traum erfüllt und sagen es allen auf www.ca duffs.ch: «Wir sind glücklich, für unsere Träume von Gastlichkeit und Lebensfreude ein Zuhause gefunden zu haben.» Da macht das Surfen aber Spass. Aber Obacht! Im «richtigen» Keller liegen ganz andere schwergewichtige Tropfen herum, deshalb lohnt sich der Gang ins Untergeschoss. Nach dem Motto «what you see is what you get» lässt sich trefflich die Zeit zwischen Bestellung und Service mit Fachsimpeleien vertreiben und der Wein fürs Mahl auswählen – macht vielleicht mächtig Eindruck, wenn man einen noch unentschiedenen Businesspartner von der eigenen (oder abgekupferten) Eloquenz in der Beschreibung von Aromen beeindrucken will. Ich halte wenig bis überhaupt nichts von diesem linguistischen Fruchtsalat: Duftet jetzt dieser Sauvignon blanc nach einem Heuhaufen von Alpengräsern oder nach einem aus der voralpinen Hügelzone?
Caduff versteht etwas von Kommunikation. Das beginnt mit der Speisekarte, die typografisch keine Wünsche offen lässt: Groteske Grundschrift, leserfreundlich. Den milchglasigen Plastik um das 70 Gramm schwere Papier könnte man sich aber sparen. Links stehen die Offenweine, beeindruckend in Zahl und Preis pro Deziliter (bis über 20 Franken). Rechts das kulinarische Angebot. Das passt meistens in die momentane Gefühlslage – denn irgend- etwas daraus hat man schon mal gegessen. Caduffs Küche ist bekömmlich, leicht und verarbeitet Produkte zumeist aus einheimischen Quellen. «Verwendet werden ausschliesslich frühmorgens marktfrisch und saisongerecht eingekaufte beste Grundprodukte», schreibt er auf seiner Homepage. Dann wüsste ich nur allzu gerne, wo sich in Zürich und Umgebung der erste Markt für kanadisches Bisonfleisch befindet. Bisonfleisch ist lecker, sehr sogar. Schon mal gegessen in Chicago, irgendwo südlich der Loop-Area. Obs wohl marktfrisch in die Schweiz gelangt oder tiefgekühlt zwischengelagert wurde?
Kommunikation in der Gastronomie ist ein schwieriges Fach. Verzapft man nicht die Wahrheit, kommen naseweise Gastrokritiker vorbei und finden ein Haar in der Suppe, das sie vom eigenen Haupt geschnitten haben. Am besten, man reduziert sein Mitteilungsbedürfnis auf die Teller, die man dem Servierpersonal aus der Küche mitgibt, damit es rasch beim Gast auf dem Tisch steht.
Dazwischen delektiere man sich am wunderbaren Brot. Auch ein Stück Kommunikation: Rück ein Stück vom Alltag weg, und wirf auch einen Blick aufs Alltägliche, aufs Brot, will der Meister sagen. Eine in der Konsistenz überzeugende Kalbsterrine, Lammracks (etwas zu fest gebraten) mit ganz nahe an die Perfektion gekochtem Safranrisotto sowie ein zartes und saftiges Perlhuhn auf aromatisch abgeschmecktem Sauerkraut kamen zu Tisch – und waren am Ende bezahlbar. Ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis.
Es sind aufmerksam gepflegte Details, die den Besuch zur schätzenswerten Erfahrung machen. Da stört auch nicht dieser unsägliche Geräuschpegel, der sich aus der Architektur des Raumes ergibt. Geeignet ist das Caduff als Business-Lunch-Lokal weniger, weil es konzentriertes Arbeiten (was man, je nach Renitenz der Geschäftspartner, auch mit Gabel, Messer und Glas leisten muss) fast unmöglich macht. Piepst ein Handy, gibts keine bösen Blicke, denn hier speisen zumeist Leute, die darauf angewiesen sind.
Aufmerksam war die Bedienung zwar schon (auch wenn sie beim Eintreten furchtbar vertieft war in die Kassenstation), aber sie ist wohl bei Szenelokalen abgeworben worden und zeigt auch mal Bauch. Den, freilich, muss ich zuletzt sehen – weil er mit Kommunikation nichts zu tun hat. Carlo Bernasconi
Caduff’s Wine LoftKanzleistrasse 126
CH-8004 Zürich
Tel. 01 240 22 55
Fax 01 240 22 56
E-Mail: [email protected]
Parkplätze sind Glückssache.

Ruedi Wyler

Jurypräsident Fachanzeigen

Jurypräsident FachanzeigenWas ist an der diesjährigen Gold-Kampagne so wegweisend?: So richtig wegweisend waren und sind die letzten Gold-Kampagnen nicht. Aber immerhin sind sie hervorragend. Die Mode-Kampagne für Big ist nahe daran, den Weg zu weisen, wie man es auch machen kann.
Wie beurteilen Sie das Niveau in Ihrer Kategorie?
Wyler: Das Niveau in meiner Kategorie war ansprechend bis sehr gut. So haben wir das Kontingent auch praktisch ausnutzen können. Einen neuen Trend habe ich allerdings nicht entdeckt.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Wyler: Es gab schon bessere Jahrgänge. Das dürfte aber nicht unbedingt an den Kreativen liegen.
Ihr Fazit nach 26 Jahren ADC: Hat sich das Niveau der eingesandten Arbeiten gesteigert, ist es gleich geblieben, oder hat es sich verschlechtert?
Wyler: Vor 26 Jahren hatte man andere Ansprüche als heute. So gesehen ist das Niveau sicher höher. Aber in England oder Holland oder anderswo haben wir mit wenigen Ausnahmen nichts zu berichten.
Sind Newcomer auszumachen, oder gewannen wieder einmal die ADC-Habitués?
Wyler: Es waren eher die ADC-Habitués. Sie stellen ja auch die Mehrheit im Club.
Welchen Arbeiten geben Sie fürs Werbefestival in Cannes Chancen?
Wyler: Vielleicht die «Rosenkranz-Anzeige» für Laax, vielleicht eine Kampagne von Claude Catsky, die hier keine Gnade gefunden hat, international aber sicher Furore machen wird.
Ist die Werbung mutiger geworden?
Wyler: Nein, im Gegenteil. Das liegt aber kaum an uns.
Welche Bedeutung messen Sie dem Lobbying bei solchen Wettbewerben bei?
Wyler: Wir alle lobbyieren irgendwie, sei es nur, dass wir uns an der Jurierung besonders freundlich begrüssen. Es geben sich aber alle Juroren Mühe, die Arbeiten gerecht zu beurteilen.
Werden Sie auf Grund der Werbung nun eines der preisgekrönten beworbenen Produkte kaufen?
Wyler: So einfach geht das natürlich nicht. Aber es gibt einen kausalen Zusammenhang zwischen guter Werbung, dem Markenimage und dem Kaufentscheid.
Hat dieser Wettbewerb bei Ihnen den Berufsstolz als Werber in ein neues Hoch steigen lassen?
Wyler: Stellen Sie die Frage im Ernst?
Ist eine Arbeit dabei gewesen, die für Sie als Art Director Kunststatus erreicht hat?
Wyler: Ich dachte ab und zu, dass es eine Kunst war, diese oder jene Arbeit einem Kunden zu verkaufen.

Hans Ulrich Schweizer

Jurypräsident Publikumsanzeigen (Einzelmotive)

Jurypräsident Publikumsanzeigen (Einzelmotive)Was ist an der diesjährigen Gold-Kampagne so wegweisend? : Die Snowboard-Anzeige für die Alpenarena ist ein würdiger Sieger. Wegweisend meint ja, dass eine Goldmedaille die Benchmark für die künftigen Arbeiten sein soll. Und die besagt: eine ganz spitze Idee von hoher Relevanz – will heissen ein Einfall, der einen Produktnutzen oder -vorteil auf lapidare Weise kommuniziert; eine Inszenierung, die diesen Einfall grösstmöglich dramatisiert – will heissen attraktiv, einzigartig und ganz, ganz schnell; eine Umsetzung, die dem Auge wohl tut und die Hirnzellen angenehm kitzelt.
Wie beurteilen Sie das Niveau in Ihrer Kategorie?
Schweizer: Das Niveau aller Arbeiten, die es bis zu Bronze geschafft haben, war hoch. Einzelanzeigen sind generell gute Tummelfelder für kreative Lösungen. Weil die Aufgabe viel fokussierter angegangen werden kann als bei ganzen Kampagnen.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Schweizer: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten werden solide Werte wieder aktueller. Ich finde das gut, weil man sich dann nicht von spektakulären Schabernacks leiten lässt, die keine Nachhaltigkeit schaffen.
Sind Newcomer auszumachen, oder gewannen wieder einmal die ADC-Habitués?
Schweizer: Die grosse Menge ausgezeichneter Arbeiten entsteht nach wie vor an den gleichen Adressen. Weil diese die guten Leute anziehen und beschäftigen können. Unter diesen guten Leuten hat es aber jede Menge neuer Machernamen. Das sind die eigentlichen Newcomer.
Welchen Arbeiten geben Sie fürs Festival in Cannes Chancen?
Schweizer: Dazu gehören Snöber-Anzeige «Halfpipe», Hakle-Anzeige «Finger», Big-Plakate, Tibits-Plakate, Güggel-Spot für Radio DRS, Tibet-Spot mit Folkloremusik sowie der Spot für «Gemeinsam gegen Gewalt».
Ist Werbung mutiger geworden?
Schweizer: Was heisst hier mutiger? Besser muss sie werden. Und sie wurde besser!

Eric Voser

Jurypräsident Public Service und Design

Jurypräsident Public Service und DesignWas ist an der diesjährigen Gold-Kampagne so wegweisend?: Die Big-Kampagne stellt nicht das Produkt, sondern die Konsumentenwirkung in den Vordergrund – eine witzige Umsetzung.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Voser: Es gibt kaum noch grosse Kampagnen für grosse Marken in der Schweiz. Schade.
Ihr Fazit nach 26 Jahren ADC: Hat sich das Niveau der eingesandten Arbeiten gesteigert, ist es gleich geblieben, oder hat es sich verschlechtert?
Voser: Das Niveau hat sich klar verbessert. Die modernen Kommunikationsmittel und der internationale Wettbewerb haben eindeutig eine Steigerung bewirkt. Ich hoffe sehr, die Tendenz hält an, damit die Schweizer Werber auch bei internationalen Etats gefragt werden.
Sind Newcomer auszumachen, oder gewannen wieder einmal die ADC-Habitués?
Voser: Hochkreative Werbung ist kein Zufall. Darum gibt es eigentlich keine ADC-Habitués, sondern einfach herausragende Kreative und weniger gute.
Welchen Arbeiten geben Sie fürs Werbefestival in Cannes Chancen?
Voser: Flims Laax Falera, Big und Radio DRS.
Worauf legten Sie bei der Bewertung besonderes Augenmerk?
Voser: Besonders wichtig ist mir die Originalität der Idee, die das Produkt vorteilhaft und vor allem differenziert darstellt; somit also nicht auswechselbar ist. Wenn sie dann noch mit einem Schmunzeln daherkommt, umso besser.
Ist die Werbung an sich mutiger geworden?
Voser: Leider nicht.
Welche Bedeutung messen Sie dem Lobbying bei solchen Wettbewerben bei?
Voser: Durch die gemeinsamen Beurteilungskriterien und die kontinuierliche Verbesserung des Jurymodus wird ein objektives Bild der jährlichen Schweizer Werbung gezeigt.
Ist eine Arbeit dabei gewesen, die für Sie als Art Director Kunststatus erreicht hat?
Voser: Zuerst müssten wir Kunst nochmals definieren. Aber Werbung entsteht grundsätzlich durch den Auftrag eines Kunden und zu kommerziellen Zwecken.

Gerade mal noch gutes Mittelmass

AY&R, Publicis, Wirz und RufLanz standen beim ADC 2002 im Goldregen

AY&R, Publicis, Wirz und RufLanz standen beim ADC 2002 im GoldregenVon Luca Aloisi Trotz leichten Rückgangs bei den Einsendungen wurden dank Würfel-Kontingent wie letztes Jahr neun Arbeiten vergoldet. Allgemein stellte man fest, dass sich die Kreativität leider nicht antizyklisch zur Konjunktur verhalten hat. Unter den Königsdisziplinen ging einzig die Gesamtkampagne leer aus. Alles in allem ein guter Jahrgang also.
Als wolle er allen Goldjuroren behutsam beibringen, dass dies kaum ein Jahrgang sein dürfte, in dem das Barometer für kreative Werbung neu geeicht werde, empfing Andreas Prokesch die Jury-Mitglieder auf gewohnt schelmische Art. Zur Einstimmung der Männerrunde las der ADC-Vorstandsvorsitzende Prokesch, der zum letzten Mal auch als Jury-Regisseur fungierte, die Regeln für Sieger und Verlierer vor – eine Leitsatzliste, die er aus dem Verbandsheft der Piccolo-Mannschaft des EHC Frauenfeld entlehnt hatte. Dort habe sein neunjähriger Sohn schon gelernt, dass ein Sieger das Glück für seinen Sieg verantwortlich macht, auch wenn es nicht immer Glück ist; während ein Verlierer sein Verlieren als Pech bezeichnet, auch wenn es kein Pech ist. Mit der Bemerkung, dass mit Siegern und Verlierern der Typ gemeint sei und das Goldjuroren-Team ausschliesslich aus Siegertypen bestehe, nahm Prokesch potenziellen Nörglern den Wind aus den Segeln.
Die glorreichen zwei verteidigten ihre ersten Plätze
Auf die im vergangenen Jahr häufig beanstandete «Überreglementierung» reagierte der ADC-Vorstand mit gewichtigen Veränderungen am Jurierungsmodus: Zum einen konnten heuer auch diejenigen wieder in der Jury sitzen, deren ADC-Auszeichnung älter als drei Jahre alt war, zum anderen gingen die Jurygruppen nach alter Väter Sitte wieder von Arbeit zu Arbeit. Damit sollte das anonyme Ankreuzen im ersten Wahldurchgang, das nicht selten zu fragwürdigen Urteilen führte, minimiert werden.
Trotzdem konnte nicht verhindert werden, dass Arbeiten, die international mehrfach prämiert worden seien, beim ADC Schweiz schon in der ersten Runde unter den Tisch fielen, hielt der sichtlich irritierte Chairman Daniel Matter fest. ADC-Vorstandsvorsitzender Prokesch versuchte mit der etwas obsolet wirkenden Begründung, jede Jury komme halt zu etwas anderen Urteilen, das Bild zu korrigieren.
Nicht nur in diesem Punkt tat sich das Gremium schwer. Mehr als die zu bewertenden Arbeiten selbst gaben häufig Definitionsprobleme der Goldjury zu diskutieren. Weil einige der Anzeigen, die in der Kategorie Fachanzeigen auflagen, auch in der Publikumspresse geschaltet wurden, spaltete sich die Jury in zwei Lager, die darüber debattierten, wo denn nun die Special-Interest-Gruppen zu suchen und wie diese überhaupt zu definieren seien.
Generell konstatierte die ADC-Geschäftsführung, dass beinahe ein Drittel aller Arbeiten in die unkorrekten Kategorien eingeschickt wurde. «Vielleicht sollten wir ein Seminar einführen», scherzte Andreas Prokesch. Trotzdem gab sich die Kreativelite grosse Mühe, die Entscheide der Kategoriejurys zu respektieren, und kanzelte keine Silberarbeit ab.
Stattdessen wandte sie die Splitting-Regel zu Gunsten der Einsender an, was aus der Radio-DRS-Werbefilmserie von Advico Young & Rubicam (AY&R) immerhin dem Hahn zu Goldehren verhalf. Dass damit die Konzeptidee etwas ausgepowert wurde, sah die Jury generös als das kleinere Übel. Obwohl der anderen AY&R-Kundin, der Kuoni-Gruppe, der goldene Hattrick in der Kategorie Gesamtkampagne verwehrt blieb – es gab «nur» Silber –, darf sich die Gockhausener Agentur mit Goldwürfeln in drei Königsdisziplinen glücklich schätzen, landete sie doch mit 56 Punkten auf Platz zwei.
Den ersten Rang gab sie heuer an Publicis ab, die 2001 den Ehrenplatz besetzte. Trotz eines Goldwürfels Rückstand auf AY&R gelang es Jean Etienne Aebis Publicis-Team, das in der ZVV-Kampagne den Absahner der Saison hat, sich mit genügend Silber und Bronze auf das oberste Treppchen zu schwingen. Seit drei Jahren lassen sich die beiden Topagenturen nicht von der Spitze verdrängen.
Gehobenes Mittelmass, aber wenige Blockbuster
Mit Verve meldeten sich Markus Ruf und Danielle Lanz – erstmals in neuer Agenturkonstellation – zurück; ihr produktives Kreativbüro platzierte sich hinter Wirz Werbung auf Platz vier. Dank wegweisender Arbeiten waren Wirz – mit einem Tibet-Spot, der pionierhaft auf beklemmende Umsetzungen und Moralkeulen verzichtet, und der gelungenen Fortsetzung der Tibits-Kampagne – und RufLanz – das mit branchenunüblichem Kommunikationsoutfit für das Modehaus Big wirbt – die anderen beiden Goldhamster.
In den 15 Kategorien (2001: 20, inklusive Pressepreis, der heuer nicht verliehen wurde) wurden 1140 (1159) Arbeiten bewertet. Neun wurden vergoldet, 39 (56) versilbert und 184 (220) mit einem Bronze-Diplom ausgezeichnet. Zu sehen gabs gehobenes Mittelmass, weshalb in verschiedenen Kategorien selbst gute Arbeiten einen schweren Stand hatten. Absolute Highlights wurden weniger ausgemacht als auch schon.
In der kränkelnden Marktsituation sind laute Statements und Provokation bewährten Konzepten und mehrheitsfähig codierten Umsetzungen gewichen. Anecken, aber mit Kalkül, lautete die Winner-Devise bei vielen langfristig einsetzbaren Werbeplattformen. Enttäuschend waren die Auftritte der sonst mutigen Verlagsbranche. Im Medaillenspiegel fallen die Medienhäuser heuer nur durch Abwesenheit auf.
ADC 2002: Die Goldgewinner

Publikumsanzeigen: Publicis mit der Kampagne «Ein Ticket für alles» für den Zürcher Verkehrsverbund ZVV.
Publikumsanzeigen (Einzelmotive): AY&R mit «Alpenarena Monsterpipe»für Flims Laax Falera.
Fachanzeige: AY&R mit «Downhill Biking» für Flims Laax Falera.
Aussenwerbung: RufLanz mit «Warten auf die Girls» für Big und Wirz mit «Pouletschenkel» für Tibits.
Werbefilm: AY&R mit «Güggel» für Schweizer Radio DRS.
Editorials und Buchgestaltung: Integral Lars Müller mit dem «Freitag»-Buch.
Illustration: Publicis mit dem eigenen Weihnachtsmailing «Memory».
Public Service: Wirz mit dem TV-Spot «Keep Tibet Alive» für die Tibetergemeinschaft Schweiz.

Mitnahmemöbel sind Müll

Lowe, Zürich, wischt das letzte Staubkorn vom Möbel-Pfister-Image

Lowe, Zürich, wischt das letzte Staubkorn vom Möbel-Pfister-ImageDass es ein Imageproblem gab, erkannte man bei Möbel Pfister bereits gegen Ende der Siebzigerjahre. Ein erster Korrekturversuch der damaligen GGK wurde aber nach kurzer Zeit gestoppt. Danach geriet die Pflege der Marke ob des Aufbaus der Töchter Mobitare und Top Tip etwas in Rückstand. Einen Schwerpunkt der Kommunikation bildet die Modernisierung des Images wieder, seit Lowe Ende 1995 die Betreuung des Etats übernahm.
In der jüngsten Dachkampagne gibt die marktführende Schweizer Einrichtungsmarke, die gemäss NZZ im vergangenen Jahr einen Umsatz von 546,2 Millionen Franken erzielte, den aktuellen Markentarif deutlich durch.
Wenn nämlich das schweizerischste aller Schweizer Einrichtungshäuser plötzlich einer angriffigen Kommunikation den Vorzug vor der bisher gepfleg-ten verhaltenen Selbstdarstellung einräumt, kann man es kaum noch länger als verstaubtes Unternehmen schubladisieren. Insbesondere dann nicht, wenn die Kampagne mit schwedischer Selbstverständlichkeit dem Mitnahmemarkt herzhaft ins Standbein sägt. Seite 10

Muse & Musse: Petra Dreyfus

Petra Dreyfus Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Petra Dreyfus: Die Basler Museumsnacht. Es war eine gute Gelegenheit, neue Museen zu entdecken.Was lesen Sie gerade?Dreyfus: «Girl with a pearl earring» von Tracy

Petra Dreyfus Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Petra Dreyfus: Die Basler Museumsnacht. Es war eine gute Gelegenheit, neue Museen zu entdecken.
Was lesen Sie gerade?
Dreyfus: «Girl with a pearl earring» von Tracy Chevalier. Ein Roman über das gleichnamige Bild von Johannes Vermeer. Sehr schön geschrieben und viel interessanter, als es der Titel vermuten lässt.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Dreyfus: Verschiedene, aber immer wieder gerne «The K&D Sessions» von Kruder & Dorfmeister.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Dreyfus: «Le fabuleux destin d’Amélie Poulain» – weil er so leicht und erfrischend ist.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Dreyfus: Zum Einschlafen gäbe es viele, aber zum Glück gibt es eine Fernbedienung.
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Dreyfus: dict.leo.org – nicht sehr spektakulär, aber hilfreich…
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Dreyfus: Unter der Woche – auf ein Schoggiweggli und Coca-Cola light zum Frühstück.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Dreyfus: Freunde treffen.
Liebe ist…?
Dreyfus: …zum Glück nicht erklärbar.

Kopf der Woche: «Das Fernsehen und die WM sind für mich eine grosse Herausforderung»

Corinne Blaser vermarktet für RMB seit Dezember 2001 die Fussball-WM auf Sat 1

Corinne Blaser vermarktet für RMB seit Dezember 2001 die Fussball-WM auf Sat 1Kopf der Woche«Das Fernsehen und die WM sind für mich eine grosse Herausforderung»
Bei Spielfilmunterbrüchen zappen, um der Fernsehwerbung zu entgehen? Das ist fürwahr kein Thema für Corinne Blaser, die schon als Kind am liebsten Werbespots sah. «Ich erinnere mich auch, dass ich früher beim Lesen von verschiedenen Magazinen die besonders schöne Werbung ausschnitt und sammelte», erzählt sie lachend. So war es für die 26-Jährige nach der Sekundarschule klar, dass sie ihr zukünftiges Berufsfeld im Werbebereich suchen würde.
Die Lehre als kaufmännische Angestellte absolvierte sie bei Publimedia und wechselte darauf zu Belcom, wo sie als Assistentin Verkauf und Programm tätig war. Nach einem halben Jahr zog es sie als Verkaufsassistentin für Espace Pub und Le Nouveau Quotidien zurück zu Publimedia. Dabei nutzte sie gleichzeitig die Gelegenheit, ihr Französisch aufzubessern und das Delf-Diplom zu erlangen.
Als Le Nouveau Quotidien und das Journal de Genève fusionierten, kam für Blaser der Moment für eine neue Herausforderung, die sie bei der damaligen Cinecom und heutigen RMB fand. Ihre Karriere fing als Sales Manager Cinema an: «Für mich als Werbe- und Kinofreak war es die perfekte Stelle», begründet sie heute den Wechsel. Bereits nach einem Jahr übernahm sie die Funktion des Deputy Division Manager Cinema and Print.
Gleichzeitig absolvierte sie die Ausbildung zur Marketingplanerin, die sie im Frühling des vorvergangenen Jahres abschloss. Ein halbes Jahr später begann sie an Sawi, Spok und BVS das Fach Kinowerbung im Bereich Media zu dozieren: «Das Unterrichten empfinde ich als perfekte Ergänzung zur Praxis. Ausserdem ist es sehr schön, etwas von meinem ‹Kinoherzblut› weitergeben zu können», schwärmt Blaser.
Nach vier Jahren Tätigkeit im Bereich Cinema und Print erfolgte Ende letzten Jahres die Beförderung zum Chief Sales Officer National. In dieser Funktion ist sie neu für die Vermarktung des gesamten Medienportfolios der RMB zuständig. Es enthält neben dem Kino und dem Kinomagazin Close-up auch die beiden Fernsehsender Sat 1 und MTV – in Zusammenhang mit der anstehenden Fussball-WM auf Sat 1 eine Riesenherausforderung für Blaser.
Wie gedenkt sie diese anzugehen? «Ich arbeite eng mit unserer Mediaabteilung zusammen, die sehr viel Know-how im Bereich Fernsehen hat.» Bereits konnte sie auch auf die vorhandene TV-Erfahrung ihres Teams zurückgreifen, mit dem sie in den letzten beiden Monaten verschiedene «Werbepäckli» geschnürt hat, für die sie möglichst viele Käufer zu finden sucht. Die Tatsache, dass das Schweizer Fernsehen aus Kostengründen die WM nicht übertragen wird, kommt ihr dabei natürlich gelegen. Daniela Zivadinovic

«Programme abschalten ist unpopulär»

Viele Privatradioveranstalter glauben, mit der Konzession auch die Distributionsfrage gelöst zu haben

Viele Privatradioveranstalter glauben, mit der Konzession auch die Distributionsfrage gelöst zu habenBegehrlichkeiten der Zweitprogramme nach einem Kabelnetzplatz zwingen Cablecom zu einer Präzisierung ihrer Sortimentspolitik. Weder der Anspruch auf eine Aufschaltung noch die Kostenneutralität sind aber laut Paul Winiker realistisch.Die geplanten Kabelradios gelangen nicht so einfach in die Kabelnetze? Wo klemmts?
Paul Winiker: Wir wurden geradezu bombardiert mit Aufschaltgesuchen für zweite, dritte und vierte Radioprogramme. Diese Gesuche erfolgen aber zum Teil aus rein taktischen Gründen, weil man sich eine bessere Ausgangslage bei der Frequenzverteilung erhofft. Nur deswegen gehen wir aber nicht einfach so bestehende Radioprogramme abschalten. Da sind wir sehr, sehr restriktiv.
Im Kabelnetz sind rund 40 Radioprogramme empfangbar. Warum ist es so schwierig, einige dieser zumeist ausländischen Sender gegen die neuen Gesuchsteller aus der Schweiz auszuwechseln?
Winiker: Das Abstellen von Programmen ist sehr unpopulär. Dies geht nie, ohne eine Vielzahl von Kunden zu verärgern. Das heisst für die Cablecom: Rechtfertigt die Aufschaltung eines neuen Programmes, einer bestimmten Kundengruppe ein Programm wegzunehmen? Eine sinnvolle Sortimentspolitik, welche die Wünsche ihrer Kunden ernst nimmt, ist für die Cablecom von grösster Bedeutung.
Die Wünsche der Kabelkunden sind aber auch Thema einer im vergangenen Herbst erschienenen Kabelradiostudie (siehe dazu auch WW 46/01). Die von Swisscable, SRG, Radiotele und diversen Radiostationen initiierte Studie nennt klare Prioritäten für das Ab- und Aufschalten von Radioprogrammen.
Winiker: Die Studie ist uns bekannt, sie gibt uns aber kaum mehr Informationen, als wir schon vorher hatten. Bereits vor rund einem Jahr hatten wir über 20000 Cablecom-Kunden zu ihren Prioritäten bei der Nutzung von Radiosendern im Kabelnetz befragt. Dabei sagten 96 Prozent, sie seien mit dem Kabelradioangebot «zufrieden» bis «sehr zufrieden».
Verschiedene der projektierten Kabelradios scheinen sich in Sachen Distribution tüchtig verrechnet zu haben. Worin lag deren Fehlüberlegung?
Winiker: Die Distribution ist für sämtliche Medien ein sehr wichtiges Thema. Dieser Umstand wird leider von einigen Veranstaltern total vernachlässigt. Diese Veranstalter glauben, sie könnten beim Bundesamt für Kommunikation eine Konzession beantragen und hätten mit der Konzession dann auch gleich die Distribution im Sack. Dem ist aber nicht so. Andererseits ist die Distribution ja auch nicht gratis. Jede Programmaufschaltung setzt den Einsatz technischer und personeller Infrastruktur der Kabelnetze voraus. Die Frage ist natürlich immer, wer diese Kosten bezahlt.
Veranstalter wollen die Aufschaltung möglichst gratis von den Kabelnetzbetreibern. Was können Sie ihnen anbieten?
Winiker: Das ist Verhandlungssache. Eine allgemeingültige Regelung gibt es hier nicht. Für die Beurteilung wird aber immer zentral sein, ob ein Programm im vorhandenen Sortiment einen echten Mehrwert bietet. Wenn dem so ist, werden wir die Kostenfrage nicht in den Vordergrund stellen. Eine andere Frage ist dann allerdings, wie die nicht zur Cablecom gehörenden Kabelnetze reagieren. Dort haben wir keinen Einfluss. Interview: Daniel Schifferle

Ausserdem: Jörg Rindlisbacher tritt kürzer: Der Gründer und CEO der Zürcher Werbeagentur Wunderman AG wird – wie er es bezeichnet – neu Teilzeit-Coach.

Ausserdem Jörg Rindlisbacher tritt kürzer: Der Gründer und CEO der Zürcher Werbeagentur Wunderman AG wird – wie er es bezeichnet – neu Teilzeit-Coach. Neue Strukturen beim Basler Druck- und Verlagshaus Schwabe & Co. Die Besitzer Ruedi Bi

Ausserdem Jörg Rindlisbacher tritt kürzer: Der Gründer und CEO der Zürcher Werbeagentur Wunderman AG wird – wie er es bezeichnet – neu Teilzeit-Coach.
Neue Strukturen beim Basler Druck- und Verlagshaus Schwabe & Co. Die Besitzer Ruedi Bienz und Urs Breitenstein übergeben die operative Leitung einem dreiköpfigen Direktorium. Neuer Verlagsleiter ist David Marc Hoffmann, für die Druckerei zuständig Erich Käser und für die Informatikabteilung Michael Düblin.
Der Zürcher Weka Verlag hat Martin Lütscher zum neuen Marketing- und Vertriebsleiter ernannt. Zuvor war er von 1999 bis 2001 Gründungsgeschäftsführer des Internetbuchhändlers Bertelsmann Online (BOL) Schweiz AG und knapp 20 Jahre bei Reader’s Digest tätig.
Beim Verlag Meyer AG ist seit Anfang Jahr Corinne Scarpi im Anzeigenaussendienst tätig. Sie betreut als Gebietsverkaufsleiterin für die Frauenzeitschrift Meyer’s und das Kochmagazin Chuchi die Regionen Aargau, Basel, Bern und Solothurn.
Der Verband Schweizer Presse (VSP) hat Daniel Kaczynski zum neuen Verbandsjuristen ernannt. Er tritt die Nachfolge von Antje Ruckstuhl an.
Ueli Haldimann übernimmt per sofort die publizistische Leitung der Chefredaktion von SF DRS ad interim.
Der Werbezeitvermarkter IP Multimedia Schweiz (IPM) hat neu die Stelle des Director Sales TV/Radio geschaffen, die von Mehmet Inan besetzt wird. Seine Stellvertretung übernimmt Urs-Werner Merkli, Senior Sales Manager deutsche und welsche Schweiz. Als Media Planning Manager stösst Patricia Vanek zum Unternehmen. Das Account Management TV/Radio wird in der deutschen Schweiz durch Evi Jossi und in der welschen Schweiz durch Raoul Gerber verstärkt.
Claude Bürki, Chefredaktor des Fachmagazins Tara verpacken + verkaufen, kehrt in die PR-Szene zurück. Er verstärkt ab 1. März die Agentur Ebenberger Public Relations, Stäfa.
Die Zürcher Kommunikationsagentur Wunderman baut ihre Below-the-line-Dienstleistungen aus. André Parsic, der zuvor bei Japan Tobacco International als Director Customer Contact Manager tätig war, übernimmt als Director Promotions die strategische Entwicklung und Durchführung von BTL-Aufgaben im In- und Ausland.
Rudolf Widmer ist neuer Marketing Manager und Mitglied der Geschäftsleitung des Netzwerkherstellers Sun Microsystems (Schweiz). Er löst Nicole Tanner ab, die den Marketingbereich seit Juli interimistisch leitete. Widmer war zuletzt als Manager Marketing Communications bei Compaq Computer (Schweiz) tätig.
Peter Hof, bisheriger Besitzer und Geschäftsleiter des Basler Druck- und New-Media-Unternehmens Linsenmann AG, übergibt die Leitung Otto Kunz. Kunz übernimmt neben der Geschäftsleitung auch den Bereich Online und Neue Medien. Thomas Kneuss steht als GL-Mitglied dem Bereich Design und Print vor.

Freude trotz Krise

Rat und Tat des Bilan-Chefredaktors

Rat und Tat des Bilan-ChefredaktorsAuch die Medien sollten die Chance in der Krise nutzen und positive Zeichen für die Zukunft setzen, mahnte Alain Jeannet, Chefredaktor von Bilan, am Frühstückstreffen von Publimedia in Lausanne. Le Temps eröffnete im Spätherbst den Reigen der Sparmassnahmen. Zu Beginn des neuen Jahres reihte sich dann aber auch die Konkurrenz zu den Erbsenzählern unter den Medienhäusern. Entlassungen, frühzeitige Pensionierungen, Streichen von ganzen Beilagen oder einzelnen Seiten heissen die Rezepte, mit denen fehlende Werbeeinnahmen mindestens teilweise kompensiert werden sollen. Die Sparübungen gehen sogar so weit, dass etwa L’Hebdo per Anfang Jahr auf billigeres Papier umstellte und 24 Heures kurzerhand das Genfer Büro schloss. Durchwegs unerfreuliche, wenn nicht gar beängstigende Entwicklungen.
Nicht einstimmen in den allgemeinen Schwanengesang mag allerdings der Bilan-Chefredaktor Jeannet. Dies wurde am Frühstückstreffen der Publimedia an den Gestaden des Genfersees sofort klar. In seinem Referat machte Jeannet in der Krise durchaus auch Chancen aus. Und zwar sowohl für die Medienunternehmen als auch für deren Zeitungen und Zeitschriften. Um diese zu nutzen, braucht es aber auch Mut.
Plötzlich sind wieder mehr Topleute auf dem Markt
In der Folge zählte Jeannet diverse Fälle auf, bei denen von der Krise profitiert werden konnte. So habe Ringier in dieser kritischen Zeit nicht gezögert, die Jean Frey AG zu übernehmen. Und Cash habe erst kürzlich zusammen mit L’Hebdo die Lancierung der Wirtschaftsbeilage Value lanciert – trotz Krise. Aber auch von ausserhalb der Medienszene fügte Jeannet ermunternde Lichtblicke an.
Zum Beispiel habe Kudelski in dieser schwierigen Zeit seinen Kunden Eurostar mit einer Milliarde Franken ausgestattet, damit Letzterer seinen Konkurrenten aufkaufen kann. Und sogar vom Swissair-Debakel habe jemand profitiert. Die kleine, aber erfolgreiche Easy Jet habe die Gelegenheit genutzt, um Marktanteile von der Swissair zu übernehmen.
Um die aktuellen Schwierigkeiten weiter zu relativieren, stellte Jeannet Vergleiche an mit der Wirtschaftskrise Anfang der Neunzigerjahre. Genau damals habe sich Edipresse aufgemacht, ihr Engagement im Ausland massiv zu verstärken. Ebenfalls in jener Krisenzeit seien zudem zahlreiche kleinere und mittelgrosse Unternehmen gegründet worden.
Eine weitere Chance, die laut Jeannet der Krise zu verdanken sei: Toparbeitskräfte, nach denen man noch vor sechs Monaten vergeblich Ausschau gehalten habe, seien nun plötzlich zu haben. Anita Vaucher

Die Weltwoche schlingert weiter

Der Kioskverkauf zieht an, aber der verschobene Relaunch verunsichert Anzeigenkunden

Der Kioskverkauf zieht an, aber der verschobene Relaunch verunsichert AnzeigenkundenVon Markus Knöpfli Die angekündigte Übernahme durch Ringier macht der Weltwoche Probleme: Redaktionsmitglieder springen wieder ab, Inserenten halten sich zurück. Trotz erster Silberstreifen am Horizont.
Als Weltwoche-Co-Chefredaktor Roger Köppel an der Dreikönigstagung gefragt wurde, wie die Redaktion auf die Übernahme durch Ringier reagiert habe, wich der sonst schlagfertige Köppel aus. Wegen des verschobenen Relaunches sei jetzt Motivation nötig, sagte er nur.
Zwei Wochen später lässt sich über die Befindlichkeit bei der Weltwoche mehr sagen: Esther Girsberger und Matthias Baer verlassen die Redaktion, und Urs Paul Engeler verzichtet auf den geplanten Wechsel von der SonntagsZeitung zur Weltwoche.
Die Verschiebung des Relaunches liess auch die Inserenten teilweise ins Leere laufen. «Bei uns herrschte im Januar die grosse Flaute», sagt Verlagsleiterin Uli Rubner. Viele potenzielle Inserenten würden den Relaunch abwarten, und einige, die für die ursprünglich geplante Erstausgabe des neuen Magazins am 31. Januar gebucht hatten, hätten Aufträge für diesen Termin zurückgezogen.
Etliche Frühjahrskampagnen hingegen seien trotzdem im Plan geblieben. «Mit gutem Grund», sagt Rubner, denn die Neuausrichtung der Weltwoche unter der neuen Chefredaktion trage erste Früchte. Mit absoluten Zahlen ist sie zwar zurückhaltend, legt aber immerhin Indexwerte für den Kioskverkauf (siehe Grafik) vor: Demnach nimmt der Kioskverkauf seit Juli fast ohne Werbeanstrengungen stetig zu (die ausserordentlichen Spitzen im September und Oktober ausgeklammert). Im November war er etwa 50 Prozent höher als im selben Monat des Vorjahres, obwohl damals massiv TV-Spots geschaltet wurden.
Gemäss einem im November 2001 durchgeführten Copy-Test gaben zudem rund 60 Prozent der Abonnenten an, in den letzten Monaten bei der Weltwoche eine Veränderung festgestellt zu haben. Gut 30 Prozent bezeichnen den neuen Kurs als «provokativer, mutiger, abwechslungsreicher und interessanter», rund 14 Prozent goutieren ihn eher nicht.
Gemäss Rubner hat die Haltbarkeit über alle Abosorten um 2 Prozent zugenommen, auch die Zahl der Studentenabos (40 Prozent Rabatt) steige. Die Umwandlungsrate von Probe- zu Festabos hingegen habe sich nicht signifikant verändert. Rubner rechnet aber damit, dass die beglaubigte Auflage im Frühling leicht höher sein wird als noch vor einem Jahr (84206 Exemplare).
Das Zögern der Anzeigenkunden ist nicht nur der Relaunchverschiebung anzukreiden, sondern auch dem Zickzackkurs, den die Basler Mediengruppe letztes Jahr mit der Weltwoche fuhr. Noch im Mai wollte Verleger Matthias Hagemann sowohl an der Weltwoche als auch an Chefredaktor Fredy Gsteiger festhalten und das Blatt lediglich «höher positionieren» und auf gut verdienende und gut gebildete Personen ausrichten (Siehe auch WW 18/01).
Seither ist alles anders gekommen. Laut Rubner richtet sich das Blatt unter Köppel/Angst wieder an ein breiteres Publikum und sei jetzt «weniger dünkelhaft und weniger akademisch, verwässert aber das hohe Anspruchsniveau nicht». Damit werde die Weltwoche auch für jüngere Leser wieder attraktiver.
Das derzeitige Hauptproblem der Weltwoche – und damit auch der Anzeigenkunden – ist nun aber die Unsicherheit, ob und wie lange der erste Erfolg anhalten wird. Denn mit dem Verkauf an Ringier geht der Konzeptslalom wohl in den dritten Lauf.
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