Null Chance für more of the same
Die diversen geplanten Kabelradios drohen an vollen Kabelnetzen zu scheitern
Die Enttäuschung für die geplanten Kabelradios kam in Etappen. Bereits im vergangenen Herbst hatte sich abgezeichnet, dass die gewünschte Distribution zum Null- oder zumindest zum Minimaltarif bei den Kabelnetzbetreibern auf kein Musikgehör stossen würde. Das ist auch heute nicht anders: Von den insgesamt acht fürs Kabel konzessionierten Programmen sind lediglich zwei auf Sendung: Top Two und 32 Goldies. Sämtliche der übrigen sechs Projekte – Sunshine Gold, Swiss Classik Rock, Hit Radio, Aktuell 2, 105 Classic und das senderunabhängige Swiss Music Radio – hatten ihren Start von kostengünstigen Bedingungen für die Aufschaltung in den Kabelnetzen abhängig gemacht (WW 42/01).
Doch daraus wird nichts. Denn der Marktleader unter den Kabelnetzbetreibern, die Cablecom, hat ihre Aufschaltpolitik gegenüber den Kabelradios definiert. Sie lässt kaum Spielraum. «Für sprachregionale gesamtschweizerische Programme sehen wir keine Möglichkeit, wenn sie nur more of the same bieten. Genau das ist aber bei diesen Zweitprogrammen mehrheitlich der Fall», erklärt Paul Winiker, der bei der Cablecom für das Sortiment zuständig ist. «Es müsste etwas ganz Neues sein, das unser Sortiment wirklich bereichert.» Weil diesen Anspruch aber nur ganz wenige unter den für eine Aufschaltung Schlange stehenden Kabelradios erfüllen können, siehts für die meisten schlecht aus. Lediglich eine einzige von rund 40 im Kabel verfügbaren Radiofrequenzen will die Cablecom neu zuteilen, jene des eingestellten
24plus.
Hoffnung auf Aufschaltung gibts nur noch für wenige
Entmutigend für die Gesuchsteller: Bei der Ausmarchung um den einzigen zu vergebenden Kanal ist die Mehrheit unter ihnen gar nicht dabei. Laut Winiker stehen lediglich drei oder vier Angebote in der engeren Wahl. Zu diesen gehöre allen voran das senderunabhängige Swiss Music Radio von George Wismer. Zudem werde man 105 Classic und den Internetsender DJ Radio genauer anschauen. Winiker: «Wir werden jetzt überprüfen, ob diese Sender tatsächlich ein spezielles und noch nicht abgedecktes Kundenbedürfnis ansprechen.»
Für die projektierten Kabelradios wird die Zeit jetzt allerdings knapp. Deshalb waren sie reihum gezwungen, beim Bakom Aufschub ihrer Starttermine zu beantragen. Was ihnen auch bereits gewährt wurde. Andere haben inzwischen ihr Distributionskonzept radikal geändert, um der verfahrenen Situation zu entkommen und um nun endlich ohne weitere Verzögerungen loslegen zu können. Zu Letzteren gehört Swiss Music Radio.
Das ausschliesslich auf Schweizer Interpreten setzende Radio ist auf Satellitenübertragung ausgewichen, demnächst wird der Sender europaweit empfangbar sein. Inhaber George Wismer hofft darauf, dass die Kabelnetze Swiss Music Radio auf Grund des Schweizer USP von sich aus direkt ab Satellit übernehmen werden.
Argovia denkt an ein stufenweises Vorgehen
Wieder andere Zweitprogramme versprechen sich eher Musikgehör bei den Kabelnetzbetreibern, wenn sie ihr Angebot regionalisieren. Zu diesem Schritt hat sich Sunshine-Chef Markus Ruoss durchgerungen. Er werde für sein Sunshine Gold ein neues Konzessionsgesuch mit Fokus auf der regionalen Ebene einreichen, sagte Ruoss gegenüber der WerbeWoche. Noch vorbehalten will sich Argovia-Chef Roland Baumgartner das weitere Vorgehen. Denkbar sei, dass die beiden Projekte Swiss Classik Rock und Hit Radio mit der regionalen Verbreitung beginnen würden und darauf etappenweise die sprachregionale Abdeckung hochfahren. Ob dieses Vorgehen überhaupt möglich ist, muss beim Bundesamt für Kommunikation abgeklärt werden. Doch auch für Baumgartner ist das Projekt auf der Kippe. «Wir werden noch diesen Sommer starten, oder dann lassen wir es sein», sagt er.
Doch das Regionalisieren garantiert noch keine Aufschaltung. «Auch die anderen Kriterien müssen stimmen», sagt Winiker. Immerhin hat er aber für die Abgewiesenen eine Alternative bereit: Swissfun, die digitale Plattform der Cablecom. Dort habe es Platz für neue Radioprogramme zuhauf. Allerdings ist die Reichweite noch stark beschränkt: Swissfun ist erst bei rund 50000 Haushalten im Einsatz, der grösste Teil davon in der Deutschschweiz (45000).
