Das SWA-Jahresmeeting stand im Zeichen des konjunkturellen AbschwungsVon Daniel Schifferle Die aktuelle Werbemarktkrise war das Schwerpunktthema am SWA-Jahresmeeting. Es werde auch nachher nichts mehr so sein wie vor der Krise, provozierte Albert P. Stäheli, CEO Espace Media Groupe. SWA-Geschäftsführer Fredi Schwab seinerseits geisselte das kurzfristige Denken, dem panikartig langfristige Erfolgsstrategien geopfert würden.
Zum Einstieg gabs gleich Tadel von Fredi Schwab, Geschäftsführer des Schweizer Werbeauftraggeberverbandes (SWA). Schwab liess kein gutes Haar am kurzfristigen Denken im konjunkturellen Abschwung. Die Quartalszahlen und Halbjahreszahlen seien zum Mass aller Dinge geworden, insbesondere bei den Grossunternehmen. Dabei würden gestern noch formulierte Erfolgsziele einfach unter den Tisch gekehrt und geopfert. «Ein egoistisches Kästchendenken hat Einzug gehalten», sagte Schwab.
In die genau andere Richtung posaunte Albert P. Stäheli, CEO der Espace Media Groupe. «Wer hofft, mit dem nächsten Aufschwung seien sämtliche Probleme vom Tisch, wird sich getäuscht sehen», sagte er. Sein Hauptgrund für diese Perspektive: «Unsere Branche verharrt in überholten Geschäftsmodellen, die schnelle Anpassungen an Marktveränderungen verhindern.»
Schuss vor den Bug der PubliGroupe
In diesem Zusammenhang landete er gleich einen Schuss vor den Bug der PubliGroupe. Durch ihre strategischen Kapitalbeteiligungen an Verlagshäusern und durch ihre Schlüsselposition beim Auftraggeber beeinflusse sie «die marktlogische Entwicklung» stark, vereitle oder verzögere diese mitunter sogar. «Sollte besagte Gesellschaft einmal gezwungen sein, ihre Beteiligungsstrategie aufzugeben, müssten wir uns bei der Presse auf ein Erdbeben gefasst machen», erklärte Stäheli. «Unsere Medienmärkte würden in einem kaum auszumalenden Ausmass dynamisiert.»
Noch-Publicitas-Chef Ernst Grab liess diese Anfeindung nicht einfach durchgehen. «Solche Äusserungen sind ein Rückfall in die Eiszeit zwischen der PubliGroupe und einzelnen Verlagen.»
Drei Veränderungskräfte werden laut Stäheli den Kosten- und Wettbewerbsdruck auf die Zeitungsverleger in der Zukunft erhöhen. Die erste: Der anhaltende Trend von kleinräumigen zu grossräumigen Strukturen in der Schweiz als Folge der besseren Verkehrserschliessung und des weiter zunehmenden Trends zur Mobilität. «All business is local – but local is getting big and bigger», brachte er die Entwicklung auf den Punkt. Regionale Printmedien seien gezwungen, sich zusammen mit den laufend grösser werdenden Lebensräumen auszudehnen. Resultat dieser Ausweitung sei eine «dramatische Verschärfung des Wettbewerbes, werden doch plötzlich Medienunternehmen zu Konkurrenten, die bisher räumlich getrennt waren.»
Als zweites Problem nannte Stäheli die Internetstrategien der Verlage, die hohe Kosten verursacht und zu einer Erosion der Insertionstarife geführt hätten. «Das um Faktoren tiefer liegende Onlinepreisgefüge im Rubrikengeschäft wird keine Ausweitung der Nachfrage, sondern eine wertmässige Schrumpfung des Marktpotenzials zur Folge haben», sagte der CEO der Espace Media Groupe.
Das dritte Problem, das den Printmedien das Leben schwerer macht, ist laut Stäheli der ständig weiter steigende Anspruch an die Tageszeitungen. «Verlangt wird heute die topaktuelle Fullservice-Komplettzeitung. Dies ist aber nur mit immer noch kostenintensiveren Redaktionen möglich. Die Folge: Die Kosten-Ertrags-Schere öffnet sich weiter.»
Stähelis Rezepte gegen das Dilemma: Neben «substanziellen Verbesserungen des Kosten-Leistungs-Verhältnisses» seien Marktkonsolidierungen und Kooperationen unumgänglich. Dabei kämen Verlagshäuser immer weniger darum herum, sich an einen der grossen Ballungsräume anzulehnen.
Ernst Grab rechnet mit einem Dutzend Zeitungsregionen
Die Zahl der Regionalzeitungen mit eigenständigen Vollredaktionen wird laut Stäheli weiter abnehmen. Längerfristig würden sich die Zeitungssysteme den vom Bundesamt für Statistik festgelegten sieben Grossregionen annähern (siehe Bild). «Mit je einem bzw. zwei regionalen Zeitungssystemen in den zweisprachigen Gebieten, die teilweise auch kooperieren können.»
Offensichtlich Freude an diesem für Werbeeauftraggeber günstigen, weil für das Buchen einfacheren Szenario hatte lediglich SWA-Präsident Gérard Stalder. «Unser Interesse ist, dass diese Konzentration nicht zu langsam vor sich geht», meinte er lachend.
Überhaupt nicht einverstanden mit Stähelis Modell der sieben Regionen war hingegen Publicitas-Chef Ernst Grab. Er stimme zwar zu, dass regionale Zeitungssysteme auch weiterhin im Krebsgang sein würden, aber nicht im vorgeschlagenen Ausmass. «Es werden ganz sicher mehr als sieben Zeitungssysteme sein. In fünf bis sieben Jahren rechne ich in der Schweiz mit etwa einem Dutzend regionaler Systeme», sagte Grab.
Ein anderes Thema, das am SWA-Jahresmeeting viel zu reden gab: der extreme Kostendruck bei den Mediaagenturen. «Die Mediaagenturwahl nach dem Kriterium tiefste Kommission funktioniert nicht. Bitte prüfen Sie die Honorierung nach erbrachtem Aufwand», forderte Schwab die Anwesenden auf. Der zunehmende Existenzdruck, in den sich die Szene zum Teil selbst hineinmanövriert habe, könne seltsame Blüten treiben. Schwab brachte in diesem Zusammenhang den im Januar bekannt gewordenen Fall rund um den Konkurs der OMD Zollikerberg nochmals auf den Tisch. Dabei hatte sich ein leitender Mitarbeiter allein und entgegen den Geschäftsrichtlinien auf Spekulationen grossen Ausmasses eingelassen (WW 1/02). «Von Medien gewährter Free Space gehört nicht dem Vermittler, sondern dem Auftraggeber», sagte Schwab. Alles andere sei gesetzeswidrig.
SWA pocht auf Radiowerbung
Die Werbung auf den SRG-Radios hat weiterhin höchste Priorität beim SWA. Die SRG-Radios seien innert fünf Jahren stufenweise zu öffnen, fordert der Werbeauftraggeberverband. Zur Unterstützung seiner Forderung rechnet der SWA vor, dass sämtliche Radios, also auch die privaten, davon profitieren würden. Das Marktpotenzial der Radiowerbung liege in der Schweiz insgesamt bei 280 Millionen Franken. Heute würden von den Lokalradios jedoch lediglich 130 Millionen ausgeschöpft, davon rund 80 Millionen Franken mit lokaler Werbung. Sobald die SRG-Radios Werbung einführen würden, steige auch das Potenzial der Privatradios um 50 Millionen Franken an. Das Werbepotenzial der SRG-Radios schätzt der SWA auf rund 90 Millionen Franken.