Seit Anfang Jahr betreut Publisuisse das Sponsoring der SRG-RadiosVon Markus Knöpfli Seit Januar ist die Publisuisse nicht mehr nur für TV-Werbung, sondern auch für das Sponsoring der zwölf SRG-Radios zuständig – zumindest solange dies gesetzlich erlaubt bleibt.
Rund 18 Millionen Franken wurden gemäss Stiftung Werbestatistik im Jahr 2000 in der ganzen Schweiz ins Radiosponsoring investiert. Rund ein Drittel davon, nämlich etwa 7 Millionen Franken, strichen die zwölf SRG-Radios ein (das Event- und Konzertsponsoring nicht eingerechnet).
Während bisher das Sponsoring der SRG-Radios in der Hoheit der jeweiligen Radiodirektoren lag, haben diese nun per 1. Januar den Sponsoringbereich als Gesamtpaket der Publisuisse übertragen. Diese hat zudem seit zwei Wochen mit Beatrice Kniel (45) auch eine Leiterin für die neu gegründete Radio-Sponsoring-Unit. Kniel ist zuständig für das Sponsoring auf allen zwölf SRG-Radios – mit einer Ausnahme: Das Event- und Konzertsponsoring bleibt weiterhin bei den Sendern.
SRG-Sprecherin Josefa Haas begründet den Wechsel zur Publisuisse mit dem Wunsch, Radiosponsoring aus einer Hand anbieten zu wollen. Dass das TV-Sponsoring, das Sache der Programmleiter ist, nicht auch zentralisiert wird, erklärte Haas mit den ohnehin intensiven Kontakten zwischen TV und Publisuisse. Kontakte zur Publisuisse hätten hingegen bei den werbefreien SRG-Radios bisher nicht bestanden, weshalb ein Wechsel angezeigt gewesen sei.
Doppelt so viele Sponsorengelder beim Radio möglich
Publisuisse-Direktorin Ingrid Deltenre hebt denn auch hervor, dass ihre Firma dank dem Verkauf von TV-Werbung nicht nur über gute Kontakte zu Auftraggebern mit Affinitäten zu den elektronischen Medien verfügt, sondern auch über Professionalität bei Vermarktung und Preisgestaltung. Der USP der SRG-Radios ist laut Werbebroschüre deren hohe Reichweite und – oh Ironie! – die Werbefreiheit (siehe Kasten). Bereits hat die Publisuisse auch Preisänderungen (sprich Erhöhungen) vorgenommen, basierend auf TKP, denen die Radiocontrol-Leistungswerte zu Grunde liegen. Hier ein konkretes Beispiel: Das Sponsern einer Woche Verkehrshinweise von Viasuisse auf DRS 1 (41 Sendungen) kostet 42800 Franken. Gemäss Publisuisse kommt der Sponsor, der jeweils am Ende der Sendung einmal genannt wird, so auf rund 25 Millionen Bruttokontakte pro Woche. Individuelle Packages sind selbstredend möglich.
Deltenre geht davon aus, dass sich die Sponsoringeinnahmen bei den SRG-Radios erhöhen lassen. Insbesondere bei Radio DRS, wo das Sponsoring bisher am wenigsten professionell betrieben worden ist, hält sie eine Verdoppelung innert zwei bis drei Jahren für möglich – dank der höheren Preise, mehr Aufträgen, neuen Kunden und Crossmedia (Radio, TV, Teletext). Letzteres kann nun bei Publisuisse eine grössere Rolle spielen. Ein Beispiel dafür sind die Übertragungen aus Salt Lake City, die als Gesamtpaket Radio–TV–Teletext von Swisscom, Rivella und Chevrolet gemeinsam gesponsert wurden.
Offen ist aber, wie lange die Publisuisse das Radiosponsoring noch betreuen kann. Immerhin sieht die derzeitige RTVG-Vorlage das Streichen des Sponsorings bei SRG-Radios vor. Umgekehrt hat der Bundesrat bereits wieder angedeutet, dass in Sachen Radiosponsoring alles beim Alten bleibe.
Walpen lässt auf Worte Taten folgen
Nach dem Gebührensplittingentscheid des Bundesrates vom 23. Januar hatte SRG-Generaldirektor Armin Walpen in einer ersten Stellungnahme Werbung auf DRS-Radios gefordert – als Ersatz für die abzutretenden Gebührenanteile. Unterdessen gab er auch eine Studie in Auftrag, die Aufschluss darüber geben soll, wie sich Werbung auf Radio DRS auf den übrigen Werbemarkt auswirken würde. Welches deutsche Institut diese Studie macht, wann sie beendet ist und ob sie veröffentlicht wird, wollte Heidi Ungerer, Pressesprecherin von Radio DRS, hingegen nicht sagen.