Otto Belz, Geschäftsführer der perSens AG, über den Sinn von FachseminarenVom 20. bis 22. März findet in Interlaken zum 23. Mal die schweizerische Marketing- und Verkaufsleitertagung statt. Der Verkauf und wie dieser durch die Globalisierung und die neuen Technologien beeinflusst wird, steht dieses Jahr im Mittelpunkt. Für Otto Belz hat dieses Seminar dank der unterschiedlichsten Referenten Modellcharakter.Wie viele Teilnehmer erwarten Sie für die diesjährige schweizerische Marketing- und Verkaufsleitertagung?
Otto Belz: Wir rechnen jeweils mit 200 Teilnehmern. Da sich bis Anfang Februar schon rund 150 Personen angemeldet haben, dürften wir auch dieses Jahr wieder auf die gleiche Zahl Besucher kommen.
Wen sprechen Sie an?
Belz: Marktorientierte Führungskräfte, also Persönlichkeiten, die sich intensiv mit Fragen des Marketings und Verkaufs auseinandersetzen. Immer mehr kommen auch Geschäftsführer von KMU, die sich für diese Fragen interessieren. Spannend ist auch, dass vermehrt mehrere Mitarbeiter aus demselben Unternehmen teilnehmen, um die erworbenen Lernerfolge anschliessend zu diskutieren und gemeinsam umzusetzen.
Ist es überhaupt noch zeitgemäss, ein drei Tage dauerndes Fortbildungsseminar abzuhalten, wenn sich jedermann Informationen rund um die Welt via Internet abholen kann?
Belz: Nach Interlaken kommt man, um sich mit einem Schlüsselthema des Marketings intensiv und trotzdem auf angenehme Art und Weise auseinandersetzen zu können. Dieses Jahr steht der Verkauf im Zentrum. Rund 30 Referenten werden in ihren Schwerpunktreferaten, Impuls-Workshops oder auch Intensivseminaren einzelne Aspekte dieses Generalthemas aufgreifen und beleuchten. Diese Fülle von Anregungen in einer entspannenden Atmosphäre kann kein virtuelles Seminar bieten.
Sie haben so unterschiedliche Referenten wie unter anderem Shawne Borer Fielding oder den Journalisten und Sachbuchautor Wolf Schneider aufgeboten. Nach welchen Kriterien werden die Referenten ausgesucht?
Belz: Wir versuchen, Referenten zu engagieren, die in ihrem Gebiet höchste Professionalität bewiesen haben und gleichzeitig mit Leib und Seele für das einstehen, was sie tun. Jeder von ihnen ist ein Teil der Botschaft, auch wenn einige von ihnen etwas berühmter sind als andere. Eine wesentliche Stärke der Veranstaltung liegt in der Unterschiedlichkeit der Referenten. Neue Impulse holt man sich nur bei Leuten, mit denen man sonst nichts zu tun hat und nicht bei jenen, die dieselben Seminare besuchen.
Was hat sich in den vergangenen Jahren geändert bezüglich der Spielregeln im Marketing und an der Verkaufsfront?
Belz: Einige vordergründige Entwicklungen verändern die Spielregeln: Die zunehmende Globalisierung, neue Technologien und in vielen Branchen auch ein verändertes Kundenverhalten beeinflussen die Verkaufstätigkeit enorm. Etwas grundsätzlicher scheint mir die Erkenntnis, dass wir nach Zeiten grosser Hektik erkennen, wie bedeutend solide und gut durchdachte Konzepte sein können. Wir können nur schnell sein, wenn die Grundlagen stimmen, Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. Eine andere Veränderung zeichnet sich ab, indem Einzigartigkeit wichtiger wird. Man versucht nicht mehr, Lösungen für Branchen zu entwickeln, sondern nur noch für das einzelne Unternehmen. Nicht mehr die Frage «Was kann man tun, um diese oder jene Branche zu retten?» ist wichtig, sondern nur noch die, was der Einzelne für sein eigenes Unternehmen tun kann. Entsprechend sucht man auch Lösungen in einer anderen Richtung.
Das Branding wird auch für Schweizer Unternehmen immer wichtiger. Wie weit wird diese Tatsache in Ihrem Seminarprogramm berücksichtigt?
Belz: Gemäss dem Schlüsselthema nehmen Marken und Markenführung dieses Jahr einen weniger grossen Platz ein, als das im Vorjahr der Fall gewesen ist. Trotzdem wird der aufmerksame Markenspezialist natürlich eine ganze Reihe von Anregungen für die Markenführung erhalten.
Im Vorwort zum Tagungsprogramm schreiben Sie: «Die Regeln für den Erfolg im Verkauf werden in den kommenden Monaten neu geschrieben oder als vergessene Wahrheiten neu entdeckt.» Was verstehen Sie darunter?
Belz: Die Aufgaben und die Rolle des Verkaufs sind in einem
Multi-Channel-Marketing neu zu überdenken. Die Erfolg versprechenden Märkte in Asien und in Osteuropa verlangen neue Vorgehensweisen, veränderte Kundenerwartungen fordern neue Formen der Zusammenarbeit, und nicht zuletzt müssen die alten Fragen der Leistungsbeurteilung und Entlöhnung neu gelöst werden.
In einem Untertitel zum Tagungsthema ist von der Hassliebe im Verkauf die Rede. Welche Hassliebe ist damit gemeint?
Belz: Ich erlebe in vielen Unternehmen, wie der Verkauf in den Himmel gehoben wird, von allen Strukturveränderungen und Sparmassnahmen verschont bleibt, sich mit Erfolg gegen jede neue Ausrichtung zu Wehr setzt. Genauso wird der Verkauf oft für Umsatzrückgänge, die er gar nicht beeinflussen kann, verantwortlich gemacht, unter Druck gesetzt und oft damit bedroht, liquidiert zu werden. Entscheidend dabei ist: Die Phasen folgen kurz hintereinander, das Klima kann sich sehr schnell ändern.
Was wird den Teilnehmern an den Intensivseminaren geboten?
Belz: An diesem Tag wird nur an einem Thema gearbeitet. Entsprechend erhalten die Teilnehmer wesentlich mehr Umsetzungshilfen. Interview: Anita Vaucher
Auch Psychologie verkauft
Ohne eine opulente Portion Psychologie bleibt der Erfolg im Verkauf aus. Dies dokumentiert die Referentenliste zur 23. Marketing- und Verkaufsleitertagung in Interlaken. So wird Horst Lange-Prollus etwa den «genetischen Code» des modernen Verkaufs aufschlüsseln und Hans A. Wüthrich erklären, welche Chancen «närrisches Marketing» im Verkauf besitzt. In daran anschliessenden Impuls-Workshops werden die Referate teils in Case Studies (Tabou, Hilti) vertieft. Am Ende sollten die Teilnehmer aber auch die Erkenntnis gewonnen haben, dass die Persönlichkeit des Einzelnen den Schlüssel zur erfolgreichen Kommunikation darstellt. Diese These vertritt Shawne Borer Fielding, Texanerin und Schauspielerin. Weitere Einzelheiten zur Tagung (Anmeldung und Preise) auf Seite 25 oder unter www.marktmanagement.ch