Sesselrücken bei Carat Switzerland

Das Managementteam von Carat Switzerland wird per Anfang Mai mit Beat Krebs (bisher OMD Zollikerberg) ergänzt.

Das Managementteam von Carat Switzerland wird per Anfang Mai mit Beat Krebs (bisher OMD Zollikerberg) ergänzt.Corinna Schneider, bisher Managing Director Buying & Research, wird die Agentur per Ende Mai verlassen. Von diesem Zeitpunkt an wird Geschäftsführerin Jane Borgstrom die Bereiche Einkauf und Forschung auf Geschäftsleitungsebene in ihren Bereich integrieren und sich vermehrt strategischen Aufgaben widmen. Wie sowohl Borgstrom als auch Schneider bestätigten, trennt man sich im besten Einvernehmen und auf Schneiders Wunsch. Neben Borgstrom und Krebs gehören Karin Baatsch (Carat Division) und Bruno Sterki (Finanzen) weiterhin zum vierköpfigen Management-team. Neuer Head of TV wird im übrigen Hans-Georg Bardohl, bisher Research Manager TV. Gerüchteweise war in den letzten Tagen von einem angeblichen «Debakel» bei Carat Switzerland zu hören: Demnach sollen «innert weniger Monate» 12 von 35 Mitarbeitenden gekündigt haben, Kunden unzufrieden sein, die Agentur mehrere Pitches verloren haben und Carat Switzerland aufgelöst werden. Deswegen sei auch Alexander Ruzicka, CEO von Carat Europe, letzte Woche in Zürich gewesen.
Laut Borgstrom sei Ruzicka zwar nach Zürich gereist, aber zu einem Routinebesuch. Von einer Schliessung könne keine Rede sein. Derzeit zähle die Belegschaft 38 Personen, davon sei eine Person in (selbst) gekündigter Position. Auch hätten im vergangenen halben Jahr nur etwa 6 Mitarbeitende die Firma verlassen. Von unzufriedenen Kunden weiss Borgstrom nichts, und den letzten Pitch habe man im Dezember verloren. Eben erst habe man ein neues Budget gewonnen, die Uhrenfirma Parmigiani. (mk)

Etat-News: Igora bleibt bei Bonaparte

Die Igora-Genossenschaft für Aluminiumrecycling lässt ihre Kampagnen weiterhin von der Zürcher Agentur Bonaparte kreieren.

Die Igora-Genossenschaft für Aluminiumrecycling lässt ihre Kampagnen weiterhin von der Zürcher Agentur Bonaparte kreieren.Etat-NewsIgora bleibt bei Bonaparte Die langjährige Betreuerin behielt in einer Konkurrenzpräsentation die Oberhand – «dank einer cleveren Strategie und einer überraschenden Umsetzung», wie Beratungschef Heinz Blaser meinte. Erste Ergebnisse sollen bald zu sehen sein.
M&C Saatchi pusht GE in Europa Der US-Mischkonzern General Electric (GE) hat M&C Saatchi in London damit beauftragt, seine Bekanntheit in Europa zu fördern. Es ist laut Adage Global das erste Mal, dass GE einen Konzernetat für Europa vergibt. Das Europageschäft von GE erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 24,6 Milliarden Dollar – rund ein Fünftel des gesamten Konzernumsatzes.
Rapp Collins mailt für Adobe Die Hamburger Dialogagentur Rapp Collins/Direct Friends wurde europaweit mit dem Budget für Direktmarketing und E-Mail-Marketing des US-Softwarekonzerns Adobe betraut, wie Horizont berichtete. Als internationale Leadagentur ist sie für die Steuerung der Below-the-line-Kommunikation in zwölf europäischen Ländern zuständig.
Sony lässt B2B in Europa bewerben Der Elektronikriese Sony betraut Delaney Lund Knox Warren (DLKW), London, mit dem 14-Millionen-Dollar-Etat seines Bereichs Broadcast & Professional in Europa. Er enthält Sonys B2B-Produkte wie Videokonferenzsysteme, Projektoren, Plasmabildschirme und Sicherheitsanlagen.

Weich gezeichnetes Leben

Die Sensibilität der Werber, die Zeichen der Zeit mit Pinsel und Feder zu spüren

Die Sensibilität der Werber, die Zeichen der Zeit mit Pinsel und Feder zu spürenEin neuer Auftritt für den italienischen Roller Vespa zeichnet ein Lebensgefühl nach, das nach dem Zweiten Weltkrieg die Gemüter in Italien beschwingte. Um die Nachhaltigkeit der Idee zu stützen, setzte die Zürcher Agentur Wirz, die den Auftritt konzipierte, die neuen Visuals im Pin-up-Stil illustrativ um. Es ist nicht die einzige Kampagne, die derzeit auf ein visuelles Ausdrucksmittel setzt, das seine grosse Zeit in der Werbung der Vierziger-, Fünfziger- und noch zu Beginn der Sechzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts erlebte. Indes, die relativ plötzliche Anhäufung illustrierter Werbung stellt in der Schweiz kein simples Remake oder einen neuen Retro-trend dar. Sie war bereits zu Beginn der Achtziger- und Mitte der Neunzigerjahre zu beobachten. In Zeiten also, in denen die Gesellschaft, genauso wie heute, an einem Unbehagen litt. Seite 12

Erholung vom Fernsehen, endlich

Das freiwillige Abschalten der Flimmerkiste macht in den USA allmählich Schule

Das freiwillige Abschalten der Flimmerkiste macht in den USA allmählich SchuleVon Oliver Classen Im fernsehverrückten Nordamerika hat die spassbetonte «TV Turnoff Week» paradoxerweise längst Kultcharakter. Dieses Jahr geniesst die kommende Woche zum achten Mal stattfindende Boykottaktion sogar staatliche Unterstützung. In Europa tun sich Werbe- und Medienkritiker mit einer solch kollektiven Abstinenz freilich noch schwer.
Auf CNN laufen in diesen Tagen zwei Werbespots der subversiven Art. Der eine zeigt nichts weiter als eine schwarze Mattscheibe mit einer laufenden Uhr, welche die unablässig verstreichende Lebenszeit anzeigt. Die Pointe des 30 Sekunden währenden Bildausfalls lautet: «Don’t waist any more of your time. Turn your TV off – now, and at least for one week.»
Im anderen Spot der Adbusters (siehe Beitrag auf Seite 15) sieht man, wie ein stupsnäsiges Mädchen gebannt vor der Flimmerkiste kauert und mit immer grösseren Augen ein durchaus repräsentatives US-Programm verfolgt. Zwischen Kaufaufforderung, Kanonendonner und Bettgestöhn fragt zuletzt eine sonore Stimme aus dem Off: «Woher hat sie ihr gesellschaftliches Rollenverständnis? Wer vermittelt ihr Werte und Weltsicht? Wessen Kind ist sie, Ihres oder das der TV-Stationen?» Da sich angesichts der faszinierten Nachwuchszuschauerin jede Antwort erübrigt, bleibt der anschliessende Appell nicht ohne Wirkung: «Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Kinder. Fertig lustig – fertig fernsehen.»
Bemerkenswerter noch als diese beiden eindringlichen «Uncommercials» ist die Tatsache, dass CNN sie überhaupt ausstrahlt. Bis vorletztes Jahr scheiterten nämlich noch alle Versuche der hochprofessionell arbeitenden Antiwerber, für ihre 1994 lancierte und heuer vom 22. bis 28. April stattfindende «TV Turnoff Week» Timeslots bei den grossen amerikanischen Networks zu kaufen.
Selbst der Gesundheitsminister schaltet eine Woche ab
Kurzfristig soll die mittlerweile zum alternativen Sozialritual avancierte Aktion laut Adbusters-Gründer Kalle Lasn «eine merkliche Reduktion der Einschaltquoten» bewirken; langfristiges Ziel sei indes «die Hebung der Lebensqualität und Selbstbestimmung unserer medial verseuchten Mitmenschen». Kein Wunder also, weigern sich ABC, CBS und NBC bislang standhaft, diese Trojanischen Pferde auf ihren Werbeblock-Rennbahnen einlaufen zu lassen.
Aber auch in Europa, wo vor allem britische, französische und skandinavische Aktivisten via Internet und Handzettel Werbung für die «TV Turnoff Week» machen, sind Lasn und seine zumeist ehrenamtlichen Mitstreiter mit ihren «Uncommercials» bislang abgeblitzt.
Dass diese (notabene gegen das Recht auf freie Meinungsäusserung verstossende) Aussperrungsstrategie auf Dauer kontraproduktiv ist, zeigt die wachsende Zahl von Nordamerikanern, die der Abstinenzaufforderung gerade wegen dieses von Adbusters natürlich öffentlich gemachten Boykotts Folge leisten. Dieses Jahr solidarisiert sich gar der amerikanische Gesundheitsminister mit «Greenpeace für den Kopf» (Eigenwerbung) – aus rein volksgesundheitlichen Gründen, versteht sich. Immerhin rangieren Übergewicht und Fettleibigkeit in der «Couch-potato»-Nation USA auf Platz zwei der häufigsten vermeidbaren Todesursachen.
Übermässiger TV-Konsum – im amerikanischen Durchschnittshaushalt läuft die Flimmerkiste täglich während über sieben (!) Stunden – zeitigt aber auch psychische Kollektivfolgen. Die für die Mediengesellschaft zweifellos relevanteste, zugleich aber auch umstrittenste davon ist die erhöhte Gewaltanwendung von TV-Junkies. Zusätzliches Wasser auf diese Mühle der Fernsehkritiker lenkte kürzlich ein im renommierten Wissenschaftsmagazin Science geführter Nachweis, dass sich Fernsehkonsum und Gewaltbereitschaft bei erwachsenen US-Bürgerinnen und -Bürgern «direkt proportional» verhalten. Auch wenn diese Korrelation etwas gar polemisch und pauschalisierend wirkt: Tatsache ist, dass ein Zwölfjähriger im Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Schnitt über 17000 Bildschirmtote gesehen hat.
Kontrolliertere Abgabe der Volksdroge Nummer eins?
Bei uns liegt diese Zahl und der damit verbundene Leidens- und Handlungsdruck (noch) deutlich tiefer. Aus diesem Grund sind Fernsehboykotts in deutschsprachigen Ländern seit den in allen Gesellschaftsfragen kritischen Siebzigerjahren kein ernsthaftes Thema mehr. Der letzte prominente Politiker, der sich in unseren Breiten öffentlich für eine kontrolliertere Abgabe der Volksdroge Nummer eins stark machte, war Helmut Schmidt.
Sein «Plädoyer für einen fernsehfreien Tag» von 1978 löste damals, vor der Liberalisierung des Medienmarkts, einen Orkan der Entrüstung aus. Schauspieler, Gewerkschafter und vor allem angehende TV-Unternehmer wehrten sich vehement gegen eine solch kulturpessimistische Attitüde und oberlehrerhafte Bevormundung. Der Altbundeskanzler und heutige Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit liess sich davon jedoch nicht beeindrucken und warnte unverdrossen – und in weiser Voraussicht auf die Murdochs und Berlusconis dieser Welt – weiter vor diesem «Medium, mit dem künftige Cäsaren sich in die Seele der Menschen eingraben».
Aber auch in der Schweiz verfügen Fernsehskeptiker bis dato über keine nennenswerte politische Lobby. Und dies obwohl einer der wenigen bekennenden TV-Abstinenzler Christoph Blocher heisst. Seine Begründung («Ich lasse mir doch nicht von irgendjemandem einfach in die Stube reden») tönt wie üblich etwas einfach, für einmal aber durchaus einleuchtend.
Das findet auch der Basler Medienpädagoge Bernhard Chiquet. Er ist einer der wenigen offiziellen, sprich: im Online-Aktivistenverzeichnis von adbus ters.org aufgeführten Schweizer Teilnehmer an der diesjährigen weltweiten Abschaltaktion. «Immer mehr Mütter und Väter resignieren angesichts der Bildschirmsucht ihrer Kinder. Mit diesem freiwilligen, spielerischen Denkanstoss möchte ich versuchen, meine Schüler und deren Eltern für diese Problematik zu sensibilisieren», sagt er.
Dafür hat Chiquet schulintern eine Art Abstinenzwettbewerb ausgeschrieben. Der Gewinnerin winkt – in guter bildungsbürgerlicher Tradition – ein Büchergutschein. Diese Idee ist in Amerika längst zu einem landesweiten Programm ausgebaut. Sein Name: «More reading, less TV». Seine Trägerin ist die internetbasierte Stiftung «TV-Turnoff Network».
Weitere Anti-TV-Sites:

www.tvturnoff.org
(USA)
www.whitedot.org
(Grossbritannien)
www.antipub.net
(Frankreich)
www.uschi-braun.de
(Deutschland)

Feinde des Konsumterrors

Adbusters schlagen mit den Waffen der Werbung zurück

Adbusters schlagen mit den Waffen der Werbung zurückDer Konsum- und Mediengesellschaft Sand ins ökonomische Getriebe streuen: So lautet das erklärte Ziel der 1990 von Kalle Lasn in Vancouver gegründeten Adbusters (eine Wortkombination aus «Advertising» und «to bust» = zerschlagen). Die raffinierten Mit-tel zu diesem werbekritischen Zweck heissen «Subvertisments» respektive «Uncommercials» und sind Parodien auf real existierende Imagekampagnen amerikanischer Global Brands wie Philip Morris, Camel, Coca-Cola, Nike oder Calvin Klein.Eine subtile Form der Systemkritik
Diese Strategie ist ungleich witziger und somit effektvoller als moralinsaure Gegenwerbung, die vor allem in kirchlichen Kreisen oder von fundamentalistisch geprägten Pädagogen vertreten wird. Besonders im deutschen Sprachraum wird diese Position gelegentlich in Satiremagazinen wie Titanic oder Pardon verbreitet. Deren zumeist handgestrickte Slogans und Sujets greifen den Gegner aber frontal an und wirken deshalb zumeist grob, uninspiriert und banal – mit anderen Worten: Sie verfehlen ihre Wirkung.
Beim «Subvertising» hingegen werden Ästhetik und Image des Originals von Kreativprofis, die irgendwann vom Kommerzglauben abgefallen sind und mit den Adbusters die weltweit erste Antiwerbeagentur betreiben, mit geistreicher Ironie in ihr Gegenteil verkehrt.
«Werbebotschaften bis zur Kenntlichkeit entstellen», nennt Lasn diese subtile Form der Systemkritik. Ideologisch sind «die letzten Partisanen der Kommunikationsgesellschaft» (New York Times) trotz ihres sorgfältig gepflegten Rebellenimages kaum zu verorten. Diesen Eindruck bestätigt der oberste Adbuster in seiner leider (noch?) nicht auf Deutsch vorliegenden Programmschrift Culture Jam: «Wir sind nicht links oder rechts, wir sind einfach geradeaus.» Ein Rezept, das glatt aus dem Konzeptbuch eines Werbers stammen könnte … Oliver Classen
Kalle Lasn: Culture Jam. How to Reverse America’s Suicidal Consumer Binge – And Why We Must. Harper Collins, New York 2001.

SWA trennt sich mit Nebengeräuschen von Schwab

Er hat viel erreicht, war initiativ und kämpferisch: Jetzt muss Fredi Schwab, Direktor des Schweizer Werbe-Auftraggeberverbands (SWA), nach fünfjähriger Tätigkeit seinen Hut nehmen.

Er hat viel erreicht, war initiativ und kämpferisch: Jetzt muss Fredi Schwab, Direktor des Schweizer Werbe-Auftraggeberverbands (SWA), nach fünfjähriger Tätigkeit seinen Hut nehmen.Man trenne sich im gegenseitigen Einvernehmen, meldet das SWA-Communiqué. Der Abgang erfolgt ratenweise. Laut Gérard Stalder, Präsident des SWA, wird Schwab bis Ende September 2002 die beiden Projekte Suisa-Verhandlungen und RTVG-Verfahren betreuen. Nachfolger von Schwab wird ab sofort Jürg Siegrist. Er war während 30 Jahren in der Kommunikationsbranche in leitender Stellung im Bereich der Auftraggeberschaft (Werbeleiter Bell AG) und in Agenturen (unter anderem Geschäftsleitungsmitglied von Euro RSCG) tätig.
Schwabs Abgang erfolgte nicht ohne Nebengeräusche: Laut Recherchen der WerbeWoche waren Differenzen zwischen Schwab und dem Vorstand unter Gérard Stalder mitschuldig für die Trennung von Schwab. «Herr Schwab hatte den Wunsch, ein Kompetenznetzwerk aufzubauen, wir fanden, dies passe nicht zu uns», sagt Stalder. Von unüberbrückbaren Differenzen zwischen dem Vorstand und Schwab will er aber nichts wissen.
Schwab plant den Aufbau eines Kompetenznetzwerks für Interimsmanagement und Coaching in Marketing und Kommunikation. Es soll als AG bis Herbst realisiert sein. (af)

Etat-News: Uno beauftragt Genfer McCann

Die International Telecommunication Union (ITU) hat McCann-Erickson, Genf, mit ihrer Neupositionierung, dem Branding und der Kommunikation beauftragt.

Die International Telecommunication Union (ITU) hat McCann-Erickson, Genf, mit ihrer Neupositionierung, dem Branding und der Kommunikation beauftragt.Etat-News Uno beauftragt Genfer McCann Als Teil der Uno ist die ITU zuständig für die Koordination der Entwicklung, Standardisierung und Regulierung der weltweiten Telekommunikation. McCann-Erickson wird für die ITU und den Ausstellungsbereich ITU Telecom, der Grossevents wie die Messe World Telecom organisiert, tätig werden.
Ivony erfrischt CD von Saia-Burgess Die junge Zürcher Designagentur Ivony hat von der Saia-Burgess Electronics Holding den Gesamtetat für Corporate Design erhalten. Im Rahmen der Neuausrichtung ihres Auftritts will die Herstellerin von Schalt- und Steuermechanismen ihre gesamte Markenkommunikation konsequenter durchsetzen. Nachdem die Grundsätze der Markenführung neu definiert und Logo und Design-Grundlagen entwickelt worden sind, geht Ivony das umfassende Redesign des kommunikativen Auftritts an. Die Entwicklung und Implementierung des weltweiten Corporate Design in Print und Online schliesst auch ein Konzept für die gesamte Produkteliteratur des Unternehmens mit ein.

Das Erbe wird schon ausbezahlt

2001 nahm die Publisuisse weniger Werbegelder ein und spürt Aufwind nach dem Aus von Tele 24 und TV 3

2001 nahm die Publisuisse weniger Werbegelder ein und spürt Aufwind nach dem Aus von Tele 24 und TV 3Von Markus Knöpfli Obwohl sie letztes Jahr 7,4% weniger Einnahmen bei der TV-Werbung verbuchte, schaut die Publisuisse optimistisch in die Zukunft: Bereits wird wieder mehr ins TV investiert. Zudem: Die Konkurrenten TV 3 und Tele 24 sind weg vom Markt.
Während der Bruttoumsatz im Schweizer Werbemarkt 2001 gegenüber dem Superwerbejahr 2000 um 3% abgenommen hat, sind die Investitionen in die
TV-Werbung brutto doch um 5,4% gestiegen. Davon spürte die Publisuisse, Werbezeitvermarkterin der SRG, allerdings nichts. Sie setzte in der TV-Werbung 7,4% weniger um. Von den Netto-Werbeeinnahmen der SRG-Sender stammen 192,4 Millionen Franken aus der Deutschschweiz, 92,2 Millionen aus der Romandie und
12,9 Millionen aus dem Tessin. Als einziger SRG-Sender hat nur SF 2 positiv abgeschlossen, er konnte gegenüber 2000 gar 2,4% zulegen.
«Wir hatten kein besonders gutes Jahr», sagt deshalb Publisuisse-Direktorin Ingrid Deltenre. Der Publisuisse-Nettoertrag belief sich auf 298,9 Millionen Franken, 22,6 Millionen weniger als 2000 und sogar 8 Millionen weniger als 1999. «Schuld» daran waren neben der rückläufigen Konjunktur primär TV 3 sowie – in geringerem Ausmass – Tele 24. «TV 3 hat uns einiges gekostet», gesteht Deltenre. Von ihrem Nettoertrag liefert die Publisuisse nun 267 Millionen Franken an die SRG ab, 31 Millionen weniger als 2001.
Die Zuschauer kehren zurück – vor allem zu SF 2
Einen Lichtblick kann Deltenre dennoch ausmachen: Die Marktanteile der SRG-TVs blieben in den letzten zehn Jahren in allen Landesteilen auf über 35% stabil, obwohl sich die Zahl der empfangbaren TV-Programme verdreifacht und die TV-Nutzung kaum zugenommen hat.
Fürs laufende Jahr sieht Deltenre wieder Schönwetterwolken. So waren in den ersten vier Monaten (ausser im Februar) steigende Umsätze gegenüber derselben Periode im 2001 zu verzeichnen, im April liegen sie gar 10% höher. Insgesamt rechnet man für 2002 mit einem Resultat, das leicht über dem von 2001, aber immer noch deutlich unter dem Rekord von 2000 liegt. Mit ein Grund für diese Entwicklung ist das Verschwinden von TV 3 und Tele 24: Die Zuschauer kehren wieder zu SF DRS zurück, vor allem SF 2 profitierte davon (siehe Grafik), darüber hinaus aber auch von der Übertragung der Winterolympiade.
Während die Publisuisse bisher nach dem Kostendeckungsprinzip arbeitete und den ganzen Reingewinn an die SRG ablieferte, erhält sie künftig eine Provision auf die Nettoeinnahmen. Damit wird sie unternehmerisch flexibler. Die konkreteste Folge: Die Publisuisse will künftig auch Dritte vermarkten. Bereits laufen laut Deltenre Gespräche mit diversen möglichen Partnern, so mit dem TeleNewsCombi (TNC). Man ist daran, bis Herbst Kombiangebote zwischen TNC und bestimmten SRG-Sendungen (beispielsweise «Schweiz aktuell») aufzugleisen (siehe WW 6/02). Neu betreut die Publisuisse zudem das Sponsoring für die SRG-Radios (siehe WW 10/02).

Radio Aktuell sieht neu aus und tönt auch neu.

Seit dem 15. April ist Radio Aktuell ein Formatradio, das sich dem Sound der Achtziger- und Neunzigerjahre verschrieben hat.

Seit dem 15. April ist Radio Aktuell ein Formatradio, das sich dem Sound der Achtziger- und Neunzigerjahre verschrieben hat. Veranlasst wurde dieser Relaunch vom neuen Geschäftsführer André Moesch, der dafür die Firma Coleman aus Hamburg beizog. Die hatte schon die Radios Basilisk, BE1, Pilatus und 24 beraten. Eine Coleman-Studie ergab, dass Aktuell bisher kein klares Profil hatte. Mit dem Soundwechsel erhält Radio Aktuell auch ein neues Logo. Ein Namenwechsel zu Radio Ostschweiz war zwar diskutiert, schliesslich aber verworfen worden. Logo und Relaunch werden jetzt breit kommuniziert (siehe Seite 29).Freddy Burger und Copromotion gründen Event Schweiz. Die Entertainment-Gruppe Freddy Burger Management, Zürich, und die Basler Eventagentur Copromotion legen ihre Corporate-Event-Bereiche zusammen und gründen eine neue Firma, Die Event Schweiz AG. Sie wird ihr Domizil am Sitz von Copromotion haben und in Zürich ein weiteres Büro eröffnen. Als Generalunternehmerin für Business Events soll die Firma zu einem nationalen Major Player werden.
Edipresse halbiert Gewinn – trotz Umsatzplus. Die Westschweizer Verlagsgruppe Edipresse hat das Geschäftsjahr 2001 mit deutlichem Rückgang bei Ergebnis und Gewinn abgeschlossen. Der Umsatz wurde um 0,5% auf 714,6 Millionen Franken gesteigert. Dies sei laut Edipresse dem guten Ergebnis in Polen (plus 22%) zu verdanken, während die Geschäfte in der Schweiz stabil blieben (+0,3%) und in Spanien um 5% zurückgingen. Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte demgegenüber um 25% auf 67,98 Millionen Franken. Der Reingewinn sank um fast die Hälfte, von 59,8 Millionen auf 30 Millionen Franken.
Grössenwahn. Nicht nur in Sachen Autos wird Grösse häufig, aber irrtümlich mit Potenz und dem Prinzip der natürlichen Auslese gleichgesetzt. An diesem monumentalen Irrtum des starken Geschlechts delektieren sich nicht nur Frauenmagazine. Auch die Agentur FCB Leutenegger Krüll macht sich in einem irritierend witzigen TV-Spot einen Spass aus dem vorsintflutlichen Denkmuster. Um die Awareness des neuen Daihatsu-Slogans zu vergrössern, geraten sich im Ministreifen zwei Buben darüber in die Haare, wessen Vater nun tatsächlich den Kleineren hat. Gemeint ist natürlich das Auto, und natürlich ist der Gewinner der Besitzer des YRV Turbo.
Schweizer zahlen am meisten für Radio und TV. Das teuerste öffentlichrechtliche Radio- und Fernsehprogramm in Europa leistet sich die Schweiz. Mit 156,5 Euro (230 Franken) pro Kopf müssen die Schweizer am tiefsten für Radio und TV in die Taschen greifen. Dies geht aus einer Aufstellung des Europarats in Strassburg hervor. Bei der Berechnung wurden neben Gebühren und Subventionen für die Sender auch deren sonstige Erträge (Werbung/Sponsoring oder Programmverkäufe) berücksichtigt. Mit recht grossem Abstand folgen Island (178 Franken), Österreich (172 Franken), Dänemark (169 Franken) und Grossbritannien (153 Franken). In Deutschland schlugen Radio und Fernsehen mit 143 Franken pro Kopf zu Buche. Deutlich billiger gucken die Franzosen (82 Franken), die Italiener (72 Franken) und die Spanier (50 Franken) in die Röhre.
God bless Argovia. Für die Kommunikation der Amerika-Ausstellung im Konsumtempel Shoppi & Tivoli gründete die Zürcher Agentur Wyler Werbung kurzerhand den 51. Bundesstaat der USA. Dazu passend entwickelten CD Ruedi Wyler und AD Andreas Konrad eine plakative Flagge – ein Hybrid aus Stars and Stripes und dem Aargauer Kantonswappen – und hissten sie mit typisch amerikanischem Pathos auf Plakatstellen im Rüebliland. «Wir suchten eine einfache Lösung, die nicht auf ein spezielles Exponat hinweist», erklärt Wyler. Der Shoppingcenter-Werber bietet nach seiner glatten Ära seine gesammelte Erfahrung der Spreitenbacher Konkurrenz an. Für die bevorstehende Ausverkauf-Kampagne stehe eine Politparodie auf dem Plan, ist von der Agentur zu erfahren. Man darf gespannt sein.
Hersant lanciert Gratiszeitung für Genf. Die französische Verlagsgruppe Hersant, die kürzlich die beiden Regionalzeitungen L’Impartial und L’Express erworben hat, kündigt die Lancierung einer Gratis-Wochenzeitung für die Region Genf an. Das Blatt verzichtet auf redaktionellen Inhalt und soll über Anzeigen und Werbung finanziert werden.
Exxtra gewinnt mit Perskindol beim Comprix. Schweizer Erfolg am deutschen Comprix-Preis für innovative Pharma-Kommunikation: Die Werbeagentur Exxtra, Zürich, gewann Gold in der Kategorie OTC mit dem TV-Spot «Fallschirm» für die Schmerzsalbe Perskindol. Die Tochter von Advico Young & Rubicam hatte für den Spot bereits vom ADC Schweiz Bronze erhalten. Insgesamt wurden am 10. Comprix-Preis 18 Arbeiten ausgezeichnet. Mit 293 Einreichungen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum ging das Interesse gegenüber dem Vorjahr (356) deutlich zurück. Der Comprix wird von Auftraggebern, Agenturen und der medizinischen Fachpresse getragen.
Editorial

Der Konsum kennt kein Jenseits
Das schlechte Gewissen gehört zum Konsum wie das Amen zum Abschluss der liturgischen Handlung. Seit den Verzichtslehren der Antike, der frühchristlichen Weltflucht und Calvins Prädestinationslehre hat sich das Vergnügen, Dinge zu konsumieren, nicht von seinem schlechten Ruf erholt. Doch historisch betrachtet hat der langen Tradition der Verzichtsmoral nur ausnahmsweise auch eine Praxis der Askese entsprochen. Die weltlichen Verführungen haben bislang noch fast
alle ereilt, die sich der Enthaltsamkeit verschrieben haben. Gerade die
68er-Rebellen (Sex, Drugs, Rock ’n’ Roll) zeigten eindrucksvoll, wie unbekümmert sie ihre Opposition gegen den so genannten Konsumterror mit generationsspezifischen Genussalternativen zu verquicken wussten. Es ist nur logisch, dass auch in unserer heutigen Konsumgesellschaft nichts so gerne konsumiert wird wie die Kritik am Konsum.
«I shop, therefore I am»: Der auf eine Einkaufstasche gedruckte Spruch der New Yorker Künstlerin Barbara Kruger bringt unsere Alltagsphilosophie auf den Punkt. Wer einmal erkannt hat, dass es kein Jenseits in der Konsumgesellschaft gibt, wird diese mit den Mitteln des Konsums zu verändern versuchen, ganz nach dem Motto «Fight the fire with fire». Eine, der diese Einsicht zum Programm erhoben hat, ist der Kanadier Kalle Lasn. Als Enfant terrible der Werbung schlägt er die Mediengesellschaft mit deren Mitteln. Seine Anzeigen und Spots unterhalten und verführen wie die seiner Gegner; sie machen Schluss mit dem freudlosen Protestlook und der moralinsauren Antiwerbung hiesiger Provenienz. Mehr dazu auf den Seiten 5, 14 und 15. Samuel Helbling, Chefredaktor

Kopf der Woche: «Im Bauch war die Wahl schnell getroffen»

Geri Aebi kehrte nach fünfzehn Jahren in die Schweiz zurück und übernahm die Leitung von Wirz Werbung

Geri Aebi kehrte nach fünfzehn Jahren in die Schweiz zurück und übernahm die Leitung von Wirz WerbungKopf der Woche «Im Bauch war die Wahl schnell getroffen»
Zuerst habe ich nur gelacht und spontan abgelehnt», erinnert sich Geri Aebi an die erste Anfrage, ob er bei Wirz Werbung als CEO einsteigen wolle. Zu diesem Zeitpunkt sass er in Wien und leitete die Geschäfte von Lowe GGK. Mittlerweile hat er die Meinung jedoch geändert.
Nach 15 Jahren hat Aebi die Donaustadt verlassen, in die er auszog, sein Werberglück zu finden. Nach einem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium und vier Jahren als Texter in der damaligen Agentur seines Bruders Jean Etienne, Aebi & Partner, befand er 1987, dass die Zeit reif sei für einen Auslandaufenthalt. Er verliess die Schweiz aber mit der Vorstellung, ihr nur für ein, zwei Jahre den Rücken zu kehren. Geri Aebi heuerte bei Demner & Merlicek an. Zwei Jahre und eine Weltreise später wechselte er zu GGK Wien. «Dann ist es irgendwie dumm gelaufen, und ich bin dort hängen geblieben», untertreibt der 43-Jährige seinen Aufstieg zum CD und schliesslich zum Geschäftsführer der Agentur.
Eine Rivalität zwischen werbenden Brüdern war kein Grund für ihn, die Schweiz zu verlassen, ist aber auch kein Hindernis zurückzukehren: «Aus meiner Warte gab es nie eine Konkurrenz. Wir verstehen uns bestens. Und Jean Etienne ist 14 Jahre älter als ich, das ist ja fast schon eine andere Generation.» Anlass für eine Profilierungsneurose sieht der jüngere Bruder nicht, und der Ältere muss wohl auch nicht fürchten, dem Frieden zuliebe seinerseits das Land verlassen zu müssen.
Den Zeitpunkt für eine Rückkehr in die Heimatstadt sieht Aebi als optimal: «Meine beiden Söhne sind 6 und 9 Jahre alt, jetzt können wir sie noch relativ problemlos verpflanzen. Das war für mich eines der Zeichen an der Wand.» Ein weiteres sah er im Umzug der Wirz Werbung in ein brandneues Gebäude, das für die Agentur den Beginn einer neuen Ära markiert. Für Aebi hiess es «jetzt oder nie», und nach Gesprächen mit Jost Wirz und Hans-Ueli Schweizer entschied sich der Werber fürs «Jetzt».
Leicht ist ihm der Auszug aus Österreich nicht gefallen: «Im Bauch war die Wahl schnell getroffen, aber der Schädel brauchte eine Weile, um nachzuziehen.» Der Reiz, sich nochmals in den Hintern zu kneifen und neu anzufangen, statt bequem sitzen zu bleiben, überwog.
Ans enge, überschaubare Zürich muss er sich erst wieder gewöhnen. Aber auch fürs Nachbarland findet er kritische Worte: «In Österreich bemühen sich die Agenturen weniger um kreative Exzellenz, man gibt sich schneller zufrieden, und das ist gefährlich.» Der härtere Wettbewerb in der Schweiz reizt ihn, und Wirz in diesem Umfeld als kreative Marke weiter zu profilieren, setzt er sich zum Ziel.
Auch über die Solidarität unter helvetischen Agenturen ist er nicht unglücklich: «Es ist nichts als vernünftig, wenn sie sich nicht dauernd gegenseitig schaden wollen. Wir sitzen alle im gleichen Boot namens Werbung, und die See ist momentan rau genug.»
Bruno Amstutz

News: Futur(e)s drückt auf Agefi-Gewinn

Die Westschweizer Mediengruppe Agefi erzielte 2001 einen Nettogewinn von nur gerade 41469 Franken (Vorjahr: 880000 Franken).

Die Westschweizer Mediengruppe Agefi erzielte 2001 einen Nettogewinn von nur gerade 41469 Franken (Vorjahr: 880000 Franken).News Futur(e)s drückt auf agefi-Gewinn Der Rückgang wird mit den Schliessungskosten für die New-Economy-Zeitschrift Futur(e)s in der Höhe von 2,87 Millionen Franken begründet, die Agefi vollständig abgeschrieben hat. Insgesamt kostete Agefi das Projekt 7,2 Millionen Franken. Der Umsatz blieb mit 20,93 Millionen Franken stabil (Vorjahr 21,91 Millionen). Das Betriebsergebnis sank von 5,4 Millionen auf 3,02 Millionen Franken.
Star-interaktiv-TV Der Entertainment-Spartensender Star-TV hat beim Bundesamt für Kommunikation ein Konzessionsgesuch für einen nationalen Sender eingereicht, auf dem Star-TV interaktive Unterhaltungsangebote ausstrahlen will. In einer ersten Phase werden Spiele angeboten, an denen sich die Zuschauenden via Internet oder Handy beteiligen können.
Jahrbuch Boom Boom, das Monatsmagazin für Unternehmer und Firmengründer, wird zu einem Jahrbuch umgewandelt. Dazu hat sich die Herausgeberin Jobindex Media angesichts des schlechten Geschäftsgangs entschlossen. Die Abonnenten des Monatsmagazins erhalten als Ersatz bis Ende Jahr die Wirtschaftszeitung Cash nach Hause geliefert.

Lokal-TV gewinnt weiter an Boden

SRG-Forschungsdienst bescheinigt auch Privatradios Zuwachs der Reichweiten

SRG-Forschungsdienst bescheinigt auch Privatradios Zuwachs der ReichweitenVon Daniel Schifferle Das private Regionalfernsehen ist in der Schweiz weiter im Vormarsch. Dies zeigen die neuesten Zuschauerzahlen, die der SRG-Forschungsdienst am vergangenen Freitag präsentierte. Nach dem Scheitern von Tele 24 und TV 3 ist das zur Abwechslung mal eine gute Nachricht.
Die Sender des TeleNewsCombi (TNC) – Tele Züri, Tele Bärn, Tele Basel, Tele M1, Tele Tell, Tele Top, Tele Ostschweiz und Tele Südostschweiz – erzielten im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Tagesreichweite von 21,6% oder wurden von rund 1,1 Millionen Zuschauern gesehen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um immerhin 130000 Personen oder mehr als 13%. Ein schöner Zuwachs. Die durchschnittliche Sehdauer betrug 14,5 Minuten pro Tag.
Das gewachsene Interesse an den Lokalfernsehsendern spiegelt sich ebenfalls in einem gestiegenen Marktanteil. Insgesamt verbesserten sich die acht TNC-Sender um 0,3 auf 2,3 Prozentpunkte.
Tele Züri hat Reichweite nach Tele-24-Sendeschluss gehalten
Die Stärke und die Entwicklung der einzelnen Stationen präsentieren sich jedoch von Region zu Region höchst unterschiedlich. Bei Tele Züri krebste der Marktanteil im ganzen Jahr 2001 auf 4,7% zurück (2000: 5,1%), womit der Sender rund 31% der Zürcher Bevölkerung erreichte. Interessanter sind allerdings die Zahlen nach der Einstellung von Tele 24 und dem Abgang von Roger Schawinski. Entgegen verbreiteter Befürchtungen gingen die Zuschauerzahlen in den ersten Monaten nach dem Aus nicht runter.
Erfreulich sieht es ebenfalls für Tele Tell aus, das seine Zuschauerleistung von Jahr zu Jahr kontinuierlich steigern konnte. Im 2001 legte der Zentralschweizer Sender nochmals um 4000 Personen zu und erreichte damit 84000 Personen oder 16% der Bevölkerung im Konzessionsgebiet ab dem Alter von drei Jahren. Auf genau den gleichen Wert kam Tele Basel, das aber bei der Reichweite mit 18% die Nase vorn hat. Leicht rückläufig waren hingegen die Zuschauerzahlen bei Tele M1, das auf 18% Reichweite zurückbuchstabierte (2000: 19%). Allerdings konnte Tele M1 den Marktanteil, der sich aus Zuschauerzahl und durchschnittlicher Sehdauer zusammensetzt, bei 1% halten. Das heisst, es schalteten zwar etwas weniger Leute den Sender ein, diese blieben aber länger dran.
Westschweizer und Tessiner Lokalsender weniger genutzt
Steigerungen verzeichnet ebenfalls Tele Top, das seine Reichweite um 12000 Personen auf 63000 ausbaute. Dessen Konkurrent Tele Ostschweiz konnte zwar ebenfalls um 6000 Zuschauer zulegen, bleibt aber mit 53000 täglichen Zuschauern deutlich hinter Top zurück.
Weitaus geringere Publikumszahlen erzielen die Westschweizer Lokal-TVs. Léman bleu kam auf eine Tagesreichweite von 5,7% oder 26000 Personen, was gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 2000 Zuschauer bedeutet. TV Région Lausanne (TVRL) stagnierte bei einer Reichweite von 7,2% oder 21000 täglichen Zuschauern. Auch die durchschnittliche Sehdauer pro Tag lag in der Romandie mit 5,5 Minuten hinter den Vergleichszahlen aus der Deutschschweiz zurück.
Deutlich besser präsentiert sich das noch junge Tessiner Lokalfernsehen Tele Ticino. Es konnte seine Reichweite im vergangenen Jahr um 9000 auf 57000 Zuschauer ausbauen. Dies entspricht immerhin 18% der Bevölkerung – ein Wert, der nur gut 3% hinter dem Durchschnitt der TNC-Partner zurückliegt. Auch mit seiner durchschnittlichen Sehdauer von rund 10 Minuten lässt Tele Ticino die Westschweizer mit grossem Abstand hinter sich, hat aber im Vergleich mit den TNC-Sendern (14,5 Minuten) noch Aufholpotenzial.
Dank neuer Messmethode im Vormarsch

Auf Grund der neuen Messmethode mit Radiocontrol ist der Abstand zwischen den privaten Radiosendern und den von der SRG betriebenen Radiostationen im vergangenen Jahr zusammengeschmolzen. Die Deutschschweizer Privatradios kommen auf eine Nettoreichweite von 57,6%, alle DRS-Programme zusammen auf 62,8%. Gegenüber der früheren SRG-Medienstudie, deren Werte allerdings nicht mit Radiocontrol vergleichbar sind, sei die Distanz um rund die Hälfte kleiner geworden, streicht Martin Muerner, Vizepräsident des Verbandes Schweizer Privatradios, hervor.
Ebenfalls keine Vergleiche mit dem Vorjahr erlaubt das Ranking der Privatradios. Deshalb ist in der Grafik dieses Mal ausnahmsweise nur das aktuelle Jahr 2001 ausgewiesen.

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