AufgefallenZweideutige Wortspiele sind immer wieder erheiternd, auch wenn sie von Werbetextern stammen. Sicher, ich weiss, worüber ich schreibe. Angetrieben von der Überzeugung, dass fast jeder Gedanke erst mal below the Gürtelinie zielt, bevor er formuliert wird, lässt sich in so mancher Kampagne die
ach so clever versteckte Sexbotschaft erkennen. Langweilig wirds allerdings, wenn die Aussage dem Niveau eines unkreativen Stammtischgrüppchens entstammen könnte. Siehe dazu das abgebildete Beispiel aus dem Hause InterDiscount. Die Blicke werden auf der Front des Folders mit dem halbnackten Teaserbild «Callboy» angezogen. Auf den Seiten 2 und 3 folgt die Auflösung. Der Callboy ist ein Monteur – der so viel Service bringt, wie Sie wollen. Copy: «…denn ob ers bringt, entscheiden Sie.» Gähn! Was bringt er denn? Einen Fernseher? Hab ich schon. Wir entscheiden einstimmig und fern aller Stammtische, dass es diese Kampagne aber überhaupt nicht bringt. Und damit auch dies noch klar ist: Callboys sind sowieso out. Chandra Kurt
[email protected]Kolumne
Saumagen
Von Martin Lanz
Als ich bei GGK Texter war, schrieben wir mit Bleistift. Bei Wirz erhielt ich eine elektrische Schreibmaschine. Bei Grendene & Lanz (G+L) leistete ich mir eine IBM-Kugelkopf. Unser erster Kunde bei G+L war Rank Xerox. In einer Konkurrenzpräsentation mussten wir beweisen, dass wir in der Lage sind, ein echt sensationelles Gerät auf den Markt zu bringen. Man konnte damit in einer halben Stunde eine A4-Seite von einem Ort zum anderen übertragen – auch Bilder und so. Telex ade.
Seit sogar Markus Ruf einen hat, ist es Zeit, den PC mit etwas Einfacherem, Schnellerem zu ersetzen. Nur noch ein paar Mal schlafen.
1878 wurden der Western Union die Rechte am Telefon angeboten; sie lehnte ab: «Was soll das Unternehmen mit einem elektrischen Spielzeug?» Vor rund 10 Jahren hatte mein Freund Fredy Eggler eines der ersten Mobiltelefone. Es war ein Koffer von über 2 Kilo… «Das Pferd wird bleiben, das Auto ist nur ein Gag.» Das sagte der Präsident der Michigan Savings Bank, als er Henry Fords Anwalt riet, nicht in die Ford Company zu investieren. «Flugmaschinen, die schwerer sind als Luft, sind ein Ding der Unmöglichkeit.» (Lord Kelvin 1895.) Und in zwei Jahren sind Natels leichter als Luft. «…Die Leute werden rasch die Nase voll haben, abends auf eine Sperrholzschachtel zu starren.» (Daryl F. Zanuck, Chef des Filmstudios 20th Century Fox, 1946 zum Thema Fernsehen.)
An der Antwort «Es geht nicht, weil wir es schon immer so gemacht haben» wirst du merken, dass du eine gute Frage gestellt hast. Und dass es höchste Zeit ist, den Chef auszuwechseln. Auch wenn der schon einen Saumagen eingebaut hat, ein Schimpansenherz, ein Sulzer-Knie und einen halben Meter Darm aus Polyäthylen.
Charles H. Duell riet 1899 dem US-Präsidenten William McKinley, das Patentamt abzuschaffen: «Alles, was erfunden werden kann, ist schon erfunden worden.» [email protected] Martin Lanz ist freier Texter und Leiter der KRAZ in Zürich.
Business Lunch
Judith zaubert paradiesische Gerichte aus ihren Töpfen
Urs Heller, Chefredaktor des jährlich Toques verteilenden «Gault Millau Schweiz», ist ein kluger Mann. Er kürte Judith Sourvinos-Hollenstein 2002 zur Köchin des Jahres. Im Hotel Post in Ebnat-Kappel wirkt sie, mit Ehemann Aristo an der Front, seit Jahren auf hohem Niveau und leistet im Schnitzel-Pommes-frites-Toggenburg kulinarische Entwicklungshilfe. Ihre unprätentiöse Art, ihr offenes Wesen hat schon manche Köchin und manchen Koch im Churfirstenland dazu animiert, den Subaru-Fahrern und Helly-Hansen-Trägern mal was anderes vorzusetzen als die Tiefkühlkost der Grossverteiler.
Freilich, lange bevor Urs Heller sich ins Toggenburg verirrte, haben sein unvergleichlich witziger und literarisch gebildeter Vorgänger Silvio Rizzi und der Autor dieser Zeilen manchen Abend im rüschenbesetzten Stübli (sehr angenehm, viel Platz) oder in der währschaften Bauernstube verbracht und mit wachsender Bewunderung die Schritte verfolgt, die Judith auf dem Weg ins lukullische Paradies setzte, derweil Aristo Mal für Mal den Weinkeller um erlesene Tropfen ergänzte und sich nicht scheute, die edlen Preziosen zu kredenzen. Viele davon stammen aus Frankreich und Italien, vorzugsweise aus dem Piemont. Aber auch Spanier hats, noble Crus allemal.
Statt eines Dreigangbusinessmenüs (55 Franken) stand für einmal das grosse Menü (118 Franken) auf dem Programm. Sechs Gänge! Einer nach dem anderen war ein schlüssiger und hinreissender Beweis für kompromisslose und höchste Kochkunst: Terrine mit Lindenblütenessenz, weisser und grüner Spargel mit Kalbsbries und kurz gebratener Entenleber im Parmesankörbchen, Zitronensuppe mit Hummer und Sommertrüffel, gegrillter Steinbutt auf Spinatraviolo mit Bärlauchessenz, Lamm im Sesamteigmantel mit raffiniertem Gemüsebouquet und zum Schluss ein Traum von einem Läckerli-Soufflé mit Vanillecrème und Rhabarbereis.
Klar, man soll sich Zeit nehmen für das grosse Menü. Und einmal in der Woche gehört sich das – Business hin oder her. Dann aber darf man die Gewissheit erfahren, schon auf Erden einen Blick ins Paradies geworfen zu haben.
Es befindet sich, der Leser ahnt es, in den Töpfen, in denen Judith alleine rührt, assistiert von zwei Lehrlingen. One Woman Show? Nein, nein, sie bleibt, wer sie ist: eine Frau, die sich Anregungen von aussen nie verschlossen hat und dennoch unbeirrbar ihren eigenen Weg geht. Eine Köchin auch, die Schritt um Schritt setzt, behutsam und sorgfältig. Am Ende wachsen daraus Kreationen, die auch ein Fest fürs Auge sind.
Montags ist die «Post» geschlossen. Klar, dass man reservieren muss. Handys und Zigarren erlaubt, eine gute Kinderstube vorausgesetzt. Parkplätze sind einige vorhanden. Carlo Bernasconi [email protected]
Hotel PostEbnaterstrasse 6
9642 Ebnat-Kappel
Tel. 071 993 17 72
Fax 071 993 18 10