Purzelnde Ratings

April-Daten von NetRatings und MMXI

April-Daten von NetRatings und MMXIGemäss MMXI haben im April 2,762 Millionen Personen während durchschnittlich 294 Minuten von zu Hause aus im Internet gesurft und dabei 279 Seiten besucht. Gemäss den Daten von NetRatings waren es hingegen 2,217 Millionen Personen, die je während 388 Minuten am Heimcomputer surften und 563 Seiten besuchten. Die beiden Panels gleichen im übrigen dem Aprilwetter: Ihre Daten weisen diverse Extreme auf, die gegensätzlicher nicht sein können. Entsprechend leidet die Glaubwürdigkeit: So weist NetRatings in der Surfdauer mit 388 Minuten seinen bisherigen Höchstwert aus, bei MMXI stellen die 294 Minuten hingegen dessen Tiefstwert dar. Erstmals klafft damit die Zeitschere um über eineinhalb Stunden auseinander.
NetRatings weist zudem zum ersten Mal überhaupt für eine Domain, nämlich für Bluewin.ch, mehr als eine Million Besucher aus. Demgegenüber steht Bluewin.ch bei MMXI so schlecht da wie nie zuvor: Mit 49,9 % ist die Reichweite erstmals unter die 50-Prozent-Grenze gefallen. Markus Knöpfli
Top-20-Domains april 2002

Nielsen/NetRatings MMXI
Rang Domain Besucher Reichweite Domain Besucher Reichweite
in 1000 in % in 1000 in %
 1 bluewin.ch 1035,2 46,7 bluewin.ch 1 390 49,9
 2 microsoft.com  737,3 33,3 msn.ch   901 32,4
 3 msn.com  693,3 31,3 msn.com   848 30,5
 4 google.ch  662,9 29,9 google.ch   832 29,9
 5 passport.com  486,2 21,9 microsoft.com   826 29,7
 6 search.ch  472,1 21,3 passport.com   705 25,3
 7 msn.ch  412,8 18,6 search.ch   652 23,4
 8 sunrise.ch  367,5 16,6 yahoo.com   545 19,6
 9 google.com  359,3 16,2 sunrise.ch   499 17,9
10 yahoo.com  347,3 15,7 sbb.ch   474 17,0
11 sbb.ch  298,5 13,5 google.com   416 14,9
12 yahoo.de  246,8 11,1 msn.de   395 14,2
13 gmx.net  242,9 10,9 gmx.de   366 13,1
14 gator.com  193,9  8,8 yahoo.de   315 11,3
15 windowsmedia.com  192,3  8,7 ubs.com   277 10,0
16 gmx.ch  185,6  8,4 microsoft.de   262  9,4
17 yellownet.ch  180,1  8,1 swissonline.ch   236  8,5
18 geocities.com  165,9  7,5 lycos.de   227  8,1
19 ubs.com  164,3  7,4 yellownet.ch   210  7,5
20 altavista.com  154,9  6,9 tiscali.ch   209  7,5
Quelle: AC Nielsen/MMXI

9,4 Millionen Verlust im ersten Jahr

Goldbach Media erwartet ausgeglichene Rechnung für 2002 und Gewinn für 2003

Goldbach Media erwartet ausgeglichene Rechnung für 2002 und Gewinn für 2003Von Markus Knöpfli Bei einem Umsatz von 115,3 Millionen Franken hat die Goldbach Media in ihrem ersten Jahr einen Verlust von 9,4 Millionen Franken erwirtschaftet. Trotz schwierigen Umfelds erwartet sie dieses Jahr eine ausgeglichene Rechnung.
Der Bruttoerlös 2001 der Goldbach Media betrug 115,3 Millionen Franken. Da das Crossmedia-unternehmen international tätig ist, stammen 112 Millionen Franken aus der Schweiz, 1,5 Millionen aus Österreich und der Rest aus Deutschland und Ungarn.
80% des Gesamtumsatzes erwirtschaftete der Offline-Bereich (Radio und TV), der Rest floss über den Online-Bereich in die Kasse. Den Nettoerlös durch Radio und TV bezifferte CEO Klaus Kappeler mit 83 Millionen Franken. Laut seinen Aussagen war dieser Bereich profitabel, ebenso die Firma Swisscontent, die allerdings ihren Personalbestand wegen verlorener Aufträge um 50% auf 27 Mitarbeitende reduzieren musste. Nicht Gewinn bringend arbeitet der übrige Online-Bereich.
Vom Gesamtumsatz musste die Goldbach Media mehr als die Hälfte, nämlich 77,9 Millionen Franken, abliefern – in Form von Abgaben für Vermarktungsrechte (rund 59 Millionen), Rabatten (11,8 Millionen) und Agentur- sowie Beraterkommissionen (gut 6 Millionen). Übrig blieb ein Bruttogewinn von 37,4 Millionen Franken, der jedoch vom Betriebsaufwand (36,4 Millionen), von den Kosten für den Gruppenaufbau (4,1 Millionen) sowie von sofortigen Abschreibungen (4,2 Millionen) und Steuern aufgefressen wurde. Das Resultat: Ein Verlust von satten 9,4 Millionen Franken.
Angesichts des Umzugs, der Umstrukturierungen, Fusionen und Akquisitionen des letzten Jahres ist ein solches Ergebnis nachvollziehbar, immerhin zählt die Goldbach Media heute 21 konsolidierte Firmen, vor einem Jahr waren es noch deren 12.
«Explodierende» Radioumsätze für 2003 erwartet
Erstaunlich ist aber, dass Kappeler für dieses Jahr mit einem ausgeglichenen Ergebnis und für 2003 sogar mit einem operativen Gewinn rechnet. Kommt dazu, dass er diese Rechnung nicht in Erwartung einer besseren Wirtschaftslage machte. Im Gegenteil: Diesbezüglich ist Kappeler eher pessimistisch. Im Offline-Bereich der Goldbach Media rechnet er aber mit einem Umsatzzuwachs, nur schon wegen des Wegfalls von TV 3 und Tele 24 sowie dank des Starts der Werbefenster von Vox und M6. Im Radiogeschäft erwartet Kappeler zudem «explodierende» Umsätze. Einen weiteren Zuwachs sieht er zudem im Online-Bereich voraus, wo er den Marktanteil von angeblich 30 auf 38% steigern will. Umgekehrt sollen auch Kosteneinsparungen vorgenommen werden. So will Kappeler allein die IT-Kosten von derzeit 14 Millionen Franken um die Hälfte reduzieren.
Die ersten vier Monate dieses Jahres seien jedenfalls viel versprechend, sagte Kappeler. In dieser Zeit habe der Umsatz allein in der Schweiz um 23% zugenommen. An Swisscontent, das dieses Jahr einen Umsatz von rund 7 Millionen Franken erwirtschaften wird, hält die Goldbach Media weiterhin fest. «Wir kämpfen um diese Firma und bauen sie auf», sagte Kappeler. Auch für Moneycab wählte man die «Vorwärtsstrategie» und will das Portal «erfolgreich gestalten».
Im Verwaltungsrat der Goldbach wird demnächst ein Wechsel erfolgen: Die VR-Präsidentin Rosmarie Michel tritt an der Generalversammlung von ihrer Funktion zurück, bleibt aber noch ein Jahr im Gremium. Neuer VR-Präsident wird der IT-Spezialist Peter A.C. Blum.
goldbach media in zahlen in Mio. Fr. 2001

Gruppenumsatz 115,3
Erlösminderungen* 11,8
Umsatzabhängige Kosten** 66,1
Bruttogewinn 37,4
Gruppenverlust 9,4
* Rabatte
** Sender-, Agentur- und Beraterkommissionen
das Goldbach-aktionariat

Verwaltungsrat 42%
Management/Mitarbeitende 15%
Ex-Radio-Z-Aktionäre (Firmen) 17%
Ex-Radio-Z-Aktionäre (Privatpers.) 12%
Beisheim Holding 7%
Eigenbestand 7%

Das Nicht-Publikum

Bei strömendem Regen stellten sich letzten Donnerstag gut 200 Werberinnen und Werber zur alljährlichen Vernissage des ADC-Jahrbuchs ein.

Bei strömendem Regen stellten sich letzten Donnerstag gut 200 Werberinnen und Werber zur alljährlichen Vernissage des ADC-Jahrbuchs ein.Von Beat Fritsch Man wählt dafür erfahrungsgemäss ein In-Lokal, dieses Jahr wars die Toni-Molkerei-Lounge.
Publikum – diesen Namen haben die Anwesenden eigentlich definitiv nicht verdient. Von über zweihundert hörten mal zwanzig dem ADC-Vorsitzenden Andreas Prokesch bei seiner kurzen Rede zu; und von denen geruhte gerade noch die Hälfte dankeshalber zu applaudieren. Eine bekannte, aber nicht der Werbeszene zugehörige Kollegin war schockiert ob der Unanständigkeit. Prokesch trugs mit Fassung, er kennt die Szene. Kommen nur zum Rumsaufen – vor allem wenns gratis ist – und Tratschen.
Buchgestalterin Simone Fennel lieferte mit ihrem Best-of-Konzept, gespickt mit witzigen Anspielungen, eine solide Arbeit ab. Gratulationen bekam sie den ganzen Abend, aber Prokesch bezeichnete sie am treffendsten als «beste Buchmacherin».
Irgendwann machte das Gerücht die Runde, Tyler Brûlé sei anwesend – in einem blauen Pullover. Worauf fleissig nach solchen Ausschau gehalten wurde. Wir konnten uns allerdings nicht so recht vorstellen, dass sich der Wink-Mann in die Lounge verirrte. Er feierte nämlich am selben Abend seinen Geburtstag samt Plattentaufe einer Swiss-CD in Aeschbachers Labor.
Lustig wars auch ohne ihn. Der weissfahrende König, besser bekannt als KraSKA Rex vom Zen- und A-Zentrischen WeltreiCH, stellte seinen Begleiter Richi Schweizer, sonst unterwegs als freier Creative Consultant, als königlichen Hofsetzer vor. Er sei in den Hofnachrichten für die Einfettungen und die Versalien zuständig. Fotograf und Filmer Alberto Venzago machte Werbung für die Vernissage seines neuen Streifens, die am 7. Juli mit einer Voodoo-Party im Steinfels stattfinden wird. Mit Live-Voodoo-Act und so schauerlichem Zeugs – eventuell auch ein paar Voodoo-Drinks? Yves Spink scheint aus dem Winterschlaf erwacht. Er wurde in der kalten Jahreszeit eher wenig an Partys gesehen. Und hat gemäss eigener Aussage etwas «geruhigt».
Umso weniger Manuel Nappo. Er parlierte mit Tarkan Özküp, der ab Juni als Anzeigenleiter für den Beobachter amtet. Ein würdiger und in der Szene bestens bekannter Nachfolger für Markus Marchel, der jetzt die Publikationen des Hoteliervereins betreut.
Matthew Katumba, Expo-CD, legte allen, die es hören wollten, den Besuch der Landesausstellung ans Herz. Noch mehr schwärmte er allerdings von einem Dance-Club an den Gestaden des Neuenburgersees. Für die Ausgehtipps in der Dreiseenregion ist Katumba seit seinem Expo-Engagement natürlich eine ganz heisse Adresse. Mit Nachwuchs kam Reni Diethelm an die Party. In ihrem Arm interessierte sich Sohnemann Lou brennend für die anwesende Werbeszene und zupfte den einen oder anderen Kreativen gerne mal am Ärmel. Derweil unterhielt sich Martin Spillmann mit Gebi Schregenberger, wie immer mit seinem Markenzeichen, einer Zigarre, zu sehen, über die guten und besseren alten Zeiten.
Keinen Hehl aus seiner tierischen Vorfreude machte Dave Hanselmann, Jung von Matt/Limmat. Er darf im Juni ans Cannes-Festival und träumt schon jetzt von der Woche an der schönen Côte. Dabei ist er dort letztes Jahr beinahe von einer Vespa gefallen. Allerdings als Sozius, nicht als Chauffeur.
Beat Fritsch

überlegte, ob Hofnachrichten oder ADC-Jahrbuch die Bettlektüre sein würde. Das Rennen machte dann doch die hohe Werberkunst. Immerhin nur «The Best of», wie der Umschlag verspricht. Und weils in den Hofnachrichten auch so viele Inserate drin hat, werden sie jetzt als Buchzeichen im Jahrbuch benutzt.
Wo sich die Kommunikationsszene zu Partys trifft oder sich mit denkwürdigen Leistungen in Szene setzt, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Branche. Haben Sie etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (info @werbewoche.ch). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Meyers unrühmliches Ende

Die Titel Chuchi und Meyer’s sowie die Druckerei wurden innert einer Woche verkauft

Die Titel Chuchi und Meyer’s sowie die Druckerei wurden innert einer Woche verkauftVon Daniel Schifferle Bruno Hug und Oliver Prange heissen die neuen Besitzer des Wochenmagazins Meyer’s. Die Meyer Print und Media AG selber wirft nach über einem Jahrzehnt des Abstiegs das Handtuch. Die Druckerei wurde an ihren bisherigen Bereichsleiter Stefan Wenkebach verkauft, das Kochmagazin Chuchi ging an die AZ Medien.
Die Meyer Print und Media AG gibt es nicht mehr. Am Dienstagabend wurden die Mitarbeitenden informiert. Sämtliche 55 Angestellten – insgesamt 30 Stellen – werden die Kündigung erhalten. Übrig bleibt vom mehr als 75-jährigen Traditionsunternehmen lediglich die Meyer Druck AG. Deren Aktien wurden durch ein Management Buyout an den bisherigen Betriebsleiter Stefan Wenkebach verkauft. Die Aktienübernahme erfolgte bereits am 23. Mai. Ebenfalls an Wenkebach ging die CGS AG, bisherige EDV-Dienstleisterin des Verlages Meyer.
Auch für das Frauenmagazin Meyer’s liess sich in allerletzter Minute doch noch ein Käufer finden. Die neuen Besitzer sind die Verleger Bruno Hug (Obersee Nachrichten/Persönlich) und Oliver Prange (Persönlich). Der Zuschlag sei erst knapp vor der Mitarbeiterinformation am späten Dienstagnachmittag erfolgt.
In den im Vorfeld geführten Verhandlungen hatte keiner der reihum angefragten Schweizer Verlage Interesse am Heft und seiner überalterten Leserschaft gezeigt. Hug und Prange wollen Meyer’s ohne grosse Änderungen weiterführen. Für die neu zu gründende Firma soll ein Teil der beim Verlag Meyer Entlassenen wieder eingestellt werden.
Erst vor wenigen Tagen wurde der Verkauf des Kochmagazins Chuchi an die AZ-Medien-Gruppe bekannt. Hauptursache für das Ende des Verlages Meyer AG war aber der Abstieg des Frauenmagazins. Innerhalb der letzten zehn Jahre hatte sich dessen Auflage von über 180000 auf aktuell 96920 Exemplare beinahe halbiert. Trotz Massnahmen, den anhaltenden Abwärtstrend zu stoppen – Relaunch inklusive.
Das Problem ist bekannt: Es war nicht gelungen, aus dem klassischen «Handarbeitsheftli» ein attraktives Magazin zu machen, das bei der modernen Frau ankommt. Auch der radikale Konzeptwechsel im Mai 2000 zum aktuellen, News-orientierten Magazin vermochte das in Meyer’s umgetaufte Modeblatt nicht mehr zu retten.
Meyer Print und Media AG: Ein Rückzug in Raten
Auch in der Geschäftsleitung des Verlages fand 1996 ein Einschnitt statt. Damals wurde die alte Führungscrew rund um Ueli Stilli abrupt abgelöst. An seiner Stelle übernahm Jürg Meyer, Spross der bereits in der vierten Generation im Verlags- und Druckbereich tätigen Familie Meyer, die Geschäftsleitung.
Der nächste Einschnitt erfolgte bereits im August 2000. Der Meyer Verlag gab sein Zürcher Domizil auf und brachte Verlag und Redaktion am Standort der Druckerei in Jona SG unter. Gleichzeitig zog sich Jürg Meyer aus der Geschäftsleitung zurück, seine Funktionen übernahm der heutige Geschäftsleiter Max Frei.
Auch die ehemals sehr erfolgreiche Chuchi, das monatlich erscheinende Kochmagazin, erlebte einen Abschied in Etappen. Zuerst ging Ende 2001 Annemarie Wildeisen weg, die das Heft über neun Jahre lang hochgezogen und ihm ihren Stempel aufgedrückt hatte. Wildeisen lancierte im März 2002 für die AZ-Medien- Gruppe das Multimediaprojekt Kochen – mit einem ebenfalls monatlich erscheinenden Magazin als Herzstück. Nun folgte ihr mit dem per 1. Juni erfolgten Kauf der gesamte Abonnentenstamm der Chuchi nach.
Chuchi: AZ-Medien-Gruppe gewinnt, Duktus AG verliert
Der Geprellte ist Hanspeter Eggenberger, ehemaliger stellvertretender Chefredaktor bei 20 Minuten und Kulturchef bei Facts. Er erhielt im August 2001 den Auftrag, die Chuchi im Auftragsverhältnis neu zu lancieren. Für diesen Auftrag hatte er die Firma Duktus AG, Agentur für Media-Consulting und Editorial-Services, aus dem Boden gestampft. Jetzt muss Eggenberger das eingestellte Personal nach nur fünf Ausgaben bereits wieder entlassen. «Ein harter Schlag in der Aufbauphase, in der wir jetzt drinstecken», sagt Eggenberger. «Chuchi machte mehr als drei Viertel unseres Umsatzes aus.» Zusätzlich besorgte Eggenberger für Meyer’s den «Kochbriefkasten». Ab August dieses Jahres sollte Duktus auch eine neue Kochserie für das Frauenmagazin liefern. Dieser Auftrag ist nun auch unsicher.
Erst am Mittwoch vor Pfingsten habe er vom unmittelbar bevorstehenden Verkauf von Chuchi erfahren, sagt Eggenberger. «Hätte ich früher davon gewusst, hätte ich eine Lösung gesucht, wie man das Heft auf anderem Wege hätte weiterführen können», beklagt sich Eggenberger. Aber die Zeit dafür habe nicht mehr gereicht.
Die Konsequenz: Eggenberger muss sechs Personen entlassen, die sich ßgut 400 Stellenprozente teilten. Übrig bleibt von der Duktus AG für den Moment der Chef und eine Teilzeitstelle. Über mögliche Ersatzaufträge hat Eggenberger diese Woche Gespräche aufgenommen. «Wir hatten uns in der Relaunchphase von Chuchi ganz auf diesen Auftrag konzentriert», sagte er. Einziger verbliebener sicherer Auftrag: Die Lifestyle-Sonderbeilagen der Bilanz, von denen dieses Jahr vier bis fünf Ausgaben erscheinen sollen.
Trübe Stimmung herrscht indessen bei den Entlassenen des Verlages Meyer und der Duktus AG. In der aktuellen Konjunkturflaute ist es alles andere als einfach, gute Jobs oder Aufträge zu finden.
Korrigendum

In der Ausgabe der WerbeWoche vom 24. Mai 2002 (20/02) ist uns ein Fehler unterlaufen. Im Interview auf Seite 29/30 wird ProSiebenSat-1-Chef Urs Rohner auf die Vermarktung von Sat 1 (Schweiz) durch RMB Switzerland angesprochen. Dabei wird vom Fragesteller bemerkt, RMB Switzerland sei von Insolvenz bedroht. Diese Aussage ist laut Matthias Luchsinger falsch. Für diesen Fehler entschuldigen wir uns. Die erwähnte Aussage basiert auf einer Verwechslung mit RMB Deutschland, die Anfang Mai Insolvenz angemeldet hat – angeblich, weil ihr die ehemalige Muttergesellschaft RMBI noch Geld schulde. Mittlerweile hat RMB Deutschland aber bereits einen neuen Investor gefunden.

K(l)eine Schlüsselloch-Geschichte

Ein Spot findet nach sechs Jahren dank Sat 1 seinen Auftraggeber

Ein Spot findet nach sechs Jahren dank Sat 1 seinen AuftraggeberUnglaubliche Geschichten schreibt das Werbeleben, und die könnten glatt aus dem Reich der Märchen stammen – wenn sie nicht wahr wären. Dazu gehört etwa die «Whassup»-Kampagne von Budweiser, die vom privaten Blödelvideo zum globalen Award-Abräumer mutierte. Ein hohes Potenzial, in die Geschichtenkategorie «se non è vero, è ben trovato» zu fallen, hat der Werdegang eines Schweizer TV-Spots, der vor sechs Jahren ohne Auftrag entstanden ist und heute in Deutschland für Berlitz-Sprachschulen wirbt.1996 hatten die beiden AY&R-Kreativen, Iwan Weidmann – heute CD bei Grey – und Max Emmenegger – heute Regisseur –, eine Idee für einen Sprachschule-Werbespot. Nur der Kunde fehlte. Anlässlich einer Produktion in den USA bot sich, so Weidmann, «die Gelegenheit, den Spot mit minimalem finanziellem Aufwand zu drehen, da sich das Set einer Produktion im benachbarten Studio dafür geradezu aufdrängte». Und weil die Produzenten nichts gegen die fremde Location-Nutzung einzuwenden hatten und auf dem Gelände Schauspieler en masse waren, realisierte das Duo den Spot nach einem improvisierten Casting auf eigene Kosten.
Darin versucht ein Hotelgast einem Zimmermädchen zu erklären, dass er den Schlüssel im Zimmer vergessen hat und nicht mehr reinkommt. Da sie seine Sprache nicht versteht, weicht er auf eine etwas zweifelhafte Gebärdensprache aus, was die Sache in die Hose gehen lässt. Ebenso wenig Erfolg hatten die beiden Werber als Verkäufer ihres Streifens. So war der Spot, mit dem zufällig gewählten Berlitz-Logo als Absender, sechs Jahre lang nur auf dem Showreel von Emmeneggers Max Films zu sehen.
Der Zufall wollte es, dass dieser über Umwege vor vier Monaten in die Hände einer Mitarbeiterin der Sat-1-Sendung «Die witzigsten Werbespots der Welt» fiel und sie die Macher um Erlaubnis zur Ausstrahlung bat. Der Zufälle nicht genug: Die Werbeverantwortliche von Berlitz Deutschland sah die Sendung und war so begeistert vom Spot, dass sie ihn gleich für Deutschland buchen wollte. Nur wusste bei Berlitz Schweiz niemand etwas vom Spot. So fanden Berlitz und Max Films dank des Senders doch noch zueinander. «Seit sechs Wochen zeigt er auf
n-TV auf humorvolle Weise, welch ungeahnte Folgen Sprachlosigkeit im Ausland haben kann.» Luca Aloisi

Guter Rat darf nicht teurer sein

Trotz steigender Besucherzahlen weinen die Fernsehvermarkter der Screen-up keine Tränen nach

Trotz steigender Besucherzahlen weinen die Fernsehvermarkter der Screen-up keine Tränen nachVon Daniel Schifferle Mit viel Leidenschaft wurde die Screen-up hochgezogen. Jetzt, nach nur vier Ausgaben, ist Schluss. Und dies trotz ständig wachsenden Besucherzahlen. Die Publisuisse, die bis zum letzten Jahr noch abseits stand, bedauert das Aus ganz besonders. Goldbach Media hingegen wartet demnächst mit einem neuen eigenen Event auf: Anfang Juni öffnet erstmals die Mediarena ihre Tore.
Mit viel Herzblut haben IP Multimedia und RMB die Screen-up hochgezogen und innerhalb von vier Jahren zu einem der bedeutendsten Events der Branche gemacht. Waren bei der erstmaligen Durchführung am 1. Oktober 1998 nur gerade IPM und RMB sowie die Sender Pro 7, RTL, RTL 2 und Sat 1 vertreten, präsentierten am 4. Oktober 2001 bereits 29 TV-Sender, TV-Vermarkter und Branchenpartner ihre Angebote. Erstmals konnte im letzten Jahr endlich auch die Publisuisse für die Teilnahme gewonnen werden.
Aber nicht nur auf Veranstalterseite, auch bei den Besuchern eilte die Screen-up von Teilnehmerrekord zu Teilnehmerrekord: Im Jahr 2000 wurden 1200 Gäste gezählt, 2001 waren es über 1500.
Trotz dieser Erfolgszahlen scheint das Ende der Screen-up definitiv, wenn auch eine Neuauflage von OK-Präsident Jean-Claude Bruhin «nicht völlig ausgeschlossen» wird. Angesichts des schnell wechselnden Fernsehmarktes müsste das Konzept aber gründlich überprüft werden, schreiben die Veranstalter. Das Zünglein an der Waage spielte das Aus von Tele 24 und TV 3. Mit ihnen fehlen zwei zahlende Partner, womit der Event für die verbleibenden Veranstalter viel zu teuer geworden wäre.
Diskrepanz zwischen Aufwand und Ertrag
Wie bei der Telemesse in Deutschland, dem Vorbild für die Screen-up, regelmässig geschehen, wird auch hierzulande das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag heftig kritisiert. «Für die Kosten, welche die Screen-up verursacht hat, könnte man jeden Kunden einzeln einladen», sagt Publisuisse-Direktorin Ingrid Deltenre. Trotzdem will sie sich für eine Fortsetzung einsetzen. «Allerdings mit einer neuen Formel», betont sie. Ganz klar als zu spät erachtet Deltenre die Durchführung der Screen-up jeweils anfangs Oktober. «Besser wäre im August, bevor bei den Werbeauftraggebern die Budgetierungsphase angelaufen ist.»
Aber auch Zielpublikum und Inhalte des Events müssten laut Deltenre grundsätzlich korrigiert werden. «An der Screen-up fehlten die Werbeauftraggeber, die für Strategieentscheide bei der Mediaplanung zuständig sind. Zu den Besuchern zählten vor allem Mitarbeitende aus Werbe- und Mediaagenturen sowie TV-Schaffende», kritisiert sie. «Der Event müsste dezidiert als Gattungsmarketing für TV-Werbung umpositioniert werden – mit Inhalten, welche die Screen-up für die Werbeauftraggeber zu einem Must machen. Dies ist bisher nicht gelungen.»
Ebenfalls verbreitet Kritik bezüglich Inhalte und Zielpublikum erhält die Screen-up von den Mediaagenturen. «Der Event war zu stark auf die Party und zu wenig auf den fachlichen Teil ausgerichtet», bedauert Monica Jaeggi, Konnex AG. Und: «Die Screen-up hatte das falsche Publikum: Anwesend waren vor allem Mediaplanerinnen und -planer, die ohnehin schon alles wissen. Aber eigentlich sollte sie sich ja an jene Personen wenden, die bei der Definition der Mediagattung über Entscheidungskompetenz verfügen: Senior Mediaberater und Mediaplaner, Kreative und Berater in Kreativagenturen und ganz sicher auch die Kunden.»
Wie geht es nun weiter? Sind die einzelnen Sender nach dem Aus für die Screen-up nun zu individuellen Roadshows verknurrt, wie sie IPM bereits mit Vox und M 6 veranstaltet hat und auch mit weiteren Sendern plant? Oder ist ein inhaltlich neu positionierter Anlass denkbar? Die Publisuisse-Chefin Ingrid Deltenre äusserte sich enttäuscht über den neuen Event von Goldbach Media. Am 5. und 6. Juni veranstaltet diese erstmals die Mediarena (siehe Kasten). Mit diesem Anlass mache Goldbach Media nun im Alleingang genau das, was Publisuisse anfangs Jahr als Ersatz für die Screen-up vorgeschlagen habe.
Bettina Singeisen, Sprecherin Goldbach Media, lässt das nicht so stehen: «Mit Mediarena verfolgt Goldbach Media ein einfaches Ziel: Das vertiefte Verständnis vom Zusammenspiel elektronischer Medien. Crossmedia soll für unsere Kunden zum vertrauten Instrument werden. Dabei spielt das Medium TV zwar eine wichtige Rolle, es wird aber nicht auf die einzelnen Sender heruntergebrochen, wie das für die Screen-up kennzeichnend war.» Grundsätzlich schliesst IPM auch die Fortsetzung der Screen-up nicht aus.
Allerdings macht Singeisen ein Zeitproblem aus. «Mit unserem nun auf sechs Werbefenster angewachsenen Portefeuille würde es schwierig, jedem Sender an der Screen-up genügend Zeit zu geben.» Eine weitere Tatsache, die gegen ein Revival spricht: Neue Marktpartner im Bereich TV und damit neue zahlende Partner für die Screen-up sind nicht in Sicht.
Mediarena für Crossmedia

Am 5. und 6. Juni 2002 führt Goldbach Media erstmals die Mediarena für elektronische Medien durch. Ziel des zweitägigen Kommunikationsforums in den Räumen von Goldbach Media in Küsnacht: Crossmedia für die Kunden zum vertrauten Instrument machen. Namhafte Experten aus der Marketing- und Kommunikationswelt, der Kommunikationswissenschaften sowie der Kundenseite vermitteln am Event ihre Erfahrungen und Visionen (siehe auch Seite 23). Den Abschluss der reichhaltig bepackten Veranstaltungstage macht eine rauschende Party in der Werfthalle Wollishofen.

Advico Young & Rubicam holt Clio-Gold.

An den Clio-Awards 2002 gabs Gold für die Schweiz:

An den Clio-Awards 2002 gabs Gold für die Schweiz: Advico Young & Rubicam (AY&R) siegte mit einem Spot für Médecins sans Frontières in der Kategorie Public Service/TV & Kino. Auf die Shortlist schafften es Euro RSCG Zürich (für Peugeot), McCann-Erickson, Zürich (Diax), Jung von Matt/Limmat (SBB), zweimal Lowe (Volkswagen und Eigenwerbung) sowie nochmals AY&R (Flims Laax Falera). WHS ist wieder im Rennen bei Smart. Nachdem die diesjährige europäische Dachwerbung der deutschen Agentur Springer & Jacoby für Smart bei DaimlerChrysler Schweiz auf wenig Gegenliebe gestossen war, beauftragte der Importeur den Smart-Werber der ersten Stunde, Reinhold Weber, Weber Hodel Schmid (WHS), mit der Konzeption eines für die Schweiz relevanten Auftritts. Gestartet ist er mit einem Einzelsujet, das den Verkaufserfolg des urbanen Flitzers thematisiert. Gemessen am Kundenpotenzial der einzelnen europäischen Märkte, fahre Smart in der Schweiz mit Abstand die besten Absatzzahlen ein, so WHS-Texter Wolfram Scherrer. Bereits Ende Mai schaltet WHS in den zweiten Gang und präsentiert eine Anzeigen- und Plakatkampagne für das Smart-Cabrio. Im Herbst werden zudem TV-Spots zu sehen sein, die laut Scherrer ebenfalls von WHS, Zürich, konzipiert und realisiert werden.
Tyler Brûlé startet im Juni in Zürich. Im Juni wird die Zürcher Niederlassung der Design- und Werbeagentur Wink Media – Brand-Geburtshelferin der Swiss Air Lines – offiziell eröffnet. Von einem Büro an der Nordstrasse aus wird die Agentur Kunden in Deutschland, Italien und der Schweiz betreuen. Agenturchef Tyler Brûlé, der eine Wohnung in Zürich gemietet hat, wird seine Tätigkeit zwischen dem Hauptsitz in London und Zürich aufteilen. Brûlé konzentriert sich künftig ganz auf Wink Media und gibt die Geschäfts- und Redaktionsleitung seines Lifestylemagazins Wallpaper ab. Er bleibt aber Angestellter von Time Warner, an das er Wallpaper 1997 verkauft hatte, denn auch Wink Media gehört zu dem US-Medienkonzern. Gerüchte, dass Brûlé die Agentur von Time Warner loskaufe, dementierte PR-Beraterin Yvonne Hardy-Büchel, die für Brûlé die Pressearbeit betreut. Bei Wallpaper übernimmt ad interim Christina Ferrari das Ruder. Die Amerikanerin hat für Time Warner zuletzt das Jugendmagazin Teen People aufgebaut und wurde vom Fachmagazin Advertising Age zum «Editor of the Year» gewählt. Ferrari lebt in Genf und wird nach London pendeln.
Breakfast in Switzerland. Frühstücken ist für viele Schweizer ein Sonntagsprivileg. Wegen akuten Zeitmangels bleibt der Zmorge oft auf der Strecke. Mit einem neuen Produkt will Nestlé das durch Unterzuckerung entstehende Magenknurren stoppen helfen: Nestlé Good Morning. Der Mix aus Cerealien und Jogurt enthält gemäss dem Hersteller alles, was es bis zum Mittagessen braucht. Publicis, Zürich, die für die Launchkampagne verantwortlich zeichnet, setzt diesen Nutzen mit Bäuchen plakativ in Szenen, in denen ein schwarzes Loch klafft. Dabei entspricht der Produkt-Packshot genau dem Durchmesser des Loches. Dramatisiert wird die Botschaft mit Plakatstellen, bei denen sogar durch den Bauch geguckt werden kann.
«Plakat des Jahres» kehrt zurück. Das Bundesamt für Kultur (BAK) und die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) schreiben nach zweijährigem Unterbruch den Wettbewerb «Plakat des Jahres» wieder aus. Im Januar 2003 werden die Plakate des Jahrgangs 2002 erstmals gemäss einem neuen Wettbewerbsreglement beurteilt. Anmeldeformulare für das «Plakat des Jahres» können über die Website der APG (www.apg.ch) angefordert werden. Einsendeschluss ist am 30. November.
Filmische Höhepunkte. Weil man sich nebst den erhebenden Momenten des Schaffens als Werber bei seinem Einsatz «von Zeit zu Zeit auch an Prostitution erinnert fühlen mag», sei ihm die Idee mit dem Pornoshop gekommen, erklärt Markus Cavegn. In einem echten Schuppen für Pornovideos im Zürcher Stadtkreis 4 hat der freischaffende CD in der Folge sein Sujet für ein Inserat fotografieren lassen (von Roger Schneider), mit dem RMB Switzerland zum Kauf der Swiss Reel 2002 anregt. Der Verkäufer im Bild ist ein echter Schmuddel-Händler, dem der AD (Chris Burkhard) mit viel Sinn für zweideutige Interpretationsmöglichkeiten ein echtes Papageien-Hemd von Dolce&Gabbana verpasst hat. Der Mann darf es behalten. Die Videos möchte er hingegen loswerden, obwohl die Werbespots laut Inserattext (Markus Rottmann) «auch immer bizarrer» werden. «Etwas viel Werbung, aber ich muss mir das nicht ansehen», meint der Pornohändler. Weniger Enthaltsame können die 73 Schweizer Spots für Cannes unter Telefon 01 448 48 48 bestellen. «Fetischisten stehen total drauf», meint Cavegn, der sich als Freier in dieser Sache auskennt.
Dem Kult des Neuen freies Geleit

Die alte europäische Gesellschaft hielt das Neue für eine suspekte Kategorie. Stattdessen reproduzierte sie immer wieder das bewährte Alte, das sie für höherwertig hielt. Neues hervorzubringen galt als unangemessenes Wissensstreben. Im Mittelalter verweigerten die Herrschenden der Wissenschaft, ihre Neugier zu stillen. Wer sich nicht daran hielt, bezahlte dies oft mit dem Tode. Noch im Jahre 1600 musste der Mönch und Kopernikusanhänger Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen sterben. Es brauchte erst die Renaissance und die Aufklärung, damit sich die Dynamik der Moderne voll entfalten konnte. Wenn man sich diese Entwicklung vergegenwärtigt, wird einem bewusst, wie radikal dieser Mentalitätswechsel war.
Erst die fortschrittsgläubige Industrie- und später die Informationsgesellschaft hat dem Kult des Neuen in Form von Mode, Werbung und Avantgarde zum eigentlichen Durchbruch verholfen. Doch die ambivalenten Gefühle gegenüber dem Neuen haben uns nie ganz verlassen. Im Gegensatz zu den Amerikanern, die als Konsumenten locker mit Trends und Zeitgeistigem umgehen, sehen sich die Europäer vornehmlich als Kulturbürger, denen alles Leichte und Verspielte im Alltag suspekt ist. Umso erstaunlicher ist es, dass gerade in Deutschland, – einem Land, in dem intellektuelle Tiefgründigkeit seit jeher ein Mantra ist –, sich ein renommiertes Trendbüro etablieren konnte, das sich der Erforschung dieser «Oberflächlichkeiten» verschrieben hat. Der von diesem Trendbüro durchgeführte Siebte Deutsche Trendtag stand unter dem Motto «Sofortvertrauen: Die neue Moral der Netzwerkkinder». Oliver Classen hat ihn besucht. Seinen Beitrag lesen Sie auf den Seiten 12 und 13.
Samuel Helbling, Chefredaktor

Aufgefallen: Ganz schlau wird man beim Durchblättern der neunseitigen Anzeigenstrasse für den Fotografen Adrian

AufgefallenGanz schlau wird man beim Durchblättern der neunseitigen Anzeigenstrasse für den Fotografen Adrian Portmann in einem Kultheftli nicht. Unter dem Motto «Action…Reaction» wird für das Talent des Auftragsuchenden geworben. Mal mit einer

Aufgefallen Ganz schlau wird man beim Durchblättern der neunseitigen Anzeigenstrasse für den Fotografen Adrian Portmann in einem Kultheftli nicht. Unter dem Motto «Action…Reaction» wird für das Talent des Auftragsuchenden geworben. Mal mit einer Nadel, die grad dabei ist, sich durch das zarte Fleisch einer Frauenlippe zu bohren. Ein anderes Mal mit dem Zerquetschen eines Fisches – bei dem, ähnlich wie in Wes Cravens Schocker «Scream», per Hand die Innereien des Wasserbewohners herausgerissen werden. Dass einem diese Bilder – auch ohne Fischgeruch – ans Eingemachte gehen, liegt wohl auf der Hand. Auf der Suche nach einer allfälligen Erklärung für diese Shots wird man allerdings auch auf der Homepage nicht fündig – under construction. Dort gibts leider nur eine superfeuchte Männerfantasie zu sehen. Wenn es also um innere Flüssigkeiten geht, ist Adrian Portmann der Fotograf dafür. Denn bei diesen Bildern wird es einem nachgerade speiübel! Chandra Kurt [email protected]
Kolumne

Intimitäten des Alltags Von Mike Müller
Als emotioneller Waschlappen verwöhne ich mich bei depressiver Grosswetterlage mit Fernsehwerbung. Was gibt es Heiligeres als den Morgenkafi – jeder Kaffee-Spot treibt folgedessen meine schmutzigen Geschmacksfantasien auf den Höhepunkt. Es passierte mir schon, dass sich mein Verdauungsapparat allein durch das Gucken der Bilder in Bewegung setzte. Oder Autos: Mein Garagist droht mir immer wieder mal mit Sätzen wie «der Automat machts nicht mehr lange». Herrgott, da lege ich hinterher bei Auto-Filmchen eine Sensibilität an den Tag, mit der ich schon manche Beziehung hätte retten können. Und am schärfsten sind Kinder, egal, für welches Produkt sie eingesetzt werden, da bereut jeder gestandene Mann seine Vasektomie und verdrückt ein paar bittere Tränen. Das Nonplusultra ist und bleibt aber die Waschküche. Wie oft stehe ich in alten Jeans und verwaschenen Sweatshirts da unten und sehne mich nach jenen selbstgenügsamen Frauen, die man mit einer Packung Omo glücklich machen kann? Ich glaube, die brauchen nicht mal Sex. Mein Analytiker, ein ehemaliger Werber, versucht mir dann jeweils die psychologischen Grundlagen dieses Systems klar zu machen. Er klagt seine ehemaligen Kollegen aufs Schwärzeste an und will aus mir ein Opfer machen. Nach diesen Sitzungen ist Fernsehwerbung immer sehr anstrengend für mich. Ich muss dieser emotionalen Wucht dermassen viel Vernunft entgegenschleudern, dass ich meistens schon vor den Waschmitteln einschlafe. Hinterher bezeichnet mich mein Garagist als kaltes Arschloch, ich trage Kleider mehrere Wochen, damit ich mir kein Waschküchentrauma hole, und benütze selbst zum Onanieren ein Kondom, damit mir der Kinderwunsch emotional nichts anhaben kann. Mein Analytiker, der ehemalige Werber, ist ein schlauer Fuchs. [email protected] Mike Müller ist Darsteller.
Business Lunch

Trinkt, o Augen, was die Wimper hält Schon Gottfried Keller empfahl, die Anreise nach Zürich vom See aus zu unternehmen. Kein schlechter Gedanke, wenn der Spätfrühling einzieht: Eine kleine Schiffsreise, Kellers Gedichte in der Tasche und viel Sonne – so lässt sich wohl dem Müssiggang begegnen. Stellt sich Hunger dabei ein, kann man ihn ja im Lake Side Casino Zürichhorn ebenso gut stillen wie des Kellers nachgetragene Lust am Schoppen (für Nicht-Germanisten: Rotwein, natürlich).
Da sitzt man also, die Gedanken bei Keller, auf der Terrasse des für sehr viel Geld umgebauten Casinos, an Tischen mit Glasplatte und auf federleichten Stühlen. Der Sonne wärmender Strahl bricht sich spiegelnd auf der Oberfläche des Zürichsees, man denkt sich keine Arglist mehr aus, freut sich am Flug der Möwen, den schnatternden Enten und sich plusternden Schwänen.
Natürlich, wer so viel Sinneslust in einem Restaurant über Mittag geniessen will, muss das vorher minutiös planen, denn ohne Reservation sind die Terrassenplätze bald besetzt. Und das lohnt sich schon, nicht nur der Aussicht voller Liebreiz wegen. Der Business Lunch ist eine Reise an die Bellerivestrasse durchaus wert. Für 38 Franken gibts die Auswahl unter zwei Vorspeisen, danach einen Hauptgang und zum Kaffee Friandises.
Am Tage des Besuchs fiel die Wahl statt auf Romanesco-Schaumsuppe mit gebackener Garnele auf Carpaccio, garniert mit Cherry-Tomaten und Feldsalat. Vier Scheiben dieses rohen Rindfleisches lagen auf dem Teller: Nicht zu viel und nicht zu wenig, um beherzt dem zweiten Gang entgegenzublicken: Wiener Schnitzel mit gebratenen Kartoffeln und Gemüse, und das wird grad auf einem reichlich und schön gefüllten Teller gereicht.
Natürlich, das Fleisch war vom Schwein, das Kalb hätte keine Chance gehabt – bei diesen Preisen. Die Bratkartoffeln waren wohl eine sättigende Beilage, aber warum nicht? Schliesslich präsentiert sich die Natur rund um das Ufer in opulenten Farben, da darf der Hunger für einmal auch recht kräftig ausfallen. Und zudem: Es war alles picobello angerichtet und von emsigen Kellnern zu Tisch gebracht. Damit taten auch sie das Ihrige dazu, um den herbei gesehnten Unterbruch des neuen Tagwerks gar löblichst zu verschönern. Fürwahr, Keller hätte seine helle Freude am neuen Etablissement an den Gestaden des von ihm so schön besungenen Sees gehabt. Zumal die Küche sich ohne Firlefanz präsentiert, und wohl wichtiger noch: Er hätte vielleicht weniger Schweizer Tropfen im Offenausschank angetroffen wie weiland zu seinen Lebzeiten, doch weil der Staatsschreiber mitunter auch ein Staatsmann war, hätte er wohl in der reichen Auswahl der kredenzten Weine mit sicherer Hand etwas Schönes gefunden. Und sich hernach gefreut, dass er nicht viel von seinem Lohn dem Wirte hätte auf den Tisch legen müssen. Ob so viel Seligkeit wärs ihm auch egal gewesen, hätte hie und da ein Handy gebimmelt. Carlo Bernasconi [email protected]
Lake Side Casino Zürichhorn
Bellerivestrasse 170
8008 Zürich
Tel. 01 385 86 00
Fax 01 385 86 01
Parkplätze gibts zuhauf!

Nur die Spezialisten bringens

Die ehemalige BG Media «Aussenwerbung» positioniert sich neu im Aussenwerbegeschäft

Die ehemalige BG Media «Aussenwerbung» positioniert sich neu im AussenwerbegeschäftVon Daniel SchifferleNach der Abnabelung heisst die ehemalige BG Media «Aussenwerbung» neu Outdoor Media AG. Die Firma positioniert sich neu als unabhängige Spezialistin im Plakatdschungel.
Die Fusion von Bemberg Gedenk Media AG und Optimedia AG Anfang dieses Jahres war von heftigen internen Turbulenzen begleitet. Während Optimedia AG einen Aderlass bei ihren Mitarbeitenden hinnehmen musste, wählte die Unit «Aussenwerbung» der Bemberg Gedenk Media AG den Alleingang. Dies war möglich, weil die Firma seit ihrem Start im Jahr 1996 rechtlich eigenständig war. Auch auf den Namensrechten an ihrer Firma hatte Geschäftsleiter Koni Künzli beharrt (WW 34/01).
Jetzt, knapp fünf Monate nach vollzogener Abnabelung, verpasst sich BG Media «Aussenwerbung» den Namen Outdoor Media AG und positioniert sich als «unabhängige Schweizer Spezialistin für Aussenwerbung». Allerdings gelte der neue Name nur für die neuen Kunden, die bisherigen würden weiter unter dem alten Label betreut, heisst es in der Pressemitteilung.
«Wir wollen auf die speziellen Bedürfnisse unserer Kundschaft im Bereich der Aussenwerbung eingehen – in Ergänzung zur klassischen Aussenwerbung – und dem Kunden somit die Möglichkeit bieten, sich von der Konkurrenz abzuheben», sagt Künzli. Leuchtplakate, Megaposter, Tram- und Buswerbung, Kioskplakatierung, Stadion- und Sportwerbung, Moving Posters und Ambient Media sind nur einige der speziellen Formate, auf die Outdoor Media AG den Fokus setzen will.
Einen besonderen Stellenwert gibt die umbenannte Firma ihrem Internetauftritt, der zeitgleich mit der Umfirmierung neu konzipiert wurde (www.outdoor-media.ch). Dieser positioniert sich als «Kompetenzzentrum für Aussenwerbung». Realisiert wird dies unter anderem über ein Extranet, dessen URL nur an Kunden weitergegeben wird. Darin hat jeder Kunde von Outdoor Media AG die Möglichkeit, auftragsrelevante Daten und Dokumente wie Mediapläne per Mausklick zentral online abzulegen und sie jederzeit und überall für Berechtigte zugänglich zu machen. Ferner liefert das neue Angebot einen raschen Einstieg in die komplexe Thematik der Aussenwerbung.
Outdoor Media AG hat keine Ambitionen auf Ausbau
Im Rückblick bezeichnet Künzli die Trennung von Bemberg Gedenk Media AG als «dynamisierend». «Wir wollten nicht vom Druck einer grossen Netzwerkagentur gesteuert sein», sagt er. Allerdings ist damit auch ein Neuanfang beim Aufbau der Kundenliste verbunden. Trotzdem findet man dort bereits Namen wie Bally, Lucerne Festival, Mobitare, UBS oder Swiss. Im vergangenen Herbst hatte Künzli zudem angekündigt, man werde intensiv mit einer Mediaagentur zusammenarbeiten. Statt mit Andy Lehmann, mit dem sich eine Kooperation abzeichnete, habe man sich aber für eine Zusammenarbeit mit Mediaschneider, der Agentur von Urs Schneider, entschieden.
Wie hoch der Jahresumsatz von Outdoor Media AG dieses Jahr sein wird, verrät Künzli nicht. Nur so viel: «Er ist tiefer als zur Zeit der Zusammenarbeit mit Bemberg Gedenk Media.» Aber Grösse sei nicht das Ziel. Auch personell habe Outdoor Media AG keine Expansionspläne. Die Firma besteht wie bisher aus den langjährigen Mitarbeitern Daniel Baumann (Finanzen, Controlling), Koni Künzli (GL), Sharon Frei (stellvertretende GL) und Rick Meier (Mediaplaner).

Pendlerzeitungsradiokombi?

Mit 20 Minuten lassen sich ÖV-Pendler erreichen, Autopendler aber kaum.

Mit 20 Minuten lassen sich ÖV-Pendler erreichen, Autopendler aber kaum.Diese Lücke könnte der neue Radio-Millionen-Pool füllen helfen, da dessen Modul Zürich (Hitradio Z, Top, Argovia, Sunshine) den Raum Zürich weiträumig abdeckt. Wäre ein Pendler-Kombi aus 20 Minuten Zürich und dem Pool-Modul Zürich sinnvoll? Dazu André Funk von der Agentur CIA: «Beide sind für die Zielgruppe Pendler sogar ohne Kombi interessant, aber mit Kombitarif buche ich sie umso lieber.»Millionen-Pool-Sprecher Roland Baumgartner winkt ab: «So etwas ist von uns noch nicht einmal angedacht.» Anders Rolf Bollmann, Verlagsleiter 20 Minuten: «Das habe ich auch schon überlegt, mit einzelnen Vertretern des Millionen-Pools bin ich darüber auch im Gespräch.» So mit Top-Chef Günter Heuberger. «Als Kleinaktionär von 20 Minuten tausche ich mich monatlich mit Bollmann aus. Ein Kombi besprachen wir aber nicht», sagt Heuberger. Der Haken dabei:
20 Minuten ist mit Radio 24 liiert. Sollte es dem Millionen-Pool gelingen, die verwaisten Pool-2000-Module Bern und Basel ins Boot zu holen (siehe S. 5 und 18), wäre gar ein Pendlerkombi im Goldenen Dreieck möglich. (mk)

SWA legt Konflikt bei

An der Informationsveranstaltung für die Mitglieder des SWA vom Mittwochabend sind die kämpferischen Stimmen nicht zum Durchbruch gekommen.

An der Informationsveranstaltung für die Mitglieder des SWA vom Mittwochabend sind die kämpferischen Stimmen nicht zum Durchbruch gekommen.Sie hatten eine ausserordentliche GV und die vollständige Offenlegung der Gründe und Abläufe rund um die Absetzung von Fredi Schwab gefordert. Tagespräsident der Sitzung war Kurt W. Zimmermann. Das Resultat der 90-minütigen Sitzung wurde in fünf Punkten zusammengefasst, in denen sich die Versammlung einig war. Sie lauten nach Angaben von SWA-Geschäftsführer Jürg Siegrist wie folgt: «Die Trennung von Fredi Schwab erfolgte juristisch korrekt. Es gibt immer unterschiedliche Auffassungen bezüglich Führungsverhalten zwischen Vorstand und Geschäftsleitung. Die Versammlung ist der Meinung, der Vorstand habe seinen Informationsauftrag gegenüber den Mitgliedern voll erfüllt. (An die Adresse des neuen Geschäftsführers Jürg Siegrist:) Die externe Kommunikation des SWA hat niemanden überzeugt. Die interne Kommunikation ist gut. Das Meeting war sachlich und fair.»
Die Informationsveranstaltung war nur schwach besucht. Von 130 Eingeladenen waren laut Siegrist rund 20 Personen anwesend. Aus Kreisen der Rekurrenten waren nur neun Mitglieder erschienen.

News: Romandie.com plant Gratiszeitung

Das Westschweizer Webportal Romandie.com will in die Printmedien expandieren.

Das Westschweizer Webportal Romandie.com will in die Printmedien expandieren.NewsRomandie plant Gratiszeitung Gegenüber der Sonntagszeitung dimanche.ch erklärte Mitgründer Stéphane Pictet, man plane eine kostenlose Wochenzeitung und suche dazu einen Partner «nahe an unserer Kultur und Grösse». Übersetzt heisse das: weder Ringier noch Edipresse oder Hersant. Romandie.com ist nach eigenen Angaben mit 750000 Visits im Monat das meistbesuchte Portal der Westschweiz und schreibt schwarze Zahlen.
Ringier geht auf beobachter-posten Das Medienhaus Ringier hat die Einstellung der abtrünnigen Beobachter-Leute Ivo Bachmann und Philippe Ruedin offiziell bekannt gegeben. Sie wechseln auf den 1. Oktober zum Ringier Verlag. Chefredaktor Bachmann und Beratungszentrumsleiter Ruedin haben den Beobachter Ende März aus Protest gegen die Übernahme der Jean Frey AG durch eine Investorengruppe verlassen. Bei Ringier werden sie massgeblich an der Entwicklung eines neuen Konsumentenmagazins mitarbeiten.
Ringier investiert weiter in Rumänien Ringier Romania, das bereits den Marktleader TVmania herausgibt, übernimmt die Titel TV Satelit und Tele Magazin von RIP Impex Srl. Ringier Romania publiziert zudem die Tageszeitung Libertatea und die Sonntagszeitung Libertatea Sunday, das Wirtschaftsmagazin Capital, die Frauentitel Unica und Lumea Femeilor sowie mit der deutschen Bauer-Verlagsgruppe das Jugendmagazin Bravo.
Boom in Chur Die Südostschweiz Mediengruppe in Chur hat ihren Umsatz 2001 um 9,2 Millionen oder 7% auf rund 139 Millionen Franken gesteigert. Der Reingewinn beträgt 3,1 Millionen, gegenüber rund 5 Millionen Franken im Vorjahr. Die Abo- und Zeitungsverkäufe stiegen um 5,5%, die Anzeigenerlöse um 1,7%. Im Druckgeschäft wurde ein Wachstum von knapp 16% erreicht. Im Bereich der elektronischen Medien kletterte der Umsatz um 54 %.
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