Auf die Länge kommts an.
Seit vier Jahren wirbt Ovo mit der von ADC und Effie preisgekrönten Kampagne «Mit Ovomaltine kannst Du’s nicht besser.
Männer habens schwer… Spätestens seit dem Song «Männer» von Herbert Grönemeyer ist klar, dass das männliche Exemplar des Homo sapiens – da anscheinend vom Mars – anders tickt. Aber was treibt Männer dazu, sich im Zweikampf mit Stieren zu messen oder den Bund der Ehe mit einer Frau zu schliessen? Weil ihnen der Sex fehlt, meint die Agentur Lowe im Namen ihres Kunden Erotik Factory. Die Folge davon sind dumme Ideen, wie die Konstruktion von Atombomben oder das Anzetteln von Kriegen. Da das weibliche Geschlecht aber nicht allein die Verantwortung für den Weltfrieden tragen kann, gibt es an der Zürcher Badenerstrasse die Erotik Factory. Mit dem Claim «Männer kommen auf die dümmsten Ideen. Wenn sie keinen Sex haben» und der Visualisierung dieser Hirngespinste ist es dem Team um die CDs Keith Loell und Mark Stahel gelungen, der Erotik-Videothek ein neues Image überzustreifen – ganz ohne nackte Tatsachen.
Farner PR gewinnt Golden World Award. Die Schweizer PR-Agentur Farner ist von der International PR Association (IPRA) mit dem Golden World Award 2002 in der Kategorie rezeptpflichtige Medikamente ausgezeichnet worden. Von den über 1000 eingereichten Arbeiten aus 41 Ländern wurden 267 Projekte zum Wettbewerb zugelassen. 30 Golden World Awards wurden verteilt. Farner ist die einzige Schweizer Agentur, die einen Award erhalten hat. Die prämierte Farner-Kampagne «Diabetes-Frühstück» war ein Gemeinschaftswerk der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft, von Novartis Pharma Schweiz, Migros, Ringier und Roche Diagnostics, um die Bevölkerung auf die Risiken des Diabetes hinzuweisen. Die grafische Ausgestaltung der Kampagne übernahm die Werbeagentur Leuenberger in Biel.
Kleine Bettlektüre für Werbetexter. Von der WerbeWoche kürzlich nach einer gut geschriebenen Kampagne gefragt, nannte der Basler Werber Robert Stalder den Auftritt einer Bettenmarke. In Ermangelung eines entsprechenden Kaufbedürfnisses hatte er sich allerdings weder den Wortlaut der Headlines der besagten Inserate noch den Namen der Marke eingeprägt (siehe WW 24/02). Stalders Äusserungen liessen die Zürcher Agentur Matter & Partner aufhorchen. Sie folgerte selbstbewusst, dass das Lob nur die von ihr gestalteten Hüsler-Nest-Anzeigen betreffen könne – und täuschte sich nicht. «Ja, das ist die Kampagne», bestätigte Robert Stalder auf Anfrage trocken. Der Vorfall zeigt: A) Die WerbeWoche wird genau gelesen. B) Matter&Partner ist keine Agentur, die es verschläft, Nutzen aus sich bietenden Gelegenheiten zu ziehen. Und C) Robert Stadlers Wort verhallt nicht ungehört in Werbers Ohren.
Plakative Kreativität. Der Wettbewerb der 100 besten Plakate steht in Deutschland seit 1966 für höchste Qualität vor allem bei Kulturplakaten. Eine Ausdehnung über den gesamten deutschsprachigen Raum war schon lange geplant. Jetzt hat es geklappt: Erstmals nahmen in diesem Jahr neben den deutschen Plakatgestaltern auch Grafikdesigner aus Österreich und der Schweiz teil. «Mit wenig Fläche viel erreichen – das ist gerade in Zeiten magerer Budgets ein wichtiges Argument für das Medium Plakat», meinen die Veranstalter. Der Verein der 100 besten Plakate als Organisator des Wettbewerbs möchte deshalb seiner renommierten Veranstaltung eine Plattform bieten, «um dem Wettbewerb die Aufmerksamkeit zu sichern, die er verdient». Zu diesem Zweck ist eine Dokumentation «the 100 best posters 01» im Verlag Hermann Schmidt, Mainz, erschienen. Das Buch hat 180 vierfarbige Seiten und kostet 35 Euro.
Schweizer Fernsehen DRS baut 15 Stellen ab. Im Rahmen eines weiteren Sparpaketes muss das Schweizer Fernsehen DRS nochmals 15 Vollzeitstellen abbauen. Besonders hart trifft dieser Entscheid die Abteilung Sport. Diese muss ihr Stellenvolumen um 320 Stellenprozent reduzieren. Bekannteste «Opfer» sind Janine Geigele und Monika Fasnacht. Geigele kam 1999 zu SF DRS und wurde als Moderations-Aushängeschild aufgebaut, Monika Fasnacht gehörte zu den ersten Sportmoderatorinnen von SF DRS und arbeitete zuletzt mit einem 20-Prozent-Pensum als Moderatorin.
Editorial
Abenteuer Bezahlmodell Internetanbieter stürzen sich in ihr nächstes Abenteuer: Sie suchen Kunden für kostenpflichtigen Content. Spätestens in zwei Monaten will Moneycab den Grossteil seiner Inhalte nur noch via Pay-Channel vertreiben. Doch ob es gelingen wird, so viele Zahlungswillige anzulocken, wie man dringend für die Kostendeckung braucht, steht allerdings in den Sternen.
Jüngste Erfahrungen mit dem Wechsel zur bezahlten Nutzung – überwiegend von Verlagen – sind ernüchternd ausgefallen.
Das geringe Interesse hat auch Moneycab auf die Bremse treten lassen, denn eigentlich wollte man den Pay-Channel bereits im Frühjahr starten.
Der neu kostenpflichtige Content ist aber nicht das wichtigste Rezept, das Moneycab für die Zukunft optimistisch stimmt. Synergien nutzen und Kosten sparen – darum geht es vor allem. Goldbach Media verfügt im eigenen Haus über Rahmenbedingungen, die andere Internetprojekte nicht hatten. Moneycab-Schwesterfirma Swisscontent bietet grosszügig Hand zum Zusammenführen und Abspecken. Die bisherige Moneycab-Redaktion kann sich künftig ganz auf den kostenpflichtigen Content konzentrieren.
Mit dem Bezahlmodell betritt Moneycab nicht nur Neuland. Es betritt dieses Neuland zum falschen Zeitpunkt. Denn in einer
Zeit, in der sich niemand mehr die Finger an der Börse verbrennen will, bricht auch die Nachfrage nach entsprechenden Informationen zusammen.
Trotzdem ist Moneycab optimistisch. Eine Befragung unter den Nutzern zeige: Ein Grossteil der bisherigen User sei bereit, einen Obolus zu entrichten. Man darf gespannt sein, wie viele von ihnen das abgegebene Bekenntnis auch wirklich in ein Pay-Abo umsetzen werden – und wichtiger noch: wie viel Cash sie bereit sind, auf den Tisch zu legen.
Die Gefahr des Nutzerschwundes auf Grund der Umstellung auf das Bezahlmodell ist gross. Dies wäre ein kräftiger Schnitt ins eigene Fleisch, denn mit sinkenden Page Impressions käme auch die Attraktivität der Werbeplattform unter die Räder. Die Trennung in Free- und Pay-Angebote ist und bleibt eine Gratwanderung mit ungewissem Ausgang.
Eines ist sicher: Gelingt es Moneycab, sich durch die aktuelle Krise durchzuhungern, steht die Finanzsite beim nächsten Aufschwung auf starken Beinen. Sollten aber die Börsen- und die Internetkrise anhalten, kann man rechnen, solange und wie
man will – dann bleiben auch noch so clevere Geschäftsmodelle in den roten Zahlen stecken. Daniel Schifferle
