Wadenbeisser und gute Freunde

Das Publimedia-Forum zeigte, wer Mediaplanern mit welchen Tools auf die Finger schaut

Das Publimedia-Forum zeigte, wer Mediaplanern mit welchen Tools auf die Finger schautVon Markus Knöpfli Das diesjährige Publimedia-Forum diskutierte die Frage «Wie gut sind die Werbegelder wirklich angelegt?». Die Provokation sass: Von den 400 Gästen waren 25% Werbeauftraggeber, 36% Verlagsleute, 39% vertraten Mediaagenturen. Vorgestellt wurden drei Media-Auditing-Ansätze.
In der Schweiz spielen Media-Auditoren erst eine untergeordnete Rolle. Der Markt werde aber wachsen, sagte Dietmar Kruse am Publimedia-Forum. Kruse ist bei Media Audits Ltd. in Hamburg und London für den deutschsprachigen Raum und Osteuropa zuständig. In England würden bereits 60 bis 70% aller Werbeauftraggeber den Rat eines Media-Auditors beiziehen, in Deutschland seien es 30 bis 40%, in der Schweiz dagegen 10%, sagte Kruse. Seine Firma betreue derzeit 6 Kunden in der Schweiz und 40 in Deutschland.
Sparen bei den Honoraren – ausgeben fürs Auditing
Dennoch ist Media Audits Ltd. im Bereich Media Controlling nicht der einzige Anbieter in der Schweiz. In diesem Teich tummeln sich etwa ein halbes Dutzend Firmen, allerdings mit höchst unterschiedlichen Konzepten. Neben Media Audits konnten am Publimedia-Forum die Agentur Konnex sowie Frank Baumanns Wörterseh – Second Opinion ihre Auditing-Ansätze vorstellen.
Einzig ein Punkt blieb unbestritten: Es ist nötig, dass die Arbeit der Mediaagenturen (MA) in irgendeiner Art überprüft wird. Konnex-Mitinhaber Peter Döbeli zeigte anhand eines Beispiels auf, dass auch in der Schweiz diverse MA ihre Strategien nach Standardplänen oder auf Grund von Kick-back-Deals statt nach individuellen Kundenbedürfnissen wählen. Zum Teil sei dies aber auch verständlich, räumte er ein. Denn viele Werbeauftraggeber würden die Honorare der MA so sehr drücken, dass gute Arbeit kaum mehr realistisch sei. Da mache es dann auch keinen Sinn, einen Media-Auditor einzuschalten, weil dann der Auftraggeber bloss das bei den Honoraren eingesparte Geld andernorts wieder ausgebe, kritisierte Döbeli.
Dennoch schauten Konnex und auch Media Audits primär den MA auf die Finger, während Baumann den Hebel eher bei den Werbeagenturen ansetzt. «Wenn die Qualität der Werbung nicht stimmt, nützt auch das Media Auditing nichts», sagte Baumann. Dem hielt Kruse entgegen, dass «der Wert einer kreativen Kampagne durch eine falsche Strategie vernichtet werden kann».
Wertvolle Fracht durch schwierige Gewässer lotsen
Zu den verschiedenen Ansätzen: Das Herz von Media Audits ist eine Datenbank, in die Daten aus jeder von der Firma überprüften und allenfalls optimierten Mediaplanung einfliessen. Die Analyse der Zielgruppen ist ebenso enthalten wie jene des Media-mix, der Budgetverteilung und des Erfolgs. Auf diese Weise können nicht nur Erfahrungswerte nach Branche oder Produktegruppen abgerufen werden. Es lässt sich auch sagen, welche MA welches Medium besonders effizient planen kann.
Kruse gestand allerdings ein, dass dieser Ansatz vor allem bei elektronischen Medien tauge und bei Print oder Plakat schnell an seine Grenzen stosse – was mit ein Grund sein dürfte, weshalb Media Auditing im Printland Schweiz (noch) unterentwickelt sei. Kruse sieht deshalb den Media-Auditor als «Lotsen, der grosse Schiffe mit wertvoller Fracht durch schwieriges Gewässer leitet». Schon bei der MA-Auswahl könne er dank «Marktüberblick» helfen, beim Briefing dank «Erfahrung», bei der Planungsüberprüfung dank «Neutralität». Und auch die lästige Abrechnungskontrolle lasse sich an Media Audits delegieren.
Diesem quantitativen Ansatz stellte Döbeli seinen qualitativen gegenüber: Konnex beschränke sich auf das Überprüfen der von der MA vorgeschlagenen Strategie. «Die Kontrolle von Zielen und Wirkung hat unserer Meinung nach Priorität gegenüber technokratischen Analysen wie Efficieny Rates oder TKP-Optimierungen», sagte Döbeli.
Dies alles tat Baumann als «Absicherungsstrategie für höhere Kader» ab. Er biete sich seinen Kunden eher als «Freund von nebenan» an, sagte er. Er betätige sich «aus dem Bauch heraus» als Querdenker und gebe zur Art, wie eine Kampagne umgesetzt sei, seine Zweitmeinung ab.
Kruse und Döbeli waren sich einig, dass die Beziehung zwischen Media-Auditor und MA oftmals eine «schwierige» sei. Doch dürfe laut Döbeli der Media-Auditor nicht Wadenbeisser sein, sondern müsse sich konstruktiv in die Planung einbringen: «Ohne partnerschaftliche Zusammenarbeit geht gar nichts.»
Media Audits Ltd.

Gemäss Dietmar Kruse ist die Firma Media Audits zu 51%
in den Händen des eigenen Managements, und zu 49% in jenen von Barclay. «Wir arbeiten aber nicht für Barclay», sagte Kruse. Wenn Media Audits gleichzeitig mehrere Kunden aus derselben Branche berate, werde für jeden Kunden ein eigenes Team zusammengestellt. Zwar laufen dann die Fäden dennoch bei Kruse zusammen, er nimmt für sich aber in Anspruch, genügend diszipliniert zu sein, um seine Arbeit «neutral» ausführen zu können. (mk)

Ich publiziere, also verkaufe ich

Die Universität Zürich hat erstmals das Corporate Publishing in der Schweiz analysiert

Die Universität Zürich hat erstmals das Corporate Publishing in der Schweiz analysiertVon Andreas Panzeri Mehr als die Hälfte der 400 grössten Unternehmen der Deutschschweiz publiziert regelmässig Zeitschriften oder Zeitungen für ihre Kunden. 100 dieser Magazine erreichen eine Auflage von über 50000 Exemplaren. Das und noch mehr zeigt die erste Studie in der Schweiz über Corporate Publishing (CP). Fazit: CP ist ein Wachstumsmarkt.
Im Auftrag des Forum Corporate Publishing (FCP), Europas grösster Vereinigung von Corporate-Publishing-Dienstleistern, untersuchte das Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ) Instrumente, Strategien und Perspektiven im CP von Top-400-Unternehmen der Deutschschweiz. Dabei wollte das IPMZ unter Leitung von Ulrike Roettger und Vinzenz Wyss vor allem wissen, wie hoch die praktische Relevanz des Corporate Publishing in den nach Anzahl Mitarbeitern und Umsatz stärksten Unternehmen des Landes gewichtet wird. Das Resultat lässt keine Zweifel offen: Corporate Publishing gewinnt aus Sicht der Unternehmen in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung.
Ein besonders starker Zuwachs wird in den Bereichen Internet und Intranet prognostiziert. Das Wachstum im Print-bereich ist demgegenüber etwas langsamer. Gleichwohl, bereits jetzt geben mehr als zwei Drittel der Befragten eine Kundenzeitschrift heraus. 42 Prozent der Unternehmen publizieren Kunden- und Mitarbeiterzeitschriften mit einer Gesamtauflage von bis zu 50000 Exemplaren. Ein Viertel gibt sogar Magazine mit Auflagen von über 50000 Exemplaren heraus. Etwa 15 Prozent richten zwischen zwei und fünf Kundenzeitschriften für unterschiedliche Zielgruppen aus. Hier zeigt sich eine deutliche Tendenz hin zur stärkeren Zielgruppendiversifikation.
Internet und Intranet werden ein wichtiges Informationstool
Massgeblich beteiligt an der Realisierung der Studie war Viviane Egli, FCP-Vorstand Schweiz. Sie ist erfreut über die positiven Ergebnisse: «Eine grosse Mehrheit schreibt den Kundenzeitschriften eine vertrauens- und imagefördernde Bedeutung in der Beziehung zum Kunden zu, die Fach- und Beratungskompetenz herausstellt. Erst in zweiter Linie sollen Informationen über Produkte vermittelt werden.» Dies sei, so Egli weiter, eine klare Bestätigung der Effizienz des Corporate Publishing. Gerade bei Werten wie Glaubwürdigkeit, emotionaler Bindung und Servicenutzen
erachten die meisten Befragten Corporate Publishing als das Mittel ihrer Wahl.
Immerhin noch 23 Prozent der Befragten sehen auch die Aufgabe, mit CP Neukunden zu gewinnen, als sehr wichtig an. Themen wie das Verbessern des Kundendialogs, das Generieren eines besseren Verkaufsumfelds und einer deutlichen Positionierung gegenüber der Konkurrenz werden nachgeordnet als noch immer wichtige Ziele betrachtet.
Hauptzielgruppe solch journalistischer Bemühungen sind jedoch weiterhin bestehende Kunden. Für 63 Prozent sind aber auch die Mitarbeiter eine wichtige Mittlergruppe. Als wichtiges Informationstool für interne wie externe Zielkreise treten Internet und Intranet immer mehr in den Vordergrund. Hier werden Kommunikationswege wie E-Mail, Newsgroups, Foren und andere interaktive Anwendungen genutzt.
Ihr Vertrauen in die CP-Instrumente lassen sich Schweizer Firmen einiges kosten: Die Mehrzahl gibt bis zu 250000 Franken im Jahr aus. Ein Drittel der grössten Schweizer Unternehmen legt jährlich über 250000 Franken für ihr Kundenmagazin auf den Tisch. 9 Pro-zent der Studienteilnehmer sogar über eine Million Franken. Deut-lich günstiger sind Mitarbeitermedien. 57 Prozent der Unternehmen kamen 2001 mit einem Budget unter 250000 Franken aus. Abhängig sind die Aufwendungen von der Unternehmensgrösse. Fast 70 Prozent der Kundenzeitschriften werden eigenfinanziert. Fremdwerbung spielt als Finanzierungsquelle eine untergeordnete Rolle.
Die Arbeit an CP-Titeln könnte noch professioneller sein
Der Trend geht in den grösseren Unternehmen hin zur eigenen Corporate-Publishing-Abteilung, statt wie bisher Unternehmenskommunikation, Marketing, Werbung oder – wie bei Mitarbeitermagazinen häufig – die Personalabteilung zu beauftragen. Bislang verfügen rund 20 Prozent der mitarbeiterstärkeren Firmen in der Schweiz über eine solche Abteilung. Dabei sind Inhouse-Produktionen eher die Ausnahme. Die Firmen setzen beim Corporate Publishing stark auf die Zusammenarbeit mit externen Editorial-Firmen.
«Die Studie zeigt, dass Corporate Publishing mehr ist als die blosse Publikation von Kundenmagazinen. Die Tatsache, dass erst eine Minderheit der grössten Unternehmen die Dienste spezialisierter CP-Agenturen beansprucht und dass nur wenige Wirkungskontrollen durchführen, verweist aber auch auf ein noch grosses Professionalisierungspotenzial», erläutert René Grossenbacher, Verwaltungsratspräsident von Medianovis AG und Koordinator der Studie für das Forum Corporate Publishing.
Das für die CP-Dienstleister in der Schweiz sehr erfreuliche Résumé der Studie zeigt aber auch kritische Punkte auf: So überprüft bis dato nur jede vierte Firma den Erfolg ihrer Kundenzeitschrift regelmässig. Gerade mal die Hälfte aller Unternehmen führt eine gelegentliche Evaluation durch. «Wir müssen feststellen, dass sich die sporadische Beurteilung der CP-Aktivitäten vorwiegend auf die Auswertung von Gewinnspielen konzentriert. Elaboriertere Verfahren wie etwa Fokusgruppen oder gezielte Leserschaftsbefragungen werden erstaunlich wenig eingesetzt», meint Wyss.
Firmen wollen künftig mehr Geld für CP ausgeben
Diese Tatsache macht deutlich, wie wichtig die FCP-Studie ist, basieren doch die Entscheidungen für das Corporate Publishing in den Unternehmen mehr auf dem Glauben an das Instrument denn auf Daten und Fakten. Noch immer denken viele Firmeninhaber, andere Kommunikationsmittel seien besser geeignet, die Unternehmensziele zu verwirklichen. Doch vertrauenswürdige Zahlen dafür liegen keine vor.
Gerade bei kleineren Firmen kommt hinzu, dass entsprechende personelle und journalistische Kapazitäten für ein CP-Objekt fehlen. Selbst wenn bei den meis-ten Unternehmen aktuell der Anteil der Aufwendungen für
CP-Massnahmen an den gesamten Kommunikationsmassnahmen noch unter 20 Prozent liegt, ist gemäss Studie ein deutlicher Aufwärtstrend ablesbar. Anhand der prognostizierten Entwicklung ist zu erkennen, dass die Ausgaben für Corporate Publishing in den nächsten drei Jahren weiter leicht steigen werden.

Saab donnert Facts auf

Das Nachrichtenmagazin lanciert die längste Werbestrecke auf seiner Frontpage

Das Nachrichtenmagazin lanciert die längste Werbestrecke auf seiner FrontpageVon Daniel Schifferle Im Vergleich zur neuen Sonderwerbeform ist der Altarfalz nur gerade ein kleines Vorspiel: Nicht weniger als elf Seiten Werberaum offeriert die neue aufklappbare Frontseite von Facts. Wer mit diesem Knaller werben will, muss allerdings tief in die Tasche greifen: 120000 Franken kostet der prominente Auftritt, den sich erstmals Saab leistet.
Auf die Leser der Facts-Ausgabe dieser Woche wartet ein schönes Stück Arbeit. Denn auf der Titelseite präsentiert sich ihnen ein Entblätterungsspiel, dem sie sich kaum werden entziehen können: Die Umschlagseite zeigt sich dieses Mal als dickes Bündel aus sechs Lagen Papier.
Nicht weniger als elf ganze Inserateseiten wollen von den Abonnenten und Kioskkäufern beguckt werden, nachdem der doch recht aufwändige Entfaltungsakt vollendet ist. Der bisher bekannte Altarfalz mit seinen ein bis zwei herausklappbaren Seiten sieht im Vergleich dazu eher dünnhäutig aus.
Teure Angelegenheit und eine technische Herausforderung
Belegt ist die neue prominente Werbestrecke im Tamedia-Nachrichtenmagazin mit der Lancierungskampagne der Saab 9-3 Sport Limousine, die in den vergangenen Wochen breit angelaufen ist. Damit die Kampagnenidee auf den elf Seiten entsprechend untergebracht werden konnte, musste Fisch Meier Direkt das Konzept der Saab-Beilage allerdings überarbeiten.
Die Idee für den Werbeknüller hat Facts-Verlagsleiter Christoph Marty beim Stern abgeschaut. Letzterer hatte den werberischen Hosenlupf mit der vervielfachten Frontseite in der Ausgabe vom
8. Mai 2002 erstmals ausprobiert.
Eine besondere Herausforderung bietet die ungewöhnliche Werbestrecke für Produktion und Redaktion. «Statt erst am Mittwochmorgen, wie normalerweise üblich, muss die Frontseite bereits am Montagmorgen abgeliefert werden», erklärt Marty. Die Redaktion habe deshalb gewisse Sorgen angemeldet, weil die Aktualität darunter leiden könnte. Viel Überzeugungsarbeit sei notwendig gewesen.
Ein gewisses Risiko bleibe allerdings für den jeweiligen Kunden. «Wenn der Papst stirbt oder wenn die USA den Irak angreifen, müsste man die Frontseite auch sehr kurzfristig anpassen können – und damit würde dann auch das Werbepackage wegfallen. Aber dieses Risiko müssen wir eingehen, denn wir können die Redaktion nicht derart einschränken, dass kein Reagieren auf die Aktualität mehr möglich ist», sagt Marty.
Sehr schwierig sei es zudem gewesen, überhaupt eine Druckerei zu finden, welche die ungewöhnlich lange Werbestrecke zu drucken in der Lage ist. In der Druckerei Kyburz in Dielsdorf sei man aber schliesslich doch noch fündig geworden. Das aufwändige Produkt hat allerdings seinen Preis: Die Produktionskosten betragen stolze 35000 Franken. Darin inbegriffen ist ein etwas dickeres Papier, als es üblicherweise für die Umschlagseite zum Einsatz kommt. Damit soll dem Zerreissen beim komplizierten Entfaltungsprozess vorgebeugt werden.
Das Werberaum-Package soll sparsam eingesetzt werden
Marty ist aber überzeugt, dass sich das nicht ganz billige Angebot trotz Werbemarktkrise durchaus verkaufen lässt. «Für eine ausserordentliche Leistung, die sich so klar vom Mainstream abhebt, ist man auch heute bereit, etwas mehr auszugeben», erklärt er. Jedenfalls hätten jene Kunden, denen die neue Werbeform präsentiert wurde, durchwegs positiv reagiert.
Trotzdem soll sie sparsam zum Einsatz kommen – um die Lesenden und die Redaktion nicht zu stark zu strapazieren: Zirka drei- mal pro Jahr möchte Marty sein neuestes Werbekind im Heft haben. Ein solches Angebot buche man ja auch nicht für irgendein Produkt. «Diesen Knaller setzen Kunden für wirklich grosse Geschichten wie zum Beispiel die Lancierung der neuen Saab 9-3 Sport Limousine ein.»
Abonnentenwerbung mit Link

Weil Frontseite und hintere Umschlagseite aus einem einzigen Bogen bestehen, müssen bei der Produktion zwingend auch die hinteren Umschlagseiten mit produziert werden. Im Fall der neuen Sonderwerbeform von Facts bleiben deshalb – zusätzlich zur vierten Umschlagseite – drei weitere ganze Seiten, die ebenfalls mit Werbung belegt werden können. Diese drei Seiten sind allerdings nicht Teil des Packages. Sie kommen im Normalfall für eigene Verlagsaktivitäten (Abonnentenwerbung) zum Einsatz. Allerdings sind Verknüpfungen nicht ausgeschlossen, wie das aktuelle Beispiel zeigt: Die Abonnentenwerbung ist mit einem Wettbewerb verbunden, bei dem es einen nigelnagelneuen Saab zu gewinnen gibt. (dse)

Diese Ehe braucht keine Therapie

SRG und Presse-TV verlängern Kooperationsvertrag

SRG und Presse-TV verlängern KooperationsvertragVon Markus Knöpfli Die SRG und das Verlegerfernsehen Presse-TV (PTV) meinens ernst: Noch vor dem verflixten siebten Ehejahr haben sie ihren Partnerschaftsvertrag still und leise um sechs Jahre verlängert.
Ende Jahr läuft die bisherige Vereinbarung aus, doch der neue Vertrag ist bereits unterschrieben und unterscheidet sich gemäss PTV-Geschäftsführer Hans Jürg Deutsch nur in Details. Im Wesentlichen wurden Dinge festgemacht, die schon bisher klar waren: PTV hat samstags und sonntags von 18 bis 23 Uhr die Konzessionshoheit auf SF 2 und ist vertraglich verpflichtet, mindestens 14000 Minuten Eigenproduktionen zu liefern. Dazu kommen Zweitausstrahlungen sowie – separat geregelt – Wiederholungen auf SF info. PTV darf auf SF 2 zwar auch an Wochentagen Sendungen ausstrahlen, benötigt dazu aber immer die Zustimmung der SRG.
Für die gelieferten Sendungen erhält PTV von der SRG eine Abgeltung von jährlich 4,5 Millionen Franken (plus Teuerung). Da PTV einen Teil seiner Sendungen aber im SRG-Produktionszentrum TPC produziert – was jährlich rund 3 Millionen Franken kostet –, fliesst ein grosser Teil der Abgeltungssumme wieder an die SRG zurück.
Für die Akquisition der Werbung im Umfeld der PTV-Sendungen ist weiterhin die Publisuisse zuständig, die Einnahmen gehen an die SRG, die PTV eine jährliche Pauschale von 7 Millionen Franken bezahlt. Sponsoring bleibt Sache der Produzenten der einzelnen Sendungen. Pauschale und Sponsoring reichen den PTV-Teilhabern derzeit gerade, um einigermassen über die Runden zu kommen, sagt Deutsch.
Noch bleibt die neue Jean Frey AG aussen vor PTV strahlt derzeit zwölf Sendungen aus, quotenmässiger Spitzenreiter ist «GesundheitSprechstunde» mit TV-Arzt Samuel Stutz. PTV, das von der SRG anfänglich etwas stiefmütterlich behandelt worden war, hat sich mittlerweile für die SRG zu einem wichtigen Partner entwickelt. Die meisten PTV-Sendungen werten den Sportkanal SF 2 auf, geben ihm ein zusätzliches Profil und erzielen seit einiger Zeit neben Sportübertragungen die höchsten Marktanteile.
Die Verleger dagegen verfügen in PTV über eine Art TV-Spielwiese. Während SRG-Sprecherin Josefa Haas PTV als «kooperative Konkurrenz» bezeichnet, formuliert Deutsch das so: «Die Verleger können Sendungen machen, ohne selbst einen Sender betreiben zu müssen, während die SRG zu einem guten Tarif zu guten Sendungen kommt.»
An PTV sind Ringier und die NZZ zu je 30%, die deutsche Verlegergruppe DCTP und die Basler Mediengruppe (BM) zu je 20% beteiligt. An sich sollte Jean Frey AG als fünfter Teilhaber aufgenommen werden und die Hälfte des BM-Anteils kaufen, doch dies ist rechtlich noch nicht besiegelt. Der Jean-Frey-Titel Bilanz produziert den «Bilanz-Talk» auf PTV.
Hitparade der PTV-Sendungen

Sendung* Zuschauer nach Marktanteil** Produzent
Telecontrol** in %
GesundheitSprechstunde 333 000 16 RingierTV
al dente 271 000 15 RingierTV
konsum.tv 198 000 9 RingierTV
Café Bâle 165 000 8 BM
CASH-TV 86 000 7 RingierTV
NZZ Format 82 000 5 NZZ
100 Minuten 82 000 5 DTCP/Spiegel
MotorShow tcs 82 000 4 RingierTV
NZZ Swiss made 67 000 4 NZZ
Standpunkte 43 000 3 NZZ/BM/RingierTV/Bilanz
CASH-Talk 41 000 5 RingierTV
Bekanntmachung 13 000 2 Alexander Kluge
* immer Erstausstrahlungen ohne Wiederholungen
** Jahresdurchschnitt 2001 Quelle: Presse-TV

Rache angedroht

Mit Spannung hat die Medienwelt am letzten Samstag das Magazin vom Tages-Anzeiger erwartet, denn dieses war von den Machern des Satiremagazins Titanic gestaltet worden.

Mit Spannung hat die Medienwelt am letzten Samstag das Magazin vom Tages-Anzeiger erwartet, denn dieses war von den Machern des Satiremagazins Titanic gestaltet worden.. Natürlich wurden ein paar Klischees der Schweiz wie Sepp Blatter «nackt», Thomas Borer, Schumi als Wahlschweizer oder Cool Man ganz schön in die Pfanne gehauen. «Halb-halb», von hell begeistert bis tief empört, seien die rund 40 Reaktionen der Leserschaft gewesen, die beim Magazin eingegangen sind, meinte Chefredaktor Res Strehle auf Anfrage. Da seine Redaktion grossen Spass an der Zusammenarbeit mit den Gastarbeitern von der Titanic hatte, könne man sich gut vorstellen, dass das publizistische Experiment zum jährlichen Fixpunkt im Programm des Magazins werde. Möglich sei auch, dass die Magaziner von der Werdstrasse demnächst eine Retourkutsche für das Maga(ga)zin Titanic produzierten. Eine Einladung liege vor. Strehle könnte sich als «Rache» zum Beispiel ein «total ernstes Titanic» vorstellen. Wir nicht.Ästhetische Gründe. Ein grosser Schritt auf dem Boulevard oder ein kleiner Schritt für mehr Leserservice? Gestaunt hat man jedenfalls in den Trams der Zürcher Verkehrsbetriebe, als die sonst als topseriös geltenden Leser des ZürichExpress mit einer Zeitung herumfuchtelten, auf der zwei blanke Busen in Grossaufnahme in die morgendliche Runde reckten. Wer sich dann in der nächsten Zeitungsbox verstohlen selber ein Exemplar des neuen SexExpress aus dem Hause Tamedia zur Brust nehmen wollte, durfte beruhigt durchatmen: Keine Wahl des schönsten Busenpaares ist im ZürichExpress lanciert worden. Das Corpus Delicti einer gewissen Sophie Mader, 23 (Name geändert), hat als Illustration für eine Diskussion über Schönheitsoperationen herhalten müssen. Sophie ist mit dem Resultat sehr zufrieden, wie die Trittbrett-Sexstory-Fotos zeigen.
ANZEIGE ALS KUNST. Der Werbeflaute zum Trotz ist in Bern bereits die dritte Ausgabe von Gruntz erschienen. Das «etwas andere Magazin» erreicht mit seinen 184 Seiten fast Buchformat. Das trendige Lifestyle-heft kommt inhaltlich ähnlich wie Kult, Faces oder Forecast daher. Gruntz liegt aber nicht gratis in der Szene auf, sondern wird im Jahresabo mit drei Ausgaben für zusammen 18 Franken angeboten. Dafür verweist Gruntz auf zahlreiche «inhaltliche Fortschritte» und ist überzeugt: «Die Redaktion hat ihren Platz gefunden.» Texte zu neuen Musiktrends, diverse Kurzgeschichten und Artikel zum Thema Garten Eden oder gestylte Bildstrassen mit Mode und hipper Kunst mischen sich als Inhalte zum Teil fast nahtlos unter die Anzeigen. Diese werden von Publimag verwaltet. Dort meint Anzeigenleiter Daniel Stolina, dass das Gruntz-Magazin seine Rolle als «High End»-Produkt bereits nach drei Nummern gut auszufüllen vermag.
Mehr Inhalt als Form? Nicht sehr angenehm, wenn man die eigenen Schwächen genüsslich unter die Nase gerieben bekommt: «Mehr Arsch als Knack?», «Mehr Traum als Figur?» oder «Mehr Kater als Muskel?». Mit diesen perfiden Headlines will das Zürcher Fitnesscenter David Gym reumütige Vielesser und notorische Couch Potatoes an den Letzigraben 165 locken. Das Center mit Michelangelos David im Logo unterstützt seit gut 20 Jahren seine zahlende Kundschaft im Kampf gegen Bierbauch und Cellulitis. Ausgedacht hat sich die existenziellen Fragen das Kreativteam von Inhalt&Form, das in der Umsetzung auf visuelle Unterstützung der Headlines verzichtete – wir danken recht herzlich! Susanne Haug (Text/Beratung), Serge Riedener (CD), Sebastian Rundy (AD).
Blick löst Cash ab am Hauptbahnhof Zürich. Wer in Zürich mit dem Zug ankommt, wird künftig von allen drei grossen Tageszeitungen der Stadt umworben. Die Neue Zürcher Zeitung mit einem Grossplakat rechts der Bahnhofshalle und der Tages-Anzeiger auf dem E-Board waren schon bisher vertreten. Nun übernimmt ab Mitte Oktober der Blick das Grossplakat links der Halle, auf dem bisher die Wirtschaftszeitung Cash warb. In besseren Zeiten nutzte Cash die Stelle für auffallende Aktionen und führte oft ein Slogan-Duell mit der NZZ. Etwa zeitgleich mit dem Agenturwechsel von Lowe zu Seiler DDB Ende 2001 verzichtete Cash auf diese aufwändige Strategie. Ob Blick die prominente Werbefläche wieder intensiver bewirtschaften will, konnte Verlagsleiter Bruno Blaser noch nicht sagen: «Es ist noch unklar, was dort hinaufkommt, wir sind noch in der Planung.»
Antizyklisch. Fast dicker als die richtige Zeitung präsentierte sich unlängst eine Beilage in der Frankfurter Allgemeinen sowie in der Süddeutschen Zeitung. Über volle 20 Seiten liess sich der Automobilhersteller Audi als erfolgreiche Automarke feiern. Die Beilage wusste formal zu bestechen durch neun doppelseitige Fotografien aus der über 100-jährigen Geschichte von Audi. «Innovationen seit 1899 – Der neue Audi A8 kommt» lautete eine der spärlich, aber umso auffallender gesetzten Textzeilen. Solch antizyklisches Verhalten mit einer derart grosszügig gestylten Beilage könnten sich auch andere Branchen nicht nur formal zum Vorbild nehmen.
Edi im Tramdepot. Der Auftrags- und Werbefilmpreis Edi.02 ist eine Auszeichnung, die unter dem Patronat des Eidgenössischen Departements des Innern für überdurchschnittliche Leistungen verliehen und von den Preisträgern hoch geschätzt wird. Die Party zur Preisverleihung steigt am 7. November im Tramdepot Oerlikon. Neben einer Podiumsdiskussion sind auch dieses Jahr viele interessante Infotools vorgesehen. Die besten Schweizer Produktionsfirmen stellen sich mit ihren Showreels vor.
Zum Fressen gern. Die neueste Ausgabe des Gault Millau soll, glaubt man den Kreativen von Publicis, so gut sein, dass die hungrig wartenden Käufer des «Reiseführers für Gourmets» noch vor dessen Lektüre gleich in den 560 Seiten dicken Buchblock beissen möchten. «Macht Appetit. Der neue Gault Millau», schreibt Texter Rolando Baron. Klar doch, denn er (nicht Baron) beschreibt «die kulinarische Lage der Nation». Und, wie ist sie? Keine Ahnung! Weder die Grafik (Anka Wessely) noch der Creative Director (Markus Gut) verzapfen in ihrer Anzeige was darüber. Dürfen sie gar nicht. Denn diese Kompetenz bleibt unwidersprochen jenem Sonderexemplar von Homo gastronomicus überlassen, der mal naseweis verkündete, schon als Kleinkind jene selige Gabe entdeckt zu haben, gefrorene von frischen Froschschenkeln unterscheiden zu können. Bon App!

Service: «Achtung Marke»

Wann werden Produkte oder Unternehmen zu einer Marke, wie pflegt und schützt man sie, wie funktioniert erfolgreiche Markenkommunikation?

Wann werden Produkte oder Unternehmen zu einer Marke, wie pflegt und schützt man sie, wie funktioniert erfolgreiche Markenkommunikation?«Achtung Marke» Mit diesen Fragen beschäftigt sich Klaus Brandmeyer, Mitbegründer des Genfer Instituts für Markentechnik, in seinem neuen Buch «Achtung Marke», das in der Stern Bibliothek erschienen ist. Das Buch enthält Aufsätze, Vorträge und Analysen Brandmeyers aus den letzten Jahren. Es umfasst 336 Seiten und kann für 28 Euro bei Anne Cordes in der Anzeigenabteilung des Magazins Stern (cordes.anne@ stern.de) bestellt werden.
DDC Jahrbuch 2002 Der Deutsche Designer Club DDC ist 1989 gegründet worden und «bricht seither eine Lanze» für Qualität und interdisziplinäre Arbeit. Die Mitglieder des Clubs stammen aus den Bereichen Architektur, Produktedesign, CI, Digitales Gestalten, Innenarchitektur, Fotografie, Illustration, Kunst und Werbung. Der DDC will unter diesen Spezialisten eine ernsthafte Plattform für Design-Kommunikation schaffen. Jedes Jahr lobt der DDC deshalb die besten Arbeiten in einem Wettbewerb mit den Kategorien «Kommunikation vernetzt» und «Das gute Stück». Im Band «Kommunikation vernetzt. 2002» (ISBN 3-87439-604-5) finden sich neben vielen Abbildungen auch die Briefings sowie eine kurze Beschreibung der kreativen Konzepte aus der Sicht der Preisträger.
Mediaforum hat jetzt ein Forum Das Publishing-Branchenportal Mediaforum.ch baut seine Dienstleistungen mit der neuen Rubrik «Forum» aus. Rund 30 Themen aus den Bereichen Prepress, Web, Programmierung, Betriebssysteme, Diverses und Jobs laden zum Diskutieren ein. Mediaforum übernimmt dabei im Rahmen einer Partnerschaft das Angebot von Hilfdirselbst.ch, das ins Layout des Branchenportals eingebunden wird. Hinter Hilfdirselbst.ch steht Gamper Internetauftritte und Schulung, in Zusammenarbeit mit den weiteren Partnern Verband Schweizer Druckindustrie, Ulrich Media GmbH, MD-Systems und der Fachzeitschrift Publisher.

Etat-News: AY&R fährt Suzuki

Advico Young & Rubicam macht Werbung für die japanische Motorradmarke Suzuki.

Advico Young & Rubicam macht Werbung für die japanische Motorradmarke Suzuki.AY&R fährt Suzuki In der zweistufigen Konkurrenzpräsentation setzte sich die Agentur gegen drei Mitbewerber durch. Die Kampagne wird Anfang 2003 zu sehen sein.
Code gewinnt X-Tra Der Zürcher Musikclub X-Tra hat die Grafikwerkstatt Code mit einer Imagekampagne beauftragt. Für einen sechsstelligen Betrag werden diverse Werbemittel erarbeitet und ab November eingesetzt.
Vibrio betreut Iona Die deutsche PR-Agentur Vibrio wird für die irische Softwarefirma Iona in der Schweiz tätig. Iona produziert Integrationslösungen für Webservices. Vibrio hat im August in Zürich eine Repräsentanz eröffnet. Sie wird von Oliver Wimmer geleitet, der früher unter anderen auch bei Wirz Werbeberatung gearbeitet hat.

News: Market Magazine für die Romandie

In der Westschweiz soll Ende Jahr ein neues Wirtschaftsmagazin unter dem Namen Market Magazine lanciert werden.

In der Westschweiz soll Ende Jahr ein neues Wirtschaftsmagazin unter dem Namen Market Magazine lanciert werden.News Market Magazine für die Romandie Herausgeber des Monatsmagazins mit einer Auflage von 15000 Exemplaren sind Patrick Sikias und Raphael Dana, die 1996 die Internetfirma Netarchitects gegründet und zwei Jahre später an die französische Altran-Gruppe verkauft hatten. Das Redaktionsteam mit rund 6 fest angestellten und etwa 20 freien Journalisten wird von Clément Dubois geleitet.
PubliPresse will 150 Stellen streichen PubliPresse, der grösste Bereich des Lausanner Werbekonzerns PubliGroupe mit den Töchtern Publicitas, Publimedia, Publimag und Mosse Media, startet ein gross angelegtes Sparprojekt. Unter dem Motto «Fit for the Future» sollen bis Ende 2003 rund 150 der 1500 Stellen in der ganzen Schweiz abgebaut werden. PubliPresse wird laut einer Mitteilung Strukturen und Abläufe in allen Unternehmen einer kritischen Analyse unterziehen.
Edipresse kauft Infotec Der Westschweizer Medienkonzern Edipresse kauft den Genfer Finanzinformationsdienst Infotec SA. Er übernimmt die Anteile des Gründers sowie eine Mehrheit der Aktien des bisherigen Haupteigners, der Compagnie Financière Tradition (CFT). Edipresse ist künftig mit 70% an Infotec beteiligt, CFT bleibt Minderheitspartner. Mit dem Kauf will Edipresse ihr Know-how im Vertrieb von elektronischen Inhalten erweitern.

Kopf der Woche: «Ich möchte mich mehr um Corporate Behaviour kümmern»

BRYON PAUL MCCARTNEY ist seit September Leiter der Brandbakery bei Advertising Art & Ideas in Zürich

BRYON PAUL MCCARTNEY ist seit September Leiter der Brandbakery bei Advertising Art & Ideas in ZürichKopf der Woche Brayon McCartney ist seit September Leiter der Brandbakery bei Advertising Art & Ideas in Zürich
«Ich möchte mich mehr um Corporate Behaviour kümmern»
Da sitzt er nun in einem Büro in Zürich-Wollishofen, und statt auf die Skyline der Loop Aera von Chicago blickt er auf die Swiss Alps. Bryon Paul McCartney ist seit Anfang September Leiter der Brandbakery, einer Business Unit für Corporate Identity in der Zürcher Agentur Advertising Art & Ideas. «Das Konzept von Brandbakery besteht darin, eine etwas progressivere Kundschaft pflegen zu können, als dies bei Advertising Art & Ideas mehrheitlich möglich ist, wo wir eher konservativere Kunden wie zum Beispiel Finanzinstitute betreuen», erklärt er.
Der Designer aus Chicago war zuvor zwei Jahre bei Wirz Interactive als CD tätig. Der Job besteht nun darin, die Brandbakery als eine Branding Unit zu profilieren. «Man redet hier viel von Branding im Zusammenhang mit Äusserlichkeiten wie Logo und Erscheinungsbild. Ich möchte mich mehr um Corporate Behaviour kümmern», präzisiert McCartney seinen Anspruch, eine «interne Attitüde» bei einem Unternehmen erzeugen zu können.
«Wir interessieren uns für jüngere Marken, die wir innerhalb der nächsten zwei Jahre bekannt machen wollen», meint der «Bäcker» neuer Marken. Interessieren würden ihn auch «schlafende Marken, bei denen wir einen radikalen Wechsel herbeiführen sollen». Diese Kunden können für die Brandbakery aus den verschiedensten Branchen kommen.
McCartney begann seine Laufbahn in Chicago, wo er bei Helene Curtis inhouse im Corporate Design Department die damals grosse Marke für Personal Care Products betreut hat. «Da lernte ich viele Basics des Brand Building, denn wir mussten ständig neue Produkte sehr zielgruppengerecht auf den Markt bringen.» Später arbeitete er bei Bridge für grosse Marken im Bereich Healthcare und Hightech. Noch einmal bei Helene Curtis, wirkte er als Creative Director für Online-Branding und Online-Marketing-Communications.
Dabei entwickelte er Kampagnen für Calvin Klein, Elisabeth Arden oder auch Lipton Foods – bis ihn seine damalige Freundin einmal anrief und fragte: «Willst du mit mir in die Schweiz ziehen?» Sie hatte in Zürich einen Job als Direktorin eines PR-Büros angenommen, das die Interessen von Dow Chemical in Europa vertritt.
Dass er damals noch am Telefon Ja gesagt hatte, bereut er bis heute nicht. «I like the alps», meint er. Die Berge würden ihm zwar die Wolkenkratzer von Chicago nicht ersetzen. Dafür liegt ganz nah von seinem Büro jetzt ein See – wie damals in Cleveland, wo er aufgewachsen ist, bevor es in seinem unkonventionellen Lebensweg an der University von Athens, Ohio, mit einem Studium für Graphic Design weitergegangen ist.
Andreas Panzeri

«Latte ziemlich hoch gelegt»

Was war der wichtigste Grund für einen Relaunch von Tele?

Was war der wichtigste Grund für einen Relaunch von Tele?Klaus Kriesel: Wenn man Marktführer ist, muss man mehr als nur ein Facelifting bieten. Mit dem Relaunch wollen wir in den jüngeren Zielgruppen sehr stark bleiben. Wir haben die Latte ziemlich hoch gelegt, weil das Heft einen europäischen Standard setzen soll. Das war wichtig für die Auswahl der Agentur.Haben Sie auch in der Schweiz gesucht?
Kriesel: Wir haben einen Pitch gemacht mit einer schweizerischen und zwei deutschen Agenturen. Schliesslich haben wir uns für Media Group Berlin entschieden. Die wird vom Österreicher Lukas Kircher geleitet. Seine Agentur hat auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sowie Financial Times Deutschland betreut.
Ist der Relaunch des Tele eine Reaktion auf das neue TR7?
Kriesel: Nein. Unser direkter Konkurrent ist TV Spielfilm, das schon 300000 Leser in der Schweiz findet.
Fühlt sich Tele von Billig-TV-Blättern bedroht?
Kriesel: Nein. Wir müssen einen Vorsprung auf die Konkurrenz haben, damit die Leute kein billigeres Heft kaufen.
Es gibt immer mehr TV-Sender. Auf welche fokussieren Sie?
Kriesel: Die Liste deckt genau ab, was in den meisten Kabelnetzen zu finden ist. Die oft angekündigte Zukunft mit 300 oder mehr Kanälen dürfte nicht so schnell kommen. Unsere Gewichtung ist eine Kombination aus Sehgewohnheit und Marktanteil. Unsere Kernzielgruppe sind die 20- bis 45-Jährigen sowie noch Jüngere, die das Heft sehr intensiv lesen. Trotzdem wollen wir kein Jugendheft daraus machen.
Sie schaffen dank neuen Medien also die Quadratur des Kreises? Kriesel: Es werden alle interessanten Programme vorgestellt. Unsere Leserschaft nutzt sehr aktiv auch die neuen Medien. Der 15-Jährige, der sich für DVD oder Musik-CDs interessiert, findet im neuen Tele genauso seine Infos wie der 60-jährige Filmkenner, der nach Klassikern sucht. (pan)

Muse & Musse: Heinrich Reinacher

Heinrich Reinacher Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht? Heinrich Reinacher: Den Dreh des neuen ZVV-Image-Films «Schiff/Strasse». Rifferswil, morgens um 5.45 Uhr! Und danach das «Pöstli», gleich nebenan. Was lesen Sie

Heinrich Reinacher Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Heinrich Reinacher: Den Dreh des neuen ZVV-Image-Films «Schiff/Strasse». Rifferswil, morgens um 5.45 Uhr! Und danach das «Pöstli», gleich nebenan.
Was lesen Sie gerade?
Reinacher: «Der menschliche Makel», Philip Roth. Weil ich sonst sozial geliefert bin.
Welche CD hören Sie zurzeit ?
Reinacher: Alles von Lucio Dalla und Jimmy Hendrix.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Reinacher: «Vaghe Stelle dell’Orsa» von Lucchino Visconti. Um rauszufinden, ob er mich noch beeindruckt.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Reinacher: 1966, beim «Sandmännchen».
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Reinacher: Beam.tv
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Reinacher: FFF – Familie, Film, Fernsehen.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Reinacher: FFF.
Liebe ist…?
Reinacher: …ein Geheimnis.

Ah, cette fête de femina

Am schönen Genfersee, genauer: in Lausanne, feierte in der vergangenen Woche die Frauenzeitschrift Femina ihr 40-jähriges Bestehen.

Am schönen Genfersee, genauer: in Lausanne, feierte in der vergangenen Woche die Frauenzeitschrift Femina ihr 40-jähriges Bestehen.«La nuit de femina – un voyage temporel» lautete das Motto der Riesensause. Im «Amnesia», einem der zurzeit angesagtesten Nachtclubs der französischen Schweiz, scheute man weder Mühen noch Kosten, um den rund fünfhundert Gästen, davon waren mindestens deren hundert aus der Deutschschweiz angereist, das absolute Nonplusultra zu bieten.Die verschiedenen Bars und Räume des «Amnesia» wurden komplett umgestylt, um die versprochene Zeitreise Tatsache werden zu lassen. Auf je ein Jahrzehnt aus den letzten vier Jahrzehnten, von den Sechzigern bis zum Millennium, wurde das Dekor der Disco getrimmt. Die Yeah-Yeah-Bar repräsentierte die Sechzigerjahre mit den Blütezeiten von The Beatles und Rolling Stones, die Baba-Bar – unbestritten die bestbesuchte Tränkstelle des Abends – stand für die Siebziger. Casino und Slotmachines waren für die rauschenden Achtziger aufgestellt worden, und der futuristisch gestylte Dancefloor samt Bar liess den Technoboom der Neunziger nochmals aufbeben.
Alles, was Rang und Namen hat, wurde aufgeboten. Aus dem Werbemekka Zürich fand man auf der Gästeliste unter anderen Mediafachmann Röbi Baier, Karin Baatsch und Jean-Robert Kvaternik von Carat, Gabriela Böcker-Flamm, Astrid Koller, Kornelia Kleveta, Caroline Mohr, Pascale Nusskern und Séverine Hörler von Mediacom, Michèle Böckmann, Sabrina Süsstrunk und Markus Holenstein aus der Agentur Fünf Freunde, Frank Woday von Universal McCann und von Mediaschneider Petra Bosshard, Carla Fuhlrott und Cordula Müller.
Klar, dass sich neben ihnen auch die festfreudigen, aber nicht unbedingt Werbeparty-verwöhnten Romands die Gelegenheit nicht entgehen liessen. Für etliche Gäste habe der Event bis zum «Petit-Déjeuner» gedauert, so hörte man es jedenfalls in Zürich.
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