All work – no beach!
Richtig gelesen. «Nur Arbeit – nix Strand», lautete das hochoffizielle Motto des 50. International Advertising Festival (IAF), gemeinhin als Weltmeisterschaft der Werber bezeichnet.
Richtig gelesen. «Nur Arbeit – nix Strand», lautete das hochoffizielle Motto des 50. International Advertising Festival (IAF), gemeinhin als Weltmeisterschaft der Werber bezeichnet.Bis Anfang der Neunzigerjahre hiess die Losung «Time for beach», danach des ausgebauten Programms wegen «More work – less beach».Die Zahlen machen klar, weshalb das Programm keine Zeit mehr für Leisure-life lässt – immer vorausgesetzt, man ist ein seriöser Werber und nutzt das vorhandene Angebot. Es gibt eine Unmenge eingereichter Arbeiten zu begutachten. Über 16000, alle Kategorien zusammengenommen. Im Cyber-Wettbewerb waren es 1244, bei Press & Outdoor zählte man 8669 Inserate und Plakate, dazu 1123 DM-Einreichungen, 779 Media-Konzepte und 4577 TV- oder Kino-Commercials. Alle Shortlist-Eingänge bei Press & Outdoor, Lions Direct und den Media Lions zeigte man an einer Ausstellung. Zusätzlich konnten am Cyber-Kiosk alle Einreichungen dieser Kategorien abgerufen werden. Und weitere 70000 Arbeiten, bestehend aus den Gewinnern seit 1990 und allen Einreichungen seit 1998.
Ferner sollte man sich die 43 Lösungen der Young Creatives ansehen und wenigstens ein paar der insgesamt 18 Seminare, Referate und Shows besuchen. Von weiteren Nebenschauplätzen, wie dem Young-Directors-Award, den Messe- und Buchständen im Palais de Festival und diversen Klein-Events wollen wir schon gar nicht reden.
Das war aber erst das Tagesprogramm! An vier Abenden fanden offizielle Galas mit Preisverleihungen und Löwenübergaben statt, jeweils mit anschliessendem Buffet-Empfang. Jede Nacht gibts eine bis mehrere Partys, deren Besuch sich manchmal mehr, manchmal etwas weniger lohnt. Und last but not least sollte man im «Martinez», direkt an Cannes Flaniermeile Croisette gelegen, noch ein bisschen die schöne Kunst des Socializing pflegen. Im und ums «Martinez» ist jeweils bis sechs Uhr in der Früh Remmidemmi. An und für sich ein
7-x-24-Stunden-Programm für Werber.
Schweizer haben wir allerdings schon zahlreicher auf der Nobelhotelterrasse gesehen. Auch sonst (über)füllten sich die In-Places erst gegen Ende der Woche. Das Gefühl kam auf, dass sich die Werber (zum Glück nicht alle!) heuer einen seriöseren Anstrich gaben als auch schon. Oder sie waren vom Programm so erschöpft, dass keine Energie mehr fürs Nachtleben blieb.
Neben dem Abschneiden des eigenen Landes sind vor allem die Strandfeten ein Thema. Die Holländerparty von Hans Brouwer und Rob Meddens ist immer noch das ultimative Non-plus-ultra in Cannes. Es gibt sie tatsächlich noch, die wilden und legendären Werberpartys im Stile der Achtziger, wo sich Frauen ihre T-Shirts vom Leib reissen, Männer halbnackt auf Tischen rumtanzen, gleich- und verschiedengeschlechtliche Pärchen reihenweise auf der Toilette oder am Strand verschwinden und alle dermassen im Hype sind, dass sich wildfremde Leute in die Arme fallen. Getreu dem Motto zuerst schiessen, dann fragen.
Aber auch Reiner Roduner von Absolutturnus blieb im Gespräch. Wie in vergangenen Jahren hat er zusammen mit Wilbert Hirsch an zwei Abenden rund fünfzig Gäste aus Film und Werbung zu einem gemütlichen Nachtessen unter Olivenbäumen eingeladen. Das Anwesen in Mougins, wo die beiden jeweils wohnen, erwies sich erneut als Pièce de résistance im Festivaltrubel.
Ein Reizthema an der Côte ist die mangelnde Fraternisierungsfähigkeit der Eidgenossen, auf die das jeweils eher mittelmässige Abschneiden im Wettbewerb zurückzuführen sei. Es hat schon was – die Schweizer sieht man meist unter sich. Und eins muss man wissen: Dank einer soliden Leistung kann man auf die Shortlist kommen, und vielleicht schauen noch ein oder zwei Preise raus. Viele Löwen gibts hingegen erst, wenn die Lobby-Arbeit und das Image stimmen. Einen Anfang dazu machte dieses Jahr die Schweizer Festival-Repräsentantin Cinecom unter der Leitung von Matthias Luchsinger. Der traditionelle Swisslunch wurde abgeschafft, dafür gabs am Freitagabend eine Swiss-Party an der Plage Miramar. Zwar noch ein bisschen zaghaft, aber dennoch, fanden auch einige Nicht-Schweizer den Weg dorthin. Eine richtige Schweizer-Fangemeinde unter den anderen Cannes-Besuchern zu schaffen, wird natürlich noch Jahre beanspruchen – aber der Beginn ist gemacht. Neben den meisten Cannes-Schweizern war auch Thomas Jörg, HSG-Student und CH-Vertreter an der Lions Academy zugegen. Er hats dieses Jahr sogar als einziger Eidgenosse in die Lions Daily geschafft, die Festivalpostille des IAF. Darin fand man ein Statement mit Bild von ihm über die erstmals durchgeführte Nachwuchsakademie.
Getratscht wurde auch über die fünf Shortlist-Nennungen von Schweizer Produktionen bei den Filmen. Dass Ruf Lanz und Catsky & Partner als Kleinagenturen mit drei Filmen dort vertreten waren, sei ein Tritt ans Schienbein der Grossen. Publicis und Wirz brachten lediglich einen Film in die Endrunde. Und dass am Samstag kein Löwe raussprang, sorgte für leichte Enttäuschung. Man muss aber festhalten, dass fünf Shortlist-Nennungen eine durchaus solide Leistung für ein Land unserer Grösse sind. Deutschland holte gerade mal einen Löwen.
Das Publikum zeigte sich an der Filmgala eher unzufrieden mit den Jury-Entscheiden. Es wurde gepfiffen und gebuht wie nie zuvor. Mega-übel wars in der Kategorie Cosmetic & Beauty Products. Okay, der Spot ist nicht über alle Zweifel erhaben. Aber die Vertreterin von BBDO Bangkok kam ganz schön unter die Räder, als sie unter lauten Missgunstbezeugungen das Treppchen hochsteigen musste; dem armen Mädchen standen die Tränen zuvorderst, dass es einem echt Leid tat. Das war nicht fair vom Auditorium, denn es ist eine Sache, einen Spot auszubuhen – eine ganz andere ist es bei einem Menschen. Das ist dann ziemlich niederträchtig. Ein kurzer und sehr leiser Anstandsapplaus als Unmutsbezeugung würde ja wohl reichen.
Fröhlicher wars beim anschliessenden Essen am Strand des Palais de Festival. Zwar wurde noch am einen oder anderen Ort über Jury-Entscheide diskutiert, aber man wollte sich die gute Laune nicht verderben. Schliesslich gabs in einer Tahiti-Show mit viel Tamtam und Getanze und dem obligaten Feuerwerk einen fulminanten Abschluss für das diesjährige Werbefestival der Superlative.
Kam als Ehrung nur in Silber in die Schweiz zurück: Löwenparade auf der Croisette mit echtem und gesponsortem Swiss Lion.
Beat Fritschmit Hans Brouwer an der Holländerparty. Hans kommt die Ehre dieser Platzierung zu, weil er zusammen mit seinem Partner Rob Meddens in Cannes mit dem Condor/Massive-Music-Event die mit Abstand beste und schrägste Party des Festivals schmiss. Sodom und Gomorrha im Quadrat, Hangover und Erinnerungslücken garantiert. Kein Wunder, wenn der Veranstalter Brouwer (Brauer) heisst.
Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsszene zu ihren Events trifft, orten wir an den diversen Veranstaltungen. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder aus Cannes gibt es online unter www.werbewoche.ch
Ferner sollte man sich die 43 Lösungen der Young Creatives ansehen und wenigstens ein paar der insgesamt 18 Seminare, Referate und Shows besuchen. Von weiteren Nebenschauplätzen, wie dem Young-Directors-Award, den Messe- und Buchständen im Palais de Festival und diversen Klein-Events wollen wir schon gar nicht reden.
Das war aber erst das Tagesprogramm! An vier Abenden fanden offizielle Galas mit Preisverleihungen und Löwenübergaben statt, jeweils mit anschliessendem Buffet-Empfang. Jede Nacht gibts eine bis mehrere Partys, deren Besuch sich manchmal mehr, manchmal etwas weniger lohnt. Und last but not least sollte man im «Martinez», direkt an Cannes Flaniermeile Croisette gelegen, noch ein bisschen die schöne Kunst des Socializing pflegen. Im und ums «Martinez» ist jeweils bis sechs Uhr in der Früh Remmidemmi. An und für sich ein
7-x-24-Stunden-Programm für Werber.
Schweizer haben wir allerdings schon zahlreicher auf der Nobelhotelterrasse gesehen. Auch sonst (über)füllten sich die In-Places erst gegen Ende der Woche. Das Gefühl kam auf, dass sich die Werber (zum Glück nicht alle!) heuer einen seriöseren Anstrich gaben als auch schon. Oder sie waren vom Programm so erschöpft, dass keine Energie mehr fürs Nachtleben blieb.
Neben dem Abschneiden des eigenen Landes sind vor allem die Strandfeten ein Thema. Die Holländerparty von Hans Brouwer und Rob Meddens ist immer noch das ultimative Non-plus-ultra in Cannes. Es gibt sie tatsächlich noch, die wilden und legendären Werberpartys im Stile der Achtziger, wo sich Frauen ihre T-Shirts vom Leib reissen, Männer halbnackt auf Tischen rumtanzen, gleich- und verschiedengeschlechtliche Pärchen reihenweise auf der Toilette oder am Strand verschwinden und alle dermassen im Hype sind, dass sich wildfremde Leute in die Arme fallen. Getreu dem Motto zuerst schiessen, dann fragen.
Aber auch Reiner Roduner von Absolutturnus blieb im Gespräch. Wie in vergangenen Jahren hat er zusammen mit Wilbert Hirsch an zwei Abenden rund fünfzig Gäste aus Film und Werbung zu einem gemütlichen Nachtessen unter Olivenbäumen eingeladen. Das Anwesen in Mougins, wo die beiden jeweils wohnen, erwies sich erneut als Pièce de résistance im Festivaltrubel.
Ein Reizthema an der Côte ist die mangelnde Fraternisierungsfähigkeit der Eidgenossen, auf die das jeweils eher mittelmässige Abschneiden im Wettbewerb zurückzuführen sei. Es hat schon was – die Schweizer sieht man meist unter sich. Und eins muss man wissen: Dank einer soliden Leistung kann man auf die Shortlist kommen, und vielleicht schauen noch ein oder zwei Preise raus. Viele Löwen gibts hingegen erst, wenn die Lobby-Arbeit und das Image stimmen. Einen Anfang dazu machte dieses Jahr die Schweizer Festival-Repräsentantin Cinecom unter der Leitung von Matthias Luchsinger. Der traditionelle Swisslunch wurde abgeschafft, dafür gabs am Freitagabend eine Swiss-Party an der Plage Miramar. Zwar noch ein bisschen zaghaft, aber dennoch, fanden auch einige Nicht-Schweizer den Weg dorthin. Eine richtige Schweizer-Fangemeinde unter den anderen Cannes-Besuchern zu schaffen, wird natürlich noch Jahre beanspruchen – aber der Beginn ist gemacht. Neben den meisten Cannes-Schweizern war auch Thomas Jörg, HSG-Student und CH-Vertreter an der Lions Academy zugegen. Er hats dieses Jahr sogar als einziger Eidgenosse in die Lions Daily geschafft, die Festivalpostille des IAF. Darin fand man ein Statement mit Bild von ihm über die erstmals durchgeführte Nachwuchsakademie.
Getratscht wurde auch über die fünf Shortlist-Nennungen von Schweizer Produktionen bei den Filmen. Dass Ruf Lanz und Catsky & Partner als Kleinagenturen mit drei Filmen dort vertreten waren, sei ein Tritt ans Schienbein der Grossen. Publicis und Wirz brachten lediglich einen Film in die Endrunde. Und dass am Samstag kein Löwe raussprang, sorgte für leichte Enttäuschung. Man muss aber festhalten, dass fünf Shortlist-Nennungen eine durchaus solide Leistung für ein Land unserer Grösse sind. Deutschland holte gerade mal einen Löwen.
Das Publikum zeigte sich an der Filmgala eher unzufrieden mit den Jury-Entscheiden. Es wurde gepfiffen und gebuht wie nie zuvor. Mega-übel wars in der Kategorie Cosmetic & Beauty Products. Okay, der Spot ist nicht über alle Zweifel erhaben. Aber die Vertreterin von BBDO Bangkok kam ganz schön unter die Räder, als sie unter lauten Missgunstbezeugungen das Treppchen hochsteigen musste; dem armen Mädchen standen die Tränen zuvorderst, dass es einem echt Leid tat. Das war nicht fair vom Auditorium, denn es ist eine Sache, einen Spot auszubuhen – eine ganz andere ist es bei einem Menschen. Das ist dann ziemlich niederträchtig. Ein kurzer und sehr leiser Anstandsapplaus als Unmutsbezeugung würde ja wohl reichen.
Fröhlicher wars beim anschliessenden Essen am Strand des Palais de Festival. Zwar wurde noch am einen oder anderen Ort über Jury-Entscheide diskutiert, aber man wollte sich die gute Laune nicht verderben. Schliesslich gabs in einer Tahiti-Show mit viel Tamtam und Getanze und dem obligaten Feuerwerk einen fulminanten Abschluss für das diesjährige Werbefestival der Superlative.
Kam als Ehrung nur in Silber in die Schweiz zurück: Löwenparade auf der Croisette mit echtem und gesponsortem Swiss Lion.
Beat Fritschmit Hans Brouwer an der Holländerparty. Hans kommt die Ehre dieser Platzierung zu, weil er zusammen mit seinem Partner Rob Meddens in Cannes mit dem Condor/Massive-Music-Event die mit Abstand beste und schrägste Party des Festivals schmiss. Sodom und Gomorrha im Quadrat, Hangover und Erinnerungslücken garantiert. Kein Wunder, wenn der Veranstalter Brouwer (Brauer) heisst.
Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsszene zu ihren Events trifft, orten wir an den diversen Veranstaltungen. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder aus Cannes gibt es online unter www.werbewoche.ch
