Autor: admin
Talfahrt mit Handbremse
Werbeaufwand Adressbuchverleger und Direktwerber trotzen dem Trend: In einem schrumpfenden Werbemarkt nahmen sie letztes Jahr deutlich mehr Werbegelder ein.
2,7 Prozent. Sie schliesst damit ans Glanzresultat 2001 an. Damals verzeichnete die Direktwerbung das mit Abstand stärkste Wachstum unter allen Medien (+48 Mio. Franken). Stark zugelegt haben 2002 die Adressbücher (Directories) mit einem Plus von 26 Millionen Franken (+16,8 %). Aber auch die Veranstalter von Messen und Ausstellungen verspürten Aufwind: Sie legten acht Millionen Franken (+3,4 %) zu.
Zu den Werbeträgern, die ungeschoren davongekommen sind,
gehören auch Teletext (+1,9 %) und Radiowerbung (+0,5 %). Die Aussenwerbung dagegen, die 2001 noch bei den Wachstumskandidaten mitsegelte, verlor im vergangenen Jahr 32 Millionen Franken (–5,3 %). Bei den Kinobetreibern betrug das Minus drei Millionen Franken oder 6,3 Prozent.
Sonnenschein nur am SonntagDie schlechte Nachricht trifft am stärksten einmal mehr die Presse. Mit einem Verlust von 339 Millionen Franken (–11,8 %) hat sich der Einbruch gegenüber dem Vorjahr (–146 Mio. Franken) mehr als verdoppelt. Mit dem tiefsten Taucher innerhalb der letzten zwölf Jahre fallen die gedruckten Medien wieder aufs Niveau von 1998 zurück.
Doch auch in der gebeutelten helvetischen Presselandschaft gibt es aufmunternde Nachrichten: Weiter gewachsen ist der Markt der Wochen- und Sonntagszeitungen: plus 12 Prozent (23 Mio.). Die Ausweitung des sonntäglichen Inseratemarktes geht in der Deutschschweiz vorab aufs Konto der NZZaS. Auch in der Westschweiz und im Tessin zeigte sich der Markt der Wochen- und Sonntagszeitungen mit einem Zuwachs von vier Millionen Franken (7,8 %) in guter Verfassung.
Und noch ein Lichtblick ist in der trüben Zeitungslandschaft auszumachen: Die Lokalzeitungen (Auflagen unter 10000 Exemplare) der Deutschschweiz konnten drei Millionen Franken (+5,6 %) mehr Werbegelder einstreichen.
Hauptverantwortlich für den Inserateeinbruch der grösseren Zeitungen waren im vergangenen Jahr die Stellenanzeigen: Mehr als zwei Drittel des Verlustes von 339 Millionen Franken geht auf deren Konto (–232 Mio.). Innerhalb der letzten zehn Jahre war dieser Anzeigenmarkt noch nie so stark eingebrochen wie 2002, nämlich um satte 42,1 Prozent. Der Aderlass traf vor allem die grossen Zeitungen in städtischen Agglomerationen, die in den Boomjahren mit dicken Stellenanzeigern das grosse Geschäft machten. Laut Werbestatistik sind dies in erster Linie Zeitungen mit Auflagen von mehr als 50000 Exemplaren: Diese verloren 2002 insgesamt 238 Millionen Werbefranken (–19,6 %).
Auch die Wirtschafts- und Frauenpresse traf es hart: Vom Gesamtverlust des Zeitschriftenmarktes in der Höhe von 42 Millionen Franken (–12 %) gingen allein 35 Millionen Franken bei ihnen weg. Die Wirtschaftstitel bekamen das frostige Klima deutlich zu spüren – sie verloren happige 20 Millionen Franken (rund 20 %).
Ähnlich dramatisch präsentiert sich die Entwicklung bei den
Frauentiteln, deren Werbeerlöse sich um 15 Millionen Franken (–21,1 %) verringerten. In diesem Resultat spiegelt sich aber auch die Einstellung des ehemaligen Traditionstitels Meyers im Spätsommer 2001. Vergleichsweise gut gehalten haben sich unter den Zeitschriften lediglich die General-Interest-Titel, die «nur» vier Millionen Franken (–3,2 %) gegenüber 2001 einbüssten.
Daniel Schifferle
Billig, aber effizient: Direktwerber sorgten 2002 mit ihren Streusendungen für ein Umsatzplus.
Wieder auf dem Niveau von 1998: Die Nettowerbeumsätze der Printmedien sanken 2002 um insgesamt 11,8 Prozent.
Nettowerbeumsätze in der Schweiz(ohne Produktionskosten) in Mio. Fr. gerundet Differenz
01/02
Presse 1997 1998 1999 2000 2001 2002 in %
– Zeitungen verkauft/Gratiszeitungen 1850 1926 2118 2250 2150 1863 – 13,3
– Publikumszeitschriften 229 243 337 379 346 304 – 12,0
– Fachpresse 365 397 380 404 390 379 – 2,7
Total Presse 2444 2566 2835 3032 2886 2547 – 11,8
Fernsehen (inkl. Sponsoring) 370 402 486 520 494 527 1)
Radio (inkl. Sponsoring) 107 114 120 139 129 129 0,5
Kino 39 40 42 45 40 38 – 6,3
Teletext 13 14 13 14 14 14 1,9
Aussenwerbung 447 468 502 592 603 571 – 5,3
Adressbücher 121 118 128 150 155 181 16,8
Messen und Ausstellungen 207 218 220 227 235 243 3,4
Total erhobene Werte 3747 3940 4346 4720 4555 4250 – 6,7
Direktwerbung 976 1061 1109 1140 2,7
Gesamttotal 5322 5781 5665 5390 – 4,8
1) Nicht mit Vorjahr vergleichbar, da bis 2001 im Umsatz der öffentlich rechtlichen Sender die Beraterkommission nicht enthalten ist. Quelle: Stiftung Werbestatistik/Wemf
Fehlerhafte Zahlen: Kein TV-Vergleich
Die Entwicklung der Werbeeinnahmen beim Fernsehen können nur im Reich der Spekulationen gemessen werden. Zwar wird für 2002 ein Wachstum um 33 Millionen auf 527 Millionen Franken ausgewiesen – mit dem Vorjahr ist dieser Betrag aber nicht vergleichbar. Denn bis und mit 2001 war beim Umsatz der öffentlich rechtlichen Sender die Beraterkommission nicht eingerechnet worden: Erst ab 2002 ist diese mit dabei.
Da die Stiftung Werbestatistik keine rückwirkenden Korrekturen für Fehler in vorausgegangenen Jahren vornimmt, verbietet sich ein Vergleich.
Ein ähnliches Problem ergab sich 2002 auch bei den Gratiszeitungen. Einer der Grossen dieser Kategorie habe seinen Anzeigenumsatz im Vorjahr um 20 Millionen Franken zu hoch angegeben, so Rolf Blum, Leiter der Werbestatistik. Dies erkläre zumindest teilweise den aktuellen rechnerischen Verlust von 27 Millionen Franken (–21,8 %) bei den Gratiszeitungen.
(dse)
Die Eskapisten
Die spassorientierten Unangepassten verweigern sich Konventionen der Leistungsgesellschaft und planen ihr Leben kurzfristig, immer auf der Suche nach starken Erlebnissen und dem nächsten Kick.
Zu den Eskapisten zählt man rund 670000 Personen oder elf Prozent des Kundenpotenzials* der Schweiz; ein kleiner Schwerpunkt ist in der Westschweiz zu erkennen. Der Altersschnitt liegt unter 40 Jahren, der Männeranteil beträgt 60 Prozent. Viele Eskapisten wohnen noch im Elternhaus, 29 Prozent sind Schüler oder Studenten. Mittlere Bildungsabschlüsse dominieren, und häufig ist noch kein eigenes Einkommen vorhanden. In diesem Milieu finden sich viele Arbeiter und einfache Angestellte, aber auch überdurchschnittlich viele Arbeitslose.
Bolero will Annabelle-Specials beerben
Mit Sonderkonditionen will die Frauenzeitschrift Bolero Anzeigenkunden anlocken, die bisher in Annabelle Wohnen und Annabelle Business inseriert haben.
Bündner ÖV-Betriebe lancieren Magazin
Reisende mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖV) in Graubünden können sich in einem neuen Magazin über Angebote, Routen und Sehenswürdigkeiten informieren.
Die Statusorientierten
Das intensive berufliche Engagement der aufstiegsorientierten, statusbewussten Mittelschicht dient vor allem dem Erreichen angesehener sozialer Positionen.
Zum Milieu der Statusorientierten zählen rund zehn Prozent des Kundenpotenzials* der Schweiz, das heisst etwa 610000 Personen. Besonders häufig ist dieses Segment in der Deutschschweiz zu finden, hier machen die Statusorientierten zwölf Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren aus, in der Westschweiz und dem Tessin sind es je nur fünf Prozent. Das Segment umfasst alle Altersklassen zwischen 30 und 70 Jahren, der Männeranteil ist mit 66 Prozent besonders hoch. Die Statusorientieten sind überwiegend verheiratet, haben Kinder und leben in Drei- bis Vier-Personen-Haushalten.
Mittlere bis hohe Bildungsabschlüsse überwiegen in dieser Zielgruppe, häufig haben Statusorientierte auch höhere Fach- und Berufsausbildungen absolviert. Beruflich sind sie vorab als Handwerker, Gewerbetreibende oder als Angestellte in leitenden Positionen tätig. Hohe und höchste Einkommen finden sich in diesem Segment überdurchschnittlich häufig, fast ein Drittel der Statusorientierten kann monatlich netto über mindestens 7800 Franken verfügen.
Von der Sonne geküsst
Prächtigstes Kaiserwetter stand letzte Woche den beiden Verbänden Idée-VfW (Verein für Werbekommunikation) und der Allianz Schweizer Werbeagenturen (ASW) für ihre Anlässe Pate.
Über 30 Gäste folgten der Einladung und genossen eine ungezwungene Soirée à la française samt Chanteuse. Clara Moreau sorgte mit Gesang und Akkordeon für die musikalische Untermalung. Die Teams formierten sich laufend zu neuen Paarungen – übertriebener Ehrgeiz oder gar Streitigkeiten blieben aus, da es sich nicht um ein Turnier handelte. Vielmehr ging es darum, einen Anlass zu etablieren, an dem Idée-Mitglieder und -Gäste zwanglos beisammensitzen konnten. Das taten diese denn auch ausgiebig: Gespielt wurde, bis man die Kugeln der Dunkelheit wegen nicht mehr sehen konnte; und das gemütliche Zusammensein dauerte noch einiges länger. Möglich gemacht haben den Anlass Pernod-Ricard, die grosszügig Anislikör und das Käsebuffet sponserte, der Internetdienstleister Adlink sowie der Facts-Verlag, von dem die Idée genügend Pétanque-Sets fürs uneingeschränkte Spielvergnügen ausleihen konnte. Nicht zu vergessen Jacky Donatz vom Restaurant Sonnenberg, der unkompliziert eine seiner Steckdosen samt Gratisstrom und Gratisaussicht aufs nächtliche
Zürich zur Verfügung stellte.
Ebenfalls bei eitel Sonnenschein begrüsste die ASW ihre Gäste zur Jubiläums-GV. Der Verband der Inhaber-geführten Werbeagenturen feierte heuer den vierzigsten Jahrestag seiner Gründung (siehe auch WW 25/03). Zum Treffpunkt erkoren die Werber das Tagungshotel Fürigen ob Stansstad am Bürgenstock. Ein gut gewählter Ort, auch wenn sich die letzte Etappe der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln eher abenteuerlich gestaltet. Nach einem mehr oder weniger langen Fussmarsch (je nach Kartenkenntnissen) gelangt man vom Bahnhof Stansstad zur Fürigen-Standseilbahn in der Harissenbucht. Sie wurde 1925 in Betrieb genommen und hat sich seither nicht verändert. Eine echte Oldtimer-Bahn also. Bei einer Steigung von zeitweise über 50 Prozent war man sich nie ganz sicher, ob das Teil nicht demnächst aus den Schienen springe. Belohnt wurde man für die Strapazen allerdings mit einer absolut atemberaubenden Aussicht schon während der Fahrt und erst recht bei Ankunft auf dem Berg.
Dies machte sich auch die ASW zu Nutze und hielt Begrüssungsapéro und Jubiläumsumtrunk unter den Schatten spendenden Kastanienbäumen gleich neben der antiken Seilbahn-Bergstation ab. Weisswein und Prosecco schmeckten einem dank Rundblick doppelt. Die eigentliche GV wurde im Schnellzugtempo durchgepeitscht. Bei sämtlichen Voten folgten die Mitglieder den Empfehlungen des Vorstands. Erwähnenswert: Da das Präsidium der ASW im Rotationsprinzip funktioniert, übergab Diego Bally sein Präsidentenamt an Carmelo Buffoli, um im nächsten Jahr als Past-President zu figurieren. Als Future-President wurde Andy Ruf gewählt. Der neue Beisitzer, der an der nächsten GV in den Vorstand gewählt werden kann, heisst Patrick Lack von der Basler Lucky Lack Communications.
An der Abendgala gabs für jeden Geschmack etwas. Fans der eher derben Komik konnten beim Festtagsgruss von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Knuse aus Nüdlingen herzlich mitlachen. Während des Hauptgangs wiederum – Tournedos Rossini gab es – kamen Gänseleberliebhaber voll auf ihre Kosten. Weil die fettbeladene Innerei nicht jedermanns, vor allem aber nicht jederfraus Sache ist, konnte man von den Tischnachbarinnen grosszügig erben. Freunde des fein- und hintersinnigen Humors wiederum wurden mit einem Auftritt von Werner Widmer alias Blues Max zufrieden gestellt. Der Höhepunkt, weil niemand – nicht einmal der beste Werbetexter – des Schweizers Wurstleibspeise so poetisch schön beschreiben kann wie der Künstler mit den Zürischnurre-Chansons: «So wohl geformt, so nahtlos braun, und kein Fältchen, wohin man schaut – oh du schöner Cervelat.» Die Dada-Anarcho-Mixtur vom Blues Max ist eigentlich das ideale Werberprogramm.
Auf der Heimreise konnten geschickte Ausflugsplaner gleich noch das Luzerner Altstadtfest oder mal wieder das Verkehrshaus besuchen. Momentan gibts im Imax-Kino das ideale Vergiss-die-Hitze-Programm – eine Dokumentation über Alaska. Einen Abstecher ins Tagungshotel Fürigen können wir hingegen nur bedingt empfehlen. Fahren Sie mit Ihrer besseren Hälfte für ein Kuschelweekend dorthin und geniessen Sie die Aussicht wie auch die gute Küche – aber meiden Sie unbedingt (!) die Hotelbar. Man verlangt dort für einen 2cl-Bacardi mit Cola happige 15 Franken. Ergab für die übliche 4cl-Portion – sogar in Zürichs abgehobeneren Spots pure Normalität – satte 25 Franken pro Drink. Das hat den Gastro-erfahrenen Shortlistautor dann doch aufs Massivste irritiert, ist dies doch der Tarif, der auf der «Martinez»-Terrasse während des Werbefestivals in Cannes gilt. Und die Croisette am Mittelmeer oder der Bürgenstock am Vierwaldstättersee, das ist dann vielleicht doch noch ein kleiner Unterschied – wenn auch anscheinend kein pekuniärer!
Durfte nicht fehlen: ASW-Geburtstagstorte.
Die Migros gibts
Detailhandel Der grösste Schweizer Werbeauftraggeber ist wieder Migros vor Coop.
Andreas Panzeri
Publisuisse verschiebt Nachfolgewahl
Entgegen früherer Ankündigungen entscheidet der Verwaltungsrat der Publisuisse, Werbezeitenvermarkterin der SRG SSR idée suisse, nicht mehr vor den Sommerferien
Pool 2000 verschenkt New-York-Tickets
Privatradio Der Pool 2000 geht neue Wege in der Kontaktpflege zu Agenturen.
Coninx neuer VR-Präsident der SDA
Die Generalversammlung der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) hat Hans Heinrich Coninx zum neuen Präsidenten des Verwaltungsrats (VR) gewählt.
Im Freiluftkino ist der Himmel orange
Sponsoring Lowe stieg in die Hollywood-Bilderkiste, um das Orange-Sponsoring für Open-air-Kinos zu visualisieren.
Wie «Vom Winde verweht» wirken die Kinostühle im wehenden Kornfeld. In einem zweiten Sujet darf man die Füsse so hautnah ins Wasser stecken, dass man fast Angst haben muss, vom «Weissen Hai» gebissen zu werden. Die Kinostühle in unberührter Natur dramatisieren das Freiluft-Kinoerlebnis mit solchen Kameraeinstellungen fast eins zu eins. Trotzdem lassen
die Sujets mit derartigen Regieeinfällen viel Raum für filmische Fantasien. Alle Kommunikationsmassnahmen für OrangeCinema werden auch von den Ko-Sponsoren Migros und Postfinance adaptiert und eingesetzt. Die Sujets laden neben den Plakaten und Inseraten auch auf Cards for Free zum Sammeln ein.
Openair-Kinos Telecom-Provider schätzen Kinogänger. Swisscom sponsort das Internationale Filmfestival in Locarno, Lowe setzt für Orange aufs cineastische Frischlufterlebnis.
Andreas Panzeri
