«Verpackung muss glaubwürdig sein»
Packaging 4 Melton Mowbray ist bekannt für Pork Pie, Stilton – und das weltweit führende Institute of Packaging. Direktor John Webb-Jenkins über gutes Verpackungsdesign als Schlüssel zum Produkterfolg.
Packaging 4 Melton Mowbray ist bekannt für Pork Pie, Stilton – und das weltweit führende Institute of Packaging. Direktor John Webb-Jenkins über gutes Verpackungsdesign als Schlüssel zum Produkterfolg.WW Wie erklären Sie sich den grossen Einfluss und exzellenten Ruf Ihres Instituts, Mister Webb-Jenkins?John Webb-Jenkins: Seit der Gründung des Instituts 1947 werden Ausbildung und Training laufend weiterentwickelt. Das haben wir in Grossbritannien und weltweit via Verpackungsorganisationen kommuniziert. Da unser Diplom praktisch überall anerkannt ist und wir seit vielen Jahren Fernkurse anbieten, sind unsere Hochschulabsolventen auf der ganzen Welt tätig. Für einen noch einfacheren globalen Zugang werden wir mit unserem
Diplomkurs Ende Juli neu auch online gehen. Zusätzlich haben wir ein etwas tiefer angesetztes Zertifikat entwickelt, mit dem wir Kaufleute, Designer oder Ingenieure ansprechen.
Gründet die Reputation nicht auch auf der Designaffinität der traditionsreichen Handelsnation?Natürlich. Der hohe Designstandard in Grossbritannien geht zu einem grossen Teil auch auf die hohen Investitionen in Designhochschulen und die Innovationsfreude der Designer zurück. Ebenso einflussreich waren in diesem Zusammenhang die Supermärkte, die bei uns die Hauptstrassen säumen. In diesen Umschlagplätzen kämpfen 30000 bis 35000 Artikel täglich um die Gunst der Verbraucher. Wenn man nun bedenkt, dass ein Kaufentscheid durchschnittlich in wenigen Sekunden gefällt wird, dann hat die Wirkung des Designs bezüglich Markentreue und -wahrnehmung bei uns einen höheren Stellenwert als in einem üblichen Warenhaus im restlichen Europa. Daher rührt auch die Erkenntnis, dass der Marketingbenefit ausgefallener Verpackungen die Kosten meist bei weitem überwiegt.
Weshalb wird Verpackungsdesign im Marketingmix immer wichtiger?Ich glaube, die heutige Verfeinerung der Verpackung hat ganz einfach damit zu tun, dass wir in 90 Prozent aller Fälle nicht mehr das Produkt kaufen, sondern dessen Hülle. Denn Sie sehen nur bei einem von zehn Artikeln das Produkt direkt. Deshalb müssen Sie heute der Verpackung vertrauen. Diese muss ihrerseits glaubwürdig, attraktiv und auffällig sein. Innert Sekunden sollte diese den potenziellen Käufer anschreien: «Hier bin ich. Kauf mich!» Diese Instant-Wiedererkennbarkeit macht aus Perrier- oder Coca-Cola-Flaschen Ikonen des Verpackungsdesigns. Noch wichtiger wird dieses Kriterium in Online-Shopping-Plattformen, in denen man nur noch das anklickt, was man wiedererkennt.
Umso erstaunlicher ist es, dass heutzutage neue Verpackungen diesem Anspruch immer seltener genügen.
Ihre Beobachtung kann ich weder bestätigen noch widerlegen. Möglicherweise liegt es daran, dass alle essenziellen Designparameter schon besetzt wurden, sodass jede neue Verpackung unweigerlich an eine schon existierende erinnert.
Haben Globalisierungs- und Konzentrationstendenzen das Verpackungsdesign beeinflusst?Auf jeden Fall. Global wirkende Konzerne versuchen ihre Produktverpackungen zu harmonisieren, um damit ihre Effizienz zu steigern. Agenturnetzwerke haben sich auf dieses Know-how spezialisiert und bieten eine Managementplattform an für alle Multis wie Unilever, P&G und Nestlé. Auf lokaler Ebene haben sich andererseits bemerkenswerte Unterschiede in der Designphilosophie gehalten. Sind nationale Stile sehr stark, können sie durchaus die Verpackung multinationaler Marken prägen. Aber das beschränkt sich hauptsächlich auf Grafikstil, Farben, Inhaltseinheiten und dekorative Charakteristika wie Cartoon-Figuren in Frankreich, gepflegte Ästhetik in Italien, Klarheit und Reduktion in Japan oder Design wie in England, das sofort erkennbar macht, in welchem Preissegment das Produkt angesiedelt ist.
Stellen Sie trotz solcher länderspezifischen Merkmale internationale Trends im Verpackungsdesign fest?Sieht man von ökologisch restriktiven Richtlinien in Europa ab, die zu einer Minimierung und gleichzeitig Veredelung der Verpackung sowie neuen Materialien wie elastische Laminate geführt haben, sehe ich keine internationalen Trends von Bedeutung.
Höchstens jenen, dass heute die ökologischen Überlegungen des Konsumenten nicht mehr über Kauf oder Nichtkauf entscheiden.
Ja, viele sind des Themas Ökologie überdrüssig geworden. All die wohlmeinenden Beamten in Brüssel haben das Kernproblem der Müllberge nicht wirklich angepackt. Tatsache ist nämlich, dass der Verpackungsanteil am globalen Abfall relativ gering ist. Deshalb können optimale Abfallkonzepte nicht nur Sache der Verpackungsindustrie sein. Wenn man zu sehr den ideologischen Argumenten der Umweltschützer folgt, besteht unweigerlich die Gefahr, dass das Verpackungsdesign erstickt wird, weil sich die Designer nur noch hinterfragen – statt kreativ zu sein.
Verpackungsexperte John Webb-Jenkins.
Diplomkurs Ende Juli neu auch online gehen. Zusätzlich haben wir ein etwas tiefer angesetztes Zertifikat entwickelt, mit dem wir Kaufleute, Designer oder Ingenieure ansprechen.
Gründet die Reputation nicht auch auf der Designaffinität der traditionsreichen Handelsnation?Natürlich. Der hohe Designstandard in Grossbritannien geht zu einem grossen Teil auch auf die hohen Investitionen in Designhochschulen und die Innovationsfreude der Designer zurück. Ebenso einflussreich waren in diesem Zusammenhang die Supermärkte, die bei uns die Hauptstrassen säumen. In diesen Umschlagplätzen kämpfen 30000 bis 35000 Artikel täglich um die Gunst der Verbraucher. Wenn man nun bedenkt, dass ein Kaufentscheid durchschnittlich in wenigen Sekunden gefällt wird, dann hat die Wirkung des Designs bezüglich Markentreue und -wahrnehmung bei uns einen höheren Stellenwert als in einem üblichen Warenhaus im restlichen Europa. Daher rührt auch die Erkenntnis, dass der Marketingbenefit ausgefallener Verpackungen die Kosten meist bei weitem überwiegt.
Weshalb wird Verpackungsdesign im Marketingmix immer wichtiger?Ich glaube, die heutige Verfeinerung der Verpackung hat ganz einfach damit zu tun, dass wir in 90 Prozent aller Fälle nicht mehr das Produkt kaufen, sondern dessen Hülle. Denn Sie sehen nur bei einem von zehn Artikeln das Produkt direkt. Deshalb müssen Sie heute der Verpackung vertrauen. Diese muss ihrerseits glaubwürdig, attraktiv und auffällig sein. Innert Sekunden sollte diese den potenziellen Käufer anschreien: «Hier bin ich. Kauf mich!» Diese Instant-Wiedererkennbarkeit macht aus Perrier- oder Coca-Cola-Flaschen Ikonen des Verpackungsdesigns. Noch wichtiger wird dieses Kriterium in Online-Shopping-Plattformen, in denen man nur noch das anklickt, was man wiedererkennt.
Umso erstaunlicher ist es, dass heutzutage neue Verpackungen diesem Anspruch immer seltener genügen.
Ihre Beobachtung kann ich weder bestätigen noch widerlegen. Möglicherweise liegt es daran, dass alle essenziellen Designparameter schon besetzt wurden, sodass jede neue Verpackung unweigerlich an eine schon existierende erinnert.
Haben Globalisierungs- und Konzentrationstendenzen das Verpackungsdesign beeinflusst?Auf jeden Fall. Global wirkende Konzerne versuchen ihre Produktverpackungen zu harmonisieren, um damit ihre Effizienz zu steigern. Agenturnetzwerke haben sich auf dieses Know-how spezialisiert und bieten eine Managementplattform an für alle Multis wie Unilever, P&G und Nestlé. Auf lokaler Ebene haben sich andererseits bemerkenswerte Unterschiede in der Designphilosophie gehalten. Sind nationale Stile sehr stark, können sie durchaus die Verpackung multinationaler Marken prägen. Aber das beschränkt sich hauptsächlich auf Grafikstil, Farben, Inhaltseinheiten und dekorative Charakteristika wie Cartoon-Figuren in Frankreich, gepflegte Ästhetik in Italien, Klarheit und Reduktion in Japan oder Design wie in England, das sofort erkennbar macht, in welchem Preissegment das Produkt angesiedelt ist.
Stellen Sie trotz solcher länderspezifischen Merkmale internationale Trends im Verpackungsdesign fest?Sieht man von ökologisch restriktiven Richtlinien in Europa ab, die zu einer Minimierung und gleichzeitig Veredelung der Verpackung sowie neuen Materialien wie elastische Laminate geführt haben, sehe ich keine internationalen Trends von Bedeutung.
Höchstens jenen, dass heute die ökologischen Überlegungen des Konsumenten nicht mehr über Kauf oder Nichtkauf entscheiden.
Ja, viele sind des Themas Ökologie überdrüssig geworden. All die wohlmeinenden Beamten in Brüssel haben das Kernproblem der Müllberge nicht wirklich angepackt. Tatsache ist nämlich, dass der Verpackungsanteil am globalen Abfall relativ gering ist. Deshalb können optimale Abfallkonzepte nicht nur Sache der Verpackungsindustrie sein. Wenn man zu sehr den ideologischen Argumenten der Umweltschützer folgt, besteht unweigerlich die Gefahr, dass das Verpackungsdesign erstickt wird, weil sich die Designer nur noch hinterfragen – statt kreativ zu sein.
Verpackungsexperte John Webb-Jenkins.
Interview: Luca Aloisi
