Strobogewitter fürs Jungvolk
Konsumstudie Ein neuer Begriff wird für einen alten Befund aufgeboten: Das Markensterben (be)trifft vor allem die Mid-Price-Produkte.
Konsumstudie Ein neuer Begriff wird für einen alten Befund aufgeboten: Das Markensterben (be)trifft vor allem die Mid-Price-Produkte.Der Konsument als unbekanntes respektive unkalkulierbares Wesen: Ein Marketing-gemeinplatz aus den guten alten Zeiten des Scientific Selling. 50 Jahre später ist nicht nur zeitgeistig vom «Prosumenten» die Rede, dieser wird zudem mit Attributen wie radikal oder gnadenlos versehen.Und dies durchaus zu Recht. Die beiden Düsseldorfer Unternehmensberater Klaus Vossen und Frank Reinhardt nennen das neuerdings tatsächlich stärker denn je zwischen Billig- und Edelbrands pendelnde Verbraucherverhalten indes lieber launisch. Und prophezeien den soliden, aber weder im Discount- noch im Luxusbereich beheimateten Mittelklassemarken zwar schwere Zeiten, aber nicht – wie andere ihrer Gilde – gleich den Abschied aus allen Regalen.
Auch sonst setzt das Wachstumsmärkte wie Gesundheit, Design, Wohnen oder Medien (!) analysierende Gemeinschaftswerk eher auf dezente Töne. Schrill hingegen scheint die für das Entwerfen künftiger Konsumwelten gestrickte Methode – zumindest auf der begrifflichen Ebene. Unterschied man bislang allenfalls zwischen (kurzfristiger) Trend- und veritabler Zukunftsforschung, so setzt diese auf Verbraucher- und Expertenbefragungen basierende Studie ganz auf «Tracking». Wobei diese «Spurensuche» so viel bedeutete wie ein sich mittelfristig fortsetzender Trend, der sich «gegebenenfalls verändert, durch schockartige auf- und abtretende Moden hindurchzieht und dabei eng an ein Grundmotiv geknüpft bleibt».
Weniger schwammig und einiges plausibler als solche Definitionsspagate lesen sich einzelne Szenarien. Zum Beispiel bei der Zielgruppenansprache: Für generationsübergreifende TV-Sendungen wie «Wetten, dass … ?» prognostiziert das Consultant-Duo die parallele Produktion und Ausstrahlung formal unterschiedlicher Versionen. Schnelle Schnitte und Strobogewitter fürs Jungvolk, länger eingeblendete Zusatzinfos für die Senioren: Dem Leser leuchtets ein, die Werbeindustrie freuts, und die Programmchefs werden wohl nicht darum herumkommen, selbst wenn solche Doppelspurigkeit die Produktionskosten in Stratosphärenhöhe treiben sollte.
Der launische Konsument. Zwischen Schnäppchenjagd, Erlebniskauf und Luxus von Klaus Vossen und Frank Reinhardt. Metropolitan Verlag, Regensburg 2003. 224 Seiten, Fr. 28.30.
Auch sonst setzt das Wachstumsmärkte wie Gesundheit, Design, Wohnen oder Medien (!) analysierende Gemeinschaftswerk eher auf dezente Töne. Schrill hingegen scheint die für das Entwerfen künftiger Konsumwelten gestrickte Methode – zumindest auf der begrifflichen Ebene. Unterschied man bislang allenfalls zwischen (kurzfristiger) Trend- und veritabler Zukunftsforschung, so setzt diese auf Verbraucher- und Expertenbefragungen basierende Studie ganz auf «Tracking». Wobei diese «Spurensuche» so viel bedeutete wie ein sich mittelfristig fortsetzender Trend, der sich «gegebenenfalls verändert, durch schockartige auf- und abtretende Moden hindurchzieht und dabei eng an ein Grundmotiv geknüpft bleibt».
Weniger schwammig und einiges plausibler als solche Definitionsspagate lesen sich einzelne Szenarien. Zum Beispiel bei der Zielgruppenansprache: Für generationsübergreifende TV-Sendungen wie «Wetten, dass … ?» prognostiziert das Consultant-Duo die parallele Produktion und Ausstrahlung formal unterschiedlicher Versionen. Schnelle Schnitte und Strobogewitter fürs Jungvolk, länger eingeblendete Zusatzinfos für die Senioren: Dem Leser leuchtets ein, die Werbeindustrie freuts, und die Programmchefs werden wohl nicht darum herumkommen, selbst wenn solche Doppelspurigkeit die Produktionskosten in Stratosphärenhöhe treiben sollte.
Der launische Konsument. Zwischen Schnäppchenjagd, Erlebniskauf und Luxus von Klaus Vossen und Frank Reinhardt. Metropolitan Verlag, Regensburg 2003. 224 Seiten, Fr. 28.30.
Oliver Classen
