Deutsche Feigenblätter

Oliver Classen über Profilneurosen und Ringiers «Parzival»-Projekt.

Oliver Classen über Profilneurosen und Ringiers «Parzival»-Projekt.Erst zwei Monate ist es her, seit Michael Ringier den «Anti-Beobachter» namens «Thesis» endgültig gespült und seine ominöse «Gegen-Weltwoche» weiter auf Eis gelegt hat. Für Ersteren sei der Deutschschweizer Markt schlicht zu klein, und Letztere habe noch kein schlüssiges Marketingkonzept, liess der bekennende Projektfetischist damals verlauten.Ein Feigenblatt zur Bedeckung seiner peinlichen Borer-Blösse musste dennoch her. Und zwar fix. Das Beteiligungsangebot von Edipresse an Le Temps kam da wie gerufen. Nur dass das geistigmoralische Gewicht des welschen Qualitätstitels mit jenem des besagten publizistischen Schandmals in keinem Verhältnis steht.
Grösseres, Bedeutenderes wurde gesucht, um die nach wie vor schmerzende Scharte endlich auszuwetzen – und zugleich eine intellektuelle Profilneurose zu beenden, unter welcher der Boulevardkönig und sein Hof offenkundig leiden.
Fündig wurde nun Ringiers Berlin-Botschafter Frank A. Meyer. Ausgerechnet! Rekrutierte dieser nicht gleichenorts schon die für das damalige Systemversagen allein verantwortlich gemachten Journalisten? Dessen ungeachtet setzen der germanophile Strippenzieher und sein Patron also weiter auf deutsche Wertarbeit. Und mit «Parzival» haben sie sich gleich das – nach Namen und Anspruch – teutonischste aller laufenden Zeitschriftenprojekte geangelt.
Was nicht heisst, dass ein deutschsprachiges New-Yorker-Äquivalent nicht wünsch- oder machbar wäre. Bloss: Warum sollte dieses Wunderkind just aus der eben offizialisierten Amour fou zwischen dem Schweizer Schlagzeilenverlag und einem abgehalfterten Springer-Chefredaktor hervorgehen? Und warum fremdgehen, wenn man mit dem von Tamedia feilgebotenen Du ein helvetisches Edelgewächs retten und auf
Weltniveau züchten könnte? Als Feigenblatt würde sich das grossformatige Magazin jedenfalls mindestens so gut eignen.
> Oliver Classen, Redaktor

Sloggi wirbt nicht frauenfeindlich

Lauterkeit in der Werbung Die Schweizerische Lauterkeitskommission (LK) hat die Beschwerde von Terre des Femmes Schweiz gegen das Sloggi-Plakat «It’s string time!» abgewiesen.

Lauterkeit in der Werbung Die Schweizerische Lauterkeitskommission (LK) hat die Beschwerde von Terre des Femmes Schweiz gegen das Sloggi-Plakat «It’s string time!» abgewiesen.Laut einer Mitteilung des Sloggi-Herstellers Triumph International urteilte die LK, die Art und Weise der Darstellung beinhalte «keine generelle Herabsetzung der Frau». Terre des Femmes hatte moniert, das Plakat, das vier extrem schlanke, nur mit einem String bekleidete Frauen von hinten zeigt, stelle die Frau als Objekt dar und setze ihre Würde herab. Triumph startet im September eine Nachfolgekampagne für «Sloggi string time» mit einem neuen, herbstlichen Motiv.

16. Epica-Jahrbuch erschienen

Zum 16. Mal ist das Jahrbuch der Epica Awards erschienen.

Zum 16. Mal ist das Jahrbuch der Epica Awards erschienen.Es präsentiert auf rund 380 Seiten sämtliche Gewinner und Finalisten des europäischen Kreativwettbewerbs – über 800 Anzeigen, Spots, Websites, Mailings und Verpackungsdesigns. Die Filmbeiträge sind auch auf Videokassette erhältlich. Zugleich wurde die Ausschreibung der Epica Awards 2003 eröffnet. Teilnehmer am Wettbewerb erhalten das Jahrbuch Nr. 16 kostenlos. Weitere Informationen unter www.epica-awards.com.

Frischzellenkur für die Bilanz

Wirtschaftsmagazine Die Bilanz tauscht den Chefredaktor aus, und auch sonst lässt Verlagsleiterin Uli Rubner kaum einen Stein auf dem andern.

Wirtschaftsmagazine Die Bilanz tauscht den Chefredaktor aus, und auch sonst lässt Verlagsleiterin Uli Rubner kaum einen Stein auf dem andern.«Monat für Monat eine neue Bilanz zu machen, ist und bleibt faszinierend», sagte Medard Meier in einem Werbewoche-Interview vor zehn Monaten. Er denke nicht ans Aufhören. «Letztlich müssen mich aber meine Vorgesetzten beurteilen.» Das haben sie nun getan – und ihn offenbar in längeren Gesprächen davon überzeugen können, dass das Blatt eine Blutauffrischung benötigt – in der Person von René Lüchinger.Tatsächlich dümpelt die Bilanz, die Meier gerne mit einem «Flugzeugträger» vergleicht, derzeit in besonders rauen Gewässern. Gemäss VSW-Statistik startete sie im Januar mit 55 Prozent weniger Anzeigenseiten als ein Jahr zuvor, gefolgt von zwei Monaten mit minus 24 und minus 21 Prozent. Der April mit der Relaunch-Nummer wies ein Plus von sieben Prozent aus, im Mai sackte das Volumen jedoch wieder auf minus 28 Prozent ab. Der Juni wies minus elf Prozent aus, während der Juli wieder ein Plus von acht Prozent brachte.
Auch wenn die Stürme um vergleichbare Titel wie Cash, Finanz & Wirtschaft oder Facts viel heftiger toben – insgesamt liegt das Anzeigenaufkommen der Bilanz in den ersten sieben Monaten um 16,3 Prozent unter dem gleichen Zeitraum im Jahre 2002. «Dennoch hat die Bilanz in den ersten sieben Monaten dieses Jahres besser rentiert als in derselben Periode des Vorjahres», sagt Uli Rubner, die seit drei Monaten Verlagsleiterin sowohl der Weltwoche als auch des Wirtschaftsmagazins ist. Genauere Zahlen will sie aber nicht nennen.
Möglich wurde die Rentabilitätssteigerung dank höherer Durchschnittserlöse und teils dank Kostensenkungen: Die jährlich viermal erscheinende Manager-Bilanz wurde mangels eines neuen Sponsors bis auf Weiteres gestrichen. Die Specials, von denen bis zu 16 pro Jahr erschienen, werden auf etwa die Hälfte zusammengestutzt. Auch das Bücherangebot wird reduziert. Rubner: «Wir wollen die Energie aufs Hauptheft fokussieren.» Es könne trotz Auflageeinbruch (minus 14,6 %) immerhin bei den Leserzahlen zulegen.
Parole: Zusammenrücken
Gespart wird auch beim Personal, unter Rubner rücken die Verlags- und Anzeigenteams von Weltwoche und Bilanz zusammen. Mit Christoph Waeber ist seit einigen Wochen ein Anzeigenleiter für beide
Titel zuständig, das gilt auch für die Westschweiz, wo der bisherige Weltwoche-Gebietsverkaufsleiter Servais Micolot neu die Bilanz im Portefeuille anbietet. Die Internetaktivitäten, das Lesermarketing und die Bücher stehen ebenfalls je unter
einer gemeinsamen Leitung. Insgesamt wurde so ungefähr eine Stelle abgebaut, bis Oktober kommt es aber noch zu drei weiteren Abgängen.
Rubner schliesst auch nicht aus, dass sie weiter reduzieren wird. Gerüchte, wonach die beiden Anzeigenabteilungen miteinander verschmelzen sollen, kommentiert sie so: «Das habe ich im Moment nicht im Sinn, denn vorerst will ich die neue Struktur testen. Es ist ja das erste Mal, dass zwei Verlage unter einer Führung stehen», sagt sie. Die neue Organisation sei aber nicht in Stein gemeisselt. «Es könnte ja auch sein, dass sich etwa die einheitliche Anzeigenleitung nicht bewährt.»
Muss die Bilanz aus der Talsohle holen: Der neue Chefredaktor René Lüchinger.
Online aktuellerMit Erscheinen der Bilanz-September-Ausgabe wird die Bilanz-
Internet-Plattform geliftet aufgeschaltet. Künftig ist sie wöchentlich aktuell. Neu werden neben ausgewählten Artikeln aus der Printausgabe eine Presseschau, ein Newsletter sowie wöchentlich aufbereitetes Kurzfutter aus der Redaktion abrufbar sein. Weiterhin angeboten werden Added Values, die allerdings Bilanz-Abonnenten vorbehalten bleiben. Der Online-Aktienführer hingegen wird nicht wieder aktiviert. (mk)
Markus Knöpfli

ProSiebenSat1 exklusiv mit Paramount

Privat-TV Die ProSiebenSat1-Gruppe hat sich die exklusiven Free-TV-Ausstrahlungsrechte der Spielfilme von Paramount Pictures aus den Jahren 2002 bis 2005 gesichert.

Privat-TV Die ProSiebenSat1-Gruppe hat sich die exklusiven Free-TV-Ausstrahlungsrechte der Spielfilme von Paramount Pictures aus den Jahren 2002 bis 2005 gesichert.Zum Paket gehören unter anderem «The Core», «Star Trek Nemesis» und der dritte Teil von «Mission Impossible», der 2004 gedreht wird. Enthalten sind auch TV-Serien aus den Jahren 2003 bis 2004. «Das Paramount-Paket komplettiert in den nächsten Jahren unsere Versorgung mit hochwertigen Hollywood-Produktionen», erklärte ProSiebenSat1-Vorstandschef Urs Rohner.

Gerangel um die jungen Radiohörer

Jugendradio Radio 105 kämpft mit viel Eifer für eine Zürcher Jugendradiokonzession.

Jugendradio Radio 105 kämpft mit viel Eifer für eine Zürcher Jugendradiokonzession. Am Mittwoch, 27. August, ist die Eingabefrist für die Jugendfrequenz abgelaufen. Bis Dienstagnachmittag war erst das Gesuch von Radio 105 beim Bakom eingereicht und eines von Radio Max angekündigt. Anzunehmen ist, dass weitere Anwärter bis zum letzten Moment zugewartet haben. Die 105-Bewerbung dürfte die umfassendste sein, die je für eine Konzession eingereicht wurde. 105-Chef Giuseppe Scaglione hat die Radiobedürfnisse der Zürcher Jugend genau abgeklärt, unter anderem mit einer IHA-GfK-Studie (siehe Seite 18).Essenz davon ist ein Konzept für einen neuen Sender mit dem Namen Music First für die 15- bis 24-Jährigen. Der Name soll Programm sein: Viel Musik mit einem Mix aus aktuellen Tophits, trendiger Pop-Musik, elektronischer Musik, Black Music und Rock. Gross geschrieben werden Informations- und Serviceleistungen. Neben politischen und gesellschaftlichen Themen sollen diese vor allem den Musik-, Kultur- und Freizeitbereich abdecken, aber auch die jugendsensiblen Themen Ausbildung und Beruf haben einen wichtigen Stellenwert.
Dass sich Scaglione um eine breite Abstützung seines Projektes bemüht, kommt auch im 25-köpfigen Programmbeirat aus Exponenten der Zürcher Musik- und Jugendkultur zum Ausdruck.
(dse)

«Turn Grey into Gold»

Enrico Bachmann will als neuer CD den Netzwerkableger Grey Zürich in die oberste kreative Spielklasse zurückführen.

Enrico Bachmann will als neuer CD den Netzwerkableger Grey Zürich in die oberste kreative Spielklasse zurückführen.
Am Anfang lernt man und hört zu. Dann macht man sich seine eigene Meinung, wird aber noch nicht immer gehört. Und irgend einmal kommt der Punkt, an dem man selber entscheiden will. An diesem Punkt hat Enrico Bachmann jetzt als neuer CD in der Geschäftsleitung von Grey Worldwide in Zürich angeheuert. Nach fünf Jahren als Freelancer kehrt er ins Angestelltendasein zurück. Früher hat ihm das Kommen und Gehen gefallen, «mit dem Anspruch, etwas gut zu erledigen, aber ohne sich um den Agenturkram kümmern zu müssen». Irgend einmal habe er aber gemerkt, dass seine Arbeit auch eine Perspektive haben sollte. «Ich wollte nicht mehr nur abliefern. Aber verändern kann man nur, wenn man etwas länger an einem Ort weilt.»
Da sich Enrico Bachmann als «ungeduldiger Mensch» bezeichnet, ist ihm das früher nicht immer leicht gefallen. Entsprechend abwechslungsreich liest sich sein Lebenslauf. Nach der Matur wollte sein Vater, dass der Sohn Medizin studiert. Enrico hats versucht. Nach zwei Jahren merkte er aber, dass es jenseits von Pipette und Pinzette vielleicht noch ein anderes Leben geben könnte. An der Basler Herbstmesse sah er mehr durch Zufall die Clio-Rolle. «Das ist cool», sagte er sich. Und weil er als AD oder Berater schon wieder eine Schulbank hätte drü- cken müssen, schlug er einen anderen Weg ein und wurde Texter. Mit Erfolg.
Nach nur neun Monaten als Praktikant bei Roger Mayer soll dieser zu ihm gesagt haben: «Du hast alles gelernt, was wir dir hier geben können.» So zog der Junior-Texter nach Norden und wechselte an die Kommunikations-Akademie in Haburg. «Dort lernt man zwar nicht, wie es geht. Aber man merkt, ob man die richtige Wahl getroffen hat. Bei sich selber und bei den andern.»
Zurück in der Schweiz geriet er in eine «sehr wichtige Schule», auf die legendäre Etage der Kreativen bei GGK Basel. «Geile Siechen» seien das gewesen, charakterisiert der neue Grey-CD seine ehemaligen Kollegen. Und das Schöne an der Geschichte: Enrico Bachmann war jetzt auch mit dabei. «Ende der Achtzigerjahre war GGK Basel top in der Schweiz.» Eine Folge davon: «Man hatte einen Status inne, so dass einem die Kunden nicht immer dreinreden wollten – es war viel Vertrauen da.»
Als die Basler GGK-Epoche zu Ende ging, zog es Bachmann wieder an die Waterkant. Diesmal zu Scholz & Friends. Der inzwischen preisgekrönte Texter sollte an einem grossen BMW-Budget mitwirken. Zeitgleich realisierte Springer & Jacoby kreative Werbung für Mercedes. Bachmann freute sich also auf einen Wettstreit unter den Besten. Weit gefehlt, wie er heute resümiert: «Die Agentur wollte nichts riskieren. Also hat man nichts verändert.» Sein weiterer Weg führte über GGK Zürich, Lintas Hamburg zu Weber Hodel Schmid, wo man damals mit dem Claim «Ich bin doch nicht blöd.» den deutschen Media-Markt-Etat gewann.
An seinem Engagement bei Grey lockt ihn, dass dieses Agenturnetzwerk sich weltweit im Umbruch befindet. Grey London hat zum Beispiel von bekannten Kreativagenturen wie Bartle Bogle Hegarty einen namhaften Chefstrategen sowie hoch dekorierte Texter und CDs abgeworben.
«Turn Grey into Gold», hat darum Bachmann zu seinem inneren Leitmotiv erhoben. Die Geschäfte liefen gut, aber man wolle sich verbessern. Und da könne der richtige Weg nur über die Kreativität führen. «Es gibt keine Kunden, die etwas gegen gute Ideen haben», hofft Bachmann wieder – wie damals in seinen jungen Jahren.
Eine gute Idee findet der passionierte Leser und Motorradfahrer Bachmann erst mal, dass Grey von Rüschlikon wieder nach Zürich an die Tödistrasse zieht: «Eine Werbeagentur gehört in die Stadt, dorthin, wo es passiert», ist er überzeugt.
Andreas Panzeri

Fliegende Plakate

Aussenwerbung Plakatstellen an Flughäfen büssen weiter Frequenzen ein.

Aussenwerbung Plakatstellen an Flughäfen büssen weiter Frequenzen ein.Die Zahl der Flugpassagiere auf Schweizer Flughäfen ging im ersten Semester 2003 insgesamt weiter zurück, doch lokal gibts Lichtblicke. Der Zürcher Flughafen Unique verzeichnete bis 30. Juni 7,9 Millionen Passagiere oder 5,9 Prozent weniger als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Auf Basels EuroAirport liegt das Passagieraufkommen mit 1,2 Millionen Fluggästen 19 Prozent tiefer, Lugano-Agno kommt noch auf 88049 Passagiere (–25,8 %). Aufstrebend ist dagegen Genf-Cointrin, wo die Passagierzahlen im ersten Semester um
7,2 Prozent auf 4,14 Millionen stiegen. Auch Bern-Belp legte zu, und zwar um 2,8 Prozent auf 84189 Passagiere. Sinkende Passagierzahlen tangieren Anbieter von Flughafenwerbung: die meisten verlieren Reichweite. Unique wird vom Aussenwerber Clear Channel Plakanda (CCP) betreut, Genf und Lugano von der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG), Basel sowohl von CCP als auch von APG und JCDecaux, und Bern-Belp seit Mai von Publiscreen.
(mk)

AR prüft Werbeverbote

Politik Der Kanton Appenzell Ausserrhoden prüft ein Werbeverbot für Alkohol und Tabak.

Politik Der Kanton Appenzell Ausserrhoden prüft ein Werbeverbot für Alkohol und Tabak.Eine von der Gesundheitsdirektion eingesetzte Arbeitsgruppe muss auf Grund eines Postulats bis Anfang 2004 ein Präventionskonzept ausarbeiten. Gefordert wird ein Alkohol- und Tabakverbot auf öffentlichen Plätzen und Anlagen, ein Verbot, Tabakwaren an Jugendliche unter 16 Jahre zu verkaufen, rauchfreie Sportanlagen sowie die Schaffung von rauchfreien Zonen in öffentlichen Räumen.

Gold für SFLB an den NY Festivals

Kreativwettbewerbe Schweizer Werbeagenturen haben am Print- und Design-Wettbewerb der New York Festivals sieben Medaillen gewonnen. Gold gabs für die Mammut-Kampagne von Spillmann Felser Leo Burnett.

Kreativwettbewerbe Schweizer Werbeagenturen haben am Print- und Design-Wettbewerb der New York Festivals sieben Medaillen gewonnen. Gold gabs für die Mammut-Kampagne von Spillmann Felser Leo Burnett.Zweimal Silber ging an Jung von Matt/Limmat (für Bündner Kantonalbank und SBB), eine Silbermedaille gewann Ad-vico Young & Rubicam (für Hakle). Je einmal Bronze erhielten Euro RSCG (für Evian), Publicis (für Snowboard Garage) und Jung von Matt/Limmat (für Panasonic).

Zahl der Woche

Politwerbung Hollywood-Hüne Arnold Schwarzeneggers neue Rolle  – Kandidat für die Wahl zum Gouverneur Kaliforniens – kurbelt die Werbewirtschaft im Pleitestaat an: Geschätzte 100 Millionen Dollar fliessen in die Kampagne für den Terminator und seine

Politwerbung Hollywood-Hüne Arnold Schwarzeneggers neue Rolle  – Kandidat für die Wahl zum Gouverneur Kaliforniens – kurbelt die Werbewirtschaft im Pleitestaat an: Geschätzte 100 Millionen Dollar fliessen in die Kampagne für den Terminator und seine Gegner. Die 246 Schweizer National- und Ständeräte sind der Werbung grad mal rund 50 Millionen Franken wert.

Stocks ergreift die Flucht nach vorn

Verlage Börsen tendieren à la hausse, doch Schweizer Wirtschaftszeitungen verharren in der Leser- und Anzeigen-Baisse. Eine neue Kampagne für das ausgebaute Stocks soll das rasch ändern.

Verlage Börsen tendieren à la hausse, doch Schweizer Wirtschaftszeitungen verharren in der Leser- und Anzeigen-Baisse. Eine neue Kampagne für das ausgebaute Stocks soll das rasch ändern.Verschlafen der Anzeigen- und der Lesermarkt den wirtschaftlichen Aufschwung, den die Börsenplätze weltweit vorspuren? Oder bauen die Trader wie zu New-Economy-Zeiten erneut auf wackligen Fundamenten Türme in den (Anlage)Himmel? Tatsache ist, dass Privatanleger der deutlichen Erholung an den Finanzmärkten derzeit noch äusserst misstrauisch gegenüber stehen. Und diese Skepsis trifft nach wie vor die Wirtschaftstitel (siehe Grafik).Auflagen und Anzeigenvolumina kommen praktisch bei allen Wirtschaftsblättern nicht vom Fleck. Oder schlimmer noch: Sie gehen weiter zurück. Selbst wenn nur wenige Verlagshäuser die entsprechenden Zahlen publizieren, sie dürften bei allen Titeln tendenziell gleich schlecht aussehen. Tamedias Finanz und Wirtschaft beispielsweise musste einen Umsatzrückgang von 23,8 Prozent hinnehmen. Ein Blick auf die Inseratestatistik der Schweizer Presse verdeutlicht die Misere: Das Inseratevolumen bei den Wirtschaftstiteln schrumpfte zwischen Januar und Juli 2003 um 16 (HandelsZeitung) bis zu 40 Prozent bei Stocks.
Angesprochen auf die Flaute im Anlegerblatt Stocks, gab sich Verleger Ralph Büchi noch vor knapp sechs Monaten positiv überrascht über den Auflagenrückgang von «nur» 18 Prozent auf 21000 Exemplare. «Unsere Zielgruppe hat sich schwergewichtig verlagert in Richtung vermögende Privatanleger», beschwichtigte er damals gegenüber der Werbewoche. Weil dieser exklusive Kern trotz steigender Indizes offenbar nicht wachsen will und demzufolge auch die Werbung aus dem Finanzbereich ausbleibt, zogen Stocks-Chefredaktor Reto Lipp und der Verlag zweieinhalb Jahre nach der Magazin-Lancierung die Notbremse und reduzierten den Erscheinungsrhythmus. Statt wöchentlich liegt das Anlegermagazin nun alle zwei Wochen am Kiosk und in den Briefkästen.
Relaunch im Business-Doom
Als Kompensation zur Ausgabenreduktion wurde die bittere Pille mit einem starken Zuckerguss versehen: «Stocks baut seinen redaktionellen Teil aus und liefert mehr Analysen, mehr Hintergründe, mehr ausgewählte Ratings und mehr Anlagethemen, die in den Medien sonst keine Beachtung finden», erklärt Lipp. Das geht einher mit einem sanften Facelifting des Blattes, das sich erstmals am 29. August dem Publikum präsentiert und von der Hausagentur Matter & Partner mit einem neuen Werbefeldzug unterstützt wird. Für diese Neuerungen baten die Kreativen die Chefredaktoren-Riege gleich selbst vor die Kamera – allerdings nicht als stolze Vertreter der redaktionellen Teppichetage, sondern in klassischer Spionage-Haltung. Die «Wirtschaftsagenten» verstecken sich hinter einer Stocks-Ausgabe und geben klar zu verstehen: Mit dem Anlegermagazin blicken die Leser hinter die Kulissen des Börsengeschehens. Für die Inserenten erledigt Anzeigenleiter Musti Asaf den gleichen Job: Er eröffnet Mediaplanern die wesentlichsten Informationen über die kaufkräftigste Leserschaft der Schweiz.
Als flankierende Massnahme wird auf dem Hauptbahnhof Zürich ein witziger E-Board-Spot ausgestrahlt. «Darin beginnt eine Börsenkurve just dann zu steigen, wenn das neue Stocks erscheint», erklärt CD Daniel Matter den Inhalt.
Matter & Partner versteckte den Stocks-Chef als «Agenten».
Talfahrt auf tiefem Niveau: Stocks muss das Steuer herumreissen.
Inseratestatistik Wirtschaftsblätter Kumulierte Werte Januar bis Juli 2003«Das Potenzial für Stocks ist vorhanden»
Anlegermagazin Reto Lipp, Stocks-Chefredaktor, über die neue redaktionelle Ausrichtung des nunmehr alle zwei Wochen erscheinenden Geldmagazins.
WW Einige Verlage scheinen in neuen Köpfen einen Ausweg aus der Leser- und Werbemarktflaute zu suchen. Sie wählten für Stocks das
Rezept der Kostenreduktion bei der Erscheinungsweise. Was führte Sie zur Überzeugung, das Richtige zu tun?
Reto Lipp: Es geht letztlich eben nicht um Köpfe, es geht darum, die Inhalte richtig zu setzen. Der Finanzmarkt hat sich in den letzten drei Jahren stark verändert. Anleger sind kritischer und reifer geworden, rennen nicht mehr jedem Trend hinterher und haben realisiert, dass man sein Portefeuille gesamtheitlich betrachten und bewirtschaften muss. Mit einem thematischen Ausbau in weitere Anlagekategorien wie Obligationen, strukturierte Produkte und Fonds sowie einem verbesserten Beratungs- und Serviceteil versuchen wir dem Rechnung zu tragen – ohne allerdings unsere Kernkompetenz, die Analyse und Bewertung von Aktien, zu vernachlässigen.
Als Stocks startete, hielten 34 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer direkt oder indirekt Aktien, weshalb Ihr Verlag ein grosses Potenzial für ein Anlagemagazin sah. Wie gross ist der Anlegeranteil heute, und was bedeutet dies für Ihre Zeitschrift?
Der Anteil jener Anleger, die direkt Aktien halten, liegt nach der letzten Umfrage des Swiss Banking Institute der Universität Zürich noch immer bei fast 25 Prozent. Das ist aber nicht das Ende der Geschichte: Über Fonds, über die persönliche und betriebliche Vorsorge, ja sogar über die AHV sind wir alle letztlich mit Aktien verbunden. Damit bleibt das Interesse daran hoch, was auch der spektakuläre Aufschwung an den Börsen seit Mitte März zeigt. Als Anlagekategorie ist die Aktie, trotz des Crashs der letzten drei Jahre, völlig unverzichtbar.
Ihr Mutterverlag Axel Springer hat in Deutschland bei ähnlichen Problemprodukten die klassische Desinvestitionsstrategie eingeschlagen. Was hält ihn vor ähnlichen Schritten in der Schweiz zurück?
Die Situation in Deutschland ist eine völlig andere. Dort gab es auf dem Höhepunkt des Börsenbooms sehr viele ähnlich gelagerte Produkte. In der Schweiz ist Stocks als Anlegermagazin konkurrenzlos. Hinzu kommt, dass die Schweiz ein klassisches Anlageland ist mit einem sehr reifen Finanzsektor und sehr vielen vermögenden Leuten. Der Aktienanteil in den Portefeuilles der Schweizer Anleger ist zudem fast dreimal so hoch wie in Deutschland, damit ist die Aktienkultur in der Schweiz eine ganz andere als in Deutschland. Das Potenzial für Stocks ist somit eindeutig vorhanden.
Die Ziele für Stocks waren sehr ambiziös: Auf wann schieben Sie jetzt den Break-even hinaus?
Mit der deutlichen Kostenreduktion, welche die Umstellung auf eine vierzehntägliche Erscheinungsweise mit sich brachte, und der verbesserten Ausgangslage auf dem Anzeigenmarkt ist es realistisch, nächstes Jahr eine ausgeglichene Rechnung präsentieren zu können. Wir stellen eine gute Resonanz in der Werbebranche für unsere nächsten Ausgaben fest. Der neue Publikationsrhythmus, den wir Anfang Juli einführten, wurde von den Lesern wie von den Anzeigenkunden gut akzeptiert.
Was ausser dem Cover ändert sich an Stocks?
Selbstverständlich wird die Redaktion anders an die Geschichten herangehen. Gerade die Sparmassnahmen auch bei der Tagespresse haben dazu geführt, dass dort weniger Anlagethemen zu finden sind. Das Feld, das Stocks beackern kann, vergrössert sich damit. Weil Diversifikation künftig noch wichtiger wird, haben auch wir wie erwähnt unsere Inhalte breiter gestreut. Dazu gibt es eine ganze Anzahl von Anlage-relevanten Statistiken, die in dieser Form sonst in Schweizer Medien nirgends zu finden sind. Stocks will mit mehr Recherche und umfassenden Analysen ein unverzichtbares Instrument für alle sein, die mehr aus ihrem Geld machen wollen. Interview: Luca Aloisi
Luca Aloisi
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