Zwei Partner für eine Menage à trois

Frauenzeitschriften Ringier hat das Luxusmagazin Bolero gekauft. Es soll mit Edelweiss zusammenarbeiten. Am noch fernen Horizont zeichnet sich schon eine Fusion ab.

Frauenzeitschriften Ringier hat das Luxusmagazin Bolero gekauft. Es soll mit Edelweiss zusammenarbeiten. Am noch fernen Horizont zeichnet sich schon eine Fusion ab.Mit Ringier hat Bolero seinen Wunschpartner gefunden. Das sagt Sithara Atasoy, Chefredaktorin des Luxusmagazins und bis vor kurzem auch dessen Miteigentümerin. Im Sommer machte sich der Bolero-Zeitschriftenverlag auf die Suche nach einem Käufer. «Nach acht Jahren als selbstständiger Kleinverlag wollten wir einen Schritt weiter gehen», erklärt Atasoy. Von den möglichen Szenarien selber investieren, teilweise oder komplett verkaufen habe man sich fürs Letztere entschieden. Zwar wäre bei den Aktionären – dazu gehörten auch Goldbach-Media-Chef Beat Curti und TV-Liebling Kurt Aeschbacher – Geld vorhanden gewesen. Dennoch hätte Eigenständigkeit weiterhin Einschränkungen bedeutet. «Ringier bietet uns mehr Möglichkeiten im Marketing und im Einzelverkauf», sagt Atasoy. «Bisher konnten wir zum Beispiel kaum Werbung betreiben. Wir mussten alles mit eigenen Händen schaffen.»
Dass Bolero Hilfe gebrauchen kann, zeigt ein Blick in die aktuelle Wemf-Statistik: 2002 hat das Magazin 17 Prozent der Auflage verloren. Von 40000 gedruckten Exemplaren werden noch 22473 verkauft. Die gedämpfte Konsumstimmung spürt das Blatt ebenfalls – vor allem in Deutschland und Italien, wo wichtige Anzeigenkunden aus der Luxusgüterindustrie sitzen. Bis zum Jahresende wird Bolero laut Atasoy rund zehn Prozent unter Budget liegen.
Ausbau der Line Extensions
Aber es ist nicht nur die schwierige Wirtschaftslage, die Bolero zur Brautschau und schliesslich zur Hochzeit mit dem Ringier-Konzern geführt hat. Ehrgeiz spielt auch mit. «Wir wollen Bolero stärken und ausbauen», unterstreicht die Chefredaktorin. Im laufenden Jahr hat der Verlag eine Reihe von Line Extensions realisiert: Bolero Men für die Zielgruppe modebewusster Männer, Blush als Magazin für Ästhetik und Sign für Wohnen und Design. Zurzeit werden diese Titel als Sonderhefte publiziert – der Verlag flirtete aber schon bei der Lancierung mit einem regelmässigen Erscheinungsrhythmus. Ein Plan, der sich mit den vorhandenen Eigenmitteln nur schwerlich verwirklichen liess.
Optimale Ergänzung für Ringier
Mit wie viel «Haushaltsgeld» Ringier eine Expansion von Bolero finanzieren will, steht noch dahin. Konzernsprecherin Eva Keller hält die Karten bedeckt. Ringier stehe hinter den Line Extensions von Bolero und den übrigen Aktivitäten des Verlags, sagt sie. Alles Weitere werde derzeit abgeklärt, und dazu zählt sie auch Synergien zwischen Bolero und Ringiers Frauenzeitschrift Edelweiss (siehe Kasten). Man prüfe alle Möglichkeiten, so Keller. Angestrebt werde eine «sehr enge Zusammenarbeit», beispielsweise im redaktionellen Bereich. Eine Fusion der beiden Titel schloss sie aber nicht aus. Mit dem auf Mode und Lifestyle fokussierten Bolero habe man zum thematisch breiteren Edelweiss jedenfalls eine optimale Ergänzung erhalten. «Wir sind ideale Partner», meint Keller.
Sithara Atasoy konnte sich zu einer Zusammenlegung von Bolero und Edelweiss nicht äussern. Edelweiss richte sich an ein anderes Publikum. Bolero werde in seinem eigenen (Luxus-)Segment ausgebaut, in dem Ringier ja bisher nicht aktiv gewesen sei. «Ich glaube, bei Ringier freut man sich auf unser Know-how», so die Chefredaktorin.
Fragwürdige Rentabilität
Mediaspezialisten sind allerdings skeptisch, ob Ringier wirklich beide Titel parallel fahren wird. «Ich denke, es läuft auf eine Fusion hinaus», meint Peter Döbeli von Konnex. Auch wenn die Blätter unterschiedlich seien, liessen sich zwei getrennte Magazine wohl nicht rentabel führen. Bei einer Zusammenlegung sieht Döbeli Bolero inhaltlich in der stärkeren Position.
Für Urs Schneider von Mediaschneider ist hingegen gerade die kleine Zahl der Leserinnen das Handycap von Bolero. «Der Titel konnte sich bisher auf dem Markt einfach nicht durchsetzen.» Dabei ist für Schneider durchaus noch Platz für Deutschschweizer Frauenblätter auf dem Zeitschriftenmarkt. Allerdings könne der Verlag nicht zweimal das gleiche Heft machen, das lasse sich wirtschaftlich nicht verantworten. «Eine Fusion von Edelweiss und Bolero muss kommen», ist Schneider überzeugt.
Edelweiss und Bolero werden eng zusammenarbeiten, doch sind die Synergiepotenziale noch nicht definiert worden: Bolero gelangt Ende Jahr in die Hände von Ringier.
Langsam wachsendes EdelweissIn der Romandie startete Ringier die Frauenzeitschrift Edelweiss im Oktober 1998. Das Magazin konnte sich neben dem Edipresse-Titel
Femina und dem gleichzeitig lancierten Profil Femme etablieren. Daher wagte Ringier diesen Februar mit Edelweiss den Sprung über die Sprachgrenze. Die Deutschschweizer Ausgabe wird in enger Zusammenarbeit mit der Redaktion in der Romandie produziert, ein guter Teil der Artikel aus dem Französischen übersetzt. Die Startauflage betrug 70000 Exemplare. Laut Ringier-Sprecherin Eva Keller entwickelt sich Edelweiss erfreulich. Der Anzeigenverkauf liege über dem Plan, und auch im Lesermarkt habe man gute Resultate erzielen können. «Wir sind aber noch nicht dort, wo wir sein wollen», so Keller. (sm)
Stefano Monachesi

Prime fliegt auf Helvetic

Die neue Schweizer Billig-Airline Helvetic hat Prime Communications mit der Konzeption und Realisierung ihrer gesamten Kommunikation beauftragt.

Die neue Schweizer Billig-Airline Helvetic hat Prime Communications mit der Konzeption und Realisierung ihrer gesamten Kommunikation beauftragt.Das Mandat der Zürcher Agentur umfasst alle kommunikativen Bereiche von der Entwicklung des visuellen Auftritts und der Grundlagen der Corporate Identity bis zum Corporate Publishing, einschliesslich Webpage. Helvetic nimmt im Winter den Flugbetrieb auf. Jeder Flug kostet pauschal 99 Euro plus Flughafengebühren.

McCann verliert Coca-Cola auch in GB

McCann-Erickson muss den Etat für Classic Coca-Cola in Grossbritannien an die Londoner Agentur Mother abgeben.

McCann-Erickson muss den Etat für Classic Coca-Cola in Grossbritannien an die Londoner Agentur Mother abgeben.Der Agenturwechsel zeichnete sich laut dem britischen Branchendienst Campaign bereits Anfang Jahr ab, als Coca-Cola Mother um Vorschläge für eine Auffrischung der Coke-Werbung bat.

Abgänge bei Weltwoche

Ausland-Chef Armin Guhl verlässt die Weltwoche Ende Jahr, bestätigte Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel.

Ausland-Chef Armin Guhl verlässt die Weltwoche Ende Jahr, bestätigte Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel.Personalkarussell Auch Produktionschefin Esther Schmid und Redaktorin Marianne Fehr haben gekündigt. Bereits seit dem Sommer ist bekannt, dass US-Korrespondent Martin Kilian Ende Jahr die Zeitschrift verlässt. «Schreiben Sie ‹Untergangsstimmung bei der Weltwoche›», kommentierte Köppel, «oder weisen Sie auch auf die Neuzugänge hin!» Von Facts kommt KulturredaktorThomas Widmer, Franziska Müller hat schon zuvor frei für die Weltwoche und für Das Magazin geschrieben.

Ronaldo in der Playstation

Fussball Der Fairplay-Gedanke ist bei der Fifa längst zum welt- umspannenden Motto geworden, das auch abseits des Fussballrasens respektiert werden soll.

Fussball Der Fairplay-Gedanke ist bei der Fifa längst zum welt- umspannenden Motto geworden, das auch abseits des Fussballrasens respektiert werden soll.Davon zeugt die neueste Fairplay-Offensive der Fifa, in deren Mittelpunkt Starkicker Ronaldo steht – für einmal als Spielfigur im offiziellen Fifa-Playstation-Game und für ein Plakat. Die Umsetzung der jüngsten Fifa-Aktion wurde in der Schweiz von Catsky&Partner konzipiert und realisiert. Das Sujet zeigt, wie auch ein Weltstar Vorbild für die Jugend sein kann und dass Fairplay schon beim Videogame beginnt. Das Plakat wurde in einer Auflage von 6000 Stück gedruckt, an die Fifa-Geschäftsstellen rund um den Globus geschickt und soll um die Fussballstadien sowie in den Fifa-Pressezentren aufgehängt werden.

Agefi Groupe mit Verlust im ersten Halbjahr

Der Westschweizer Verlag Agefi Groupe, Herausgeber der Wirtschaftszeitung L’Agefi, hat im ersten Halbjahr einen Verlust von 420000 Franken eingefahren.

Der Westschweizer Verlag Agefi Groupe, Herausgeber der Wirtschaftszeitung L’Agefi, hat im ersten Halbjahr einen Verlust von 420000 Franken eingefahren.Medienhäuser Der Umsatz sank gegenüber der Vorjahresperiode um 28 Prozent auf 6,9 Millionen Franken. Dabei brach vor allem der Anzeigenerlös ein (um 32 Prozent auf 4,5 Millionen Franken), während der Abo- und Kioskverkauf weniger litt (–7,4%). Fürs zweite Halbjahr zeigt sich Agefi vorsichtig optimistisch.

L’Oreil d’Or hat noch Platz

Radiospots Am Freitag läuft die Eingabefrist für den Radiospot-Preis Das Goldene Ohr ab.

Radiospots Am Freitag läuft die Eingabefrist für den Radiospot-Preis Das Goldene Ohr ab.Mit über 100 Spots wurde zwar der Stand vom letzten Jahr, die erhoffte Beteiligung aber erst zur Hälfte erreicht. «Die meisten Eingaben werden erst zum Schluss gemacht», sagt Mitveranstalter Frank Bienenfeld. Ihn freuen dabei die rund 40 Eingaben aus der Romandie.

KV-Magazin wechselt zu Jean Frey Fachmedien

Fachzeitschriften Ab Anfang 2004 übernimmt Jean Frey Fachmedien den Anzeigenverkauf der Zeitschrift Context.

Fachzeitschriften Ab Anfang 2004 übernimmt Jean Frey Fachmedien den Anzeigenverkauf der Zeitschrift Context.Das Magazin des Kaufmännischen Verbandes (KV) Schweiz wurde bisher von der Kretz AG betreut. Zuständig bei Jean Frey wird Gaetano Nino Foschi, der Anfang Dezember zum Unternehmen stösst. Context erscheint 14-täglich in einer Auflage von rund 53000 Exemplaren.

JobChange

Unter dem Namen «Results – Erhart Dialog» hat Jürg Erhart eine Fabrik für Dialogmarketing-Lösungen im B2B- und B2C-Bereich gegründet. Erhart hat zuvor als Managing Director die Agentur Marti Direct aufgebaut. Den Sitz hat Results in Zürich-Wipkingen.

Unter dem Namen «Results – Erhart Dialog» hat Jürg Erhart eine Fabrik für Dialogmarketing-Lösungen im B2B- und B2C-Bereich gegründet. Erhart hat zuvor als Managing Director die Agentur Marti Direct aufgebaut. Den Sitz hat Results in Zürich-Wipkingen. Als Creative Consultant für die Agentur ist Urs Obrist tätig, ehemals Kreationsleiter von WBO Dialog. …Die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) gründet eine neue Verkaufsorganisation für die Verkehrsmittelwerbung namens APGTraffic. Die Leitung des zwanzigköpfigen Teams, das zusätzlich zur bestehenden Verkaufsorganisation der APG tätig wird, übernimmt Hans Peter Mueller. …
Die Generalversammlung der ehemaligen Radio Edelweiss Nostalgie Betriebs AG hat die Umbenennung in Radio Basel 1 AG Liestal genehmigt. Als neues Verwaltungsratsmitglied wurde Hans Rudolf Gysin gewählt. Gysin ist FDP-Nationalrat und Direktor der Wirtschaftskammer Baselland. Er sitzt unter anderem bereits im Verwaltungsrat der Druckerei Birkhäuser + GBC AG, die wie Radio Basel 1 zur Basler Mediengruppe gehört….
Der Internetdienstleister Youngculture hat seinen Verwaltungsrat verstärkt. Seit August ist Kurt Rüegg Mitglied des Aufsichtsgremiums. Rüegg ist Head Corporate Finance und Partner der Finanzberatungsfirma Swiss Capital Group. …
Roland Brandstätt wird ab Anfang Oktober Marketingdirektor beim Nahrungsmittelhersteller Kellogg’s in Bremen. Er wird in dieser Funktion für Deutschland, Österreich und die Schweiz zuständig sein. Brandstätt tritt die Nachfolge von Christian Conrad an, der Kellogg’s im Juli verlassen hat….
Der Journalist Peter Stücheli-Herlach verlässt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und wechselt zur Zürcher Hochschule Winterthur.
Er übernimmt dort die Leitung des Nachdiplomkurses für politische Kommunikation am Institut für angewandte Medienwissenschaften und der Forschungsstelle für Kulturmanagement, wie die NZZ schreibt. Stücheli war bisher stellvertretender Leiter des Ressorts Stadt und Kanton Zürich und Zürcher Kultur.

Kaum Preiserhöhungen

Die Anpassungen bei den Anzeigenpreisen der Schweizer Presse werden dieses Jahr moderat ausfallen.

Die Anpassungen bei den Anzeigenpreisen der Schweizer Presse werden dieses Jahr moderat ausfallen.Bei vielen Titeln werde es eine Nullrunde geben, sagte Publimedia-CEO Daniel Strobel am 10. Publimedia-Forum. Wenn Preiserhöhungen gemacht würden, seien sie durch Leserschaftszuwächse oder Mehrauflagen begründet. Die durchschnittliche Preiserhöhung dürfte bei etwa einem Prozent liegen. Nach Strobel referierten Michael Brennan von der Newspaper Society in London über den Beitrag der Lokal- und Regionalpresse an die Werbeeffizienz und Mediaspezialist Urs Schneider über die Anforderungen an die Transport- und Kommunikationsleistung der Medien. Die Referate, eine Teilnehmerliste, Fotos sowie weitere Informationen zum Publimedia-Forum stehen auf www.publimedia.ch/ forum zum Download bereit.

Mittelstürmerin mit Torriecher

Beatrice Kniel setzt sich seit 1. Oktober in ihrem neuen Job als Verkaufsleiterin bei Publisuisse ein.

Beatrice Kniel setzt sich seit 1. Oktober in ihrem neuen Job als Verkaufsleiterin bei Publisuisse ein.«Nein, nein», wehrt die 46-Jährige resolut ab. «Ich habe keine Karriere geplant, alles ergab sich wie von selbst.» Seit Monatsanfang ist Beatrice Kniel Chefin der Verkaufsabteilung der SRG-eigenen Vermarktungsfirma Publisuisse. Eine Firma, auf deren Lohnliste ihr Name erst seit 18 Monaten steht.
Ein schneller Aufstieg, den sie einer ihr zugeschriebenen Einschätzung zu verdanken hat: Sie gilt als «abschlussorientierter Mensch und kommunikative Persönlichkeit». Sie verhandelt gerne, weil sie im Feilschen um Franken und Sekunden «ein spielerisches Element» erkennt. Unter der Voraussetzung natürlich, dass sie Erfolg hat. «Mir macht es Spass, wenn ich eine Verhandlung positiv abschliessen kann», verrät sie. Eine Eigenschaft, die sie als Nachfolgerin für den an die Publisuisse-Spitze berufenen Martin Schneider Gewinn bringend einsetzen will.
Im März 2002 stieg sie als Leiterin der Sponsoring-Unit beim Werbezeitvermarkter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und Radios ein. Seit zehn Jahren ist dies bei der SRG offiziell erlaubt. Und seit Januar 2002 lassen auch die SRG-eigenen Radios ihr Sponsoring von Publisuisse betreuen. Als Kniel ihr Büro an der Giacomettistrasse in Bern bezog, musste sie fast alle Tools zum Radiosponsoring selber entwerfen und ausbauen. Was ihr nach eigener Einschätzung mit Fortüne gelang. Bereits im ersten Jahr habe sie beim Verkauf das Budgetziel «erheblich überschritten». Mehr noch. Kniel bewies, dass Publisuisse mehr zu leisten im Stande ist, als nur Spotminuten am Fernsehen zu verhökern: «Wir können auch anderes, nämlich unseren Kunden integrierte Lösungen anbieten, was eine enge Zusammenarbeit mit den Programmen voraussetzt.»
Das Fernsehen akquiriert seine Sponsoren nach wie vor selber. Nur der Tessiner Kanal wird seit Beginn dieses Jahres ebenfalls von Publisuisse betreut. «Unsere Kontakte sind gut, dank des Verkaufs von TV-Werbung», meint Kniel, die natürlich hofft, dass auch im Leutschenbach dereinst die Prinzipien in Sachen Kofinanzierung von TV-Sendungen überdacht werden. Wetten, dass sie schon fertige Konzepte in der Schublade hat?
Vorerst aber gibts einiges anzupacken. Denn als neue Verkaufsleiterin TV-Werbung wird sie auch dem Sponsoring weiter vorstehen. Insgesamt führt sie ein Team von 37 Mitarbeitenden – auch keine leichte Aufgabe. Doch sie hat vorgesorgt und sich für solche Managementaufgaben am Management Zentrum St.Gallen weitergebildet. Und weil alle Theorie grau ist, bezeichnet sie Führen «auch als eine Erfahrungssache».
Beatrice Kniel geriet als Quereinsteigerin ins Mediengeschäft. Als damals allein erziehende Mutter eines Sohnes kam sie rasch mit der Berufswelt in Berührung und trat ihre erste Kaderstelle bei der Verbandstoff-Fabrik Zürich als Leiterin Innendienst an. In deren Marketingabteilung fand sie den Zugang zur Welt der Kommunikation.
1989 wechselte Beatrice Kniel als Werbeassistentin zu Diego Bally und wurde danach Beraterin bei der Werbeagentur Sulzer Sutter. Weitere Jobstationen waren die Marketing- und Verkaufsleitung bei Voice Publishing AG und die Marketingkommunikationsleitung für die Blick-Gruppe. Zu Ringier kam sie über die Vermittlung eines Headhunters, dem es offenbar gelungen war, ihren Appetit auf die Medienbranche zu wecken. «Sehr spannend», befand die Kommunikationsfachfrau – und ist bei dieser Einstellung geblieben.
Wird auch weiterhin Sponsoring anbieten: Beatrice Kniel, Martin SchneidersNachfolgerin bei Publisuisse.
Andreas Panzeri

Fälscher vom Schafott

Aufgefallen Das Grundproblem des heutigen Journalismus sind nicht die Lügner, sondern die Langweiler. Und klinische Klone wie die Wolffers-Exekutorin NZZ am Sonntag. Ein Plädoyer für weniger Ethik und mehr Ästhetik.

Kolumne Das Grundproblem des heutigen Journalismus sind nicht die Lügner, sondern die Langweiler. Und klinische Klone wie die Wolffers-Exekutorin NZZ am Sonntag. Ein Plädoyer für weniger Ethik und mehr Ästhetik.
Ja, Mbwana, mit dem Fall Wolffers wurde ein weiterer Höhepunkt im schleichenden Niedergang der Medien erreicht, der blablabla…
So und ähnlich lauten die Nachrufe, wenn wieder einer von uns erwischt und liquidiert wurde: Diesmal trafs den Chefredaktor der jüdischen Zeitung Aufbau, den New-York-Schweizer Lorenz Wolffers. Er schrieb im SonntagsBlick einen Essay zum 11. September unter dem Namen eines Promi-Schriftstellers und erfand für die NZZ am Sonntag ein Interview. Seine Vorgänger: Jayson Blair in der New York Times, Michael Born mit gestellten Informationssendungen bei «10 vor 10» und Tom Kummer, der die Stars aus Hollywood besser erfand als sie sich selbst.
Die Ertappten sterben den sofortigen beruflichen Tod – mit selbst verfasstem Nachruf. Das Einzige, was ihnen noch bleibt, sind die Memoiren: Michael Born schrieb sie, Jayson Blair sitzt an einem Drehbuch, und der Cleverste von allen, Tom Kummer, hatte seine Geständnisse schon vorab als Roman veröffentlicht.
Für alle anderen schlägt die Stunde von Empörung und Ethik. Die betroffenen Medien sind entsetzt, entschuldigen und erwägen «rechtliche Schritte». Die Konkurrenz schreibt (schadenfroh) Aufsätze über die Entartung des Journalismus: über qualitätsschädigendes Tempo, erzwungene Sensationen, vernachlässigte Faktenchecks und schwindende Glaubwürdigkeit.
Verdächtig an dem Ritual ist vor allem der reflexartige Kopf-ab-Ruf, mit dem Fälscher bedacht werden. In den Dutzenden von Artikeln, die etwa zu Tom Kummer und seinem «Borderline»-Journalismus erschienen, sprach sich kein Einziger für ihn aus. Dabei hatte Kummer dümmlichen Hollywoodstars so schöne Sätze wie «Mein Charakter ist wie eine ganz miese Gegend in Los Angeles – mein Verstand sagt, ich solle dort nicht hingehen» in den Mund gelegt. Und damit die Wirklichkeit erfreulich verbessert. Und was Lorenz Wolffers betrifft, so hat er die Welt durch einen weiteren Nine-Eleven-Essay nicht wesentlich verschlechtert.
Das eigentlich Verstörende an aufgeflogenen Kollegen ist eine andere, gern verdrängte Tatsache: Wir sind im Fiktionsbusiness. Selbst wenn die Fakten stimmen. Jeder halbwegs begabte Journalist weiss, wie man mittels Dramaturgie, Adjektiven, Zitatewahl usw. sämtliche Geschichten so oder andersrum drehen kann.
Wäre Sokrates Journalist gewesen, hätte sein Credo gelautet: «Ich weiss, dass ich es halb weiss.» Keiner von uns ist auch nur bei einem seiner Artikel Experte. Journalisten sind Kinder
im Dunkeln. Sicher, Fakten sind eine wundervolle Inspiration. Wichtiger ist aber, was wir daraus machen. Unser Job heisst nicht Wahrheitssuche, sondern Geschichtenerzählen.
Dennoch: Ein ernstes Problem in unserem Metier sind die Lügner. Nein, nicht die Interview- und Essay-Fälscher. Sondern jene, die eine weit perfidere Unwahrheit verbreiten: dass die Welt ein langweiliger Ort sei, voller Routine, ohne Alternativen, Überraschungen und Fantasie. Es sind jene Gangster, die Communiqués in indirekte Rede setzen, Leitartikel ohne Recherche und Reportagen ohne Neugier schreiben. Und dann natürlich die Bandenchefs: «Was ist die Beraubung einer Bank gegen die Gründung einer Bank?», fragte ernst Bert Brecht. Genauso gilt: Was ist die Fälschung eines NZZ-am-Sonntag-Artikels gegen die Herausgabe der NZZ am Sonntag? Ist sie nicht ein blosser Kommerzklon der SonntagsZeitung? Ein wöchentliches Verbrechen ohne Respekt vor dem Leser, ohne Linie und eigene Idee?
Nicht die Sensationshascher, sondern die Langweiler beschädigen die journalistische Glaubwürdigkeit. Nicht die wenigen Fälscher, sondern das Heer der Tauben und Blinden. Was wir brauchen, sind ehrliche Lügner, die erzählen können – eine Ästhetik, nicht eine Ethik des Journalismus.
> Constantin Seibt ist Redaktor für Politik und Wirtschaft bei der WochenZeitung (WoZ).
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