Dies erläutern die Gründer der Agentur Responsive – mit einer brandaktuellen VR-Kampagne – und Yves Sinka, Mitbegründer der Digitalagentur Y7K im Interview mit der Werbewoche. Den gesamten Artikel inkl. Interview mit den Gründern der Agentur Responsive finden Sie in der aktuellen Printausgabe 7/16. Der zweite Teil des Online-Beitrages folgt am Freitag.
Neverland Space hat kürzlich das Virtual Reality Kunstwerk «XOL» vom Bildkünstler und Musiker Lionel Williams aus Los Angeles gezeigt, im Geschäft QWSTION Invites in Zürich. Als mystisches Universum aus Farben und Geräuschen bietet XOL eine faszinierende Gelegenheit für Menschen, die an Halluzinogenen interessiert sind, aber Angst vor den möglichen Nebenwirkungen haben. Oder wie Yves Sinka, einer der Gründer von Neverland Space und der Digitalagentur Y7K, das VR-Kunstwerk beschreibt: «Virtual Reality kann das Hirn überlisten, die Aussenwelt ausschalten und den Betrachter dabei total versunken zurücklassen, ohne die Nebenwirkungen eines chemischen Downs». Mit der VR-Brille fühlt man sich tatsächlich hineinversetzt in eine virtuelle Welt. Die Möglichkeiten dieser Technologie scheinen unbegrenzt – von E-Commerce über 360°-Architektur-Modelle bis hin zu Branding-, Retail- oder Event Experience.
Virtual Reality – ein Hype mit Zukunft
Yves Sinka, Mitbegründer der Digitalagentur Y7K, ist überzeugt vom Marketingnutzen von Virtual Reality, er sieht in dem Hype ein Trend mit Bestand.
Werbewoche: Virtual Reality – Hype oder Trend 2016?
Yves Sinka: Virtual Reality bietet in Zukunft sicher viele spannende Möglichkeiten, sowohl im Kunst- als auch im Marketingbereich. Die Technologie ist aber noch nicht so weit, dies auch gezielt umzusetzen. Im Jahr 2016 wird Virtual Reality garantiert noch nicht unsere Marketingwelt erobern.
Welche Möglichkeiten sehen Sie in VR zukünftig fürs Marketing der Schweiz?
Sinka: Die Möglichkeiten sind in Zukunft sicher unbegrenzt. Ein Bereich ist sicher E-Commerce oder der Immobilienmarkt. Aber auch für Eventmarketing, Retail- oder Marken-Experience könnte VR vielseitig genutzt werden. Nur fehlt heute in der Schweiz neben der technologischen Umsetzung eindeutig auch noch das Interesse der Kunden – wer hat heute schon eine Oculus Rift zu Hause, die immer noch rund 800 Franken kostet? Gamer vielleicht. Im Bereich Gaming ist VR sicher am ehesten etabliert.
Welche VR-Projekte sind Ihnen besonders aufgefallen?
Sinka: Die Outdoor-Marke North Face etwa hat eine Indoor Experience im Laden angeboten, mit Virtual-Reality-Brillen. Der Film zeigt den Aufstieg eines Bergsteigers, den der Oculus-Nutzer live mitverfolgen kann. Aber hier hatte der Bergsteiger einfach eine 360°-Kamera auf dem Rücken, damit so der Nutzer mitverfolgen kann, was um ihn herum passiert. Sehr eindrücklich! Aber eigentlich nichts weiter als ein 360°-Film. Das ist noch nicht wirklich Virtual-Reality-Marketing, meiner Meinung nach – geht jedoch in diese Richtung. Oft sind diese Projekte in der Kategorie «Now and Wow» einzuordnen. So wird VR momentan viel eingesetzt. Sapient Nitro etwa hat ein Tool für den Immobilienmarkt veröffentlicht. Mit der Brille in deren Office kann der Kunde die diversen Apartments besichtigen. Hier ist definitiv auch ein Businessgedanke dahinter.
Welche Grundlagen fehlen in erster Linie noch für eine solide Umsetzung von VR fürs Marketing?
Sinka: Das Problem momentan ist, dass diverse Grundlagen fehlen. Zum Beispiel: Wo ist die Konsumentengruppe, die solche Brillen hat? Die VR-Brillen von Oculus etwa waren bisher alles Beta-Versionen und so teuer, dass sie fast niemand hat. Für die Nutzung der Brillen muss zudem ein guter Windows-Computer vorhanden sein. Macs werden meines Wissens noch nicht mal unterstützt. Nur schon aus der Nutzerperspektive gesehen, ist Virtual Reality noch ein Nischenprodukt. Daher ist die Behauptung im Raum, dass 2016 das Jahr der Virtual Experience noch ein wenig weit hergeholt ist. Hinzu kommt die Generierung von Inhalt. Die Technologie ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass man einen guten Content gestalten kann. Sicher gibt es bereits gute 360°-Videos. Aber diese sind oft sehr stark geschnitten, da man sonst die ganze Filmcrew sehen würde. Entsprechend sind solche Videos noch schwer zu drehen, weil Beleuchtung und Ton nicht so einfach zu beeinflussen sind, wie sonst bei Bewegtbild.
Welche Branche sehen Sie als Vorreiter für VR ?
Sinka: Ehrlich gesagt: die Pornoindustrie. Porno ist im Bereich Video meist als Pionier tätig, da hier die Kunden am ehesten bereit sind, die entsprechenden Gadgets zu kaufen – also eine VR-Brille, die heute immer noch rund 800 Franken kostet. In anderen Bereichen, wie Kunst etwa oder E-Commerce, kommen die Brillen sicher auch früher zum Tragen. Nur wird es sich in diesen Branchen wohl eher um Einzelprojekte handeln. So könnte eine Kleidermarke etwa die Brillen im Umkleideraum aufstellen, damit die Kunden virtuell und ohne Anstrengung testen können, welche Kleiderkombination zu ihnen passt. Wie gesagt, es gibt viele Möglichkeiten. Nur ist die Technologie noch nicht ausgereift genug, und die VRBrillen sind im Privatbesitz meist erst bei den Technikfreaks zu finden – so auch bei uns in der Agentur.
Facts
Neverland Space, ein Projekt der Zürcher Agentur Y7K, ist eine Onlinegalerie, die digitale Kunst ins Rampenlicht setzt. Sie zeigt Arbeiten, die im Internet gedeihen: GIFs, Anima-tionen, virtuelle Skulpturen, Videos und Virtual Reality. Die Galerie stellt normalerweise nicht in einem physischen Raum aus. «Für XOL macht das aber Sinn», sagt Yves Sinka, einer der Gründer der Galerie. Denn das VR-Kunstprojekt gebe den Besuchern die Möglichkeit, Virtual Reality live zu erleben. Ausgestellt wird das Projekt im Geschäft QWSTION Invites in Zürich. Y7K bietet zusammen mit Hinderling Volkart Ende Mai einen VR-Workshop an. Hier lernt man die Basics, um eine kleine VR-Experience zu erstellen. Die Werbewoche verlost zwei Plätze: Senden Sie ein E-Mail mit kurzer Motivationsbegründung an [email protected].
Interview: Ursina Maurer