In den USA und in Brasilien wird für Schönheit mehr Geld ausgegeben als für Bildung und Sozialleistungen. Publicis beweist in der Schweiz mit der neuesten Kampagne für den Kleiderladen Mambo, dass es ohne Chirurgen auch geht. Zürichs Friendship Store lässt seine Adventsverkäufe durch Texter Dani Krieg und AD Uwe Schlupp ankurbeln. Das Duo geht für den neuen Auftritt mit einer Vergleichstaktik gegen die grassierende Schönheitssucht vor: Den horrenden Operationskosten stellen sie die Preise der Mambo-Stücke gegenüber.Nicht bloss eine Frage dedr Optik. Was denken Vorgesetzte und Kollegen, wenn der smarte Daytrader, der erfolgreiche Manager oder der aufstrebende Jungunternehmer eines Morgens statt der obligaten Krawatte eine leuchtendrote Socke um den Hals gebunden trägt? Ein klarer Fall für den Optiker! Dies jedenfalls ist die Schlussfolgerung, die das Kreativteam um CD Matthias Freuler bei Wirz Werbung für den kommenden Auftritt der Kompetenzmarke Dynoptic zieht. Die Plakate und Inserate sollen eine Verankerung der Marke bewirken und gleichzeitig auf die einzelnen Dynoptic-Partner hinweisen. Fragt sich nur, was in diesem fortgeschrittenen Stadium der nachlassenden Sehschärfe ein Optiker noch retten kann…
Blick Online wird billiger. Der Webauftritt der Boulevardzeitung Blick ist bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr einem Redesign unterzogen worden. Der Inhalt teilt sich neu in die sieben Channels Aktuell, Sport, Unterhaltung, Games, Erotik, Service und Shopping auf. Mitte Dezember soll das Angebot um das Thema Mobilität und Reisen erweitert werden. Jeder Bereich besitzt eine eigene Farbe und ein Visual, die auch in Werbemitteln weitergeführt werden. Die Bannerpreise wurden um rund 10 Franken gesenkt. Der Tausenderkontaktpreis auf der Startseite beträgt noch 50 Franken, bei einer «Run of site»-Schaltung 35 Franken.
Process gewinnt Auftrag der Migros. Die Zürcher Branding- und Designagentur Process darf den Migros-Genossenschafts-Bund auf ihrer Kundenliste begrüssen. Die Migros will ihr Profitcenter Logistik Transport in eine unabhängige Tochtergesellschaft umwandeln. Process wurde dazu mit der Ausarbeitung der strategischen Positionierung, dem Naming sowie der Konzeption und Realisation des Gesamterscheinungsbilds beauftragt.
Verbilligung bleibt. Kein Schnellschuss bei der Verbilligung der Zeitungstransporte: Der Nationalrat hat den Kommissionsantrag abgelehnt, den Kredit für die Verbilligung der Zeitungstransporttaxen von 100 auf 70 Millionen Franken zu kürzen. Anders als der Ständerat war der Nationalrat der Ansicht, dass dieser «Schnellschuss» gegen gültige Verträge verstösse. Finanzminister Kaspar Villiger und die Minderheit räumten ein, dass die heutige Regelung nicht befriedige, weil davon vor allem Grossverlage und Gratisblätter profitierten.
Woodtli ist das Buch. Martin Woodtli, 29, ist in Zürich lebend anzutreffen, wo Menschen an Prozesshaftem stärker interessiert sind als an abgeschlossenen Arbeiten. «Vektorisierte Grafiken in ihren (Spiel-)Welten beliebig verschieben» könnte ein Motto für die Arbeiten Woodtlis heissen, der nach Ausbildungen als Visueller Gestalter auch bei David Carson und Stefan Sagmeister mitgewirkt hat. Jetzt liegt sein erstes Buch vor, das in einem «garantiert Philippe-Starck-freien Environment» präsentiert wurde (Seebad Enge, Zürich, thank you Rea!) und enigmatische Texte von Raphael Urweider enthält. Das Buch selbst ist Programm: Ihm «fehlt» ein Deckel, der die Woodtli-Welt im Innersten zusammenhält. Ein Buchblock ists, und die Abbildung auf der ersten Seite läuft kongenial in einen Kartonschuber über. Der Berliner Verlag Die Gestalten hat ihn um die Publikation gebeten. Der Buchhandel hat es, für 69.90 Schweizer Franken.
Powerpool: Nichts als Schall und Rauch. Der neue Powerpool zwischen den Radios 24 und Zürisee startet nicht am 1. Januar 2002, denn Theodor Gut, VR-Präsident der Radio Zürisee AG, hat ihn am 29. November sistiert. Der Grund: Radio Zürisee ist mit den Radios Top und Grischa bereits im Leaderpool liiert und darf gemäss Vertrag bei keinem anderen nationalen Pool mitmachen. Top und Grischa haben denn auch rechtliche Mittel erwogen. Gut hat nun nachgegeben, gleichzeitig aber den Leaderpool auf Ende 2002 gekündigt – um frei zu sein für den Powerpool. Top-Chef Günter Heuberger ist darob nicht traurig. Hauptsache sei, es herrsche Disziplin in der Radiobranche, sagt er.
Giras geboren. Sechs Schweizer Agenturen haben gemeinsam die Gesellschaft der Investor Relations Agenturen der Schweiz (Giras) ins Leben gerufen. Die Gründungsmitglieder sind die AG für Public Relations (APR), Burson Marsteller, Peter Bütikofer & Company, Farner PR, Suter Global Communication und Wirz Investor Relations. Zum Präsidenten wurde Peter Fenkart von APR gewählt. Die Agenturen repräsentieren nach eigener Aussage die Mehrheit des schweizerischen Marktes für professionelle IR-Dienstleistungen.
FKK-Bergsport. Funktionale Outdoor-Bekleidung tauge nur dann, wenn sie so leicht und passgenau ist, dass man sie praktisch nicht spürt, so wie das der skandinavische Outdoor-Equipment-Hersteller Haglöfs für seine Produkte in Anspruch nimmt. Da im Gegensatz dazu Werbung nur dann wirklich etwas taugt, wenn sie wahrgenommen wird, lanciert René Sennhauser mit seiner gleichnamigen Agentur Haglöfs’ Produkte auf dem Schweizer Markt, indem er sie gar nicht erst präsentiert. So hat er, frei nach Grimms Märchen, den Anspruch des Herstellers buchstäblich umgesetzt und mit der Schlagzeile «Je weniger Sie uns wahrnehmen, desto besser fühlen Sie sich» aufgelöst. Splitterfasernackte Sportler und Kletterer kraxeln an Hängen, dass sich Sportlerinnenherzen trotz sibirischer Temperaturen herzlich erwärmen.
Editorial
Werbung als Spiegel unserer Welten Werbung ist heute ein Ort ständiger Umwandlung: von Waren in Bilder, von Begehren in Versprechen, von Information in Unterhaltung. Dabei spiegelt Werbung immer auch die ästhetischen Werte und das soziale Umfeld ihrer Entstehung. Einmal aus dem kurzlebigen kommerziellen Kreislauf herausgefallen, stellt sie so etwas wie ein Archiv von Sozialbeziehungen und Weltbildern dar. Die Werbung der Nachkriegszeit dokumentiert beispielsweise nicht nur den Aufstieg der Markenartikel, sondern ebenso den Traum einer familiären und sozialen Harmonie mit klaren Rollenzuweisungen für Mann und Frau.
Heute zielt Werbung aufs Individuum. Sie reflektiert veränderte soziale Beziehungen und Lebensstile. Sie inszeniert immer weniger das Produkt, sondern vor allem das Erlebnis seines Konsums. Dazu bedient sie sich der Codes der Popkultur und der darin entwickelten Phantasien und Strategien. Die Welt der Werbung entwickelt sich somit immer mehr zu einem Spiegel unserer Wünsche, der zeigt, was unsere Gesellschaft beschäftigt und im Innersten zusammenhält. Vielleicht werden künftige Archäologen unsere Werbebotschaften dereinst als schlüssige Selbstbeschreibung unserer Kultur entdecken…
Jede Woche stellen wir in der WerbeWoche rund ein Dutzend Kampagnen vor, mal kürzer, mal ausführlicher. 21 der diesjährigen Kampagnen präsentieren wir Ihnen nochmals auf den Seiten 14/15. Wir laden Sie ein, uns Ihre Nummer 1, mitzuteilen. Senden Sie uns die beiliegende, frankierte Antwortkarte bis zum 31. Dezember zurück. Die Siegerkampagne wird am
17. Januar anlässlich der Egon-Verleihung im Palais-Xtra in Zürich bekannt gegeben.
Erstmals werden sich dieses Jahr auch die Leserinnen und Leser der Schweizer Illustrierten und der Programmzeitschrift Tele an der Wahl beteiligen können. Samuel Helbling, Chefredaktor
PS: Die Wahlzettel für den «Werber des Jahres 2001» werden mit separater Post verschickt. Sie erhalten die Unterlagen nächste Woche. Die Anmeldekarte für die Wahlfeier finden Sie wie gewohnt in der WW-Ausgabe 46 vom 13. Dezember.