«Ich selber bin ein vollkommen unpolitischer Mensch»
VR-Präsident Christoph Richterich zur Zukunft der Jean Frey AG
Christoph Richterich: Das werden wir im April tun, dann, wenn Filippo Leutenegger seine Funktion als CEO offiziell angetreten hat. Zu diesem Zeitpunkt werden wir über die Zusammensetzung des Verwaltungsrates informieren. Andererseits werden wir so weit wie möglich Transparenz in Bezug auf die Aktionärsstruktur und Investoren schaffen. Ich bin absolut sicher, dass all jene, die jetzt besorgt sind, sehen werden, dass wir einer der unabhängigsten Verlage sein werden.
Zuwarten mit den Informationen bis im April ist aber gefährlich. Denn die Ungewissheit rund um die Investoren kratzt täglich am Image der Jean Frey AG. Geht es nicht rascher?
Richterich: Diese Informationen können wir aus technischen Gründen nicht vorher bekannt geben. Denn es handelt sich ja um ein Private Equity, das in den kommenden Wochen erst noch platziert werden muss. In der Zwischenzeit bürge ich als VR-Präsident dafür, dass weder politische Interessen noch Ausländer hinter den Investoren stehen werden. Andererseits habe ich Verständnis für die Reaktionen im Markt. Alle reiben sich jetzt ein bisschen die Augen und fragen sich, was und wer da jetzt kommen mag. Man ist im Schweizer Verlagsgeschäft gewohnt, dass bekannte Verleger hinter einem Medienunternehmen stehen. Wir machen etwas Neuartiges. Und wir haben die Möglichkeit, auf einen wirklich unabhängigen Verlag hinzuarbeiten.
Man spricht jetzt aber von einer breiten Verbandelung mit SVP-Kreisen. Wenn schon politische Einfärbungen, müssten dann nicht auch Vertreter anderer Parteien eingebunden werden?
Richterich: Die Nähe zur SVP oder zukünftige Beteiligungen aus diesen Kreisen sind konstruiert. Für uns ist ganz klar, dass wir keine politisch motivierten Beteiligungen unter den Investoren haben werden. Ich selber bin ein vollkommen unpolitischer Mensch und gehöre keiner Partei an. Da kann mir auch niemand etwas anderes nachweisen. Die Unabhängigkeit und Selbstverantwortung der Chefredaktoren und der Redaktoren der Jean Frey AG sind für mich zentral.
Der Alleingang macht es der Jean Frey AG nicht einfacher. Im Gegenteil sagen viele Branchenkenner, die Jean-Frey-Titel wären bei einem Verkauf an Ringier besser aufgehoben gewesen. Weil sie dann auf eine bestehende nationale Infrastruktur und einen breiten Medienverbund hätten zurückgreifen können. Wie wollen Sie dies kompensieren?
Richterich: Das ist sicher ein zentraler Punkt. Zum einen werden wir auf dem Bestehenden aufbauen. Zum anderen klären wir aber bereits jetzt ab, wo es Möglichkeiten für Allianzen gibt. Es ist nicht unsere Meinung, wir müssten jetzt alles selber neu auf die Beine stellen. Wir werden mit anderen Verlagen zusammenarbeiten, sei es in der Distribution oder beim Druck. An dieser Stelle möchte ich nochmals betonen, dass es weder Feindschaften noch Berührungsängste gibt, weder mit Ringier noch mit Tamedia noch mit irgendeinem Schweizer Medienhaus.
Zu Diskussionen Anlass gibt auch die Branchenfremdheit der neuen Führungsspitze bei der Jean Frey AG. Sie selber haben noch nie einen Verlag geleitet. Weshalb gehen Sie davon aus, die richtige Person für das VR-Präsidium zu sein?
Richterich: Eine Losung von mir lautet: «Think the unthinkable.» Oftmals ist es sogar eine Gefahr, wenn man zu viel weiss, das kann lähmend sein. Da besteht durchaus das Risiko einer Branchenblindheit. Aus meiner langjährigen Tätigkeit in den Bereichen Marketing und Kommunikation kenne ich die Bedürfnisse des Marktes bestens. Verlagsspezifische Detailkenntnisse fehlen mir noch. Deshalb werden wir den Verwaltungsrat mit Leuten stärken, die sowohl publizistisches als auch breites verlegerisches Know-how einbringen können.
Ihre eigene Berufsbezeichnung lautet Jurist. Worin bestehen Ihre Affinitäten zur Kommunikationsbranche?
Richterich: Ich bin bereits seit 15 Jahren im Bereich der Medien tätig. Mein Schwerpunkt liegt in der strategischen Beratung. Ich bin von der Ausbildung her Jurist. Allerdings stieg ich damals gleich nach dem Studium
in die Kommunikationsbranche ein. Zunächst bei der GGK International, später bei Farner PR. Danach war ich Mitglied der Geschäftsleitung von McDonald’s Schweiz und im European Marketing Board von McDonald’s Europa. Vor fünf Jahren gründete ich die Firma Richterich & Partner AG, Management Consulting für Kommunikation und Marketing. Daneben vertrete ich die Schweiz als Delegierter des International Chamber of Commerce für die Bereiche Marketing, Vertrieb und Werbung.
Ist denn der TV-Profi Filippo Leutenegger wirklich der richtige Mann als CEO in einem Printverlag?
Richterich: Filippo Leutenegger erfüllt das Profil, das wir gesucht haben. Ich bin überzeugt, er ist die beste Wahl. Auch weil er für seine Unabhängigkeit bekannt ist. Genau wie ich wird Leutenegger aber Unterstützung holen für Bereiche, die nicht in seiner Kernkompetenz liegen.
Als Chefredaktor würde die Popularität von Leutenegger aber viel mehr Wirkung in der Öffentlichkeit entfalten. In der Funktion des CEO wird er nun weitgehend hinter den Kulissen verborgen bleiben. Vergibt man sich da nicht eine Chance?
Richterich: Filippo Leutenegger ist verantwortlich für die Geschäftsleitung der Jean Frey AG. Er vertritt das Unternehmen nach innen und nach aussen. Wir haben ihn nicht wegen des Showeffekts gewählt; er war unser Wunschkandidat.
Eine Frage, die alle interessiert: Wann startet die Weltwoche mit dem neuen Konzept?
Richterich: So schnell wie möglich, das ist unser Ziel. Die Weltwoche steht auf der Agenda zuoberst. Wir werden noch in dieser oder in der nächsten Woche entscheiden. Falls noch ein Finetuning beim Konzept notwendig ist, wird dies sicher innert kurzer Zeit machbar sein.
Vor Ende April?
Richterich: Wie gesagt, so schnell wie möglich. Ich will mich aber noch nicht festlegen. Interview: Daniel Schifferle
