Nur im Tessin bleibt die Zahl der Radiohörer nach den neuesten Radiocontrol-Erhebungen konstantVon Markus Knöpfli Ob SRG-Radios, Privatsender oder ausländische Radioprogramme: Das Medium Radio ist in der Schweiz seit der Einführung des Radiocontrol-Messsystems immer weniger gefragt. Auch im ersten Halbjahr 2002 haben in allen Landesteilen wieder weniger Leute das Radio eingeschaltet. Insgesamt haben die Privatradios mehr Hörer verloren als die Sender der SRG.
In allen Landesteilen zeigt sich dasselbe Bild: Der Radiokonsum geht zurück, am stärksten aber in der Westschweiz. Dort haben die Radiosender allein im ersten Semester dieses Jahres 2,4% ihrer Nettoreichweite eingebüsst. Seit der Einführung von Radiocontrol hat somit das Radiopublikum in der Romandie gesamthaft um 3,3% abgenommen. In der Deutschschweiz verminderte es sich im selben Zeitraum um 2,1%, im Tessin um 1,1%.
Betroffen vom Rückgang sind alle Radiogruppen, wobei die Schweizer Privatradios und die ausländischen Sender stärker Federn lassen müssen als die SRG-Radios. Betrachtet man jedoch die einzelnen Sender, fällt vor allem auf, dass die zweite SRG-Senderkette in der Deutschschweiz und in der Romandie mit minus 37,9% und minus 21.3% zu den Hauptverlierern gehört, auch wenn sie bei der Hördauer zulegen konnte.
Nur wenige Sender konnten ihre Hörerzahlen verbessern
Doch auch die Privaten verloren massiv: Zehn der 31 ausgewiesenen Deutschschweizer Privatradios haben gegenüber Ende 2001 zwischen 10% und 24% ihrer Hörer verloren (darunter auch die beiden grossen Zürcher Radios), in der Westschweiz weisen fünf von 16 Sendern ähnliche Verluste aus. In Zürich hat sich der Reichweitenabstand zwischen Radio 24 und Hitradio Z weiter verringert, in Sachen Hördauer ist Z jedoch klar die Nummer zwei in seinem Sendegebiet.
Die Verluste wirken sich auch auf die Pools aus. Imagemässig sind die aktuellen Zahlen besonders für den neuen One-Pool peinlich, der noch anfangs Juli mit dem Slogan «Ihr direkter Weg zu über 1 Million Radiohörern» warb. Tatsächlich ist er nun mit «bloss» 984400 Hörern gestartet.
Die Sender, die ihre Reichweite verbessern konnten, sind fast an einer Hand abzuzählen: So konnte RSR 3 als einziger SRG-Sender überhaupt sowohl Reichweite als auch Marktanteil steigern. Unter den Westschweizer Privatradios konnten sich nur gerade NRJ, One FM und RTN gegenüber dem ersten Halbjahr 2001 etwas verbessern.
Dramatischer sieht es in der Deutschschweiz aus: Dort weist einzig der Kabelsender Eviva einen sanften, aber einigermassen kontinuierlichen Aufwärtstrend auf.
Viele Radiodirektoren runzeln bei den Zahlen ihre Stirn
ExtraBern scheint sich zwar nach dem Taucher im zweiten Halbjahr 2001 etwas erholt zu haben (dank Relaunch?), es weist aber immer noch knapp 7000 Hörer weniger aus als vor einem Jahr. Dies und ein deutlicher Verlust bei BE1 (minus 9000 Hörer seit Ende 2001) führen dazu, dass die Berner nun zwei annähernd gleich starke Sender haben,
wobei BE1 noch leicht länger gehört wird. Dieses und drei weitere Sender (Basilisk, L, Tropic) stehen zwar schlechter da als Ende 2001, aber doch noch besser als vor einem Jahr.
Überraschend schneidet die Ostschweiz ab, da es dort nur grosse Verlierer und keine Gewinner gibt (die Ausnahme bildet Toxic FM, das auf Anhieb auf 27000 Hörer kommt). Dass Aktuell trotz Relaunch im März 22,2% seiner Hörer einbüsste, ist mit dem Newcomer Toxic FM und der letztjährigen Aufschaltung von Top in St.Gallen noch erklärbar. Bei den übrigen Sendern reiben sich jedoch die zuständigen Personen die Augen. Da und dort werden denn auch Zweifel an Radiocontrol geäussert. So bekundet Ri-Geschäftsleiter Max Müller «Mühe, diese Zahlen zu fressen». Er versteht nicht, weshalb sein Radio nach der Abkoppelung von Aktuell im Februar einen stärkeren Hörerschwund aufweise als der St.Galler Sender, obwohl Ri keinen Relaunch vorgenommen und keine neue Konkurrenz erhalten habe, im Gegenteil: Ende letzten Jahres habe er seine technische Reichweite sogar vergrössern (Walensee) können.
Steinmann spricht von «statistischen Phänomenen»
Fragen gibt es aber auch andernorts, das bestätigt Martin Muerner, der als Vertreter des Verbandes Schweizer Privatradios in der Usercommission von PublicaData sitzt. Als derzeit vordringliche Probleme der Branche mit Radiocontrol nennt er plötzliche Tages- oder Wochenausreisser um bisweilen mehrere 10000 Hörer oder Unklarheiten über die Hörerzählung, wenn ein Sender zeitgleich Programmteile eines andern übernimmt. Demnächst wird Muerner diese Probleme in der Usercommission zur Sprache bringen. An Radiocontrol selbst mag er jedoch nicht grundsätzlich zweifeln, wenn schon, dann eher an der Erfahrung der vielen Zahleninterpreten.
Ähnlich sieht es Matthias Steinmann, Leiter des SRG-Forschungsdienstes. Radiocontrol werde laufend kontrolliert und verbessert, sagt er. Schwankungen seien aber bei elektronischen Messungen systemimmanent und sie seien interpretationsbedürftig. Er ist deshalb überzeugt, dass sich viele aktuelle Fragezeichen dereinst als «statistische Phänomene» entpuppen werden, die sich mit der Zeit auflösen.
RADIOS DEUTSCHE SCHWEIZ
(2. Semester 2001 + 1. Semester 2002) Nettoreichweite in 1000 HörerInnen und Marktanteil in % in der Deutschschweiz, 24 h, Personen 15+
2. Halbjahr 2001 1. Halbjahr 2002
NR-T MA-% NR-T MA-%
Total Radio 3955.5 100 3883.8 100
Radiogruppen
Total SRG 2910.7 62.9 2879.4 62.8
Private CH 2506.9 27.8 2296.8 27.9
Ausland 1899.6 9.3 1765.2 9.3
SRG
Total DRS 2720.5 59.2 2669.6 59.0
DRS 1 2007.5 40.6 1951.2 40.9
DRS 2 611.6 4.5 379.7 4.2
DRS 3 923.9 10.9 876.3 10.6
MW 531 409.3 3.0 292.2 3.2
Virus 32.6 0.1 28.1 0.1
Pools
Pool 2000** 701.8 7.9
City Pool 359.9 3.6 346.5 3.9
One Pool 984.4 11.7
Powerpool 386.6 4.7
Tourismus Pool 356.6 4.1
1 Radio 24 294.8 3.1 261.0 3.1
2 Hitradio Z 250.9 2.9 221.4 2.6
3 Radio Top 209.4 1.6 178.2 1.5
4 Argovia 176.0 1.9 172.9 1.9
5 Zürisee 165.5 1.6 158.2 1.6
6 Grischa/Piz 157.8 1.4 156.1 1.4
7 Pilatus 148.9 1.7 140.7 1.8
8 Radio 32 146.5 1.8 133.0 1.6
9 Basilisk 137.0 1.4 128.8 1.5
10 Sunshine 119.7 1.0 116.2 1.2
11 Central 112.8 1.2 107.9 1.3
12 Eviva 95.0 0.9 96.2 1.1
13 BE1 90.2 0.9 81.0 0.9
14 (17) Extra BE 78.3 0.6 80.5 0.7
15 (14) Regenbogen (D) 87.2 0.6 78.4 0.6
16 (18) BeO 75.7 0.9 72.3 0.8
17 (21) Radio 7 (D) 71.6 0.5 70.8 0.5
18 (19) Rottu 75.1 0.7 68.6 0.7
19 (16) Aktuell 81.5 0.7 63.4 0.6
20 Edelweiss 74.9 0.6 69.4 0.5
21 (15) Canal 3 (netto) 82.0 0.5 66.1 0.4
22 (24) Freiburg (netto) 55.4 0.2 59.7 0.2
23 Radio 105 66.5 0.5 58.5 0.5
24 (22) Ri 71.0 0.3 54.1 0.4
25 Emme 52.0 0.3 48.1 0.3
26 Radio L (FL) 39.0 0.2 34.9 0.2
27 Radio Tropic 32.2 0.1 30.5 0.1
28 Antenne Vorarlberg* 28.9 0.1
29 Toxic FM* 27.0 0.1
30 32 Goldies* 26.6 0.1
31 Top Two* 11.9 0.0
In Klammern: Position im 2. Semester 01. Radio Munot fehlt. Weil der Sender Programmteile von SR DRS übernimmt, können aus methodischen Gründen ausserhalb des Empfangsgebietes Munot noch keine Zahlen dieses Radios publiziert werden.
* erstmals erhoben
** in der Zusammensetzung seit 1.7.02, ohne Plus-Variante Quelle Publica Data
Verluste-Rangliste
Radio Verlust in %
Deutschschweiz
DRS 2 -37.9
MW 531 -28.6
Ri -23.8
Aktuell -22.2
Canal 3 (netto) -19.4
Top -14.9
Virus – 13.8
Radio 105 -12.0
Hitradio Z -11.8
Radio 24 -11.5
Radio L (FL) -10.5
BE1 -10.2
Regenbogen -10.1
WestschweizWRG -24.7
RSR 2 -21.3
Option Musique -14.5
Framboise -14.0
Nostalgie -13.6
Fréquence Jura -10.5
Lac -10.3
*Veränderung vom 2. Hj. 01 zum 1. Hj. 02
Radios Romandie
(2. Semester 2001 + 1. Semester 2002)
Nettoreichweite in 1000 HörerInnen und Marktanteil in % in der Romandie, 24 h, Personen 15+
2. Halbjahr 2001 1. Halbjahr 2002
NR-T MA-% NR-T MA-%
Total Radio 1276.2 100 1245.1 100
Radiogruppen
Total RSR 906.6 60.2 889.1 61.7
Private CH 771.5 23.7 706.6 23.0
Ausland 680.6 16.1 649.8 15.3
SRG SSR
Total RSR 792.6 53.0 771.7 54.9
RSR 1 578.0 35.8 543.0 36.9
RSR 2 127.0 3.8 99.9 4.0
RSR 3 139.7 4.9 149.6 5.3
Option Musique 230.3 8.5 196.9 8.6
Pools
Top Romandie 270.4 8.9
Top Romandie I 377.4 14.6 363.1 14.1
Genève-Pool 207.4 6.4
Vaud-Pool 231.9 7.3
Jura-Plateau-Alpes 329.6 12.0 301.4 11.3
LausanneFM/OneFM 159.1 5.3
1 Nostalgie (F) 120.0 3.9 103.7 3.1
2 (3) Lausanne FM 85.7 2.6 90.2 2.9
3 (2) Framboise 92.9 2.8 79.9 2.5
4 (6) NRJ (F) 67.3 1.5 73.9 1.8
5 One FM 67.8 2.3 72.2 2.4
6 (9) RTN*** 62.8 1.7 63.4 2.1
7 (4) Rhône 68.5 2.5 63.2 2.4
8 (7) Lac 63.4 1.6 56.9 1.5
9 (8) Fréquence Jura 62.9 2.7 56.3 2.2
10 Fribourg (netto) 57.5 1.6 56.0 1.6
11 Jura Bernois 56.2 1.7 52.4 1.8
12 Chablais 50.5 1.7 47.0 1.8
13 Europe 2 (F) 43.1 0.9 44.6 0.9
14 Thollon 31.3 0.5 28.3 0.4
15 Canal 3 (netto) 25.6 0.4 23.7 0.4
16 WRG FM 21.9 0.3 16.5 0.3
In Klammern: Position im 2. Semester 01
***Messung nur vom 21.3. – 30.6.02 (wegen Störsender)
Quelle Publica Data
Radios Tessin
(2. Semester 2001 + 1. Semester 2002) Nettoreichweite in 1000 HörerInnen und Marktanteil in % im Tessin, 24 h, Personen 15+
2. Halbjahr 2001 1. Halbjahr 2002
NR-T MA-% NR-T MA-%
Total Radio 245.0 100 244.2 100
Radiogruppen
Total SSR 203.7 79.7 202.5 79.4
Private CH 86.9 6.4 82.1 6.2
Ausland 133.0 14.0 129.8 14.4
SRG SSR
Total RSI 181.4 68.3 180.7 67.6
RSI 1 149.7 51.6 148.6 51.0
RSI 2 29.6 6.9 28.7 7.3
RSI 3 50.8 9.5 49.2 9.3
Pools
Ticino 15.3 9.0
Ticino Svizzero 7.8 4.0
1 Fiume Ticino* 17.3 2.5
2 3iii* 14.5 2.1 3 Studio Star* 5.5 0.6
*erstmals erhoben Quelle Publica Data