Jeder zweite Top-Werbeauftraggeber hat im ersten Semester 2002 zurückbuchstabiertVon Oliver Classen Detaillisten, Markenartikler und – eine satte Überraschung! – die Telekomunternehmen sorgen für leidliche Beständigkeit im Werbemarkt. Als grösste Bremser wirkten im ersten Semester des Jahres die Finanz- und Tabakbranche.
Da war offenkundig der Wunsch (statt seriöser Recherche) der Vater des Gedankens, als die NZZ am Sonntag in ihrer letzten Ausgabe Banken und Versicherungen «zu den stabileren Werbeauftraggebern» im konjunkturlahmen Schweizerland zählte. Wie die aktuellen Halbjahreszahlen von Media Focus zeigen, verhält es sich exakt umgekehrt: Die beiden Big Spenders UBS (minus 32,6%) und Credit Suisse (minus 47,5%) haben ihre Investitionen in klassische Werbung so spektakulär gekürzt, dass sie im Top-50-Ranking um 12 (UBS) respektive 35 (CS) Ränge die Treppe runtergepurzelt sind. Die Zürcher Kantonalbank, im letzten Semestervergleich mit rund 6 Millionen Franken immerhin noch auf Platz 47, hat sich gar ganz aus der Hitparade verabschiedet.
Kein Kommentar zu sensiblen Wettbewerbsdaten
Vielleicht wurden die Kollegen von der Falkenstrasse aber auch Opfer der zunehmend restriktiven Kommunikationspolitik von Global Players, sobald es um deren Werbefranken geht. Diese Erfahrung machte auch die WerbeWoche dieser Tage. Und zwar zunächst mit Anfragen bei den Konsumgütermultis Procter& Gamble und Lever Fabergé, die ihre Budgets trotz (oder gerade wegen?) drastischer Redimensionierung der jeweiligen Marken-Portfolios auf satte 22,1 (P&G) beziehungsweise 13,8 Millionen Franken aufstockten.
Während die Marketingverantwortlichen in Genf und Zug wenigstens noch um Verständnis für ihr kategorisches «No comment zu so wettbewerbssensiblen Informationen» bitten, wird man bei der Tabakindustrie gar nicht mehr erst zum Werbeleiter durchgestellt oder aber mit einem rüden «Sie wollen uns doch nur schlecht machen» (Philip Morris) abgefertigt.
So bleibt die Frage leider unbeantwortet, ob die kollektive Ausgabendrosselung der Zigarettenhersteller – von 17,9 (Philip Morris) bis 9 Prozent (BAT) – in der zweiten Hälfte dieses Jahres weiter ver- oder aber entschärft wird. Mit Gewissheit lässt sich jedoch sagen, dass bei den durch immer mehr Gesetze gegängelten Unternehmen die Nerven derzeit blank liegen.
Ungleich gelassener und kommunikativer gibt sich das trotz Swisscom-Offensive (plus 41 Prozent!) unangefochtene Führungsduo der Schweizer Werbeauftraggeber. Die knapp sechsprozentige Zunahme der Migros-Spendings will dessen Marketingchef Beat Mühlemann weniger als antizyklische, denn als «strategisch nachhaltige Investition» unter anderem in den Aufbau von Eigenmarken verstanden wissen. Im laufenden Semester will
der zweitplatzierte orangefarbene Riese diesen Kurs «mehr oder minder beibehalten».
Kontinuität lautet auch die Devise des allmählich etwas in Bedrängnis geratenen Spitzenreiters Coop, meint dessen Werbeleiter Robert Joss.
Die Agenturwelt weiss diese Stabilitätssignale der zwei werbeintensivsten Schweizer Unternehmen heute gewiss mehr denn je zu schätzen. Im Übrigen liegt der bisherige leichte Rückgang laut Joss «ja wohl noch innerhalb des Toleranzbereichs» der Erhebungen. Zudem schlage hier sicher auch die Anfang Jahr aus-gelaufene Grossaktion zur Bekanntmachung des neuen Coop-Logos zu Buche.
Bruttoaufwand kommerzielle Werbung nach Branchen
Branche Total in Mio Fr. -/+ (%)
(Jan.-Juni 02) (Jan.-Juni 01) 2002/2001
1. Medien* 259,936 268,121 – 3,1
2. Verkehr 249,830 244,335 2,2
3. Nahrungsmittel 171,067 185,315 – 7,7
4. EDV/Büro 142,122 149,809 – 5,1
5. Finanzwirtschaft/Versicherungen 133,663 167,690 – 20,3
6. Handel 133,553 131,430 1,6
7. Kosmetik/Körperpflege 113,222 105,074 7,8
8. Dienstleistung 99,214 120,672 – 17,8
9. Haus/Garten 96,375 108,509 – 11,2
10. Investitionen/Industrie 86,007 72,814 18,1
11. Getränke 84,392 68,226 23,7
12. Freizeit/Touristik 79,034 81,440 – 3,0
13. Bekleidung/persönlicher Bedarf 74,460 93,376 – 20,3
14. Pharma/Gesundheit 44,249 42,572 3,9
15. Unterhaltungselektronik/Foto 36,994 28,689 28,9
16. Haushalt-, Putz- und Pflegemittel 34,072 26,560 28,3
17. Tabakwaren 33,187 38,591 – 14,0
18. Haushaltartikel und -geräte 27,193 26,725 1,8
* inkl. Eigeninserate und Bartering Quelle: Media Focus
Top 50 Werbeauftraggeber in der Schweiz Unternehmen Bruttowerbeausgaben in Mio Fr. -/+ (%)
(Jan.-Juni 02) (Jan.-Juni 01) 2002/2001
1. Coop Schweiz, Basel 92,716 93,723 -1,1
2. Migros, Zürich 89,581 84,740 5,7
3. Swisscom, Bern 39,771 28,205 41,0
4. Procter + Gamble SA, Genf 22,091 16,971 30,2
5. Nestlé Suisse SA, Vevey 18,777 21,951 -14,5
6. TDC Switzerland AG, Zürich (inkl. Diax) 17,996 19,708 -8,7
7. Masterfoods AG, Zug 15,709 15,767 -0,4
8. Media Markt Vertriebs AG, Geroldswil 15,471 14,361 7,7
9. Orange Communications SA, Lausanne 15,338 11,985 28,0
10. Lever Fabergé AG, Zug 13,785 8,667 59,1
11. Philip Morris SA, Lausanne 13,196 16,075 -17,9
12. Opel (Suisse) SA, Biel 13,130 12,724 3,2
13. Manor, Basel 13,066 13,854 -5,7
14. Frimago AG, Volketswil 12,999 12,968 0,2
15. Renault, Urdorf 12,895 14,259 -9,6
16. Denner AG, Zürich 12,578 12,166 3,4
17. BMW (Schweiz) AG, Dielsdorf (inkl. Mini) 12,374 5,723 116,2
18. L’Oréal Suisse SA, Genf 12,352 11,243 9,9
19. UBS, Zürich 11,875 17,366 -31,6
20. Bluewin AG, Zürich 11,779 7,470 57,7
21. Fust AG Dipl. Ing., Oberbüren 11,572 15,093 -23,3
22. Peugeot (Suisse) SA, Bern 11,388 10,262 11,0
23. Fiat Auto (Suisse) SA, Genf 11,166 7,567 47,5
24. Ford Motor Company, Wallisellen 10,943 9,117 20,0
25. Beiersdorf AG, Münchenstein 10,940 10,199 7,3
26. BAT. SA, Les Acacias 10,910 11,986 -9,0
27. Henkel + Cie AG, Pratteln 10,352 10,615 -2,5
28. Amag/VW, Schinznach 10,224 11,010 -7,2
29. Die Post, Bern 10,215 6,516 56,8
30. Charles Vögele, Pfäffikon 9,550 10,876 -12,2
31. Citroën (Suisse) SA, Genf 8,521 7,358 15,8
32. Toyota AG, Safenwil 8,349 9,620 -13,2
33. JT International AG, Dagmarsellen 8,118 9,077 -10,6
34. EPA/Unip, Zürich 7,867 9,791 -19,7
35. Daimler Chrysler/Mercedes, Schlieren 7,133 7,738 -7,8
36. United Distillers, Prilly 7,108 1,360 422,3
37. Coca-Cola Beverages AG, Brüttisellen 7,099 8,641 -17,8
38. Feldschlösschen, Rheinfelden 7,074 5,759 22,8
39. McDonalds Restaurants, Crissier 6,912 7,619 -9,3
40. Interdiscount, Jegenstorf 6,728 6,687 0,6
41. Rivella AG, Rothrist 6,657 3,391 96,3
42. MMC Automobile AG, Winterthur 6,634 8,128 -18,4
43. Nissan, Urdorf 6,555 4,936 32,8
44. Hyundai Auto Import AG, Winterthur 6,546 6,933 -5,6
45. Amag/Audi, Schinznach 6,505 7,851 -17,1
46. Hennes + Mauritz, Genf 6,255 5,087 23,0
47. Credit Suisse, Zürich 6,199 11,806 -47,5
48. Volg, Winterthur 5,993 3,571 67,8
49. Novartis Consumer Health SA, Bern 5,879 5,082 15,7
50. TCS Assurances, Genf 5,483 5,693 -3,7
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Quelle: Media Focus