Ellen Ringiers Fritz und Fränzi braucht aber noch mehr Sponsoren und zahlende AbonnentenAuch auf Gönnergelder angewiesene Medien
werden von der Krise nicht verschont. Trotzdem schneidet Ellen Ringiers
Elternmagazin Fritz und Fränzi ein Jahr nach dem Start
überdurchschnittlich gut ab im Rennen um die derzeit spärlich
fliessenden Werbefranken. Doch über dem Berg ist das Nonprofit-Magazin
damit noch nicht.Eigentlich kann sich Fritz und Fränzi am ersten
Geburtstag, der jetzt im September ansteht, durchaus freuen. Während
andere Magazine eher magersüchtig daherkommen und vor allem reichlich
Eigeninserate zu drucken gezwungen sind, sieht das Nonprofit-Projekt
von Ellen Ringier gar nicht so schlecht genährt aus. «Zwei Drittel der
budgetierten zwanzig Anzeigenseiten pro Ausgabe kommen herein», sagt
Sabine Danuser, die das Heft konzipiert hat und seit September 2001
zusammen mit ihrem Team produziert.
Fritz und Fränzi hat reichlich Abnehmer, aber wenig zahlende Erheblich
seien die Probleme hingegen beim Sponsoring. «Dort haben wir erst ein
Drittel unserer Einnahmenziele erreicht.» Dieses Loch macht Danuser
auch am meisten Sorgen, wenn sie an die Zukunft des Heftes denkt.
Ellen
Ringier hatte die Idee für ein regelmässig erscheinendes Magazin vor
gut anderthalb Jahren aufgegleist (siehe auch das Interview auf dieser
Seite). Das Ziel war: ein Nonprofit-Projekt zum Thema Elternsein in der
Form einer Zeitschrift auf die Beine zu stellen. Inhaltlich will das
Magazin Eltern mit Kindern im Schulalter als Ratgeber und Begleiter zur
Seite stehen. Ein Heft, welches das heute zwar reichhaltig vorhandene,
aber verstreute Wissen zu diesem Themenbereich bündelt und ansprechend
verpackt. Als Trägerschaft hatte Ringier dafür im Frühjahr 2001 die
Stiftung Elternsein ins Leben gerufen, die sie auch präsidiert – und
deren anfallende Defizite sie deckt. Mit einem «unverzinslichen
Darlehen», wie sie das wahrscheinlich à fonds perdu investierte Geld
nennt.
Eines der wichtigsten Ziele von Ellen Ringier ist, Fritz und
Fränzi einer möglichst breiten Leserschaft zugänglich zu machen. Das
Rezept dafür sei die grundsätzliche Möglichkeit, das Heft gratis
beziehen zu können. Das heisst, die Abonnenten können selber bestimmen,
ob sie den ganzen Betrag, die Hälfte, das Doppelte oder gar nichts
beisteuern wollen. Das Resultat ist, dass aktuell lediglich rund 10000
Abos zu 24 Franken bezahlt werden – das sind nur gerade mickrige zehn
Prozent der aktuell 100000 vertriebenen Exemplare.
Mit anderen
Worten: Zusätzlich zu den ungenügenden Sponsoringerträgen ist auch der
finanzielle Beitrag aus dem Abo-Kanal noch deutlich zu tief. Doch
dessen Ausweitung sei unter diesen Umständen auch nicht einfach, sagt
Danuser. «Es ist extrem schwierig, Abonnenten für eine Spende zu
gewinnen, wenn man das Heft gleichzeitig kostenlos haben kann», weiss
sie.
Trotzdem verteidigt Ellen Ringier die Strategie der
Gratisabgabe. «Wir wollen auch für die Mutter und den Vater im
Calancatal oder auf dem Sustenpass da sein. Das sind Leute, in deren
Budget es keinen Platz hat, um am Kiosk Heftli zu kaufen.»
Langer Atem dank finanziell zuverlässigem Fundament Fritz
und Fränzi kommt bei den Leserinnen und Lesern offenbar gut an und
weckt breites Interesse. Von den ersten beiden Ausgaben rollten statt
der angekündigten 100000 über 180000 Exemplare über die Druckerpresse.
So stark sei die Nachfrage seitens der Vertriebspartner gewesen, sagt
Danuser. Zu diesen zählen neben der Lehrerschaft, Elternbildnern und
Kinderärzten vor allem die namhaften Organisationen für Kind und Eltern
in der Schweiz.
Diese pädagogischen Institutionen sind gleichzeitig
Partner für die Inhalte von Fritz und Fränzi. Über sie – Pro Juventute,
Marie-Meierhofer-Institut für das Kind, Verein Schule und Elternhaus
und andere mehr – werden im Durchschnitt 50000 Magazine abgesetzt.
Weitere 40000 Exemplare gehen an die Lehrerschaft, die die Hefte
ebenfalls weiterreicht. «Wir entwickeln laufend neue Ideen, um die
Auflage oben zu halten», sagt Sabine Danuser.
Trotz noch viel zu
tiefer Abo- und Sponsoringeinnahmen scheint das Magazin vorderhand
einen starken Stand zu haben. Dafür sorgt Ellen Ringier, die persönlich
für die finanzielle Basis des Magazins geradesteht. Ein Jahr nach dem
Start zeigt sie keinerlei Ermüdungserscheinungen, wie aus dem Interview
hervorgeht. Mit anderen Worten: Das finanzielle Fundament von Fritz und
Fränzi ist für eine längere Durststrecke ausgelegt.
Trotzdem hat das
Elternmagazin noch einen steinigen Weg vor sich, das weiss auch
Danuser. Deshalb denkt sie intensiv über weitere nötige Massnahmen in
den Bereichen Marketing und Leserbindung nach. Im Frühjahr 2003 möchte
sie einen Fritz-und-Fränzi-Club ins Leben rufen mit diversen geplanten
Vergünstigungen und Exklusivangeboten für die Mitglieder. Eine andere
sympathische Aktion: Fritz und Fränzi nachgeahmte Holzfiguren zum
Bestellen warnen Automobilisten vor spielenden Kindern.
Daniel Schifferle