Less is more

Aufgefallen Für die Leserschaft zeitigt die aktuelle Anzeigen- und Artikeldiät durchaus positive Folgen. Denn dünnere Zeitungen sind bessere Zeitungen.

Kolumne Für die Leserschaft zeitigt die aktuelle Anzeigen- und Artikeldiät durchaus positive Folgen. Denn dünnere Zeitungen sind bessere Zeitungen.Alle reden über die Krise der Zeitungen: Weil die Werbeeinnahmen eingebrochen sind wie lange nicht mehr, herrschen in den Verlagen die Sparkommissare. Die Branche jammert, und ein Milieu tut sich Leid. Das Thema hat schon so viele Chronisten gefunden, dass hier darüber geschwiegen werden darf. Fragen wir stattdessen, wie der Leser die Krise seines Tages- oder Wochenblatts erlebt. Wer zum Beispiel eine der überregionalen deutschen Qualitätszeitungen liest, wird bemerkt haben, dass er heute rascher mit der Lektüre fertig ist. Das Blatt ist deutlich dünner geworden. Weil die Anzeigen fehlen, schrumpft auch der redaktionelle Teil.Offenbar nehmen das aber selbst die Leser im neuen Deutschland der Geizhälse und Schnäppchenjäger recht gelassen hin, obwohl sie jetzt doch fürs selbe Geld weniger Ware erhalten. Ein Chefredaktor berichtet gar von Briefen und Anrufen, in denen Abonnenten aufatmend mitteilen, sie läsen die Zeitung jetzt lieber. Weggefallen sei das schlechte Gewissen, das ihnen zuvor die manchmal eichentürdicken Druckwerke eingeflösst hätten. Wer konnte schon Politikteile von zwölf bis sechzehn Seiten wirklich nutzen oder gar ein Feuilleton, das sich über acht Seiten täglich spreizte? Das schlanker gewordene Produkt erleichtert die Auswahl, setzt deutlicher Inseln der Bedeutsamkeit ins Informationsmeer. Und es reduziert die Lesezeit wieder auf ein vernünftiges Mass.
Für diese Wirkung wollen wir die Krise loben: Sie zwingt Zeitungsverlage und Redaktionen
dazu, über ihr «Kerngeschäft» nachzudenken. In den Boomzeiten waren viele
Umfangserweiterungen nicht primär publizistischen Absichten zu verdanken, sondern nur dem Interesse, die riesige Anzeigenplantage mit einer journalistischen Sichtblende zu umgeben. Böse Zungen haben die FAZ als «grösste Stellenbörse der Republik» bezeichnet, die die Redaktion «möglichst angenehm zu ummanteln» habe. Und diese Mäntel bekamen immer mehr Taschen: Aufgedonnerte «Hauptstadt»-Seiten, Spielwiesen für intellektuelle Tändeleien und mit
schicken Nichtigkeiten voll gestopfte Lifestylebeilagen absorbierten Teile der knappen Ressource Aufmerksamkeit. In Feuilletons wurden selbst provinzielle Nebensächlichkeiten zu Gegenständen des nationalen Interesses erklärt. Unüberbietbarer Höhepunkt dieser sinnlosen Vergeudung von Zeitungsseiten war der berüchtigte Abdruck von Genomformeln über viele Seiten hinweg im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Mit diesem Unfug ist jetzt Schluss. Wer nur noch fünf Seiten für Politik hat, muss sich schon genau überlegen, über welches Ereignis die Zeitung den multimedial unterrichteten Leser so ins Bild setzen kann, dass er hier wirklich etwas Neues und Wichtiges erfährt. Auch in den Kulturteilen ist es ruhiger geworden. Wenn der verfügbare Platz schon mit verlässlicher Information und begründetem Urteil über ein kluges Buch, einen bewegenden Film oder ein aufregendes Theaterstück gefüllt ist, kann man nicht mehr eine jener unerträglichen «Debatten» anzetteln, mit denen viele Feuilletons in den letzten Jahren vorzugsweise beschäftigt waren. Es sieht so aus, als wüssten die Leser durchaus zu schätzen, dass die schlanker gewordenen Zeitungen zwar viel Ballast verloren, dafür aber an Übersichtlichkeit und Orientierungshilfe gewonnen haben. In Zeiten eines Overkills an medial vermittelten Informationen sind das zentrale Leistungen von Qualitätszeitungen. In diesem Sinne ist die dünnere Zeitung die bessere. Hoffentlich wird das nicht vergessen, wenn die jetzige Krise überwunden ist.
> Heribert Seifert ist Medien- und Kulturkorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung und lebt als freier Journalist in Norddeutschland.

Jack Daniels setzt auf Universal McCann

Der amerikanische Spirituosenkonzern Brown-Forman konsolidiert seine weltweiten Etats für Mediaplanung und -einkauf bei Universal McCann.

Der amerikanische Spirituosenkonzern Brown-Forman konsolidiert seine weltweiten Etats für Mediaplanung und -einkauf bei Universal McCann.Zu Brown-Forman gehören unter anderem Jack Daniels, Southern Comfort und die Weinkellerei Fetzer. Gemäss Berichten der US-Branchenpresse beträgt der Etat rund 160 Millionen Dollar.

Zweites Radio 105

Kabelradio Radio 105 startet im Sommer mit einem zweiten sprachregionalen Programm auf Kabel «für weltoffene 25- bis 40-Jährige mit progressiver Einstellung», wie 105-Chef Giuseppe Scaglione erklärt.

Kabelradio Radio 105 startet im Sommer mit einem zweiten sprachregionalen Programm auf Kabel «für weltoffene 25- bis 40-Jährige mit progressiver Einstellung», wie 105-Chef Giuseppe Scaglione erklärt.In Zürich wird der Sender vorerst nicht zu hören sein, weil es im Kabelnetz keine freien Plätze hat.

St.Gallen dämmt Kleinplakate ein

Plakat In der Stadt St.Gallen dürfen gemäss einer neuen Verordnung ab März Kleinplakate nur noch an 28 offiziellen Stellen angeschlagen werden.

Plakat In der Stadt St.Gallen dürfen gemäss einer neuen Verordnung ab März Kleinplakate nur noch an 28 offiziellen Stellen angeschlagen werden.Plakat In der Stadt St.Gallen dürfen gemäss einer neuen Verordnung ab März Kleinplakate nur noch an 28 offiziellen Stellen angeschlagen werden. Die Allgemeine Plakatgesellschaft ist davon nicht betroffen. Die dafür zuständige Behörde ist die Gewerbepolizei. Die Verwaltung der Kleinplakatflächen wurde für ein Jahr der Stiftung für Arbeit übertragen. Grundsätzlich werden nur noch ganze Plakateinheiten entgegengenommen. Diese werden für die Dauer einer Woche ausgehängt. Die gleiche Veranstaltung kann während maximal zwei Wochen plakatiert werden. Wildplakatierer will die Polizei konsequent büssen.

Inseratestatistik zeigt weiter nach unten

Anzeigen Auch im neuen Jahr verzeichnet die Inseratestatistik der Schweizer Presse einen Rückgang.

Anzeigen Auch im neuen Jahr verzeichnet die Inseratestatistik der Schweizer Presse einen Rückgang.Insgesamt verloren die Zeitungen 17,6 Prozent Anzeigenvolumen gegenüber dem Vorjahresmonat. Sämtliche Kategorien sind betroffen. Am stärksten litt die Deutschschweiz. Wochenzeitungen erzielten in der französischen und italienischen Schweiz sogar ein klares Plus von 7,6 Prozent beziehungsweise 6,4 Prozent, während in der deutschsprachigen Schweiz das Volumen um 10,1 Prozent sank. Zeitschriften stehen insgesamt besser da als Zeitungen (mit einem Verlust von 2,8 %). Schlecht sieht es bei den deutschsprachigen Frauenmagazinen (–46,4 %) und französischsprachigen Wirtschaftsblättern (–38 %) aus.

«Wir ernten jetzt, was wir gesät haben»

WW Nach 13 Monaten kehrt Moneycab zu Adlink zurück. Was für Emotionen machen sich bei Ihnen breit?

WW Nach 13 Monaten kehrt Moneycab zu Adlink zurück. Was für Emotionen machen sich bei Ihnen breit?Markus Rusterholz: Auf der einen Seite Freude, andererseits lastet aber auch Druck auf uns. Doch die Freude überwiegt, denn wir sind überzeugt, dass wir jetzt ernten können, was wir seinerzeit gesät haben. Wir hatten ja damals beim Start von Moneycab das ganze Kommerzialisierungskonzept entwickelt, konnten es dann aber wegen Moneycabs Wechsel zu Goldbach weder beenden noch im Markt anbringen.Der ehemalige Moneycab-Geschäftsführer Markus Gisler warf Adlink nach dem Wechsel zu Goldbach vor, die Plattform zu wenig effizient verkauft zu haben. Heute heisst es von der neuen Leitung, Sie hätten sich im 2001 enorm eingesetzt. Ihr Kommentar?
Die damals von Moneycab gesetzten Planziele sahen im ersten halben Jahr 2001 eine Auslastung der vorhandenen Werbeplätze von über 30 Prozent vor. Tatsächlich kamen wir aber auf mindestens 70 Prozent, obwohl der Traffic auf der Plattform kleiner war als erhofft. Als wir sahen, dass die Werbeleistung geringer war als geplant, stellten wir sofort neue Werbeplätze zur Verfügung. Trotz dieser zusätzlichen Kapazität fiel die Auslastung aber nicht ab, sondern blieb über das ganze erste halbe Jahr bei durchschnittlich 83 Prozent.
Welche Auslastung haben Sie für 2003 budgetiert?
Wenn der Traffic wieder steigt, sollten wir eine Auslastung zwischen 30 und 50 Prozent erreichen.
Sie sprachen von Druck. Was verstehen Sie darunter?
Nach dem Unterbruch haben wir uns gefragt, wie wir die früheren Ansätze weiterführen können. Das ist nicht einfach. Allerdings stehen wir beim Verkauf nicht mehr so sehr unter Druck wie früher mit Vollexklusivität. Moneycab wünscht, dass die andern Marktteilnehmer ihre Ideen ebenfalls einbringen können.
Zusammenarbeit zwischen den Vermarktern statt Exklusivität – ist das ein neues Modell im Onlinebereich?
Nein, so neu auch nicht – und es wird ja auch nicht völlig auf Exklusivität verzichtet. Gerade auf der technischen Ebene erhält nun unser System – Dart (Doubleclick) – als einziges Gültigkeit. Und auch bei der Kommerzialisierung bestimmen ausschliesslich wir und Bernt Maulaz, Marketingleiter von Moneycab, welche Werbeformate zu welchem Preis auf dem Markt angeboten und weiterentwickelt werden. Neu aber ist, dass jetzt auch andere Vermarkter die Möglichkeit haben sollen, sich mit ihren Angeboten einzubringen, und dafür auch kommissioniert werden. Dieses Verkaufsmodell bietet somit mehr Gewähr dafür, dass den Kunden eine neutrale Mediaplanung angeboten wird.
Welche Websites kennen ein ähnliches System?
20min.ch und Cineman.ch. Bei 20 Minuten, das selbst einen starken Crossmediaverkauf tätigt, wirkt sich das Modell umsatzmässig bereits positiv aus. Dennoch wird Adlink weiterhin die exklusive Vermarktungspartnerschaft haben. Wir verzichten nur dann darauf, wenn eine Website durch ihre Betreiber und durch andere Vermarkter aktiv und professionell verkauft werden kann.
Wie würden Sie das aufnehmen, wenn Markus Gisler wieder in den Moneycab-VR zurückkehren würde?
Ich schätze Herrn Gisler als kompetenten Mann, wenn es um Content geht. Das Vermarkten einer Onlineplattform aber funktioniert anders als beim Print, wo er seinen Leistungsausweis erbracht hat. Ich denke, dass er jetzt bei der AZ Medien, die im Onlinebereich eine sehr gute Eigenvermarktung betreibt, mehr Einblick in die Materie gewinnt und dass er auch im letzten Jahr bei Moneycab Dinge erkannt hat, die er heute anders machen würde. Auch vom Menschlichen her sehe ich für eine Rückkehr absolut kein Problem.
Adlink-Geschäftsführer ad interim Markus Rusterholz zur Rückkehr von Moneycab.
Interview: Markus Knöpfli

Werbeagenda 2003

Die Werbeagenda 2003 der Orell Füssli Wirtschaftsinformationen überrascht mit einem erfrischenden Layout und wird noch praktischer dank einer optimalen Leserführung.

Die Werbeagenda 2003 der Orell Füssli Wirtschaftsinformationen überrascht mit einem erfrischenden Layout und wird noch praktischer dank einer optimalen Leserführung.Das beliebte Handbuch der Kommunikationsbranche bringt viele neue Ideen. Checklisten, das Werbelexikon, Printtarife und Werberecht sind hilfreiche Ratgeber. Alle wichtigen Adressen im Bereich der Medienschaffenden, Werbetreibenden sowie der Druckereien werden publiziert. Prominente Autoren wie Heribert Meffert, Otto Belz, Markus Schögel und viele andere haben fundierte Fachberichte beigetragen. Die Schweizer Werbeagenda kann unter www.werbeagenda.ch bestellt werden.

Schwache Ertragslage in der Druckindustrie

Druck Eine Umfrage des Schweizerischen Verbands für visuelle Kommunikation (Viscom) zeigt für das vierte Quartal 2002 einen rückläufigen Geschäftsgang in der grafischen Industrie.

Druck Eine Umfrage des Schweizerischen Verbands für visuelle Kommunikation (Viscom) zeigt für das vierte Quartal 2002 einen rückläufigen Geschäftsgang in der grafischen Industrie.27,1 % der befragten Unternehmen verzeichnen eine Verschlechterung der Ertragslage gegenüber dem Vorquartal, 19 Prozent eine Verbesserung. Die Weiterverarbeitungsbetriebe (Buchbindereien) konnten die Erträge mehrheitlich halten (82,1 %), bei 10,4 % stiegen sie gar. Schlechter siehts bei der Vorstufe (Crossmedia) aus, wo 29,4 % geringere und nur gerade 0,7 % gesteigerte Erträge aufweisen. Der Auslastungsgrad liegt in der grafischen Industrie im 4. Quartal unverändert bei 80 %.

Fisch Meier wirbt für ADSL von Bluewin

Der Internetprovider Bluewin hat Fisch Meier Direkt (FMD) mit dem Dialogmarketingbudget für den Geschäftsbereich ADSL betraut.

Der Internetprovider Bluewin hat Fisch Meier Direkt (FMD) mit dem Dialogmarketingbudget für den Geschäftsbereich ADSL betraut.Wann die Kampagne startet, wollte FMD-Beratungsgruppenleiterin Gabriele Knus der Werbewoche nicht verraten. Der Kunde wolle dies geheim halten, da der Markt für Breitband-Internetzugänge heiss umkämpft sei. Bisher wurde das ADSL-DM von Bluewins Werbeagentur Jung von Matt/Limmat mitbetreut.

Best of Southwest

Affinität der Anzeigen bei den Supportern in der «bürgerlichen Ecke»

Affinität der Anzeigen bei den Supportern in der «bürgerlichen Ecke»Gold (167) Rivella Grün – Lassen Sie sich… (Lowe)Silber (156) Audi A8 (Bürgi & Partner)
Bronze (153) Mazda Eine 6 bekommen (J. Walter Thompson, Frankfurt)

Schwarze Zahlen, buntes TV

Lokal-TV Bei ZüriPlus bezahlen die angeschlossenen Produzenten, damit ihre Programme auf dem neuen Regionalsender abgespielt werden.

Lokal-TV Bei ZüriPlus bezahlen die angeschlossenen Produzenten, damit ihre Programme auf dem neuen Regionalsender abgespielt werden.Was lange währt, wird endlich gut – ist man im Falle von ZüriPlus versucht zu sagen. Denn der Nachfahre des ältesten Lokalfernsehens der Schweiz, des bereits 1982 auf Sendung gegangenen Hasli-TV, will vom Start weg schwarze Zahlen schreiben. Daran lassen die Aussagen von ZüriPlus-VR-Präsident Hans-Peter Meng keine Zweifel. Anlässlich der Präsentation des Senderkonzepts verkündete er vor staunendem Publikum: «Wir haben von Anfang an ein ausgeglichenes Budget.» Und: «Jede unserer Sendungen ist kostendeckend.»Simple Produktionsphilosophie
Was als Wunschtraum jedes privaten TV-Anbieters daherkommt, soll dank eines völlig neuen Geschäftsmodells Wirklichkeit werden, mit dem ZüriPlus am 31. März offiziell auf Sendung gehen will. Hinter dem ehrgeizigen Businessplan verbirgt sich eine ebenso bestechende wie simple Organisations- und Produktionsphilosophie, wie sie bisher in der Schweizer Lokal-TV-Landschaft einmalig ist. Denn ZüriPlus versteht sich als Abspielplattform für Produktionsfirmen, die für die Lieferung ihrer Inhalte nicht etwa Geld erhalten, wie das sonst üblich ist. Im Gegenteil: Die Produzenten bezahlen dafür, dass ihre Sendungen auf ZüriPlus ausgestrahlt werden. Wie hoch diese Beträge sind, war allerdings nicht zu erfahren.
Sieben Produktionsfirmen werden den neuen Sender alimentieren. Den Hauptanteil liefert die Polyvision AG, die ZüriPlus-Geschäftsführer Peter Steinmann gehört. Sie produziert sechs Sendungen («InfoPlus», «SiebenPlus», «Schnäppchen», «FitPlus», «Sport Z» und «GlobeTV»). Die TME-Group in Schlieren trägt zwei Sendungen bei («CasinoZ», «LiveGame»). Vier weitere Firmen sind für die Produktion je einer Sendung zuständig. Zu diesen zählen die Leguan Productions in Thun («RaveTV»), die Murmi Productions in Obfelden («Murmi»), die Cool TV Productions in Wetzikon («Cool TV») sowie die Firma VCS in Dübendorf («Der Hammer»).
Das Grundrezept für die von ZüriPlus gewählte Form der Plattformbewirtschaftung stammt von Steinmann selbst, der das Modell mit seinem «GlobeTV» bereits seit vier Jahren praktiziert – mit Erfolg, wie er sagt. Mittlerweile läuft die Sendung bereits auf acht Regional-TV-Stationen. Auch Steinmann bezahlt den Sendern Geld, damit diese «GlobeTV» in ihr Programm aufnehmen.
Vermarktung wird aufgebaut
Die zweite Einnahmequelle des Lokalsenders sind die Sponsoren, deren Beiträge allerdings direkt zu den Produktionsfirmen fliessen – als Deckungsbeitrag für deren Aufwand. Drittens rechnet ZüriPlus mit Einnahmen aus den interaktiven Sendungen «LiveGame» und «CasinoZ». Bei diesen beiden Formaten können sich Zuschauende via kostenpflichtige Nummern direkt am Geschehen beteiligen.
Auch normale TV-Werbung soll dereinst ein finanzielles Standbein werden. Allerdings fehlt dafür noch die Vermarktungsabteilung. Diese werde «in absehbarer Zeit» aufgebaut, sagt VR-Präsident Meng. Last, but not least werde sich ZüriPlus auch um Beiträge aus dem Gebührensplitting bemühen.
Budgetzahlen sind vom neuen Sender indessen nicht erhältlich. «Wir geben nur so viel Geld aus, wie wir einnehmen. Daher sind wir nicht in der Lage, von vornherein ein Jahresbudget festzulegen», erklärt Steinmann. Weil andererseits das Personal bei den Produktionsfirmen konzentriert ist, bleibt auch die Lohnliste des neuen Senders überschaubar. Vorgesehen ist zunächst ein Personalbestand von lediglich zehn Festangestellten, den man aber bis Ende Jahr noch aufstocken werde.
Inhalte nicht neu erfunden
Inhaltlich positioniert sich ZüriPlus mit einem 24-Stunden-Programm aus Information, Sport, Unterhaltung und Kinderprogramm. Dabei setzt der Sender auf die in der Lokal-TV-Szene bewährte Stundenschleife. Kernangebot ist ein täglich frisch produziertes Hauptprogramm, das jeweils von 19 Uhr bis 6 Uhr morgens wiederholt wird. Während der übrigen Stunden sind Unterhaltungsprogramme angesetzt, die im Wochenrhythmus erneuert werden.
«Wir können und wollen das Fernsehen nicht neu erfinden», erklärt VR-Präsident Meng. ZüriPlus verfolge die Philosophie, im bereits vorhandenen Programmangebot «jene Löcher zu stopfen, die noch nicht gestopft sind». Man werde sicher nicht versuchen, Tele Züri dort zu konkurrenzieren, wo dieser Sender seine Stärken habe. «Trotzdem wird es gewisse Überschneidungen geben», hält Meng fest.
Bei Tele Züri sieht man der neuen Konkurrenz gelassen entgegen. Andreas Meili, Leiter elektronische Medien bei Tamedia, erwartet «keine markanten Auswirkungen» auf seinen Sender. «Ich wünsche ZüriPlus Glück, bin aber sehr skeptisch, ob das recht unklare Konzept überhaupt funktionieren kann.» Der angekündigte Sender sei ein Potpourri aus Tele Züri, Unterhaltung, Kindersendung und Aerobic, meint Meili und fügt an: «Ein wirklich Erfolg versprechender neuer Sender müsste eine Nische fahren und Zuschauende mit Inhalten bedienen, die in der einen oder anderen Form nicht vorhanden sind.»
Claudia Steinmann, eine der Moderatorinnen von ZüriPlus: Ab Ende März offiziell im Äther und auf Kabel.
Vier HauptaktionäreDie Aktienmehrheit von ZüriPlus konzentriert sich bei den vier Hauptaktionären Peter Steinmann (Geschäftsführer ZüriPlus), Hans-Peter Meng (VR-Präsident der HTV-Fernsehen AG), René-Henri Isler (VR-Delegierter) sowie dem Public-Relations-Unternehmer Karl F. Schneider (VR-Mitglied). Diese vier Personen halten je rund 15 Prozent und kommen so zusammen auf gut 60 Prozent. Die übrigen Anteile verteilen sich auf weitere rund 130 Kleinaktionäre. Keine Aktien hält Redaktionsleiter Gian Meyerhofer, der seine Sporen bei Tele Züri, TV 3 und Tele M1 abverdient hatte. (dse)
Bis zur Grenze
Auf Grund seiner über 20-jährigen Vorgeschichte ist ZüriPlus einer der wenigen Privatsender, der mit einer terrestrischen Verbreitung ausgestattet ist. Damit kann das gesamte Gebiet vom Zürcher Oberland bis zur deutschen Grenze abgedeckt werden. Steinig war aber der Weg in die Kabelnetze. Verhandlungen mit der Cablecom erstreckten sich auf fast ein Jahr. Erst auf Intervention des Bundesamtes für Kommunikation und unter Berufung auf die Must-carry-rule (Artikel 42 RTVG) konnte die Aufschaltung schliesslich durchgesetzt werden. Seit kurzem ist nun ZüriPlus im Kabelnetz der Stadt Zürich präsent. Demnächst sollen das Zürcher Oberland und Winterthur folgen, mit deren Netzbetreibern man noch verhandle. (dse)
Daniel Schifferle

Sag mir, wo die Millionen sind

Tamedia Die elektronischen Medien des Zürcher Medienkonzerns machen einen Umsatzsprung und nehmen dennoch weniger ein als im Vorjahr.

Tamedia Die elektronischen Medien des Zürcher Medienkonzerns machen einen Umsatzsprung und nehmen dennoch weniger ein als im Vorjahr. Die Entwicklung der elektronischen Medien ist der einzige Lichtblick in den provisorischen Umsatzzahlen von Tamedia – sie verzeichnen einen Wachstumssprung von 104 Prozent. Durch die Konsolidierung der Belcom-Gruppe und die Übernahme von Radio Basilisk stieg der Umsatz von 13 auf 26 Millionen Franken.Verwirrend ist nur, dass der Geschäftsbericht 2001 für die elektronischen Medien einen Umsatz von 27,6 Millionen Franken verbuchte. Wohin ist die Differenz von 14,6 Millionen Franken verschwunden? Und ist der Umsatz also letztlich gesunken?
Buchhalterische Umlagerungen
Regula Tschopp, Leiterin Investor Relations (IR) bei Tamedia, löst das Rätsel: Die Produktionsfirma Condor Communications sei nun im Bereich Services aufgeführt, erklärte sie auf Anfrage der Werbewoche. Im Rahmen einer Reorganisation im vergangenen Sommer habe Unternehmensleiter Martin Kall die Geschäftstätigkeit neu in die vier Bereiche Zeitungen, Zeitschriften, elektronische Medien und Services gegliedert, während die Printmedien zuvor zusammengefasst waren. Dabei seien gewisse Umgruppierungen vorgenommen worden, zu denen auch Condor zähle.
Wäre Condor bei den elektronischen Medien verblieben, ergäbe sich dort für 2002 ein Zuwachs von lediglich rund 45 Prozent. Der Umsatz der Services von 2001 wurde durch die Reorganisation von 81,2 Millionen auf 100 Millionen Franken erhöht. Die jetzt knappe Steigerung (um 1 Prozent) auf 101 Millionen Franken entspräche gegenüber dem zuvor ausgewiesenen Betrag einem Plus von rund 24 Prozent.
Der Unterschied erklärt sich nicht ausschliesslich durch den Wechsel von Condor. Der Umsatz der Produktionsfirma dürfte sich auch in diesem Jahr auf etwa 15 Millionen Franken belaufen. Regula Tschopp wollte zwar keine Zahlen nennen. Sie merkte aber an, Condor habe sich im Allgemeinen nicht schlecht entwickelt und gehöre nicht zu den «Sorgenkindern».
Tamedia-Sprecherin Franziska Hügli erklärte dazu, die Reorganisation der Geschäftsbereiche habe weitere Verschiebungen gebracht, die sich ebenfalls auf die Umsatzzahlen auswirkten und sie nur beschränkt mit jenen des Vorjahres vergleichbar machten. «Ich würde mich nicht in solche Detailrechnungen versteigen», mahnte sie gegenüber der Werbewoche. Sie verwies auf die Bilanzpressekonferenz vom 19. März.
Ohne weiteres vergleichbar bleibt der Gesamtbetriebsertrag des Konzerns. Tamedia erwirtschaftete im Jahr 2002 639 Millionen Franken, was einen Rückgang um 15 Prozent bedeutet. Im Jahr zuvor war der Umsatz bereits um 8 Prozent geschrumpft. Am unerfreulichsten entwickelte sich der Bereich Zeitungen, wo 22 Prozent weniger umgesetzt wurden. An der Börse überraschte die schlechte Entwicklung offenbar niemanden mehr: Der Kurs der Tamedia-Aktie stieg am Tag der Bekanntgabe sogar um 1,6 Prozent auf 61.50 Franken.
Auch für den Konzern selbst soll der Rückgang keine weiteren Kon-sequenzen haben. IR-Leiterin Tschopp erklärte, mit dem Effizienzprogramm «Focus» von 2001 habe Tamedia schon früh die Weichen gestellt. Im vergangenen Herbst wurden nochmals 28 Stellen im Backoffice, im Verlag und in der Technik abgebaut. Gemäss Tschopp sollten diese Sparmassnahmen ausreichen. Dabei gehe Tamedia von einer unverändert schlechten konjunkturellen Entwicklung mit einer weiteren Abnahme der Stelleninserate um 15 Prozent aus. Nicht berücksichtigt seien die Folgen eines allfälligen Kriegs gegen den Irak.
Tamedia-Aktien sind nur noch ein Viertel des Ausgabepreises wertBei 260 Franken war die Tamedia-Aktie im Oktober 2000 an der Börse gestartet. Von den Kursfantasien rund um die Medienbranche ist nichts mehr übrig geblieben. Mitte Februar fiel der Kurs des früheren Familienunternehmens erstmals unter 60 Franken. Eine Entwicklung, die VR-Präsident Hans Heinrich Coninx Kopfschmerzen bereiten dürfte.
Als Heilmittel böte sich der Rückkauf der Aktien durch die Familie an. Dass Tamedia in ihrem dritten Börsenjahr ein Going Private plane, will jedenfalls die NZZ in Marktkreisen vernommen haben.
Hans Heinrich Coninx: Sorgen um Aktienkurs.
Stefano Monachesi
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