Edelweisser Sonntag

Frauenzeitschriften In diesen Tagen ist die erste deutschsprachige Ausgabe von Edelweiss auf den Markt gekommen.

Frauenzeitschriften In diesen Tagen ist die erste deutschsprachige Ausgabe von Edelweiss auf den Markt gekommen.Das neue Produkt aus dem Ringier-Verlag will gleich von Beginn weg angriffig gegen die grosse Konkurrenz bei Frauentiteln auftreten. Nächsten Sonntag soll in einer Werbeaktion das Heft im Doppelpack für nur sechs Franken zusammen mit dem SonntagsBlick angeboten werden. Die deutschsprachige Ausgabe kostet am Kiosk 6.50, die welsche Ausgabe 6 Franken.

Urin stinkt schon lange nicht mehr

Ambientwerbung Eine Firma bietet nicht nur WC-Werbeflächen, sondern gleich ganze Pissoirs an, die ihre Kontakte selbst zählen – und ohne Wasserspülung funktionieren.

Ambientwerbung Eine Firma bietet nicht nur WC-Werbeflächen, sondern gleich ganze Pissoirs an, die ihre Kontakte selbst zählen – und ohne Wasserspülung funktionieren. Was für ein Glück, dass der FC Basel am 8. März beim Meisterschafts-Heimspiel gegen den FC Servette doch kein Geisterspiel austragen, sondern nur einen kleinen Teil seiner Fans aussperren muss. Die Erleichterung ist nicht nur beim Kassenwart des FCB gross. Sie ist auch bei Bluewin mit Freude aufgenommen worden. Denn jeder ausgesperrte Fan ist für den Internetprovider ein Kontakt weniger, und Bluewin hat eben entschieden, just ab März sechs Monate lang, möglichst viele Männer auf 66 der 200 St.-Jakob-Park-Pissoirs anzusprechen: Mittels Display auf dem oberen Pissoirrand. Das Gerangel um die Werbung am stillen Örtchen macht erfinderisch: Während der durchschnittlich 40 Sekunden dauernden Pinkelphase hat Bluewin Gelegenheit, eine Werbebotschaft an den sich erleichternden Mann zu bringen. Damit die Werbung auch wirklich ins Auge springt, leuchtet das Display dank Sensor auf, sobald man(n) sich dem Pissoir nähert. «Die Aufmerksamkeit für Ihre Werbebotschaft ist enorm! Zappen und wegschauen unmöglich!!! Der Werbung auf dem Urimat-Info kann niemand ausweichen», wirbt die Pissoir-Herstellerfirma Urimat Schweiz AG mit Sitz im zürcherischen Tann auf ihrer Homepage.
130 McDonald’s-Filialen
Werbung am stillen Örtchen ist nicht neu, andere Firmen machen dies schon länger (WW 1/03). Doch Urimat bietet nicht bloss leuchtende Werbeflächen an, deren Kontakte dank des Sensors auch gezählt werden können. Nein, die Firma verkauft ganze Pissoirs, die ohne Wasserspülung oder Chemie funktionieren. Das ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch interessant: McDonald’s Schweiz zum Beispiel hat ihre 130 Filialen mit Urimat-Pissoirs ausgerüstet und spart jetzt um die 30 Millionen Liter Trinkwasser pro Jahr. Das allein ist schon viel Geld. Dass sich aber mit jedem vermieteten Display auch Einnahmen generieren lassen, ist für die Fastfood-Kette ein willkommenes Trinkgeld – und für die 1998 von Diplomingenieur Hans Keller gegründete Firma Urimat ein zusätzliches Verkaufsargument.
Offenbar ein erfolgreiches: In der Schweiz sind bereits 1700 Anlagen mit Werbedisplays in Flughäfen, Autobahnraststätten, Hotels, Fitnesscentern oder Stadien installiert.
Urimat zielt auf die EM 2008
Neben dem St.-Jakob-Park ist auch die neue Basler Eishalle sowie das Stade de Genève, das am 16. März eröffnet wird, mit solchen Pissoirs bestückt. Damit nicht genug. Mit den Bauherrschaften diverser weiterer neuer Stadien in der Schweiz und Österreich laufen Verhandlungen. Dahinter steckt eine Strategie: «Auf die Fussball-EM 2008 hin will Urimat einen Pissoir-Werbeflächen-Pool in allen schweizerischen und österreichischen EM-Stadien anbieten», sagt Marcel Näpflin, bei Urimat Schweiz zuständig für Marketing und Sales.
Im Vergleich zu anderen Anbietern von WC-Werbung ist eine Belegung der bestehenden Urimat-Werbeflächen auf den ersten Blick nicht billig: Die 250 Displays bei McDonald’s kosten beispielsweise je 200 Franken pro Monat. Mit 1,125 Millionen 40-sekündigen männlichen Kontakten kommt der Kunde dann aber auf einen Tausender-Kontaktpreis von 44.40 Franken. Der Nachteil an der Einrichtung ist der, dass sich nur pinkelnde Männer ansprechen lassen – aber nicht mehr lange. Denn bereits ist Uridam in Entwicklung – ein Modell für Frauen, das ebenfalls ohne Wasserspülung funktioniert.
Urimat ist auch im Ausland aktiv. Abgesehen von Österreich auch in Deutschland, Mexico und Dubai. Zudem laufen derzeit Verhandlungen mit McDonald’s Europa für die Gesamtumrüstung aller Filialen europaweit. Allein in Deutschland und Österreich werden 2500 weitere Pissoirs eingerichtet.
Die Expansion ins nicht-deutschsprachige Ausland bereitet der Firma, die in diesem Jahr mit einem Umsatz von 4 Millionen Franken rechnet und erstmals schwarze Zahlen schreiben will, auch Kopfschmerzen. Zum einen möchte Urimat ihre Anlagen nur in Ländern installieren, in denen sie auch einen einwandfreien Service gewährleisten kann. Damit auf die derzeit acht Mitarbeiter dennoch kein logistischer Kraftakt zukommt, will man trotz des Erfolgs nur langsam expandieren. Der ganze Werbeverkauf muss ja auch noch auf die Beine gestellt werden. «Wir suchen für Deutschland und Österreich – und später für andere Länder – geeignete Akquisiteure», bestätigt Näpflin.
Im Basler St.-Jakob-Park wirbt Bluewin nun sechs Monate lang auf der Klo-Oberfläche.
140 Euro im MonatBei Urimat steht der Werbeverkauf noch am Anfang. «Zuerst verkauften wir Pissoirs mit Werbeflächen, die jeder Besitzer selbst vermieten konnte. Neu verkaufen wir Werbeflächen in Form umweltfreundlicher Pissoirs. Und die wollen wir nun zu einem Netzwerk bündeln. Wenn wir zentral Werbung akquirieren, ist das einfacher, als wenn dies jeder einzelne Besitzer eines Urimat-Pissoirs tut», erklärt Marketingleiter Marcel Näpflin. Seit August wird eine Werbeabteilung aufgebaut. Zudem spannt man im Werbeverkauf exklusiv mit Mediabox zusammen. Wer Urimat die Flächen verpachtet, erhält je nach Standort zwischen 35 und 140 Euro pro Monat. So konnten schon nationale Kampagnen von Swisscom Mobile, Walt Disney, Buena Vista und auch von Bluewin für die Pissoir-Displays gewonnen werden. (mk)
Markus Knöpfli

Zahl der Woche

90 Mio US-DollarSponsoring Alinghi gibt ihre Projektkosten für den America’s Cup offiziell mit 90 Millionen Dollar an. Davon stammen zwei Drittel vom 38-jährigen Genfer Unternehmer Ernesto Bertarelli. Die 30 restlichen Sponsoring-Millionen stamme

90 Mio US-DollarSponsoring Alinghi gibt ihre Projektkosten für den America’s Cup offiziell mit 90 Millionen Dollar an. Davon stammen zwei Drittel vom 38-jährigen Genfer Unternehmer Ernesto Bertarelli. Die 30 restlichen Sponsoring-Millionen stammen von zwei Haupt- (UBS und Infonet), zwei Co-Sponsoren (Audemars Piguet und Riri) und einer Mehrzahl an Official Suppliers. Ge-messen an der globalen Medienpräsenz sicher eine rentable Investition.

Reportage und Werbung

Fotografie Marlies Lanker hat eine Agentur für Fotografen gegründet.

Fotografie Marlies Lanker hat eine Agentur für Fotografen gegründet. Von 1992 bis 2000 wurde sie in der Szene geschätzt als umtriebige Pressereferentin des Schauspielhauses Zürich. Ihre grosse Leidenschaft galt aber schon lange vorher der Fotografie. Lanker absolvierte zwei Volontariate bei Magnum Photos in New York und war zuletzt zuständig für International Sales and Corporate Relations bei der Agentur Lookat Photos in Zürich. Nun vertritt sie als eigenständige Repräsentantin Fotografen und garantiert als Producerin die Organisation und Abwicklung von Shootings.«Einige Mitglieder unserer Agentur sind Topshots auf dem Gebiet der Reportagefotografie. Ihre Erfahrungen geben der Werbewelt neue Impulse», ist Lanker überzeugt. So vertritt sie zum Beispiel eines der wichtigen, preisgekrönten Still-Life-Duos Staudinger + Franke aus Wien sowie unter anderen Magdalena Caris, Robert Huber, Andreas Schwaiger, Tomas Muscionico oder Claus Rudolph.
Die Agentur (www.marlieslan ker.ch) will sich auch auf das Crossover von Reportagefotografie und Werbefotografie ausrichten. «Da Reportagefotografen meistens in Kontakt mit ‹real people› stehen, bringen sie ihr kreatives Wissen und ihre weltweit gemachten Erfahrungen ein», sagt Lanker.
(pan)

Cover Media mit neuen Radio- und TV-Daten

Ab sofort ist bei The Cover Media das Handbuch Radio- und TV-Mediadaten 2003 erhältlich.

Ab sofort ist bei The Cover Media das Handbuch Radio- und TV-Mediadaten 2003 erhältlich.Ab sofort ist bei The Cover Media das Handbuch Radio- und TV-Mediadaten 2003 erhältlich. Die rund 50 Seiten umfassende
Broschüre gibt einen Überblick über Tarife, Rabatte, Pools, Sendegebiete und vieles andere mehr der privaten Radio- und TV-Stationen. Sie kann kostenlos unter info@covermedia .ch oder Fax 01 430 06 11 bezogen werden.

Ein Werber erobert die Bühne

People Die Zeit wird immer schnelllebiger.

People Die Zeit wird immer schnelllebiger.Brauchte es früher ein ganzes Lebenswerk sowie einige Jahre «Ruhe in Frieden», bis eine Figur als historisch angesehen und damit vielleicht in einem Drama verewigt worden ist, so reichen heute bereits ein paar Monate Headlines und ein Logo, damit ein Charakter Bühnenreife erhält. «Das ist doch Tyler Brûlé», raunten jedenfalls alle im Publikum, als ein junger Typ mit unverkennbarer Werberfrisur am letzten Samstag durch das neueste Stück von Christoph Marthaler geisterte. Im Zürcher Schauspielhaus durfte die Brûlé-Parodie einen Art Director mimen und bei der heftig applaudierten Revue «Groundings» in einer Präsentation darlegen, wieso er als Werbung für die Swiss am liebsten Plakate mit nichts anderem als einer grauen Fläche aufhängen würde. Dazu hat der Bühnen-Brûle mehrmals sehr eigenartig gezuckt und mit Hilfe eines Bühnentricks dreimal veritabel auf die Bretter gekotzt, die bekanntlich die Welt bedeuten. «Der kokst», raunte es im Publikum. Aber im Programmheft konnte man beruhigt nachlesen: «Jede Ähnlichkeit mit ähnlichen Figuren ist rein zufällig.»

SFLB für Flims

Flims Laax Falera arbeitet ab sofort mit der Zürcher Werbeagentur Spillmann Felser Leo Burnett (SFLB) zusammen.

Flims Laax Falera arbeitet ab sofort mit der Zürcher Werbeagentur Spillmann Felser Leo Burnett (SFLB) zusammen.Mit dem Skigebiet, das unter der Marke Alpenarena.ch auftritt, wechselt ein weiterer Kunde von Advico Young & Rubicam zur neuen Agentur des ehemaligen Advico-Führungsteams. SFLB wird für den gesamten Markenauftritt sowie für konkrete Angebote der Alpenarena verantwortlich sein. Erste Massnahmen sollen Anfang März zu sehen sein.

«Man muss das Medium Zeitung nicht neu erfinden»

Anzeigenmarkt Publipresse-Generaldirektor Otto Meier hats derzeit schwer mit seiner Zeitungs-Unit. Doch für das zweite Halbjahr sieht er einen verlangsamten Aderlass bei den Anzeigenerlösen der Printmedien voraus.

Anzeigenmarkt Publipresse-Generaldirektor Otto Meier hats derzeit schwer mit seiner Zeitungs-Unit. Doch für das zweite Halbjahr sieht er einen verlangsamten Aderlass bei den Anzeigenerlösen der Printmedien voraus.WW Die Tageszeitungen stecken in einer tiefen Krise. Es sieht so aus, als würden sie einen wesentlichen Teil ihrer Bedeutung verlieren – und dies sowohl im Werbe- als auch im Lesermarkt. Wie schlimm steht es wirklich?Otto Meier Tageszeitungen stehen nicht zum ersten Mal vor einer solchen Situation. Anfang der Neunzigerjahre gab es eine Durststrecke. Und Mitte der Neunzigerjahre verzeichneten wir ebenfalls einen Einbruch, der indes nicht so stark ausfiel. Damals war die Situation auch nicht besonders gemütlich. Im Moment müssen die Zeitungen mit deutlich geringeren Einnahmen auskommen. Deshalb kommt praktisch kein Verlag darum herum, zu sparen und Synergien zu suchen.
Zeitungen sind aber mit einem doppelten Bedeutungsverlust konfrontiert. Einerseits im Werbemarkt – aber noch gravierender erscheinen die Verluste im Lesermarkt, unter denen etwa Tages-Anzeiger und Berner Zeitung besonders stark leiden. Zudem zeigte die kürzlich veröffentlichte Univox-Studie für Tageszeitungen einen anhaltenden Reichweitenverlust auf. Macht das nicht Angst?
Diese Situation würde dann Angst erwecken, wenn man nicht wüsste, weshalb das so ist. Der Auflage- und Leserverlust, den Tages-Anzeiger und Berner Zeitung erleiden, ist zu einem wesentlichen Teil auf die Existenz von 20 Minuten zurückzuführen. Diese Zeitungen sind wohl gezwungen, entsprechende Massnahmen zu ergreifen. Der Tages-Anzeiger hat mit dem Projekt «Express» bereits einen Schlachtplan aufgestellt.
Der «Express» wird aber die Probleme des Tages-Anzeiger nicht wirklich lösen können.
Das ist richtig. Aber Tamedia kann diesen Markt künftig mit einem eigenen Produkt abdecken. Das heisst, die Konkurrenzierung des Tages-Anzeiger bleibt dann zumindest inhouse.
Und wenn die neue Pendlerzeitung nicht die erwünschten Inserateeinnahmen bringt? Wie man von 20 Minuten weiss, schreibt diese Zeitung – trotz Grosserfolg im Publikumsmarkt – noch keine schwarzen Zahlen.
Ich persönlich bin mir gar nicht so sicher, ob das Businessmodell Pendlerzeitung jemals Erfolg haben wird. Andererseits reagiert der Werbemarkt im Allgemeinen mit einem gewissen Timelag, das ist nichts Neues. Ich kann mir daher auch durchaus vorstellen, dass die Situation für 20 Minuten auf Jahre hinaus anders aussehen könnte – sofern die Pendlerzeitung überhaupt so lange durchhält.
Haben die Zeitungen tatsächlich nur im Bereich der jungen Leserinnen und Leser Probleme?
Nein, das Problem betrifft – in geringerem Ausmass – auch die mittleren Altersgruppen. Auch diese bekommen mit 20 Minuten ein Medium serviert, das gewisse Lesebedürfnisse durchaus abdecken kann. Trotzdem scheinen mir die Jungen der wichtigste und zugleich der schwierigste Bereich für die Tageszeitungen zu sein. Wenn man die Jungen nicht mehr gewinnen kann, dann hat man ein grosses Problem in der Zukunft.
Der Medienwissenschaftler Heinz Bonfadelli und der Zukunftsforscher Josef Trappel vertraten unlängst in der Werbewoche unisono die Meinung, Zeitungen kämen nicht darum herum, für die Zukunft neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Sehen Sie das auch so?
Zeitungen müssen sich den wandelnden Lesebedürfnissen anpassen. Wenn ich aber die Univox-Studie richtig interpretiere, dann haben auch andere
Massenmedien wie etwa das Fernsehen an Stellenwert eingebüsst. Und dies zu Gunsten der Individualkommunikation im Internet. Dieser Trend wird eher noch zunehmen.
Zukunftsforscher Josef Trappel befürchtet sogar, Zeitungen würden bis 2006 keinerlei Rezepte gefunden haben, um ihren Bedeutungsverlust aufzufangen.
Da bin ich anderer Meinung. Wir haben in der Deutschschweiz eine Sonntags Zeitung und einen SonntagsBlick, die hervorragend funktionieren. Diese beiden haben trotz eines dritten Sonntagsblatts, der NZZ am Sonntag, überhaupt nichts von ihrem Stellenwert im Lesermarkt verloren. Ähnliche Erfolge gibt es auch in der Westschweiz. Zum Beispiel mit Le Matin Dimanche, der bereits auf einsamer Höhe segelt und sich gleichwohl weiterhin positiv entwickelt. Oder Le Matin Semaine im Tabloidformat – auch dies ist ein neues Zeitungsmodell, das sehr erfolgreich funktioniert. Nicht vergessen darf man den ganzen Bereich der Lokalzeitungen. Sie leiden wenig bis gar nicht unter der aktuellen Krise sowohl im Leser- als auch im Anzeigenmarkt. Das hat damit zu tun, dass diese Blätter im Lokalbereich Exklusivleistungen erbringen und daher nach wie vor hervorragend im Markt liegen.
Zeitungen leiden am meisten in den städtischen Agglomerationen – ist dies tatsächlich nur auf 20 Minuten zurückzuführen? Steckt nicht ein grundsätzliches Malaise dahinter?
Die Pendlerzeitung trägt viel zum Problem bei. Andererseits ist in den urbanen Gebieten die Medienvielfalt und damit die gegenseitige Konkurrenzierung natürlich viel grösser. Das Wichtigste scheint mir aber,
dass die lokalen Zeitungsmärkte grundsätzlich weniger konjunkturabhängig sind. Sie profitierten in den Boomjahren viel weniger bei den Stellenanzeigen und den Dotcom-Firmen. Entsprechend hat die Lokalpresse auch nicht Strukturen aufgebaut, die schliesslich zu gross wurden. Sie hat immer schlanker operiert, und das hilft ihr natürlich in der jetzigen Situation über die Runden.
Publipresse, deren Generaldirektor Sie seit Oktober sind, leidet ja ganz
besonders unter der Zeitungskrise. 2002 hat sie 13 Prozent ihres Umsatzes eingebüsst, nachdem bereits im Jahr davor 4 Prozent weggefallen waren. Und auch fürs laufende Jahr rechnet die «P» mit einem Rückgang von
5 Prozent. Wann kommt der Abwärtstrend Ihrer Meinung nach zum Stillstand?
Wenn ich das wüsste! Aber zumindest rechne ich ab dem zweiten Halbjahr mit einer Verlangsamung des Abwärtstrends. Man muss sehen, dass jene Anzeigensegmente, die in den vergangenen 18 bis 24 Monaten für das Minus sorgten – Finanzwerbung, Dotcom-Firmen, Versicherungen – jetzt langsam an der Bottom Line angekommen sind. Andererseits werden Anzeigensegmente, die bisher stabil geblieben sind, weiterhin stabil bleiben. Man darf auch nicht übersehen, dass Grossverteiler, Warenhäuser und der ganze Automarkt ihre Werbeinvestitionen nicht zurückgeschraubt haben. Gedämpft optimistisch bin ich allerdings nur unter dem Vorbehalt, dass uns weltpolitisch nicht ein absoluter Streich gespielt wird. Wenn der Krieg gegen den Irak losgeht, ist das noch nicht so dramatisch für unser Anzeigengeschäft. Aber wenn dieser Krieg in Europa möglicherweise eine Terrorwelle auslösen würde, dann hätten wir eine deutliche Verschärfung der Krise.
Ein bisschen frustrierend muss es für Sie ja schon sein, dass Sie den Posten als Generaldirektor der Publipresse just dann antraten, als die lange Party der Printmedien zu Ende war. Steht Publipresse vor einer Neudefinition beziehungsweise Redimensionierung ihrer Businesspläne?
Das Geschäftsmodell ändern wir deswegen nicht. Aber wir müssen unsere Strukturen an das anpassen, was der Markt hergibt. Wir haben am 1. Oktober 2002 ein Fitnessprogramm gestartet, das noch bis Ende dieses Jahres weiterläuft. Damit können wir – zumindest in Teilbereichen – die sinkenden Einnahmen auffangen. Was meine persönliche Situation betrifft: Man sagt oft, es sei gescheiter, einzusteigen, wenn das Geschäft am Boden ist. Dann kann man brillieren, wenn es wieder nach oben geht.
Bereits 2002 hat Publipresse 8 Prozent ihrer Stellen abgebaut, im laufenden Jahr soll die Reduktion der Mitarbeitenden sogar 8 Prozent übersteigen – das tut weh.
Auch wir kommen nicht ganz um Kündigungen herum, aber der Abbau kann grösstenteils über Fluktuationen aufgefangen werden. Publipresse hat eine junge, beruflich mobile Mitarbeiterschaft, weshalb bei uns sogar in Krisenzeiten wie den aktuellen die Fluktuationsrate bei rund zehn bis fünfzehn Prozent liegt. Von unseren insgesamt 1500 bis 1600 Mitarbeitenden sind das also mindestens 150 – etwa so viel, wie wir bis Ende 2003 abbauen.
Die Printwerbung macht gut drei Viertel des Umsatzes der PubliGroupe aus (2002: 76,5 Prozent). Jetzt scheint dieser Anteil nachhaltig zu schrumpfen. Halten Sie es für möglich, dass der Anteil in den nächsten fünf Jahren unter drei Viertel sinken könnte?
Das ist absolut denkbar. Aber nur deshalb, weil neue Geschäftsbereiche der PubliGroupe an Gewicht gewinnen werden, und nicht etwa, weil Publipresse mittel- oder langfristig schrumpfen könnte. Die PubliGroupe ist ständig daran, neue Geschäftsfelder zu suchen. Dies geschieht aber mehr im Ausland als in der Schweiz.
In welcher Rolle sieht sich Publipresse bei der Erneuerung der Zeitungen? Die «P» hält ja an vielen Zeitungen Beteiligungen und trägt damit auch direkte Mitverantwortung. Zum Beispiel könnte sie ein Forum für die Zeitung der Zukunft einrichten.
Teil der Philosophie unserer Beteiligungen ist, dass wir nicht in verlegerische oder gar in redaktionelle Belange drein reden. Ganz egal, wie gross oder wie klein die entsprechende Beteiligung ist. Andererseits verfügt die PubliGroupe dank ihres internationalen Netzwerks über Wissen, wie sich die Zeitungen in anderen Märkten entwickeln. Dieses Know-how ist sicher auch wertvoll für die Schweiz. Man kann und muss das Medium Zeitung weiterentwickeln, neu erfinden muss man es aber meiner Meinung nach nicht. Weiterentwickeln kann zum Beispiel auch bedeuten, dass man Zeitungen eins zu eins ins Internet stellt. So, wie es etwa die neuen
E-Paper machen – und damit neue Lesende generieren.
Ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten ist die PubliGroupe mit zusätzlichem Ungemach konfrontiert: Im November 2002 eröffnete die Wettbewerbskommission (Weko) eine Untersuchung, bei der die Marktmacht der «P» unter die Lupe genommen wird. Wann erwarten Sie einen Entscheid?
Das wird sicher noch Monate dauern. Die Weko hat an die Eigenregieverleger und die Vermittler Fragebogen verschickt. Auch wir haben logischerweise einen solchen erhalten. Unser Ziel ist es, einen positiven Beitrag zu dieser Untersuchung zu leisten. Wir haben auch gar nichts zu verstecken und betrachten diese Untersuchung als Chance, unsere Rolle transparenter zu machen, als sie vielleicht bisher war. Und als Gelegenheit auch, unseren Beitrag und unsere wichtige Funktion für die Schweizer Presse darzustellen.
Otto Meier: Leidensdruck im Printmarkt gibt nach.
Auch die PubliGroupe-Aktie testet immer wieder neue Tiefststände: Am Montag gab sie über 8 Prozent nach und auch am Dienstag tendierte sie negativ.
PubliGroupe-Aktien haben in drei Jahren 90 Prozent ihres Werts verlorenFast 2000 Franken war die PubliGroupe-Aktie im ersten Halbjahr 2000 wert. Die Notierung galt als historischer Höchststand. Als die Kursfantasien in der Medienbranche zusammenbrachen, wurden auch die PubliGroupe-
Aktien mit in den Abwärtssog gerissen. Bis Ende 2000 brachen die Titel um mehr als die Hälfte auf rund 800 Franken ein. Und auch danach ging der Sinkflug weiter. Den bisherigen Tiefststand erreichte die PubliGroupe-Aktie am 10. Februar 2003, als der Titel noch für 180 Franken gehandelt wurde. Danach ging es zwar wieder etwas aufwärts, trotzdem war der Valor am vergangenen Dienstagmorgen mit 200 Franken 10 Prozent weniger wert als zu Jahresbeginn. (dse)
Interview: Daniel Schifferle

«P»-Index vor Rekordtief

Anzeigen Der Publicitas-Index, der die Entwicklung der Werbeausgaben in der Tagespresse misst, ist im Januar um 1,2 Punkte auf 104,9 Punkte gefallen.

Anzeigen Der Publicitas-Index, der die Entwicklung der Werbeausgaben in der Tagespresse misst, ist im Januar um 1,2 Punkte auf 104,9 Punkte gefallen.Ähnlich tief (104,8 Punkte) stand er zuletzt im August 1997 am Wendepunkt eines Einbruchs, der Anfang 1996 begonnen hatte. Den erneuten Rückgang erklärte Publicitas mit Zurückhaltung der Grosskunden in den Sektoren Tourismus und Bekleidung sowie einem Rückgang der politischen Inserate und Todesanzeigen. Der Stellenindex sank um 7,7 auf 168,8 Punkte.

Bakom unterstützt Bildung und Forschung

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) nimmt ab sofort Gesuche um finanzielle Beiträge für die Medienforschung und die Aus- und Weiterbildung von Radio- und Fernsehschaffenden entgegen.

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) nimmt ab sofort Gesuche um finanzielle Beiträge für die Medienforschung und die Aus- und Weiterbildung von Radio- und Fernsehschaffenden entgegen.Unterstützung gewährt das Bakom Forschungsprojekten, die 2003 begonnen werden und sich bevorzugt der Medienkonzentration in der Schweiz oder Medien-, Kommunikations- und Kulturräumen der Schweiz widmen (mit Blick auf Radio und TV). Weitere Angaben bieten Eingabeunterlagen, die entweder auf www.bakom.ch oder unter Tel. 032 327 55 32 erhältlich sind.

Teurer Sport

Samuel Helbling über Ökonomie und Spitzensport

Samuel Helbling über Ökonomie und SpitzensportMit Sportsendungen generieren TV-Stationen weltweit die höchsten Einschaltquoten. Verständlich, dass Sportmanager astronomische Summen für ihre TV-Rechte verlangen. Zu den teuren Rechten gesellen sich die hohen Produktionskosten. Wer die Ausstrahlungsrechte für einen Topevent erwirbt, muss diesen fernsehgerecht inszenieren.Der Vermarktung des Spitzensports bläst nach den von Masslosigkeit geprägten Boomjahren ein steifer konjunktureller Wind entgegen. Nach der Pleite des Zuger Sportmarketing-Riesen ISL und dem Niedergang des Medienkonzerns Kirch leidet die Branche unter einer anhaltenden Baisse (siehe Seite 9). Doch anders als beim Kultursponsoring können die Investoren beim Sport davon ausgehen, dass sie mit Spitzenqualität auch die Massen erreichen. Die Kommerzialisierung vieler Lebensbereiche wird von kulturkritischer Seite oft mit dem Argument beklagt, sie begünstige die Produktion minderer Qualität. Das mag vielleicht für die Kultur, die Religion oder den Tourismus zutreffen. Für den Sport gilt dies nicht: Wo es beim Sport um viel Geld geht, steigt das Niveau der Darbietungen, fallen Rekorde, nimmt die Dynamik zu. Nur logisch, dass die Sportfunktionäre betonen, dass nicht die Wirtschaft den Sport instrumentalisiere. Es ist umgekehrt: Der Sport bedient sich vielmehr ökonomischer Ressourcen, um besser zu werden.
> Samuel Helbling, Chefredaktor

Frische Brise aus Brasilien

André Engert Morales sieht für sich und seine AdZürich das Werbejahr 2002 als das «Jahr der Kleinen».

André Engert Morales sieht für sich und seine AdZürich das Werbejahr 2002 als das «Jahr der Kleinen».Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater stammt aus Mexiko, und zur Welt kam er in Brasilien. Seine wesentliche Ausbildung zum Werber besorgte er sich an der Filmhochschule in München, und für seine Agentur AdZürich lebt er – nomen est omen – in der Limmatstadt. Nicht genug. André Engert Morales spricht sechs Sprachen und besitzt mehrere Pässe. Nur den mexikanischen mochte er partout nicht annehmen, weil die Aussicht auf Militärdienst dort «nicht lustig» gewesen wäre. Morales hat in Brasilien Industriedesign studiert. Aber in dem südamerikanischen Land versteht man darunter so viel wie ausländische Produkte anpassen, «damit Patente umgangen werden können». Mehr Entfaltung brachte ein Job in Mexiko. Dort half er mit, für den Staat ein modulares Bausystem zu entwickeln, von dem die Ärmsten unter Mexikos Bevölkerung profitieren sollten. Zurück im TV-Eldorado Brasilien, entdeckte er seinen Sinn für Bilder und TV-Spots. In der Agentur Almap/ BBDO realisierte er als CD fast zehn Werbefilme pro Monat. Und mit diesem Training on the job flog Morales nach Deutschland. Sein Thema bei der Aufnahmeprüfung für die Filmhochschule in München war «Flüchtlinge als menschliches Problem». Eine Schlüsselszene daraus drehte er auch in der Schweiz.
Als ehemaliger Schüler der Schweizerschule in Rio hatte er schnell den Draht zur hiesigen Kultur gefunden. So ist er 1990 schliesslich in Zürich hängen geblieben. Zuerst als AD bei Scotti. Dann wurde er bei McCann einer von vier CDs, pendelte zwischen Zürich und Genf und betreute vor allem die Budgets für Reynolds.
«Kleiner, mit Erfahrung in Grossagenturen», war seine Empfehlung, als er 1995 sein eigenes Agenturbüro AdZürich gründete. Zu seinen wichtigsten Kunden gehört die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Mit Werbung fürs Literaturhaus, Bernhard Littéraire, das Theater Spektakel und andere Sponsoring-Projekte der ZKB rutschte AdZürich immer mehr in den Kulturbereich hinein. Seit sieben Jahren arbeitet Morales aber auch für die französische Regierung. Seine Kampagnen sollen Schweizer Industrielle zu Investitionen in Frankreich bewegen. Mit Brasilien bleibt er über den ADC in Rio verbunden, für den er in Artikeln über die Werbeszene in Europa berichtet.
Was das Schweizersein betreffe, habe er sich früher immer versucht anzupassen. Aber «eigentlich ist frischer Wind hier gefragt. Ein guter Moment, um anders zu denken.» So, wie man neben den grossen Einkaufszentren auch wieder Lust für einen Einkauf im kleinen Quartierladen verspüre, könne es auch in der Werbung vielleicht wieder einmal laufen. «2002 war das Jahr der Kleinen, die an sich und ihre eigene Leistung glauben», ist er überzeugt.
Zwölf Jahre war Morales mit einer Schweizerin verheiratet. Weil seine Frau früher bei der Swissair arbeitete, ist er in dieser Zeit oft für ein Weekend nach Kapstadt oder Peking gejettet. Auf diesen Kurztrips hat er auch eine Dokumentation über Hotelportiers oder eine Reportage über Clubs in Kapstadt gedreht. Als Musikliebhaber arbeitet er an einer Dokumentation über Musik. Er will Konzerte mit Bildern unterlegen. «Musik ist die Hälfte des Lebens, der Rest ein gutes Storyboard, um es zu illustrieren.»
Andreas Panzeri
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