Uli Rubner zieht nach Kontaktanzeigen

Nun kooperieren auch Weltwoche und Bilanz mit Parship.

Nun kooperieren auch Weltwoche und Bilanz mit Parship.Mit dem Jean Frey Verlag verfügt der Hamburger Internet-Partnervermittler Parship seit Anfang Juli (Weltwoche) und August (Bilanz) über eine zweite Schweizer Medienpartnerschaft. NZZ Online verliert damit ihren halbjährigen Exklusivstatus (WW 14/03); die Crossmediaplattform «Kennenlernen» mit der Astro-Kolumne von Monica Kissling wird laut Parship-Länderchef Martin Dobner weiterhin nur in der NZZ am Sonntag stattfinden.Mit den ersten Zahlen – 1000 registrierte Kunden in 30 Tagen – ist Jean-Frey-Doppelverlagsleiterin Uli Rubner «überaus zufrieden». Dass die NZZ Anfang 2003 im gleichen Zeitraum mehr als dreimal so viele User generierte, führt sie auf die höhere Nutzungsfrequenz der Websites von Tageszeitungen zurück.
(oc)

Ein Traum auf Schienen

Reisebranche Eine Kampagne von McCann-Erickson Schweiz will deutsche Reisende in die CityNightLine (CNL) locken.

Reisebranche Eine Kampagne von McCann-Erickson Schweiz will deutsche Reisende in die CityNightLine (CNL) locken.Die Preisspirale im internationalen Passagierverkehr scheint nur in eine Richtung zu zeigen: nach unten. Billigfliegern prophezeien Tourismusexperten fette Jahre mit Zuwachsraten von nahezu 20 Prozent. Eine aktive bis aggressive Pricing-Strategie, wachsende Netze, kombiniert mit einer cleveren Kommunikationstaktik, die das Kreative zu Gunsten einer permanent hohen Mediapräsenz vernachlässigt, treffen offenbar den Nerv der Zeit. Mehr noch: Airlines wie Germania Express, German Wings oder Air Berlin machen auch den direkten und indirekten Mitbewerbern am Boden das Leben sauer. Zu diesen zählen unter anderen die Nachtreisezüge der CNL, einer Tochtergesellschaft der DB Reise & Touristik AG.DB kämpft mit Imageproblemen
Dennoch erfreut sich die Marke seit ihrer Einführung vor mehr als sechs Jahren wachsender Beliebtheit – 1996 rollten die ersten Nachtzüge von Zürich Richtung Berlin und Hamburg. Steigende Passagierzahlen belegen den Zuspruch des kommoden Transportmittels: 2002 wurden erstmals über 500000 Passagiere in einen «zügigen» Schlaf geschaukelt. Um einen drohenden Knick in den Belegungszahlen zu verhindern, will sich die Deutsche-Bahn-Tochter noch deutlicher als Premiummarke positionieren – ohne sich auf einen ruinösen Preiskampf einzulassen.
Am Leitbild wird sich daher kaum etwas ändern – umso mehr aber in der direkten Kommunikation mit dem Kunden. Bisher beschränkte sich diese vor allem auf den Point of Sale, ein Key Visual mit einer eben aus dem Schlaf erwachten Frau und austauschbaren Städten sowie einer Umsetzung des Reiseerlebnisses im Benefit-Claim «Schlafen – reisen – fit am Ziel». Allerdings sind damit ein angestrebter Anstieg des Bekanntheitsgrads – von ungestützten 8 auf 15 Prozent – und die angepeilten Abverkaufszahlen kaum zu erreichen. Schon gar nicht bei den Deutschen, deren liebstes Kind das Auto ist und bei denen die Bahn traditionell ein eher dürftiges Image geniesst. Die Einführung der neuen Preisstruktur im vergangenen Herbst verwirrte und verärgerte die DB-Kunden zusätzlich.
Gefragt ist bei CNL darum die Vermittlung von Mehrwert. Diesen erkennt das Zugunternehmen in einer individuell nutzbaren Reisezeit, in einer vertrauensvollen Atmosphäre sowie in den positiven Überraschungen, die einen imaginären Mehrwert und klare Vorteile gegenüber dem ärgsten Konkurrenten bieten: dem Auto. In zweiter Linie sollen auch Flugpassagiere angesprochen werden, denn die anvisierte Zielgruppe setzt sich aus Business-Reisenden und Pendlern (je 25 Prozent) und Ferienreisenden zusammen. Keine leichte Aufgabe mit einem lediglich siebenstelligen Budget in einem Markt mit 82 Millionen potenziellen Zugpassagieren. Nach dem Start in Deutschland soll die Kampagne auch im CNL-Markt Schweiz, in Österreich und mittelfristig auch in den Niederlanden zum Zug kommen.
Gewinnerin im internationalen Wettbewerb um den Etat war die Schweizer Agentur McCann-Erickson, die bis vor wenigen Jahren die Werbekampagne der SBB verantwortete. In ihrem Werbefeldzug für das deutsche Transportunternehmen hält sie die USPs der CNL den Privatautos und dem Preisargument entgegen.
In einem emotional-ironisch gehaltenen Auftritt wird sowohl auf verschiedenen Print- und Postermotiven als auch in den Copy-Anzeigen der Premium-Charakter des Nachtzuges festgehalten. Während die Headline «Mit den Kindern nach Österreich? Das schaffen Sie im Schlaf.» auf Familien zielt, richteten sich die Kreativen mit schadenfrohem Humor an die staugeplagten Autofahrer. Das neue Claim «Ich glaub, ich träum» rundet das Image des kultivierten Reisens auf Schienen ab.
Progressive Schweizer
Und da eine Schweizer Kampagne für Deutschland nicht alltäglich ist, machen in solchen Fällen Anekdoten umso häufiger die Runde: Das Motiv mit dem Bauch einer Schwangeren und der Copy «Hätten Sie das auch im Flugzeug hingekriegt?» wurde lange Zeit auf einem Nebengleis stehen gelassen. Zu provokativ, lautete das Urteil der CNL-Verantwortlichen. Immerhin zeigt sich die Schweiz in dieser Sache progressiv und hat dieses B12-Plakat zugelassen. In Deutschland, wo die Geburtenrate um einiges tiefer liegt, gibt man sich weiterhin konservativ.
Mit süssen Folgen einer Nachtzugfahrt wirbt CNL nur in der Schweiz.
Luca Aloisi

AdRating

Orange

Orange Netzwerk Orange: Muss doch ziemlich gut sein die Kampagne, wenn die Zürcher Lowe gleich den halben Globus damit bestückt. Andere Meinung? Auch gut: Klicks: www.werbewoche.ch/adratingEnergy Zürich
Radio Energy Zürich schaffte es aus dem Start knapp über den Zielstrich – zumindest in Sachen Launchkampagne.

Switzerland Calling

Kommentar Will die Schweiz nicht zur Werbeprovinz verkommen, muss sie in ihren Kreativnachwuchs investieren, meint Luca Aloisi.

Kommentar Will die Schweiz nicht zur Werbeprovinz verkommen, muss sie in ihren Kreativnachwuchs investieren, meint Luca Aloisi.Lowe Schweiz ist vom Mobilfunkkonzern Orange zum Wettbewerb um eine internationale Imagekampagne eingeladen worden. Gewiss, mit zwei anderen lokalen Orange-Agenturen, Mother aus London und der Pariser BETC Euro RSCG, wartet dort harte Konkurrenz auf die Zürcher. Chancenlos sind die Schweizer aber keineswegs: In zwei früheren Pitches um kleinere internationale Aufträge desselben Kunden konnten sie sich jedenfalls durchsetzen. Bevor jedoch ein Entscheid fällt, werden die Vorschläge erst mal ausführlich getestet.
Diesen Zwischenschritt hat die Genfer Agentur Simko bereits hinter sich. Im Herbst entscheiden die Marketing-Verantwortlichen von Carlsberg, in welche Märkte sie das helvetische Konzept exportieren wollen. Einen siebenstelligen internationalen Etat zog kürzlich auch McCann-Erickson Schweiz an Land – für CityNightLine, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Und globale Präsenz geniesst gegenwärtig gar die von Matter & Partner, Zürich, entwickelte Imagekampagne für No-vartis. Die Marktergebnisse des Posttests sind derart erfolgreich, dass sich der Chemiemulti entschieden hat, gleich die weltweiten Rechte zu kaufen. So weit ein Kurzrésumé aktueller Achtungserfolge der Schweizer Werbung.
Doch die Schokoladenseite trügt. So sieht man mit wachsender Sorge immer mehr Budgets von Schweizer Global Playern nach England, Frankreich oder in die USA abwandern, nehmen ausländische Agenturen an nationalen Pitches teil, derweil mit konstanter Regelmässigkeit hiesige Kreative an internationalen Wettbewerben leer ausgehen. Ganz zu schweigen von den längst verkümmerten und vergessenen, ehemals stilbildenden Schweizer Agenturnetzwerken. So gesehen, handelt es sich bei beispielhaften Erfolgsstorys, die wir in dieser Ausgabe genauer unter die Lupe nehmen, sicher nicht allein um Glücks-, aber dennoch um klare Ausnahmefälle.
Eigentlich besässen wir alles, was uns zur Konzeption europa- oder weltweiter Kampagnen befähigte, erklärte Dominique von Matt, Mitinhaber von JvM/Limmat und BSW-Präsident, vor we-nigen Wochen in der HandelsZeitung. «Eigentlich», denn gewachsene Werte wie das sehr hohe Schweizer Bildungsniveau (sieht man einmal über die Ergebnisse der Pisa-Studie hinweg) und unsere hervorragende Grafik-Tradition sind durch aktuelle Sparvorhaben in akuter Gefahr. Vollständig verschlafen haben wir – im Gegensatz zur publizistischen – zudem die Akademisierung der kommerziellen Kommunikation. Doch ohne Hochschulen keine Höchstleistungen. Mit Lippenbekenntnissen und Absichtserklärungen ist es da längst nicht mehr getan. Sonst wird «Switzerland calling» in der globalisierten Werbelandschaft künftig nur mehr als Hilfeschrei und nicht als trotzig-selbstbewusster Kampf- ruf wahrgenommen.
> Luca Aloisi, Ressortleiter Marketing

Positives SOS von der Fifa

Hilfswerke «Es gibt viele Kinder auf dieser Welt, die unsere Hilfe brauchen. Deshalb setzen sich die Fifa und Udo Jürgens für deren Anliegen ein.»

Hilfswerke «Es gibt viele Kinder auf dieser Welt, die unsere Hilfe brauchen. Deshalb setzen sich die Fifa und Udo Jürgens für deren Anliegen ein.»Hilfswerke «Es gibt viele Kinder auf dieser Welt, die unsere Hilfe brauchen. Deshalb setzen sich die Fifa und Udo Jürgens für deren Anliegen ein.» Diese Begründung steht unter einer Anzeige, mit
welcher der Weltfussballverband Werbung für das SOS-Kinderdorf machen will. Das Engagement für das grösste private Kinderhilfswerk der Welt gehört bei der Fifa schon länger zum Programm, ebenso die Unterstützung der Unicef oder der Kampf gegen Rassismus und Kinderarbeit. Mit dem SOS auf dem Fussballrasen an Stelle des Anspielkreises will Claude Catsky, der das Inserat gestaltet hat, einen «Hilferuf des Weltfussballverbandes an alle» formulieren. Das Sujet erscheint anlässlich der Herbst/ Winter-Tournee von Udo Jürgens. Die Werbung ist das erste Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Fifa und Catsky&Partner.

Anzeige per Zigarette

Sonderwerbeformen Das gab es bisher noch nie: Bei Parisienne können Raucher zurzeit ihre ganz persönlichen Kleinanzeigen auf Zigarettenpackungen drucken lassen.

Sonderwerbeformen Das gab es bisher noch nie: Bei Parisienne können Raucher zurzeit ihre ganz persönlichen Kleinanzeigen auf Zigarettenpackungen drucken lassen.Von «zu verkaufen» über «ich suche» bis zu «ich tausche» lassen die Rubriken der Fantasie der Teilnehmer viel Spielraum. «Jetzt steckt in jedem Pack noch mehr drin», meint dazu die Zürcher Agentur Sulzer Sutter, die diesen neusten Parisienne-Gag für British American Tobacco Switzerland entwickelt hat. Seit Mitte Juli sind Promo-Teams in Schweizer Nachtlokalen unterwegs, um per Anmeldekarten möglichst viele Anzeigen aufzunehmen. Zudem wird die Aktion mit Inseraten in Zeitschriften und Tageszeitungen sowie POS-Postern kommuniziert. Die limitierte Parisienne-Extra-Edition wird exklusiv vom 21. August bis zum 3. September bei der Kiosk AG erhältlich sein.

Messstation Männerklo

Klommunikation «Gratulation», freut sich ein lachendes (Urin-) Tröpfchen – oberste Masseinheit einer aufgeklebten Skala in Pissoirschüsseln.

Klommunikation «Gratulation», freut sich ein lachendes (Urin-) Tröpfchen – oberste Masseinheit einer aufgeklebten Skala in Pissoirschüsseln.Die Glückwünsche gelten allerdings nicht jenen Männern, die das Becken überhaupt treffen. Nein, der lachende Tropf gratuliert allen 40- bis 70-Jährigen, deren Urinstrahl noch in den grünen Bereich trifft. Die von Bioforce entwickelte Messskala soll nämlich die Herren im «besten Mannesalter» frühzeitig auf Prostatabeschwerden sensibilisieren und das Naturheilprodukt Prostasan bekannt machen. Dieses wird empfohlen, wenn der Harndruck nur noch bis zur Skalamitte oder darunter ausreicht. Idee und Realisation für die Kampagne, die auch Plakate und Broschüren umfasst, stammen von Face AG für Kommunikationsdesign. Auf ihrer Homepage publiziert Bioforce eine Liste mit allen Klos, in denen die Pinkelreichweite getestet werden kann – wahrscheinlich eher zum Leid der Putzequipen…

Südostschweiz reicht bis nach St. Gallen

Das Verbreitungsgebiet des Tageszeitungsverbunds Die Südostschweiz umfasst flächenmässig rund ein Drittel der Deutschschweiz.

Das Verbreitungsgebiet des Tageszeitungsverbunds Die Südostschweiz umfasst flächenmässig rund ein Drittel der Deutschschweiz.Die Gründung der Zeitung Mitte der Neunzigerjahre sei der Auftakt gewesen zur Entwicklung eines neuen Wirtschaftsraums, schreibt Herausgeber Hanspeter Lebrument im Vorwort einer neuen Dokumentation des Verbreitungsgebiets. Unzufrieden mit der Definition des Raums Südostschweiz der Wemf, präsentiert die Zeitung ihre eigene Version, die auch das Rheintal, das Toggenburg und St.Gallen einschliesst. Ausführliche Statistiken analysieren Demografie und Ökonomie der Region, in der über 800000 Menschen leben. Die Broschüre «Wirtschaftsraum Südostschweiz» kann bei der Publicitas Chur unter Tel. 081 255 83 00 oder [email protected] bestellt werden.

Ein Netz reicht für alle Netze

Telekommunikation Lowe gestaltet von Zürich aus eine internationale B2B-Kampagne für Orange.

Telekommunikation Lowe gestaltet von Zürich aus eine internationale B2B-Kampagne für Orange.Die von France Télécom kontrollierte Mobiltelefongesellschaft Orange hat die Zürcher Agentur Lowe damit beauftragt, eine grenzübergreifende Kampagne für ihre B2B-Kunden zu entwickeln – denn darin erkennt der Mobilfunkmulti derzeit mehr Wachstumspotenzial als bei Privatkunden. Orange international betreut bereits drei Millionen Kunden, denen wiederum rund 3000 Mitarbeitende im Customer-Service zur Verfügung stehen.Zum Türöffner für den neuen Job von Lowe ist deren letzte, damals nur für die Schweiz entwickelte Kampagne für Orange geworden (WW 41/02). Die Lowe-Kreativen hatten nach Orten gesucht, an denen der Mobilfunkanbieter eine exklusive Abdeckung anbietet. Die Branding-Kampagne visualisierte mit eindrücklichen Landschaftsfotos die Netzqualität auf den Pässen Albula und San Bernardino.
Diese stimmigen Sujets sind auch Konzernverantwortlichen im Ausland in die Hände geraten. Orange international wollte deshalb für die neue B2B-Kampagne «etwas mit ähnlicher Funktionsweise», wie Berater Tony Hrnek erklärt. Daraus entstand die Idee mit dem Arbeitstitel «Lord of the Networks».
Claim goes Short Story
Das Grundmotiv der auf diese Kunden zugeschnittenen Kampagne besagt: Jeder Businessman hat mehrere Netzwerke, und Orange verbindet sie alle. Ins Bild gesetzt wurde diese Überlegung von CD Keith Loell und AD Simon Staub mit kunstvoll fotografierten «Netzwerken» der überraschenden Art. Eine Luftaufnahme vom Hafen in Seattle zeigt geheimnisvoll sich kreuzende Schaumspuren im Wasser. Ähnlich operiert ein Bild mit weissen Kondensstreifen am blauen Himmel über Kloten.
Versehen werden diese Bilder mit der Short Story: «However complex your business might be. Orange keeps all your worlds connected. Successfully taking care of 3 million business people worldwide. Orange is the partner you can rely.» Die neue Kampagne wird in sieben Ländern geschaltet: in Grossbritannien, Frankreich, Dänemark, Holland, Rumänien, in der Slowakei und der Schweiz. Zudem werden zahlreiche internationale Flughäfen mit Plakaten abgedeckt.
Auch die nächste Lowe-Arbeit für Orange wird international zum Einsatz kommen. Die Sujets für eine MMS-Kampagne rücken das Claim «Wenn du dir es vorstellen kannst, kannst du es auch senden» in den Vordergrund. Gezeigt werden aus Wolken herausgelesene Fantasiebilder, zum Beispiel eine Wolke in der Form eines Amor-Pfeils, der am Himmel nach einer herzförmigen Cumuluswolke zielt. «MMS ist an sich nichts Neues mehr, also muss man es anders visualisieren», meint dazu Tony Hrnek.
Und noch ein Pitch
Nach dem Anlaufen der internationalen B2B-Kampagne ist Lowe in Zürich vom Mobilfunkkonzern auch zum Pitch um eine internationale Imagekampagne gebeten worden. Konkurrenten sind zwei weitere lokale Orange-Agenturen, Mother in London und BETC Euro RSCG in Paris, wie das britische Magazin Campaign berichtet. Bei der Orange-Zentrale in London schätze man die Arbeit der Schweizer Agentur, zeigte sich Lowe-CEO Kurt Schmid erfreut. Bei der aktuellen Konkurrenzpräsentation geht es nicht um eine Konsolidierung der Etats. Orange will weiterhin mit lokalen Agenturen arbeiten, neu aber mit einer konsistenten Kampagne in allen internationalen Märkten auftreten.
Wo Menschen arbeiten, entstehen Netzwerke: in den Strassen von Nantes, auf Schienen vor Mailand. Und Orange verbindet sie alle.
Andreas Panzeri

Fensterlen lohnt sich

TV Die Werbefenster trotzen der Krise und legen munter weiter zu. Jetzt versprechen Sonderwerbeformen und die RTVG-Revision neue Impulse.

TV Die Werbefenster trotzen der Krise und legen munter weiter zu. Jetzt versprechen Sonderwerbeformen und die RTVG-Revision neue Impulse.Werbefenster bleiben in der helvetischen TV-Landschaft eine kontroverse Angelegenheit, trotzdem haben sie sich erfolgreich im Markt behauptet. Mediafachleute anerkennen, dass sie den gesamten Schweizer TV-Werbemarkt in eine Dynamik versetzt haben, die ohne sie undenkbar gewesen wäre. Der Erfolgsausweis ist eindrücklich: Seit Einführung des ersten Fensters auf RTL im Jahr 1993 schnellte die Zahl der beworbenen Produkte bis im Jahr 2002 auf 1400. Das entspricht beinahe einer Verdoppelung. Im gleichen Zeitraum konnte die Zahl der im TV werbenden Unternehmen von knapp 400 auf über 720 ausgebaut werden, wie die Prognos AG in einer im Frühjahr im Auftrag der Werbefenstervermarkter veröffentlichten Studie vorrechnete («Daten und Fakten zum Werbemarkt Schweiz – ein Diskussionsbeitrag zum neuen RTVG»).Der beschleunigte Ausbau des TV-Werbemarktes wird eindrücklich auch durch die Zuwachsraten belegt. In den noch «fensterlosen» Jahren 1989 bis 1992 wuchs der Gesamtumsatz der TV-Werbung um durchschnittlich 2,8 Prozent pro Jahr. Betrachtet man hingegen den Zeitraum zwischen 1993 und 2002 (allerdings ohne das katastrophal schlechte 2001), ergibt sich laut Prognos eine rekordverdächtige jährliche Zuwachsrate von knapp 5 Prozent.
Auch in der Krise im VormarschSogar in den Krisenjahren 2001 und 2002 haben die Werbefenster an
Attraktivität zugelegt. «Wir konnten die Umsätze weiter steigern, während SF DRS zwei Jahre in Folge verloren hat», erklärt Michi Frank, CEO des Werbefenstervermarkters IPM. Das ging laut Mediafocus – auch im laufenden Jahr so weiter. «Im ersten Halbjahr 2003 legten wir um 4,7 Prozent zu, die SRG-Sender hingegen haben in der gleichen Zeitspanne 4,1 Prozent verloren», rechnet Frank vor.
Zwar sind derzeit sämtliche möglichen Werbefenster geöffnet (siehe Kasten), trotzdem dürften die Umsätze auch in den kommenden Jahren munter weiter nach oben klettern. «Zum Beispiel dank steigenden Stellenwerts von Sonderwerbeformen mit crossmedialem Ansatz, welche die TV-Plattform noch attraktiver machen», erklärt Frank.
Einen wichtigen Wachstumsimpuls verspricht man sich von der Inkraftsetzung des neuen Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) in zwei oder drei Jahren – wenn die heute noch verbotene Unterbrecherwerbung erlaubt sein wird. Dann werden Werbefenster in die Lage versetzt, vorhandene Inspill-Effekte (Werbedruck, der durch die Nutzung von Werbung in ausländischen Programmen entsteht) weiter zu reduzieren. Indem zusätzliche Werbeinseln mit Schweizer Werbung überblendet werden können. Das theoretische Potenzial ist mit 140 Millionen Franken brutto (Prognos) beträchtlich – so viel müsste die Wirtschaft zusätzlich für TV-Werbung in der Schweiz ausgeben, falls sämtliche Inspill-Effekte entfallen würden. Auch wenn dereinst kaum jemals alle Werbeblöcke der deutschen Privatsender überblendet sein werden – etwa weil TV-Werbung in der Schweiz rund doppelt so teuer ist wie in Deutschland –, dürften die Wachstumsimpulse dennoch erheblich sein.
IPM und Publisuisse vereint?Mit dem Ziel, Fernsehumsätze weiter voranzutreiben, könnten aber auch bisherige Tabus fallen. So denkt Frank laut über eine Zusammenarbeit zwischen IPM und Publisuisse nach. «Wir müssen gemeinsam versuchen, neue Werbekunden ins Fernsehen zu holen», erklärt er. Diesbezüglich sei er bereits mit Martin Schneider, dem designierten Publisuisse-CEO, in Kontakt getreten. «Gemeinsam Kunden zu akquirieren, müsste auch für Publisuisse attraktiv sein. Weil die SRG-Sender das unverzichtbare Basismedium für jede Fernsehkampagne sind, fliessen ohnehin zwei Drittel aller TV-Werbeinvestitionen an Publisuisse.»
Sind damit die langen Jahre der erbitterten Konkurrenz zwischen IPM und Publisuisse bald Vergangenheit? Schneider gibt sich offen: «Es gibt sicher Ideen, die man miteinander diskutieren kann.» Gleichzeitig verweist er aber auf die unterschiedliche Angebotsphilosophie, die einer Zusammenarbeit Grenzen setze. «IPM setzt auf eine aggressive Preisstrategie, was ihr gutes Recht ist. Doch dies bewirkt, dass wir nicht kompatibel sind. Denn Publisuisse fährt eine Premiumstrategie, bei der qualitative Aspekte im Vordergrund stehen», so Schneider. Vordringlich sei für ihn im Moment aber ohnehin die Rückkehr zu einem gemeinsamen Gattungsmarketing (WW 28/03). Er habe es sehr bedauert, dass IPM vor zwei Jahren bei der Screen-up ausgestiegen sei.
Innovative Werbesendung von IPM: Viviane Walder (Bild) moderiert zusammen mit Nadja Schildknecht die multimediale Werbesendung «Ahead» auf MTV.
(Fast) alles schon offenVier Jahre blieb das 1993 lancierte Schweizer Werbefenster auf RTL allein. Doch ab 1997 gings rasch voran: Drei neue Fenster kamen in jenem Jahr hinzu: ProSieben, Sat 1 und RTL 2. Zwei Jahre später folgten Kabel 1 und MTV. 2002 gingen die bisher letzten Werbefenster auf Vox und M6 auf.
Von den derzeit acht Angeboten wird nur jenes auf Sat 1 von Cinecom & Media vermarktet, alle andern Fenster stecken im Portefeuille von IP Multimedia (Schweiz).
Mit dem Werbefenster auf M6, das nach heftigem Widerstand nur unter Ausschluss von Lausanne und Genf zu Stande kam, ist die Decke bereits erreicht. Unter den einstrahlenden deutschen Privatsendern ist heute nur noch Super RTL ohne Werbefenster. «Da es sich dabei um ein Kinderprogramm handelt, ist dieses für uns nicht interessant», erklärt Frank. Ein weiterer attraktiver Kandidat stünde in der Romandie bereit: TF 1. Frank winkt ab: «Nach dem heftigen Widerstand gegen M6 wäre ein weiteres Werbefenster ohne Chancen.» An M6 werde IPM aber festhalten – selbst wenn kaum mehr Hoffnung bestehe, dass die Kabelnetze von Lausanne und Genf das Schweizer Angebot noch aufschalteten. «Auch ohne diese Agglomerationen machen unsere Kunden mit», so Frank. «Im laufenden Jahr ist der Umsatz um über 30 Prozent gewachsen.» (dse)
Daniel Schifferle

NY Festivals schreiben Awards neu aus

Die New York Festivals haben ihre Wettbewerbe für Film und Video, für TV-Programme und -Promotion und für TV-, Kino- und Radiowerbung neu ausgeschrieben.

Die New York Festivals haben ihre Wettbewerbe für Film und Video, für TV-Programme und -Promotion und für TV-, Kino- und Radiowerbung neu ausgeschrieben.Radiospots werden erstmals gemeinsam mit Fernsehen und Kino juriert. Ausserdem werden die Awards nun nach dem Jahr benannt, in dem die Verleihung stattfindet. Die jetzt ausgeschriebenen Awards 2004 werden im Januar 2004 verliehen. Eingereicht werden können Arbeiten, die nach dem 1. September 2002 veröffentlicht wurden. Eingabeschluss ist der 15. September für Film und TV-Programme bzw. der 30. September für TV-, Kino- und Radiowerbung. Die Anmeldung ist online unter www.newyorkfestivals.com möglich.

Erich raucht wieder

Tabakmarketing Mit der Wiedereinführung der Zigarette Club setzt auch JTI auf «Ostalgie»-Produkte. Die selbstironische Relaunch-kampagne dazu stammt aus – Zürich.

Tabakmarketing Mit der Wiedereinführung der Zigarette Club setzt auch JTI auf «Ostalgie»-Produkte. Die selbstironische Relaunch-kampagne dazu stammt aus – Zürich.
Bis zum Herbst 1989 teilte der «antifaschistische Schutzwall» Deutschland auch in zwei Wirtschaftskulturen: die des marktwirtschaftlichen Wohlstands und der Freiheit und jene sozialistische der Imitate und Sehnsüchte.Kurz nur hielt die Phase des Einheitsgesäusels und -getues. Mit dem Fall der Berliner Mauer brach auch der Damm für West-Produkte. Alle ostdeutschen Erzeugnisse galten plötzlich als überholt, ja museumsreif. Selbst wettbewerbsfähige Artikel wurden aus den Sortimenten gestrichen. Der Untergang der DDR-Warenwelt schien besiegelt, wäre bei den vielen neuen Bundesbürgern nicht ein bitterer Nachgeschmack der Demütigung aufgekommen. Dieser liess die Welle der Begeisterung nach der Wende ebenso schnell verebben, wie sie über die 17 Millionen Ex-DDR-Bürger gekommen war. Das Stimmungspendel schlug zurück – auch und speziell in der Werbe- und Produktewelt.
Club für die Kader
Die Marketingstrategen lernten bald schon, mit dem neuen Wir-Gefühl und der «Ostalgie» umzugehen und diese zu ihrem Nutzen einzusetzen. Allen voran die Zigarettenhersteller, die die Marktanteile ihrer West-Brands nicht wachsen sahen. Selbst aufgekaufte Ost-Marken, die mit viel Aufwand auf West-Standard getrimmt wurden, verloren Kunden. Statt sie mit Vertrautem und mit Kontinuität emotional zu binden, wurden sie durch die Verwestlichung lieb gewordener Glimmstengel verunsichert. Sowieso profilierten sich Zigaretten in der «klassenlosen» Gesellschaft über Preis und Erhältlichkeit: Karo und Juwel für Arbeiter und Bauern, Cabinet oder Premium- und Top-Marken wie Club und Duett für die Kader.
Nach mehrjähriger Above-the- line-Abstinenz hat sich Japan Tobacco International in Köln nun entschieden, die DDR-Zigarette Club zu relaunchen. Für die Kampagne verpflichtete deren Marketingchef Marcel Löffler die Zürcher Agentur Bonaparte. Ihr ist es gelungen, Nostalgie und Zeitgeist elegant zu vermählen und sich so im Pitch gegen lokale Konkurrenz durchzusetzen. «Wir haben bewusst auf oberflächliche Ostalgie verzichtet und auf tiefer gehende Selbstironie gesetzt», sagt Berater Lajos Vizner. CD Harry Sulzers Recherche begrenzte sich denn auch nicht auf Psychografie und Sinus-Milieus. In einem Internet-Chatroom lernte er auch gleich seine Freundin kennen. Und mit dem neuen Verständnis für Land und Leute hat er über Ostern gleich Dresden besucht. «Wer den Osten, die Sprache und Mentalität nicht kennt, versteht nichts», meint Sulzer. Dabei scheint er sich auch die DDR-typische Streetcleverness angeeignet zu haben, nämlich aus dem Vorhandenen – wenig Geld und wenig Zeit – das Beste zu machen.
Selbstironische Ex-DDR-Bürger wie etwa ein bekennender Thälmann-Pionier, Mitglied der damaligen Jugendorganisation, rauchen wieder selbstbewusst Club. Ebenso Erichs Patenkind, das, wie viele Kinder aus Grossfamilien, den letzten DDR-Regimechef Honecker als Patenonkel hatte. So vermittelt die Kampagne den Community-Gedanken, ist sympathisch und mit der nötigen Authentizität gewürzt.
«Brüder, zur Sonne, zur Freiheit»: Die DDR wird wieder aufgebaut, in Zürich, und zur Belohnung gibts die vormalige Kader-Zigarette Club.
Luca Aloisi
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