Edipresse kauft spanische Männermagazine

Print Das Westschweizer Verlagshaus Edipresse beteiligt sichamspanischen Verlag Focus Ediciones. Die Tochter Edipresse Hymsa in Barcelona übernimmt 60 Prozent an Focus.

Print Das Westschweizer Verlagshaus Edipresse beteiligt sichamspanischen Verlag Focus Ediciones. Die Tochter Edipresse Hymsa in Barcelona übernimmt 60 Prozent an Focus.Print Das Westschweizer Verlagshaus Edipresse beteiligt sich am spanischen Verlag Focus Ediciones. Die Tochter Edipresse Hymsa in Barcelona übernimmt 60 Prozent an Focus. Die Minderheit und die Geschäftsleitung verbleiben bei Daniel Medvene und Isabel Suárez, die den Verlag 1992 gegründet haben. Focus gibt das Männermagazin Revista DT (DownTown) heraus sowie die kürzlich lancierte Männer-Lifestylezeitschrift Nox. Sein Jahresumsatz beträgt rund vier Millionen Euro.

Media Planning zieht zu Mediaxis um

Agenturen Einen Coup hat Peter Hofstetter gelandet: Seine Kleinagentur Mediaxis geht eine strategische Kooperation mit dem Havas-Netzwerk Media Planning Group (MPG) ein.

Agenturen Einen Coup hat Peter Hofstetter gelandet: Seine Kleinagentur Mediaxis geht eine strategische Kooperation mit dem Havas-Netzwerk Media Planning Group (MPG) ein.Die Schweizer Filiale des Netzwerks verlegt ihren Geschäftssitz zu Mediaxis, unter deren Dach die MPG-Kunden künftig betreut werden.
Der bisherige MPG-Geschäftsführer Andreas Florek verlässt die Agentur.

Nackte Notwendigkeiten

Sexanzeiger Mitten in der Rezession erscheint Marktneuling Cherry nun wieder zwölf- statt nur sechsmal jährlich. Ein Indiz fürs Wohlergehen einer antizyklischen Branche? Weit gefehlt.

Sexanzeiger Mitten in der Rezession erscheint Marktneuling Cherry nun wieder zwölf- statt nur sechsmal jährlich. Ein Indiz fürs Wohlergehen einer antizyklischen Branche? Weit gefehlt.Der «grösste» (SAZ, gegründet 1977) und der «erfolgreichste» Kontaktanzeiger (Okay, 1984) waren beide schon volljährig, als im Mai letzten Jahres mit Cherry «das lustvollste Erotik-Magazin» den Schweizer Markt für Sexanzeiger aufzumischen begann. Glaubt man dem Herausgeber des frechen Früchtchens, Oscar Broghammer, hat Cherry mit seiner zweimonatlichen Druckauflage von gut 25000 Exemplaren den Platzhirschen unterdessen den Rang abgelaufen – was diese natürlich heftig bestreiten (siehe Kasten).Weit weniger auskunftsfreudig zeigt sich der (einzige!) Verwaltungsrat der Neue Publikationen AG auf die Frage nach der Herkunft des Startkapitals von gewiss deutlich über einer Million Franken. «Erstens war ich da noch nicht an Bord. Und zweitens weiss man ja selbst bei der Weltwoche nicht vollständig, wer sie finanziert.» Hört man sich jedoch im Milieu um, bleibt kaum ein Zweifel, dass Telefonsexkönig Philippe Gilomen – der bislang nur Grosskunde bei der Konkurrenz war – sich während der Rezession entschloss, mit Cherry einen eigenen Werbe- und Imageträger zu lancieren.
Der Markt verlangt Hardcore Konzeptionell und personell ist das jüngste Hormonblatt freilich aus dem Zürcher Okay Verlag hervorgegangen. Dessen damaliger Leiter Marcel Ljatifi und drei Gefolgsleute wollten mit noch mehr Lifestyle, Hochglanz und Ästhetik endlich raus aus der Schmuddelecke – und rein ins Abenteuer relativer Selbstständigkeit. Ein Schweizer Hustler mit erotischem Niveau und ohne gynäkologische Einblicke sollte Cherry mal werden. Wer die 180-seitige Oktoberausgabe durchblättert, hat indes jede Menge Gespreiztes und 0900er-Gestöhne zu gewärtigen. Neben Salon-Reports, Fetish-Fun, sexy News und seitenweise Privat- und Profikontaktanzeigen bietet das dralle Doppelkirschchen seit Ende 2002 als USP auch eine Pornosektion, die man – wie früher Buchseiten – vor dem Konsum erst aufschneiden muss. «Wir hatten die Wahl, entweder in Schönheit zu sterben oder den Wünschen unserer Leser nachzukommen», begründet Broghammer die vom Markt erzwungene Hardcoreisierung seines Produkts.
Reiche Kirschenernte
Aus der publizistischen Not, dass die Luft zwischen Männermagazinen und Pornoheftchen hier zu Lande zu dünn ist, hat Cherry also längst eine pornografische Tugend gemacht. Und damit auch kommerziell reüssiert. Übersetzt man jedenfalls die von Verlagsleiter Broghammer bestätigte Umsatzdrittelung zwischen Verkaufseinnahmen, Salon- und Privatinseraten in Zahlen, so ergibt sich bei einem Kioskpreis von knapp zehn Franken pro Nummer ein Gesamterlös von deutlich über einer halben Million Franken.
Kein schlechter Schnitt für einen Verlag mit sieben Teilzeitangestellten, drei davon im Anzeigenverkauf. Broghammer hofft, diese Rentabilität bei der per November erfolgenden Rückumstellung auf monatliches Erscheinen mindestens halten zu können. «Ob wir, wie jüngst, sechsmal oder nun wieder zwölfmal im Jahr kommen: Auf die redaktionellen und administrativen Fixkosten hat das wie bei einer Autozeitschrift kaum einen Einfluss.»
Glaubt man beim kessen Früchtchen also an den baldigen Aufschwung? Oder leidet die Sexpublizistik, wie häufig unterstellt, wirklich nicht unter der Rezession? «Weder noch», sagt Broghammer. Auch mit der Abstandsverkürzung zwischen zwei Ausgaben reagiere man lediglich auf Leserwünsche. Schliesslich sei auch Sex längst ein «fast turning consumer good». Sprich: Das Verfallsdatum professioneller wie privater («eine Unterscheidung, die sowieso zunehmend schwieriger wird») Kontaktanzeigen beträgt heute maximal einen Monat.
Zurzeit beschäftigt Cherry gerade mal einen Redaktor, den
auch nicht weiter erwähnenswerten Rest besorgen externe Ghostwriter. Warum da nicht gleich ganz aufs redaktionelle Feigenblatt verzichten? «Ohne Inhalte keine Abonnenten», bringt Broghammer eine Verlagsweisheit, die demnach auch bei triebgesteuertem Publikum gilt, auf den pekuniären Punkt. Als Ex-Fundgrueb-Verlagsleiter weiss er offenkundig, wovon er spricht. Und ist entsprechend stolz darauf, dass Cherry mit «einem guten Drittel Festbezügern» weit über dem Branchenschnitt liege.
Während der Kampf um etwas Seriosität inhaltlich faktisch aufgegeben wurde, hat Broghammer anzeigenmässig noch Ambitionen. Ganzseitige Imageinserate, wie sie die Whiskey-Marke Jack Daniel’s in den vergleichsweise prüden ersten zwei Ausgaben noch schaltete, dürften trotz Monatsrhythmus definitiv der Vergangenheit angehören.
Wemf-taugliche Sex-Magazine?Die Internetausgabe des Erotik- und Kontakt-Magazins Okay wird vom Net-Audit der AG für Werbemedienforschung schon länger beglaubigt. Interessiert wäre Geschäftsleiter Pietro Attardo grundsätzlich auch am Wemf-Siegel für seine Printauflage, «aber die wollen sich an uns scheinbar nicht die Hände schmutzig machen». Wemf-Chefbeglaubigerin Christel Plöger jedoch meint nur nüchtern: «Titel ist Titel.» Bedenken habe sie
höchstens in Sachen Objektivität bei etwaigen Reichweitenmessungen. Diese teilt sie mit Oscar Broghammer, der aus Erfahrung weiss, dass Cherry zwar alle kennen, aber niemand es je gelesen, geschweige denn gekauft haben will. Zudem werde die Doppelkirsche aus nahe liegenden Gründen eher liegen gelassen als weitergereicht, was sich auch nicht positiv auf diese Werte auswirke. (oc)
Skandalmarketing: Playmates mit Bundesrat auf dem Rütli.
Oliver Classen

4200 Franken pro Woche für 250000 User

Tarife Der Swisspool erhöht seine Preise, senkt aber den Tausendlesertarif.

Tarife Der Swisspool erhöht seine Preise, senkt aber den Tausendlesertarif.
Dass der Swisspool-Tarif mit der Integration des Bunds in die Berner Zeitung (BZ) steigen würde, war zu erwarten, schliesslich steigt auch die Reichweite des Swisspool I (Deutschschweiz) um 14,2 Prozent, exklusive Doppelleser von Bund und BZ. Dennoch verbessert der aus BZ, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, Neuer Luzerner Zeitung, St.Galler Tagblatt, 24 Heures und Tribune de Genève bestehende Pool sein Preis-Leistungs-Verhältnis, senkt er doch den Tausendleserpreis in allen buchbaren Modulen um 0,2 bis 4,1 Prozent.Nach der letztjährigen Preiserhöhung trotz Reichweitenverlust war diesmal eher eine Reduktion angezeigt, ging doch das Swisspool-Werbevolumen in den ersten neun Monaten 2003 gegenüber der gleichen Vorjahresperiode um über 20 Prozent zurück, wie Edi Battaglia von der Swisspool-Clearingstelle erklärt.
Auf wenig Nachfrage stiess das Anfang 2003 eingeführte Weekend-angebot: Wer beim Swisspool I am Samstag und am darauf folgenden Montag ein identisches Inserat bucht, erhält demnach einen 25-Prozent-Rabatt. «Nur etwa drei Kunden nutzten bisher diese Möglichkeit», so Battaglia. Dennoch wird das Angebot nächstes Jahr weitergeführt. Vielleicht vermag ja Marco Reale, der erste Key-
Account-Manager des Swisspool, etwas mehr Interesse zu wecken. Seit dem 1. Oktober ist er dafür jedenfalls auf der Piste.
Pool promotet Homeshopping
Die Nase vorn hat der Swisspool im Onlinebereich: Ab Mitte November können Pool-Kunden ihre Anzeigen gegen einen Aufpreis sieben Tage lang auch online schalten. Konkret erhalten die Homepages der Mitgliedtitel einen deutlichen Hinweis auf den Inseratelink. Dort können die Inserate aber nicht nur angesehen, sondern die einzelnen Produkte auch gleich angeklickt und in allen Einzelheiten betrachtet werden. Der Konsument kann beim Anbieter zudem einen regelmässigen Newsletter etwa mit Wochenaktionen oder Produkteneuheiten bestellen.
Möglich werde dies dank einer Software der Tessiner Firma Ticin-
Online, wie der zuständige Projektleiter Mar-tin Diem erklärt. Der Aufpreis für die siebentägige Aufschaltung wird 4200 Franken pro Anzeige betragen. In der Startphase (etwa bis Ende Jahr) ist der Zusatzservice jedoch noch gratis und in der folgenden dreimonatigen Einführungszeit für den halben Preis zu haben. Kunden können im Übrigen auch bloss einen Pool-Titel belegen und dennoch eine Aufschaltung auf allen Partner-Websites wünschen, und zwar für denselben Zuschlag.
Heute verzeichneten die Websites der Swisspool-Partner zusammen wöchentlich 250000 User, sagt Diem. Mit dem neuen Angebot erhoffe man sich eine Marktausweitung, wie das in den USA durch ähnliche Systeme ebenfalls gelungen sei. Dort habe der Umsatz allein durch solche Onlineschaltungen um drei bis sieben Prozent gesteigert werden können.
Brutto-Tarife 2004 (in CHF) Swisspool I (5 Titel D-CH) Swisspool II (alle 7 Titel) Swisspool III (2 Titel W-CH) Veränd. Veränd. Veränd. Fr. in % Fr. in % Fr. in %
Grundpreis/mm 14.41 +7,3 17.95 +6,0 3.82 +0,8
1/1 Seite sw 63404.– +7,3 78980.– +6,0 16808.– +0,8
TLP pro 1/1 Seite sw 38.06 –4,1 37.88 –1,8 40.11 –0,2
1/1 Seite vf 93056.– +7,0 121381.– +5,4 29557.– +0,5
TLP pro 1/1 Seite vf 55.86 –3,4 58.22 –1,2 70.54 –0,5
Leser 1666000 +14,2 2085000 +11.2 419000 +1,0
Auflage Expl. 810922 +5,9 974494 +4,7 163572 –0,7
Quelle: Swisspool
Sinkende TLPs sollen die Swisspools wieder attraktiv machen.
Markus Knöpfli

«Plakat des Jahres» 2003 gesucht

Die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) und das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) schreiben den Wettbewerb «Plakat des Jahres» erneut aus.

Die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) und das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) schreiben den Wettbewerb «Plakat des Jahres» erneut aus.Die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) und das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) schreiben den Wettbewerb «Plakat des Jahres» erneut aus. Kunden, Agenturen und Gestalter sind aufgerufen, Plakate einzureichen, die im Jahr 2003 in der Schweiz im öffentlichen Aushang waren.
Eingabeschluss ist am 30. November. Beurteilt werden die Plakate durch die Jury des EDI in den Kategorien kommerziell (Einzelsujet, Serien),
gesellschaftspolitisch (Public Service) und kulturell. Informationen gibts auf www.apgsga.ch

Medianovis lanciert Magazin für CP

Was Kundenmagazine bieten, demonstriert die Corporate-Publishing-Agentur Medianovis neu mit einem eigenen Kundenmagazin.

Was Kundenmagazine bieten, demonstriert die Corporate-Publishing-Agentur Medianovis neu mit einem eigenen Kundenmagazin.Es heisst Medianovis und vermittelt Kommunikations- und Marketingfachleuten einen praxisorientierten Einblick ins Corporate Publishing. Vorläufig erscheint es einmal jährlich, soll aber schnellstmöglich auf halbjährlich umgestellt werden. Die Auflage beträgt 2200 Exemplare. Davon werden 1700 im Zielversand verbreitet. Zudem liegt das Magazin an Veranstaltungen des Forum Corporate Publishing auf. Die 1. Ausgabe vom Oktober 2003 kann auf www.medianovis .com kostenlos bestellt werden.

Publicis für neues Kombi

Die Zürcher Werbeagentur Publicis lanciert für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) das Nachfolgeprodukt des Werbekombis NZZ Plus/Grandplus. Der Etat wurde bisher von McCann-Erickson betreut.

Die Zürcher Werbeagentur Publicis lanciert für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) das Nachfolgeprodukt des Werbekombis NZZ Plus/Grandplus. Der Etat wurde bisher von McCann-Erickson betreut.NZZ Plus ist die Kombination von NZZ und Bund, bei Grandplus tritt Le Temps dazu. Wie das neue Kombi aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Gemäss Stefanie Oechslin vom NZZ-Inseratemarketing werde noch
verhandelt. Sicher ist, dass der Bund nicht mehr beteiligt sein wird, da dieser im so genannten Berner Modell künftig gemeinsam mit der Berner
Zeitung vermarktet werden soll.

Im Spielzimmer der Macht

Aufgefallen Medien als selbst ernannte Hüterinnen der Demokratie sind im Wahlkampf zum Spielball der SVP degradiert worden.

Kolumne Medien als selbst ernannte Hüterinnen der Demokratie sind im Wahlkampf zum Spielball der SVP degradiert worden.Im Ergebnis folgten auch die Parlamentswahlen vom 19. Oktober dem Trend, der schon die Neunzigerjahre geprägt hat: dem Trend zur parteipolitischen Polarisierung, zur rechts- und nationalkonservativen Umschichtung des bürgerlichen Lagers und damit zur Schwächung der politischen Mitte. So hat die rechtsbürgerliche SVP an Stimmen und Sitzen zu Lasten der freisinnig-liberalen und der christlich-demokratischen Partei nochmals zugelegt. Damit ist die SVP erstmals in ihrer Geschichte nicht nur wählerstärkste Partei der Schweiz, sondern stellt auch die grösste Fraktion in der Bundesversammlung.Sowohl der erfolgreiche Wahlkampf der SVP als auch ihr jetziger Kampf um mehr Regierungsmacht unterstreichen einmal mehr die zentrale Rolle der Medien – allerdings als passive Sprachrohre konkurrierender Gesinnungsgruppen. In einer Mediendemokratie sind Wahl- wie Machtkämpfe im Wesentlichen Kämpfe um die öffentliche Aufmerksamkeit. Der seit den Neunzigerjahren anhaltende Vormarsch der SVP beruht darauf, dass es ihr besser als ihren Konkurrenten gelungen ist, die Gesetzmässigkeiten der Mediendemokratie zu ihren Gunsten zu nutzen. Dabei spielt es keine Rolle, dass die meisten Medien hier zu Lande noch immer linksliberal ausgerichtet, der SVP jedenfalls politisch mitnichten gewogen sind. Denn ein professionelles Polit- und Event-Marketing zielt nicht auf möglichst viel Medienbeifall, sondern auf möglichst viel Medienpublizität.
Die SVP hat auch die jüngsten Wahlen gewonnen, weil es ihr einmal mehr gelungen ist, mehr Medienpublizität – und damit über ihre ideologisch motivierten Gesinnungs- und Stammwähler hinaus auch am meisten Neu-, Wechsel- und Gelegenheitswähler anzusprechen. Mit Blick auf diese Wählerschichten veranstaltete die SVP deutlich mehr Pressekonferenzen als ihre Konkurrenz. Auch ihre unzähligen Podiumsveranstaltungen, angekündigt mit immer knackigen, provokativen Titeln, zielten weniger auf den Publikumsbesuch als auf die Berichterstattung von Nachrichtenagenturen sowie lokalen und regionalen Medien. Keine andere Partei als die SVP ist sodann professioneller darum bemüht, sämtliche Medien gezielt mit Lawinen von wohl orchestrierten «Leser»-Zuschriften, aber auch mit standardisierten Zeitungsartikeln und Interviewofferten zu bombardieren – gesteuert von Politstrategen, die festlegen, mit welchen Themen, Botschaften und Geschichten potenzielle Wähler über welche Kanäle am besten angesprochen werden können. Und keine andere Partei hat schliesslich in der Endphase mehr Geld in grossflächige Text- oder kleine Bildinserate investiert wie eben die SVP.
Auch in ihrem in diesen Tagen und Wochen geführten Kampf um einen zweiten Bundesratssitz hat die SVP die Nase einmal mehr vorn. Noch am Wahlsonntag wurde Christoph Blocher von oben als einziger Kandidat «nominiert», wurde der Bundesversammlung für den Fall einer Nichtwahl Blochers erpresserisch und stillos die Nicht-mehr-Anerkennung von Samuel Schmid als SVP-Bundesrat angedroht. Das verspricht für den sonst so austarierten Politbetrieb unseres Landes endlich wieder einmal Krach und Spannung. Deshalb sind sich die meisten Medien in seltener Einmütigkeit einig: Ausgerechnet Blocher, der Meister in Sachen kompromissloser Verhöhnung von Regierung, Parlament und politischer Konkurrenz, soll subito in den Bundesrat befördert werden. Und einig ist sich der Medienbetrieb auch darin, dass deshalb einer der beiden amtierenden CVP-Bundesräte schon im Dezember entweder freiwillig das Feld räumen oder sonst halt abgewählt werden soll.
Die Medien spielen das von der SVP diktierte Machtspiel unkritisch mit, weil eben Krach und Konfrontation per se von hohem Unterhaltungs- und Nachrichtenwert sind. Ganz im Sinne der SVP sind denn auch die Medienkommentare im Falle einer Nichtwahl Blochers bereits vorprogrammiert: Feiges Parlament! Angst vor Blocher! Ohrfeige für das Volk! Schande über die CVP-Sesselkleber im Bundesrat! Faktisch sind also die meisten Medien als selbst ernannte Wächter der Demokratie sowohl im zurückliegenden Wahlkampf als auch im jetzigen Machtkampf zu Spielbällen der SVP degradiert worden, zu Erfüllungsgehilfen jener Partei, die seit Jahren das beste Politmarketing betreibt.
Postmoderner Sirenengesang: SVP-Nationalrat Christoph Blocher nutzt Medien gekonnt für seine Ziele.

> Kenneth Angst war in den Chefredaktionen von NZZ und Weltwoche und ist heute selbstständiger Berater für Public Affairs.

TBS Identity stellt Fusionsgesetz ins Netz

Die Zürcher Agentur TBS Identity hat die Anwaltskanzlei von der Crone als Neukunden gewonnen. TBS erarbeitet ein neues Corporate-Design-Programm und eine Website zum Fusionsgesetz (www.fusg.ch).

Die Zürcher Agentur TBS Identity hat die Anwaltskanzlei von der Crone als Neukunden gewonnen. TBS erarbeitet ein neues Corporate-Design-Programm und eine Website zum Fusionsgesetz (www.fusg.ch).Die Kanzlei ist zudem spezialisiert auf internationales und schweizerisches Handelsrecht.

HWZ lanciert Executive-MBA-Marketing-Kurs

Die Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung Zürich (HWZ) lanciert gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Marketing (GfM) den Diplomkurs «executive-mba-marketing». Der dreisemestrige Kurs ist berufsbegleitend und praxisnah konzipiert

Die Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung Zürich (HWZ) lanciert gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Marketing (GfM) den Diplomkurs «executive-mba-marketing». Der dreisemestrige Kurs ist berufsbegleitend und praxisnah konzipiert und richtet sich an Führungskräfte grosser und mittlerer Unternehmen, die ihre Kompetenzen im Bereich Marketing vertiefen wollen.
Erwartet werden Hochschulabschluss, Marketing- und
Führungserfahrung. Maximal werden 40 Teilnehmer zugelassen. Den Diplomkurs leitet Armin Seiler, Professor für Betriebswirtschaft an der ETH Zürich. Als Dozenten haben unter anderen Dominique von Matt, Urs Beer, Peter Metzinger und Sacha Wigdorovits zugesagt. Der erste «executive-mba-marketing» wird von April 2004 bis Juli 2005 durchgeführt. Informationen und Anmeldeunterlagen finden Sie auf der Website der Werbewoche in der Rubrik «Wissenswertes».

Und die Welt kann untergehen…

Aufgefallen In Belgien ist die Welt noch in Ordnung. Dort, wo die Firma Jori Polstermöbel nach der Art des feinen Sitzens herstellt, weiss man nämlich noch, was schöner wohnen heisst.

Möbelmarketing In Belgien ist die Welt noch in Ordnung. Dort, wo die Firma Jori Polstermöbel nach der Art des feinen Sitzens herstellt, weiss man nämlich noch, was schöner wohnen heisst.Und vor allem, wie das aussieht. Loftige Schwerindustrie-Idylle, die Toparchitekten mit Stahlsäulen, artifizieller Patina und viel Beton brut im Dutzend hinwürfeln, mag ja angehen. Essenziell ist sie aber nicht. Die Wohnqualität wird vornehmlich von der Aussicht bestimmt. Und darin sind uns die belgischen Landschaftskünstler um Sofalängen voraus. Urbane Canyon- und rustikale
Naturlandschaften sind im Königreich weniger gefragt. Viel mehr beweisen Flamen und Wallonen ihren erlesenen Stil damit, dass sie nach der Arbeit – zum Beispiel für Europa – ihre Seele im Jori-Sessel mit Blick auf eine schöne Kulisse baumeln lassen. Zum Beispiel vor einer dampfenden Kühlturmkette. Bei Jori nennt man das «a question of savoir vivre». So richtig gelungen ist der Feierabend aber erst, wenn das krosse Hähnchen dioxinverseucht ist und die Limonade Pestizide enthält. Nur, die gabs selbst in Belgien letztmals vor bald fünf Jahren.
(la)

Lack und Leder – auch fürs alte Eisen

Automarketing Eine Kampagne fürs neue Sportcoupé Crossfire von Chrysler aus der Werbewerkstatt Matter & Partner lässt nicht nur den Adrenalinspiegel ansteigen.

Automarketing Eine Kampagne fürs neue Sportcoupé Crossfire von Chrysler aus der Werbewerkstatt Matter & Partner lässt nicht nur den Adrenalinspiegel ansteigen.Im Fusionsjahr 1998 beschrieb Chryslers schweizstämmiger ehemaliger Vice-Chairman, Robert A. Lutz, den drittgrössten US-Autohersteller als «the hottest car company». Doch der «Spirit of America», der für die Wertigkeit des Produkts und der Marke steht, hat trotz Eigenlobs des Supermanagers selbst bei den USA-begeisterten Schweizern einen immer schwierigeren Stand.Das schwindende Interesse eidgenössischer Autofahrer für die Automarke schlägt sich auch in den Verkaufszahlen nieder: Die Absatzkurve zeigt steil nach unten. Wurden laut Vereinigung der Schweizer Automobilimporteure (VSAI) 2001 noch 5349 neue Fahrzeuge der Chrysler-Gruppe immatrikuliert, waren es im vergangenen Jahr nur mehr 3605 oder 32,6 Prozent weniger. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres rollten erneut weniger Neuwagen aus Chrysler-Garagen (–18,3%). Das Ergebnis liegt weit unter dem insgesamt rückläufigen Schweizer Automarkt (–9,1%). Damit schrumpfte der Marktanteil der US-Marke gemäss Bundesamt für Statistik seit der Fusion mit Daimler-Benz 1998 von 1,4 auf 0,7 Prozent.
Andererseits, und das liest sich wie ein Paradoxon, gehört Chrysler bei den Deutschschweizer Autofahrern zu den acht sympathischsten Marken. Dank neuer Dieselmotoren konnte Chrysler in Europa sein Potenzial vergrössern und die Absatzmarke verteidigen, obwohl die japanischen Konkurrenten in den Chrysler-typischen Produktekategorien wie Vans, Pick-ups und Geländewagen immer erfolgreichere Modelle eingeführt haben. Clau-dia Meyer, Leiterin Marketing-Kommunikation Chrysler Jeep bei DaimlerChrysler Schweiz AG, führt die Performance-Paradoxien auf die Ausrichtung des Research zurück, der von der Firmenzentrale in Detroit aus für die fünf grössten europäischen Märkte gemacht wird. Und zu diesen gehört die Schweiz nicht. Zudem widerspiegle sich die Modellpalette auch beim Zielpublikum, das auf Individualität Wert legt. Da Chrysler in Europa mehrheitlich ein Anbieter von Nischenprodukten ist, lässt dies eine grosse Marktpenetration gar nicht erst zu.
Bleibt allein die Erneuerung der Modellpalette, um wieder Marktanteile zu gewinnen und den Absatz zu stärken. Doch mit seiner Markenrepositionierung – von der Mainstream- zur Premium-Marke – tritt Chrysler eher behutsam an bestehende und neue Kundenkreise heran. Überdies schrumpften die Werbeaufwendungen von über 8,5 Millionen im Jahr 2000 auf 3,7 Millionen Franken im vergangenen Jahr. Auch der in der Schweiz als Volumenmodell lancierte PT Cruiser brachte wegen der begrenzten Motorisierungsvarianten den Absatz nicht auf Touren, was mit der Einführung der GT-Turbo-Version nun besser gelingen soll.
Gegen Marken-Verwässerung
Die bevorstehende Lancierung des Sportcoupés Chrysler Crossfire dürfte auf der quantitativen Ebene kaum zur Besserung der Lage beitragen, denn die Stückzahl ist limitiert. Viel mehr setzt das Modell auf der qualitativen Ebene des Chrysler-Images an. Dank seines Designs, der Karmann-Karosserie und des bewährten V6-Mercedes-Benz-Motors bringt der Crossfire gute Voraussetzungen mit, um der schleichenden Verwässerung des «Spirit of America» Gegensteuer zu geben. So blieb in der öffentlichen Wahrnehmung unter anderem die Innovationsfreude als Imagekomponente von Chrysler nahezu unbemerkt, obwohl der Autohersteller eine der höchsten Umwandlungsraten von Concept Cars in Serienmodellen aufweist. Viel versprechend mutet darum die Strategie an, sich mit dem Sportcoupé wieder als begehrenswerte Marke zu positionieren. Immerhin handelt es sich um einen Fahrzeugtyp, der eine relativ niedrige Markentreue aufweist und eher an die Emotionen statt an die Vernunft appelliert.
Die Werbekommunikation aus dem Hause Matter & Partner unterstützt diese Strategie mit einer dreisten Print- und Posterkampagne für den Crossfire. Eigentlich eine einfache Aufgabe, geben Gesamtverantwortlicher Daniel Matter und CD Philipp Skrabal zu verstehen, denn: Dieser Wagen sei ein Traum für einen Werbeschaffenden. «Man muss ihn nicht schönreden.» Zum Bildmaterial liessen sie deshalb die beiden Texter und Konzepter Lukas Schmid und Michael Kathe Headlines texten, die der Zielgruppe aus dem Herzen sprechen («Falls Sie schon der Lack anmacht, werden Sie auch das Leder geniessen»). Trotz der wachsenden Zahl von älteren Konsumenten, die an Sportautos wie diesem ihre wahre Freude haben, hielten sie am trockenen Humor fest, dem man in der Autowerbung selten begegnet.
Der Crossfire gibt sich prononciert fesch, was bei der Generation 50+ auf offene Ohren und Brieftaschen stossen dürfte.
Luca Aloisi
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