Nun werden Inserate interaktiv

Verlage Mit neuen Onlineangeboten verlieren Inserate ihr passives Dasein und werden interaktiv. Damit kommt Bewegung in die klassische Dreiecksbeziehung Verleger-Inserent-Leser.

Verlage Mit neuen Onlineangeboten verlieren Inserate ihr passives Dasein und werden interaktiv. Damit kommt Bewegung in die klassische Dreiecksbeziehung Verleger-Inserent-Leser. Demnächst erhalten Swisspool-Kunden die Möglichkeit, ihre halb-, ganz- und doppelseitigen Anzeigen gegen einen Aufpreis eine Woche lang auf den Websites der Swisspool-Partner online zu schalten (siehe WW 39/03). Etwas Analoges bietet ab Dezember auch das Tessiner Kombi Tre-Top-Ticino an. In beiden Fällen geht es aber um mehr als nur um die Verlängerung der Lebensdauer von Inseraten. Ziel ist ein Zusatznutzen sowohl für Inserenten, Leser und Verleger.Um E-Mails wird gebeten
Der Nutzen für die Konsumenten besteht zum einen darin, dass sie die Inserate im selben Layout wie in der Zeitung auch dann noch sehen können, wenn sie das Blatt schon zum Altpapier gelegt haben. Dank einer Suchfunktion können sie zudem Preise vergleichen, sofern ein anderer Anbieter für gleiche Produkte inseriert hat. Ferner lässt sich das Produkt auf eine Einkaufsliste setzen und diese ausdrucken. Oder man kann Kollegen per E-Mail auf die Aktion hinweisen. Ferner ist es möglich, mit dem Anbieter Kontakt aufzunehmen oder direkt auf dessen Homepage zu wechseln. Auch ein Suchabo lässt sich einrichten: Immer wenn das gewünschte Produkt – egal von welchem Anbieter – in einem Inserat auftaucht, wird der Konsument automatisch per E-Mail benachrichtigt.
Damit liegen auch die Vorteile der Inserenten auf der Hand: Sie erhalten wertvolle Informationen über den Stellenwert ihrer Angebote und die Bedürfnisse ihrer Kunden. Verleger können ihrerseits mit den interaktiven Onlineinseraten ihren Lesern und Kunden im kommerziellen Bereich einen Zusatznutzen liefern. Gleichzeitig erhalten sie Hinweise, welche Produkte oder Marken von ihren Lesern besonders gefragt sind. Daten, die sich wiederum bei der Inseratenakquisition einsetzen lassen.
Die technische Seite des neuen Swisspool- und Tre-Top-Ticino-Angebotes betreut die Tessiner Firma TicinOnline (TIO). TIO hat das System entwickelt und besorgt auch die tägliche Aufbereitung. Für den einzelnen Verlag ist damit kein Zusatzaufwand verbunden. TIO benötigt einzig die PDF-Version jeder Inserateseite, danach wird innerhalb von vier bis sechs Stunden das Inserat aufgeschaltet.
Warum aber kann man ab den Onlineinseraten nicht direkt einkaufen? «Technisch ist dies problemlos möglich», sagt TIO-Direktor Gianni Giorgetti. Man habe aber vorerst darauf verzichtet, weil die Inserenten im logistischen Bereich nicht so weit seien. Auch Angebote für SMS oder MMS seien bereits entwickelt. Ebenso die Möglichkeit, nicht nur grosse Anzeigen, sondern sämtliche Inserate eines Titels online zu schalten und zu verlinken.
Tägliche E-Paper-Ausgaben
Giorgetti weiss, wovon er spricht. Schliesslich bringt TIO nicht nur Inserate aufs Netz, sondern gleich ganze Zeitungen – so genannte
E-Paper. Und dies täglich. TIO kann auch die Inserate der E-Paper verlinken, macht dies zurzeit aber nicht im selben Umfang wie bei den
Swisspool-Onlineinseraten. Zu den E-Paper-Kunden von TIO gehören La Regione Ticino, Giornale del Popolo, Corriere del Ticino, 20 Minuten, Cash, Coop-Zeitung, Cooperazione und Azione, die italienischsprachige Brückenbauer-Ausgabe.
Mit dem Zuschlag des Swisspools scheint nun TIO den Durchbruch definitiv geschafft zu haben. Weitere Projekte sind in der Pipeline: So realisiert TIO auch das E-Paper des Tages-Anzeigers, das demnächst startet. Für SonntagsZeitung und Facts besteht zumindest eine Option. «Wir haben die Lösung von TIO gewählt, weil sie uns in diverser Hinsicht Spielraum lässt, bereits anderweitige Projekte mit TIO realisiert wurden und weil die Lösung im Markt etabliert ist», begründet Tamedia-Sprecherin Franziska Hügli die Wahl. Darüber hinaus haben zahlreiche weitere Verlage TIO-Offerten auf dem Tisch.
TIO besteht seit 1997 und ist eine selbstständige und selbst tragende Online Business Unit der Zeitungen La Regione Ticino, Giornale del Popolo und Corriere del Ticino. Zu rund einem Viertel sind zudem die PubliGroupe und zu zehn Prozent CEO Gianni Giorgetti beteiligt. Die TIO-Wurzeln und
die Zusammensetzung des Aktionariats bezeichnet Giorgetti als Vorteil: «Die Verlage betrachten uns nicht als Konkurrenten, denn von Beginn weg versuchten wir, ihnen im Onlinebereich einen Zusatznutzen zu generieren. Zudem kennen wir sowohl die Seite der Verleger als auch – über die PubliGroupe – die der Werbekunden. Deshalb können wir unsere Software und Angebote genau auf deren Bedürfnisse ausrichten.»
Viele weitere AnbieterDass verlinkte Onlineinserate einen Zusatznutzen bringen oder von
Lesern gefragt sind, glaubt man nicht überall. So sind solche
Funktionen bei NZZ Global, der seit März aufgeschaltenen E-Paper-
Version der «Alten Tante», nicht vorgesehen, wie Projektleiter
Christoph Bauer erklärt. Die NZZ arbeitet im Übrigen mit der
österreichischen Firma Comian zusammen. Es gibt noch weitere Anbieter im Bereich E-Paper und Onlineinserate: so die US-Firma Newsstand, mit der Blick und Basler Zeitung zusammenarbeiten, ferner ADP Promotion in Zürich, die das System Print2Web vertritt und mit verschiedenen Verlagen im Gespräch ist. Auch Snap und Digital Collection, beide in
Hamburg, Olive Software aus Denver sowie Previon in Zofingen/ Zürich bieten mit. Die Aargauer Zeitung zum Beispiel hat bei fast all diesen Anbietern Offerten für ihr E-Paper-Projekt eingeholt. (mk)
«Verlage sollen Gas geben»Andreas Gedenk, Mitinhaber der Mediaagentur BG Media/
Optimedia AG, begrüsst die Möglichkeit, Printinserate online zu schalten und sie mit dem Anbieter zu verlinken. Anfang dieses Jahres hatte er sich denn auch bei verschiedenen Verlagen dafür stark gemacht – allerdings promotete er ein anderes System als das von TIO. Nach dem negativen
Entscheid beim Swisspool stieg er aus, blieb aber bei seiner Meinung: «Der Zusatznutzen dieser Werbeform hat Potenzial, und den Aufpreis kann man den Kunden erklären. Deshalb sollen die Verlage Gas geben. Hätten sie schneller gehandelt, hätten sie schon dieses Jahr damit Geld verdienen können», sagt er. (mk)
Bleiben länger im Netz, als die Zeitung aktuell ist: interaktive Onlineanzeigen.
TIO-Direktor Gianni Giorgetti: «Unsere Software lässt sich bedürfnisgerecht ausrichten.»
Markus Knöpfli

«Fusionieren, bitte!»

Werbestatistiken Wer nach dem 1. Januar 2004 mehr dem Advertising Index Switzerland oder mehr Media Focus zuneigt, das wird vor allem eine Glaubensfrage sein.

Werbestatistiken Wer nach dem 1. Januar 2004 mehr dem Advertising Index Switzerland oder mehr Media Focus zuneigt, das wird vor allem eine Glaubensfrage sein.
Wenn ab dem 1. Januar das jüngste Wemf-Kind, der Advertising Index Switzerland (AIS), an den Start geht, steuert die Welt der Nutzer von Statistiken zu Werbeinvestitionen auf eine Zweiteilung zu. Dies ist das Fazit einer Igem-Veranstaltung, bei der Exponenten von Media Focus und AIS die Klingen kreuzten.Die Konsequenz der neuen Doppelspurigkeit wird sein: Wir werden zwei Statistiken haben, die zwei verschiedene Zielgruppen bedienen. Denn die beiden Datenquellen befriedigen unterschiedliche Bedürfnisse. Die Medien selber interessiert in erster Linie der Geldbeutel der Werbeauftraggeber. Die entsprechenden Informationen finden sie beim AIS, der die fakturierten Brutto-Werbeinvestitionen misst. Ganz anders die Auftraggeber, die der Werbedruck interessiert, mit dem ein Konkurrent auf dem Markt ist. Diese Auskünfte sind bei Media Focus zu haben, der Rechenschaft über die effektiv geschaltete Werbung gibt.
Mehr Arbeit für Mediaagenturen
Kaum Freude dürften die Mediaagenturen am Systemwechsel haben. Denn der Wechsel zur Doppelspurigkeit stellt ihnen vor allem Mehrarbeit – und finanzielle Einbussen in Aussicht. Sie werden einerseits nicht auf den auftraggeberfreundlicheren Media Focus verzichten können. Genauso selbstverständlich wird man bei ihnen andererseits auch den neuen AIS voraussetzen, für den ihnen zusätzliche Anschaffungskosten entstehen.
Das ist aber noch nicht alles. In Zukunft könnte es auch schwieriger werden, den Kunden etwas für Auswertungen mit Media Focus weiterzuverrechnen. Damit wächst die Gefahr, dass Mediaagenturen künftig immer mehr auf ihren Kosten für Media Focus sitzen bleiben. «Kunden werden darauf verweisen, dass dasselbe ja auch beim viel preisgünstigeren AIS zu haben sei», sagte Andy Lehmann (Aegis Group) am Rande der Präsentation.
Läutet AIS Rabatte-Jagd ein?
AIS schafft eine weitere streitbare Möglichkeit. Aus der zusätzlichen Transparenz erwachsen auch unerwünschte Einblicke. Denn die beiden Statistiken zusammen bringen erstmals Transparenz in den bisher mit Verschwiegenheit belegten Rabatte- und Freespace-Dschungel. Dies funktioniert sehr einfach: Media Focus sagt uns, wie viel Werbung von einem Auftraggeber in einem bestimmten Medium geschaltet war. Und AIS liefert uns die Rechnung dazu, die der Kunde dafür ausgestellt bekam. Das heisst, es wird für jedermann und jede Frau ein Kinderspiel sein, auf die Kommastelle genau auszurechnen, wie viel Rabatte und Freespace ein Konkurrent einstrich – oder gewährte. Dass man nicht davon lassen wird, solche, dank AIS möglichen Berechnungen anzustellen, liegt auf der Hand. Und dass es darauf bei der einen oder anderen Anzeigenabteilung gehässige Telefonanrufe absetzen wird, ist ebenso gewiss.
«Fusioniert!», lautete das Fazit nicht nur von Pierre C. Meier, Gesprächsleiter der Igem-Diskussionsrunde. Bis dahin dürfte es aber ein weiter Weg sein. Die bislang geführten Gespräche zwischen AIS und Media Focus brachten keine Ansatzpunkte für eine Zusammenarbeit. Das war aber auch nicht anders zu erwarten. Denn wo sollten die beiden zusammenarbeiten, wenn schon das Hauptwerk, das Erstellen der Datenbasen, unterschiedlichsten Kriterien folgt. Trotzdem versicherten sowohl Jens Windel, VR-Delegierter Media Focus, als auch Wemf-Chef René Schmutz, man sei weiterhin offen für das Gespräch miteinander.
Ein neues Phänomen ist die ab Januar geltende Doppelspurigkeit aber nicht. Bereits in den Achtzigerjahren hatte die Branche die Qual der Wahl zwischen zwei Statistiken zu Werbeinvestitionen. Jene von S+P (Schmidt & Pohlmann) und ab 1988 zusätzlich jene der IHA. Resultat der Zweigleisigkeit war, dass die beiden zwei Jahre später zu Media Focus fusionierten.
Stärken und SchwächenAdvertising Index Switzerland – Misst die fakturierten Brutto-Werbeinvestitionen.
– Medium Kino wird nicht ausgewiesen. Für TV gibt es zwei Werte: Brutto fakturiert nach Sendergruppen (SRG, CH-Werbefenster, Private) sowie Brutto inklusive Freespace und Gratisschaltungen nach einzelnen Sendern.
– Deutlich preisgünstiger als Media Focus.
– Vergleichbarkeit nur bis 2003.
– Unkompliziertes Auswertungstool, das sich am Layout der anderen Wemf-Studien orientiert.
Media Focus
– Misst die geschaltete Werbung, das heisst den Werbedruck.
– Sämtliche Medien werden
ausgewiesen.
– Deutlich teurer als AIS.
– Daten und damit Vergleichbarkeit gehen zurück bis 1993.
– Flexible Auswertungsmöglichkeiten mit entsprechend komplexem
Auswertungstool.
Hans-Jürg Gränicher (AIS) und Lukas Zihlmann (Media Focus, r.).
Daniel Schifferle

Kommunikationsleiter erhalten Diplom

51 Kandidatinnen und Kandidaten haben sich diesen Herbst der Fachprüfung zum Kommunikationsleiter unterzogen. 37 haben das Examen bestanden und werden Mitte Dezember ihr Diplom entgegennehmen.

51 Kandidatinnen und Kandidaten haben sich diesen Herbst der Fachprüfung zum Kommunikationsleiter unterzogen. 37 haben das Examen bestanden und werden Mitte Dezember ihr Diplom entgegennehmen.Zum zweiten Mal wurden die Absolventen nach dem neuen Reglement geprüft. Die Liste der neuen Kommunikationsleiterinnen und -leiter finden Sie auf www.werbewoche.ch

Ranz weiss, wie Sprache aussehen soll

Die Basler Werbeagentur Ranz wird Leadagentur der Corporate Language Services AG (CLS). In einem Pitch sicherte sich die Agentur den Etat für die Gesamtkommunikation.

Die Basler Werbeagentur Ranz wird Leadagentur der Corporate Language Services AG (CLS). In einem Pitch sicherte sich die Agentur den Etat für die Gesamtkommunikation.CLS ist ein multilingualer Sprachdienstleister mit Hauptsitz in Basel und Vertretungen in New York und London. Erste Arbeiten von Ranz umfassen die Entwicklung von Corporate Image und Corporate Design, die Kreation von Key Visuals, Sales-Material, Inseratekampagne und Kunden-Newsletter sowie die Überarbeitung der Website.

Tagi kuscht vor Autolobby

Zeitungen Die Chefs des Tages-Anzeigers kippten einen offenbar allzu kritischen Offroader-Kommentar.

Zeitungen Die Chefs des Tages-Anzeigers kippten einen offenbar allzu kritischen Offroader-Kommentar.
Ende Oktober sollte im Lokalteil des Tages-Anzeigers eine Glosse über die so genannten Sports Utility Vehicles (SUV) erscheinen. Wie die Werbewoche erfuhr, wurde der süffisante, mit «Safari zur Kinderkrippe» überschriebene Text über das Paradox urbaner Geländewagen von Tagesleiter Hanspeter Bürgin kurz vor Drucklegung aus dem Verkehr gezogen. Interne Begründung für die rote Ampel: Dieser Artikel lohne absehbare Streitigkeiten mit den Schweizer Importeuren von SUV-Karossen nicht.Peter Hartmeier, der Bürgins heiklen Eingriff absegnete, will von vorauseilendem Gehorsam gegenüber der werbeintensiven Autoindustrie indes nichts (mehr) wissen. Ausser dem Bekenntnis, dass «solche Interventionen nun mal zur Redaktionsführung gehören», war dem Tagi-Chefredaktor kein Kommentar zu diesem Fall von Selbstzensur zu entlocken. Auch zu Gerüchten, dass just dem betroffenen Blauen Bund, aber auch der Kulturredaktion ein 30-prozentiger Cost Cut bevorstehe, wollte sich Hartmeier nicht äussern. Bestätigt hat er in einem internen Mail einzig, dass der Tamedia-Verwaltungsrat – nach dem verschobenen Entscheid von vergangenem Freitag – die grosse Tagi-Reform «auf jeden Fall noch im vierten Quartal» kommunizieren werde.
(oc)

Ringier intensiviert Abowerbung

Verlage Ab Januar 2004 verfügt Ringier über ein zusätzliches Call-Center zur Abonnentengewinnung. Ringier Telemarketing Wallisellen ist dem Kundenkontakt-Center Zofingen angegliedert.

Verlage Ab Januar 2004 verfügt Ringier über ein zusätzliches Call-Center zur Abonnentengewinnung. Ringier Telemarketing Wallisellen ist dem Kundenkontakt-Center Zofingen angegliedert.Verlage Ab Januar 2004 verfügt Ringier über ein zusätzliches Call-Center zur Abonnentengewinnung. Ringier Telemarketing Wallisellen ist dem Kundenkontakt-Center Zofingen angegliedert. Es verarbeitet Aufträge, die bislang an externe Telefonmarketingfirmen vergeben wurden. Geplant sind rund 15 Teilzeitstellen, die von einem Teamleiter und einem Teamcoach
betreut werden. Die Aktivitäten sollen sich auf die Gewinnung von
Neuabonnenten konzentrieren.

VFG prämiert drei Nachwuchsfotografen

Zum 8. Mal hat die Vereinigung fotografischer GestalterInnen (VfG) junge Fotografinnen und Fotografen mit dem Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet.

Zum 8. Mal hat die Vereinigung fotografischer GestalterInnen (VfG) junge Fotografinnen und Fotografen mit dem Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet.Platz 1 belegt Reto Albertalli, gefolgt von Daniel Bolliger und Zoë Meyer. Die prämierten Arbeiten werden zusammen mit Bildern von acht weiteren Teilnehmern in der Image-House-Galerie an der Hafnerstrasse 24 in Zürich ausgestellt. Vernissage ist am 6. Dezember. Die Ausstellung dauert vom 9. Dezember bis zum 10. Januar und ist danach auch in Vevey, Luzern und Basel zu sehen.

Meta Design stellt Sunrise neu ins Web

Die Corporate Website von Sunrise erhält ein neues Gesicht. Der Telecomkonzern hat Meta Design in Zürich mit dem Relaunch beauftragt.

Die Corporate Website von Sunrise erhält ein neues Gesicht. Der Telecomkonzern hat Meta Design in Zürich mit dem Relaunch beauftragt.Die Spezialisten für Branding und Corporate Identity setzten sich gegen diverse Werbeagenturen und Webdienstleister durch. Am Redesign ist auch der Usability-Berater Stimmt AG beteiligt. Die technische Umsetzung besorgt die Webagentur Namics. Die neue Site ist seit dem 26. November online.

Lusttropfen für die blaue Stunde

Sektmarketing Pucci Sulzer hat den Etat von Freixenet verteidigt. Mit dem erfolgreichen Kommunikationskonzept – und noch mehr Erotik.

Sektmarketing Pucci Sulzer hat den Etat von Freixenet verteidigt. Mit dem erfolgreichen Kommunikationskonzept – und noch mehr Erotik.
Die Nähe zum Ursprungsland und das hohe Pro-Kopf-Einkommen prägen den Schweizer Schaumweinmarkt: Nach den Franzosen trinken die Eidgenossen weltweit am meisten Champagner. Allerdings vermieste die schwache Konjunktur den teuren Markentropfen die feuchtfröhliche Laune. Zwar ist laut IHA-GfK der Umsatz des Schweizer Schaumweinmarkts zwischen Oktober 2002 und September 2003 im Vergleich zur gleichen Vorjahresperiode um nahezu sechs Prozent auf 173,4 Millionen Franken gestiegen. Aufschlussreicher ist aber der bezahlte Durchschnittspreis pro Liter, und der fiel in den vergangenen zwei Jahren um gut sieben Prozent, während der mengenmässige Konsum um gut 13 Prozent auf 10,5 Mio. Liter angewachsen ist. Quintessenz: Die Schweizer trinken mehr, vor allem mehr günstigen Schaumwein. Die Vereinigung Schweizer Weinhandlungen weist zudem für die letzte Berechnungsperiode Importzahlen aus, die seit 1998/1999 nicht mehr so hoch waren.Von dieser Entwicklung profitierte nicht zuletzt Freixenet. Dank seines relativ tiefen Preises konnte der Cava aus dem Herzen Kataloniens seinen Marktanteil zusätzlich ausbauen – wertmässig auf 20,5 Prozent. Ebenso eindrücklich ist die Entwick- lung im riesigen Schaumweinmarkt Deutschland. Dort hat sich der Marktanteil von Freixenet gemessen am Umsatz in nur sechs Jahren mehr als verdoppelt – auf stolze 15,3
Prozent.
So lange schon, also seit 1996, betreut die Zürcher Agentur Pucci Sulzer die Werbung des prickelnden Spaniers für ganz Nordeuropa.
Damals trat der Sekt zum ersten Mal mit der Aussage «The Magic of Freixenet» im Markt mit einem Kommunikationskonzept auf, das die verführerische Rolle des vergorenen und mit Kohlensäure angereicherten Rebensafts betonte. So viel Erotik war für das Getränk der gesellschaftlichen Krönungsmomente per se ein absolutes Novum, erinnert sich CD Däni Sulzer. «Wir wollten Freixenet einem ganz anderen Höhepunkt entgegensteuern», sagt Sulzer schmunzelnd. Ein Freixenet-Tropfen liebkoste und verführte eine Frau und führte den Betrachter durch seine erregende Fantasiewelt – bis zur tätowierten Rose, die auf die Berührung zum Erblühen kam. «Damit war Freixenet seiner Konkurrenz um Jahre voraus.» Mit der Positionierung im sinnlich-erotischen Umfeld verliess der Cava den Moussierpunkt eines Nischenprodukts und entwickelte sich zum Marktleader.
Erweiterung der Imagezone
Der temperamentvolle Auftritt will aber mittlerweile mehr als nur die Fantasie zum Leben erwecken. Neue Wachstumsimpulse sind genauso
gefragt wie eine Aktualisierung der Marke, um die Einzigartigkeit zu unterstreichen und die Imagedimensionen zu verteidigen. Kurz: Eine fantasievollere Inszenierung war gefragt.
Keine einfache Aufgabe bei der erfolgreichen Vorgabe. Die Herausforderung bestand darin, die genetischen Codes von Freixenet – Herkunft, gefrostete Flasche, Erotik sowie Rose – so zu bearbeiten, dass die Marke neue Impulse erhält, ohne die gewohnte Welt zu verlassen. Und so geht der neue Spot erneut auf eine Gratwanderung zwischen Fantasie und Wirklichkeit, mit dem Unterschied, dass jetzt die Assoziationen noch gezielter und unbändiger auf die Klimax zusteuern. Das Kreativteam spricht vom Tropfen, «der im sinnlichen Spiel zwischen Mann und Frau magische Momente auslöst, der subtil zum Unausgesprochenen verführt». Wie gross die Wirkung des kleinen Tropfens auf den Markt sein wird, das steht noch dahin.
Luca Aloisi

Zahl der Woche

Mediennutzung Die Deutschen verbringen immer mehr Zeit mit Medien.

Mediennutzung Die Deutschen verbringen immer mehr Zeit mit Medien.8 Stunden Mediennutzung Die Deutschen verbringen immer mehr Zeit mit Medien. Laut der Untersuchung «Time Budget», die Forsa im Auftrag des Werbezeitenvermarkters Seven-One Media durchführte, wendet jeder Bundesbürger zwischen 14 und 49 Jahren täglich acht Stunden für Medien auf, das sind anderthalb Stunden mehr als 1999. Der Löwenanteil entfällt auf Radio (160 Minuten, 1999: 143) und Fernsehen (156 Minuten, 1999: 146). Das Internet wird mittlerweile im Durchschnitt 49 Minuten pro Tag genutzt und hat damit Tageszeitungen (22 Minuten, 1999: 24) und Zeitschriften (15 Minuten, 1999: 15) deutlich hinter sich gelassen.

Keyword Gabriel

Markus Gabriel feiert fünf Jahre Angelink und ist seiner Zeit um zwei Jahre voraus.

Markus Gabriel feiert fünf Jahre Angelink und ist seiner Zeit um zwei Jahre voraus.Mit Socks hat alles angefangen. Das war 1995, als US-Präsident Bill Clintons Katze im Weissen Haus in Washington den ersten virtuellen Besuch von Surfern aus aller Welt empfing. Das Schnurren von Socks auf einer Website wurde zum Medienthema. Auch der Werber Markus Gabriel las damals über Socks und wollte wissen: «Was bedeutet ‹Internet› und was wären das für neue Möglichkeiten, vielleicht für unsere Branche?» Permission Marketing, Viral Marketing oder Suchmaschinenmarketing und Keywordwerbung sind seither Begriffe, die Gabriel kürzlich am Töchtertag der Schweizer Schulen auch dem jüngeren seiner zwei Mädchen zu erklären suchte, als diese einen Tag lang in der Agentur an der Zürcher Bolleystrasse schnupperte.
Die Zehnjährige hat heute bereits mehr begriffen als altgediente Werbechefs diverser Grosskunden damals, als Gabriel zu Beginn der Interneteuphorie schon einmal zu einem Aufklärungstag in seine frühere Agentur Schminke und Gabriel geladen hatte. Das Wissensdefizit der Werbebranche brachte Gabriel auf die Nischenidee für seine Crossover-Agentur. «Angelink», wie seine neue Agentur in Anlehnung an «Angel» für Engel Gabriel, «Ink» für Tinte und Texte sowie «Link» für die wertvollen Verbindungen heisst, bietet «die Orchestrierung von On- und Offline-Kommunikation über alle Bereiche an».
Damit es auch seine Tochter begriff, hat Vater Gabriel die Methode des Suchmaschinenmarketings an einem einfachen Beispiel erklärt. Demnach bringe es kaum Kunden, wenn jemand, der Bücher verkaufen wolle, bei Google das Wort «Buch» eingebe. Es bringe aber sehr viel, wenn der Buchhändler als Keyword «Buch bestellen» definiere. Solche Eingaben werden von Angelink und Co. für potenzielle Kunden erfasst, sei es durch technische Eingriffe in die Website oder durch das Schalten von keywordgestützten Anzeigen, welche die Surfer auf die entsprechenden Seiten lenken und damit zum Kauf verlocken.
In den USA ist solche Keywordwerbung die Werbeform «mit dem grössten Schub, und es gibt kein Absinken», weiss Gabriel. Es sei die am schnellsten wachsende Sparte im Bereich Onlinemarketing mit einem Wachstum von 100 Prozent im vergangenen Jahr. Werbung mit Suchbegriffen erziele bereits halb so viel Umsatz wie Bannerwerbung. Auch in Deutschland zeigten die Zahlen nach oben. Zwar sei man hier noch zwei Jahre hinter der Entwicklung zurück. «Die Zeit arbeitet aber für uns», ist der Pionier von Angelink überzeugt. Von zwei auf sechs ist die Zahl der Mitarbeitenden der Agentur in den fünf Jahren ihres Bestehens gewachsen. Dazu arbeitet man mit Freelancern, wie zum Beispiel mit Programmierern in Sibirien.
Im Suchmaschinenmarketing, seit Jahren eine Spezialität von Angelink, hat sich die Agentur jetzt auch noch mit seinen «härtesten und gleichzeitig am meisten geschätzten Konkurrenten» zusammengetan. Das Suchmaschinenmarketing als die neuste Form von Direct Marketing wurde von der Fullserviceagentur ausgelagert. Zusammen mit den Webspezialisten Insign und Envia wurde die Angelink Yourposition GmbH gegründet. Die Suchmaschinenmarketing-Agentur Angelink Yourposition ist im ersten Monat nach ihrer Gründung schon mit sechs Etats betraut worden. Neben dem Online-Sockenvertrieb Blacksocks .ch und dem Zementkonzern Holcim zum Beispiel für die Student Travel School oder den Online-Computerhändler ARP Datacon.
Zu den wichtigsten Kunden in den noch immer gepflegten klassischen Werbedisziplinen von Angelink gehören die Helsana-Gruppe, Rivella, Swarovski oder Henkel, für die Angelink sogar ein Konzept nach Deutschland exportieren konnte. Wobei viele dieser Projekte nicht reine klassische Werbung, sondern eben Crossover-Konzepte seien. «In diesem Zusammenführen der realen und der virtuellen Welt können wir unsere entscheidende Stärke ausspielen», weiss Gabriel.
Der Crossover-Spezialist fing gleich nach der Matura als Texter an. Er arbeitete bei Wirz und Advico, bevor er mit 30 Jahren CD bei McCann wurde. Da ihn das Neue «grundsätzlich mehr lockt als das, was es schon gegeben hat», kam für Gabriel das Internet gerade zur rechten Zeit. Multimedia faszinierte ihn, weil er damit «mehr Instrumente beherrschen und in Einklang bringen muss» als in der klassischen Werbung.
Aber nicht nur die Instrumente des World Wide Web beherrscht Gabriel heute. Der Werber spielt in seiner Freizeit mit dem Didgeridoo auch meditative Kassetten ein und zählt zu den Top Five der Schweizer Mundharmonika-Blueser. «Falls alle Stricke reissen, könnte ich von der Schnurregiige leben», meint der unbekannte Studiomusiker, der schon mit Eddie Harris, Super Charge und Louisianna Red auf der Bühne stand und auf einer Platte von Nena zu hören ist.
Spielt virtuos mit den Möglichkeiten des Web und mit denen der «Schnurregiige»: Angelink-Inhaber Markus Gabriel.
Andreas Panzeri

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