Handel Zweieinhalb Jahre nach Aufgleisung der PostShops fährt der gelbe Riese erstmals eine breite Imagekampagne für seine
Retail-Strategie.
Mit 2034 Einwohnern pro Filiale verfügt die Schweizerische Post über eines der dichtesten Netze weltweit. In Frankreich müssen sich rund 3400 Einwohner eine Poststelle teilen, in Deutschland sind es sogar 5600. Jede der über 3000 hiesigen Poststellen offerierte zudem das Vollangebot der Dienstleistungen – jedenfalls bis 2001. Denn diese Leistung, die gemäss Post-eigenen Angaben weit über den Service-public-Auftrag hinausreicht, kostet das Unternehmen rund zwei Milliarden Franken pro Jahr. Da nur gerade ein Viertel aller Poststellen kostendeckend arbeitet, weist der Geschäftsbereich Poststellen und Verkauf jährlich ein Defizit von rund 500 Millionen Franken aus. Die Finanzlücke und das veränderte Kundenverhalten haben vor zweieinhalb Jahren zum Entscheid einer Umpositionierung des Poststellennetzes geführt. Neben der schrittweisen Konsolidierung der Filialen – bis 2006 maximal 2700 – wurden zudem postfremde Artikel ins Sortiment aufgenommen. Die Retail-Strategie solle einen Teil des Defizits auffangen, erläutert Andreas Etter, Leiter Marketingkommunikation Poststellen und Verkauf.
Beliebter Post-Artikel: Handys Entsprechend den Kernkompetenzen der Post umfasst das Angebot Produkte, die auf moderne Art die Kommunikation fördern. So kann die Postkundschaft neben der Paketaufgabe ein Mobiltelefon oder einen Computer erwerben. Zur Auswahl stehen auch Bücher, Spiele, Papeterieartikel und Süssigkeiten. Seit der Einführung des erweiterten Sortiments hält die Post, gemäss Etter, bereits sieben Prozent der Handyumsätze. Etter: «Auf Grund der Produktewerbung kommen die Kunden gezielt in eine Postfiliale, um das Gewünschte zu erstehen.» Spontankäufe würden eher bei den Papeterieartikeln getätigt.
Nach Namensfindung sowie Logistik- und POS-Anpassungen sieht die Post heuer den Zeitpunkt gekommen, die PostShops auf der Imageebene zu verankern. Nach einem Pitch hat der gelbe Riese die Zürcher Agentur Publicis mit der kreativen Umsetzung betraut. Im Geburtshaus des blauen NZZ-Bleistiftes ist für das Service-public-Unternehmen die gelbe Einkaufstasche entstanden: «Beidseitig mit einem Buchstaben bedruckt, lässt sich das gesamte PostShop-Sortiment mit den Tüten ‹schreiben›», beschreibt CD Markus Gut das Kreativkonzept.
Wie dies geht, zeigt das Publicis-Team in drei nationalen TV-Spots. Darin bastelt ein kleiner Junge zum Beispiel das Wort «Etuis», und ein Mann ordnet Personen mit den Taschen so an, dass das Wort «Handys» entsteht. Um die Kunden in der Realität zu ähnlichen Spielereien zu animieren, werden die Buchstabentüten auch tatsächlich produziert und im neuen Jahr an die Kunden abgegeben.
Publicis-Spot: Tüten fördern die Sortimentsbekanntheit der PostShops.
Simone Keller