Als einer der Stars der New-Media-Welt hat Sebastian Onufszak an der Grafik16 in Zurich ausgestellt. Seine Designs, Musikvideos und Plakate strotzen vor Lebensfreude – die vielschichtigen Farbspiele und Illustrationen stechen ins Auge. An der Grafik16, der grossten Werkschau fur Grafik und visuelle Ausdrucksformen in der Schweiz, hat Onufszak eines seiner Werke vorgestellt.
Leere, um sie zu füllen
Ganz in Schwarz erscheint Sebastian Onufszak an der Grafik16 – abgesehen von roten Socken. Sein schwarz gekleideter Auftritt ist ein offensichtlicher Widerspruch zu seiner Arbeit – farbenfroh, lebendig und interaktiv. ≪Das stimmt≫, meint er lachend, ≪ich suche wohl unbewusst diese Gegenpole.≫ Entsprechend ist auch seine Visitenkarte lediglich ein weisses Stuck Papier, auf dem in schwarzer, schnorkelloser Schrift sein Name und Kontaktdaten stehen – eine Berufsbezeichnung oder sonstige weitere Angaben sucht man darauf vergeblich. Diese Einfarbigkeit erganzt ein komplett aufgeraumter Schreibtisch. ≪Da darf gar nix drauf liegen≫, betont Onufszak. Er sei nicht der Typ fur kreatives Chaos, er brauche Ordnung. ≪Ich benotige die Leere, um sie zu fullen≫, meint er nach einigem Nachdenken. Um eine neue Gestaltung zu entwickeln, brauche er Ruhe. Diese Grundlage sei fur ihn wie ein weisses Blatt Papier, das es zu fullen gilt. ≪Inspirieren lasse ich mich aber doch sehr gerne≫, fugt er abwagend hinzu, ≪ohne funktioniert es nicht.≫ An der Grafik16 hofft er, viele Inspiration zu finden.
Inspiriert von neuer Technologie
Sehr fruh ist Sebastian Onufszak mit seinen Eltern von Polen nach Deutschland ausgewandert. Sein Vater studierte Fotografie und Grafikdesign an der Kunstakademie in Breslau. ≪Das hiess damals im Osten nicht Grafikdesign, sondern angewandte Kunst, oder so≫, fuhrt er aus. Dass sein Vater mit Illustrationen gearbeitet hat, hat Onufszak stark beeinflusst. Bereits als kleines Kind hat er die grafischen Arbeiten seines Vaters mitbekommen. ≪Ichsass immer mit dabei und hab ihm bei der Arbeit zugesehen≫, erzahlt er. Das ware wohl der Hauptgrund, warum er nun ebenfalls in dieses Metier gekommen sei, meint er ruckblickend. Sein Vater war sein Vorbild, aber spater dann auch seine Herausforderung – ≪ich wollte Neues ausprobieren, und damit dann naturlich auch besser werden≫, erzahlt Onufszak. Eigentlich sei es ihm dabei aber nicht um einen Konkurrenzgedanken gegangen, sondern einfach darum, technologische Innovationen auszuprobieren und damit Neues zu schaffen. Uberhaupt wagt Onufszak grundsatzlich alles genau ab, pruft und verwirft, sucht Hintergrunde und deren Gegenperspektive zu erkennen. So hinterfragt Onufszak auch seine Arbeit und deren Zukunft. Heute mit 38 Jahren und einer 16-jahrigen Tochter beginne er sich naturlich zu fragen, wann er selber von der jungeren Generation uberholt werde, nicht mehr mithalten konne mit den Innovationen. ≪Wahrend meine Tochter Sprachnachrichten verschickt und in Sekundenschnelle auf Whatsapp ganze Romane schreibt, tippe ich immer noch mit zwei Fingern muhsam eine SMS≫, meint er selbstironisch dazu. Sein Vater beispielsweise sei noch mit langsamen Schnitten in Filmen und grosstenteils entspannter Filmmusik aufgewachsen, heute dominiert Geschwindigkeit. ≪Als MTV-Generation ist man aufgewachsen mit schnell geschnittenen Musikvideos und -clips – wir haben uns daran gewohnt≫, konstatiert Onufszak. So werde das auch mit den nachsten Generationen weitergehen, neue Technologien entstehen, an die sich die jungeren Generationen jeweils relativ schnell anpassen, die alteren jedoch irgendwann unweigerlich zurucklassen. Noch ist Onufszak aber voll dran am Puls der Zeit und nutzt sehr gerne jegliche neue Technologie fur seinen Beruf. Er lasst sich gerne von Innovationen inspirieren, gibt gleichzeitig aber bereits seine Erfahrungen als Grafiker an Kommunikationsdesignstudenten an der Augsburger Hochschule weiter, wo er Motion Graphics unterrichtet. Vor allem aber ist er ehrlich erfreut und beeindruckt von den Leistungen und Talenten, die er dadurch erkennen und fordern kann. Neue Technologien und Innovationen im Bereich Bewegtbild sind aber nicht nur eine Inspirationsquelle fur Onufszak. Er sieht vor allem auch deren Bandbreite an Moglichkeiten fur seine grafische Arbeit, ist sich gleichzeitig aber auch sicher, dass diese Veranderungen sich auf die Kommunikation und damit auch auf das gesellschaftliche Zusammenleben auswirken konnen.
Funkstörung und Heidi Klum
Sebastian Onufszak hat klassisches Grafikdesign studiert, sich aber bereits da hauptsachlich mit Neuen Medien beschaftigt. Nach unterschiedlichen Stationen als Art Director und Creative Director in Designburos und Animationsstudios hat er sich als freischaffender Designer selbststandig gemacht. Heute arbeitet er an diversen Projekten fur Kunden wie Audi, ProSieben, Ray Ban oder Adobe. ≪Ich arbeite meist von zu Hause, hab da mein Buro eingerichtet und geniesse das einfach≫, fasst er kurz zusammen. Was er halt besonders schon finde, sei fur unterschiedliche Branchen zu arbeiten. So sei man standig an etwas anderem dran. Diese Wechsel inspirieren ihn immer wieder von Neuem. Seine Inspiration fur die ausgestellte Arbeit an der Grafik16 holte Onufszak bei der Musikband Funkstorung. Das Duo hat Onufszak wahrend seiner Studienzeit gehort. Speziell eines der Musikvideos aus der damaligen Zeit hat ihn fasziniert – ≪genau diese Art der Animation wollte ich selber gestalten ≫, fuhrt er aus. Die daraus entstandene Arbeit stell er nun an der Grafik16 aus. Sie besteht aus 96 Frames, herausgenommen aus seinem Musikvideo fur ≪Laid Out≫. Onufszak hat die gesamte Diskografie chronologisch dargestellt; sowohl die Farben der Cover, Symbole als auch Textfragmente aus den Lyrics sind abstrakt visualisiert. Mittels QR-Code kann man sich das Video per Smartphone anschauen. Darauf basiert auch seine Inspiration grosstenteils: ≪Musikvideos zu machen, ist fur mich das Grosste – die gestalterische Freiheit, die man bei diesen Projekten hat≫, erzahlt er begeistert. So besteht auch seine hauptsachliche Arbeit in den Konzepten fur Bewegtbilder. Eines seiner letzten Projekte war das TV-Show-Package fur ≪Germany’s Next Topmodel≫ in Deutschland. Die grafischen Animationen hat Onufszak aber meist nicht am Set, sondern zu Hause entwickelt. Unterwegs ist Sebastian Onufszak allerdings trotzdem immer wieder fur seine Projekte – in New York, San Francisco, Munchen oder Los Angeles halt er sich vereinzelt auf. Fur McDonald’s musste er kurzfristig ans Set nach Mexiko fliegen, um direkt vor Ort Illustrationen fur einen Werbespot zu konzipieren. ≪Das war ziemlich spontan. Ich bekam einen Anruf und musste gleich am nachsten Tag nach Mexiko fliegen. Dort angekommen, musste ich erstmal einen Schreibtisch und Zeichenunterlagen besorgen≫, erzahlt er. Das war eine der spannendsten Reisen fur ihn. Ansonsten musse er meist nicht direkt vor Ort sein. Inspiration konne er sich auch im ≪kleinen≫ Augsburg holen – auch wenn er den personlichen Kontakt jeweils sehr schatze.
Ursina Maurer
Einige der Werke von Sebastian Onufszak: Der Adobe-Löwen von 2015 sowie die Illustration «Never Hide» für Ray Ban und die Animation für «„Germany’s next Topmodel», Pro Sieben.
Digitaler denn je …
Die Grafik16 ist eine wichtige Werkschau für Grafikdesign und visuelle Ausdrucksformen in der Schweiz. Gezeigt werden aktuelle Arbeiten von über 130 nationalen und vereinzelt internationalen Grafikern, Illustratoren, Typografen, visuellen Gestaltern, Game Designern und Künstlern. Stargäste waren 2016 der kalifornische Künstler und Schöpfer des BunnyKitty, Dave «Persue» Ross, und die deutsche Pop-Art-Legende Jim Avignon, «der schnellste Maler der Welt» und Begründer der «Cheap Art». Teil der Grafik16 war die Sonderschau #Game16. Sie zeigte Beiträge von 3 Kunsthochschulen, 11 Studios und 53 Designern und Produzenten. Neben den ausgestellten Werken fanden auch an der diesjährigen Werkschau zahlreiche Live-Paintings und Perfomances mit bekannten Künstlern statt. Der Trend: Ein einst analoges Handwerk wird mehr und mehr ein digitales. Den international renommierten Designer, Illustrator und Art Director Sebastian Onufszak hat Lidia Panio ausgewählt. Panio betreute die Bereiche Application Design, Web Design, Motion Graphic Design, Interaction Design und Mapping. Sie arbeitet in der digitalen Wirtschaft für renommierte Firmen, Agenturen und internationale Marken. Sebastian Onufszak stieg bald nach Abschluss seines Kommunikationsdesign-Studiums zum Art Director und später Creative Director in verschiedenen Designbüros und Animationsstudios auf. Danach wagte er 2009 den Sprung in die kreative Freiheit als selbstständiger Designer. Seither hat seine Leidenschaft für expressives Design hochrangigen Kunden wie Adidas, IBM, Ray Ban oder Karl Lagerfeld gedient. Seine kommerziellen und persönlichen Arbeiten wurden in zahlreichen Büchern, Magazinen und Ausstellungen veröffentlicht. Als Dozent für Bewegtbild an der Hochschule Augsburg bildet er die nächste junge Generation von Designern aus.