Kampagne des Jahres: «Gelungene Kreativität greift einfach besser»
Jean Etienne Aebi über die Kampagne des Jahres 2001 von Publicis, Zürich
Jean Etienne Aebi über die Kampagne des Jahres 2001 von Publicis, Zürich«Gelungene Kreativität greift einfach besser»
Auch wenn Jean Etienn Aebi schon viele Preise gewonnen hat, über die Auszeichnung Kampagne des Jahres 2001 freut er sich ganz besonders, weil «sie sich auf schönste Weise in unsere Zeit einfügt».
Herzliche Gratulation zur Kampagne des Jahres 2001. Wie fühlen Sie sich?
Jean Etienne Aebi: Fast ein wenig wie vor 20 Jahren, als wir mit dem Toni-Jogurt-Auftritt alles abräumten, was es zu gewinnen gab. Mit dieser Kampagne haben wir das höchste Ziel erreicht, das wir immer anstreben: Innerhalb derselben Strategie nicht nur neue Varianten konzipieren, sondern eine wieder neu überraschende Umsetzung gestalten. Das schafft man nicht jedes Jahr mit jedem Kunden und mit jeder Kampagne. Der derzeitige Auftritt für den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) basiert auf derselben Idee wie die Vorjahreskampagne, die wohl mustergültig funktioniert hat. «Ich bin auch ein…» ist in no time zum geflügelten Wort geworden. Bei der neuen Umsetzung haben wir das Tram tatsächlich auf den See verlegt und das Schiff auf die Strasse gesetzt. Die Leute haben sofort den Aufhänger wieder erkannt.
Und wie ist die Stimmung beim ZVV?
Aebi: Dort freut man sich, dass zum ersten Mal ein Werbeauftritt, den man lancierte, einen so absoluten Durchschlag erzielt hat. Die vorhergehende Kampagne gewann ja einen Effie, wurde vom ADC Schweiz mit Silber ausgezeichnet, holte in New York eine World Medal und erhielt den Innovationspreis des öffentlichen Verkehrs, ein Wettbewerb, bei dem die Marketingkonzepte öffentlicher Verkehrsbetriebe verglichen werden.
Wie ist die Kampagne entstanden?
Aebi: Wir sind relativ schnell auf diese Idee gekommen. Sie ist das Resultat eines wunderbaren Zusammentreffens: nämlich eines Auftraggebers, der sich für kreative Lösungen begeistert und sie fordert, und einer unheimlich simplen und lapidaren Konklusion. Dass ein Tram von sich sagt, es sei nicht nur ein Tram, verblüfft ja auf eine geradezu idiotisch einfache Art. Noch nicht einmal die Headline ist besonders originell formuliert. Da man nun lange genug Trams gesehen hat, auf denen etwa «Ich bin auch ein Schiff» geschrieben steht, dachten wir uns diesen trivialen «Schubumkehrschluss» aus. Wir sagten: «Nun zeigen wir eben einfach ein Tram, das über den See fährt» – auf Doppelseiten und an Plakatwänden.
Überrascht es Sie, dass ein Auftritt Kampagne des Jahres 2001 geworden ist, der die Anforderungen des Art Directors Club (ADC) erfüllt?
Aebi: Nein, gar nicht, und ich finde es bezeichnend, dass die Kampagne sowohl in Fachkreisen als auch beim Laienpublikum obenauf geschwungen hat. Es ist nach wie vor meine Überzeugung, dass wirklich gelungene Kreativität – und nicht Kreativität als Selbstzweck, nicht ein überreizter Gag –, also eine tatsächlich originelle, eigenständige, unaustauschbare und verblüffende Idee, auch beim Publikum einfach besser greift. Es bestätigt mich und alle anderen, die daran glauben, dass reduzierte, konzise Ideen die grösste Durchschlagskraft besitzen. Ich will nicht philosophisch werden, aber diese Kampagne fügt sich im Übrigen auf schönste Weise in unsere heutige Zeit ein, weil sie lustvoll und lustig ist, ohne gezwungen witzig oder obergagig zu sein. Ich freue mich wirklich, dass eine so grosszügig einfache Idee Kampagne des Jahres 2001 geworden ist.
Interview: Ernst Weber
Auch wenn Jean Etienn Aebi schon viele Preise gewonnen hat, über die Auszeichnung Kampagne des Jahres 2001 freut er sich ganz besonders, weil «sie sich auf schönste Weise in unsere Zeit einfügt».
Herzliche Gratulation zur Kampagne des Jahres 2001. Wie fühlen Sie sich?
Jean Etienne Aebi: Fast ein wenig wie vor 20 Jahren, als wir mit dem Toni-Jogurt-Auftritt alles abräumten, was es zu gewinnen gab. Mit dieser Kampagne haben wir das höchste Ziel erreicht, das wir immer anstreben: Innerhalb derselben Strategie nicht nur neue Varianten konzipieren, sondern eine wieder neu überraschende Umsetzung gestalten. Das schafft man nicht jedes Jahr mit jedem Kunden und mit jeder Kampagne. Der derzeitige Auftritt für den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) basiert auf derselben Idee wie die Vorjahreskampagne, die wohl mustergültig funktioniert hat. «Ich bin auch ein…» ist in no time zum geflügelten Wort geworden. Bei der neuen Umsetzung haben wir das Tram tatsächlich auf den See verlegt und das Schiff auf die Strasse gesetzt. Die Leute haben sofort den Aufhänger wieder erkannt.
Und wie ist die Stimmung beim ZVV?
Aebi: Dort freut man sich, dass zum ersten Mal ein Werbeauftritt, den man lancierte, einen so absoluten Durchschlag erzielt hat. Die vorhergehende Kampagne gewann ja einen Effie, wurde vom ADC Schweiz mit Silber ausgezeichnet, holte in New York eine World Medal und erhielt den Innovationspreis des öffentlichen Verkehrs, ein Wettbewerb, bei dem die Marketingkonzepte öffentlicher Verkehrsbetriebe verglichen werden.
Wie ist die Kampagne entstanden?
Aebi: Wir sind relativ schnell auf diese Idee gekommen. Sie ist das Resultat eines wunderbaren Zusammentreffens: nämlich eines Auftraggebers, der sich für kreative Lösungen begeistert und sie fordert, und einer unheimlich simplen und lapidaren Konklusion. Dass ein Tram von sich sagt, es sei nicht nur ein Tram, verblüfft ja auf eine geradezu idiotisch einfache Art. Noch nicht einmal die Headline ist besonders originell formuliert. Da man nun lange genug Trams gesehen hat, auf denen etwa «Ich bin auch ein Schiff» geschrieben steht, dachten wir uns diesen trivialen «Schubumkehrschluss» aus. Wir sagten: «Nun zeigen wir eben einfach ein Tram, das über den See fährt» – auf Doppelseiten und an Plakatwänden.
Überrascht es Sie, dass ein Auftritt Kampagne des Jahres 2001 geworden ist, der die Anforderungen des Art Directors Club (ADC) erfüllt?
Aebi: Nein, gar nicht, und ich finde es bezeichnend, dass die Kampagne sowohl in Fachkreisen als auch beim Laienpublikum obenauf geschwungen hat. Es ist nach wie vor meine Überzeugung, dass wirklich gelungene Kreativität – und nicht Kreativität als Selbstzweck, nicht ein überreizter Gag –, also eine tatsächlich originelle, eigenständige, unaustauschbare und verblüffende Idee, auch beim Publikum einfach besser greift. Es bestätigt mich und alle anderen, die daran glauben, dass reduzierte, konzise Ideen die grösste Durchschlagskraft besitzen. Ich will nicht philosophisch werden, aber diese Kampagne fügt sich im Übrigen auf schönste Weise in unsere heutige Zeit ein, weil sie lustvoll und lustig ist, ohne gezwungen witzig oder obergagig zu sein. Ich freue mich wirklich, dass eine so grosszügig einfache Idee Kampagne des Jahres 2001 geworden ist.
Interview: Ernst Weber
