Coopers erster Fall
BMW befährt mit «Mission Mini» neue Werbeautobahnen
Mit «Mission Mini» setzt der Autokonzern BMW neue Massstäbe für Event- und Kommunikationskonzepte. Über verschiedene Medien wurde in 17 Ländern von Kanada über Europa bis Australien ein Mini-Roman der englischen Bestsellerautorin Val McDermid unter die Leute gebracht.
Der unvollendete Krimi wurde Mitte August weltweit als Taschenbuch in 23 Lifestyle-Magazinen beigelegt, in der Schweiz zum Beispiel in Forecast, Kult und Massiv. Die ungelöste Kriminal-Story mit Sam Cooper als Detektiv spielt in der Lifestyle-Szene von Barcelona. Dort sind am Tag vor der Vernissage in einer Galerie sechs Collagen des amerikanischen Künstlers Peter Halley verschwunden. Sam Cooper hat eine heisse Spur. Doch diese zu verfolgen, wird sehr aufwändig. Sam Cooper braucht deshalb Hilfe. Hier endet der Roman. Ihre Fortsetzung findet die Fiktion aber in der Realität. Diese heisst «Mission Mini».
In einem kniffligen Wettbewerb sollen in dieser Mission 21 internationale «Schnüffler»-Teams im Verlauf einer Woche die Bilder in Barcelona wieder zum Vorschein bringen. Diese Teams setzen sich aus Promis aus der Show- und Kunstszene sowie Mini-Cooper-Fans zusammen, die in den beteiligten Ländern über öffentliche Castings ausgewählt wurden. Natürlich sind alle Teams sowie die rund 70 eingeladenen Medienleute bei ihrer Jagd in Barcelona mit einem auffällig beflaggten BMW Mini Cooper S unterwegs. Für ihre Ermittlungstätigkeit in Szenenbars und anderen zum Lebensstil potenzieller Mini-Fahrer passenden Dekors hat ebenfalls Val McDermid das Drehbuch mit verschiedenen Aufgaben geschrieben.
Die ganze Aktion wurde konzipiert von der Münchner PR- und Werbeagentur Ketchum. Diese verhandelt derzeit mit diversen TV-Stationen. In Holland wird Kanaal 2, in Deutschland eventuell RTL über den Event in Barcelona berichten. Europaweit wird zurzeit mit einem «Mission Mini»-Trailer auf dem Musiksender MTV um Aufmerksamkeit für das Spektakel geworben. In der Schweiz wird «Mission Mini» von der Zürcher Agentur Peter Bütikofer & Company, Public Relations and Perception Management betreut.
Die «Mission Mini» setzt sich virtuell im Web fort
Als wichtigster Medienpartner für die Schweiz wird Star TV vom 7. bis 11. November über einen Satellitenlink täglich von der Jagd aus Barcelona berichten. Star TV hat auch das Casting des Schweizer Teams übernommen. Als Promi wird Dieter Meier von Yello zusammen mit der Moderatorin Claudia Lässer den BMW Mini Cooper S durch die Strassen von Barcelona steuern. Yello-Meier hat seine Zusage für diese Autowerbung davon abhängig gemacht, dass BMW mit Star TV zusammen gleichzeitig eine Videoserie zur Unfallverhütung für junge Autofahrer produziert.
Werbung in Form von Auftragskunst scheint für viele Künstler noch mit gewissen Hemmschwellen verbunden zu sein. Der amerikanische Künstler Bill Halley zeigt sich inzwischen jedenfalls ein bisschen verunsichert, weil seine sechs Collagen im Rahmen eines PR-Events von BMW nach dem Ende der «Mission Mini» dem Museum of Modern Art von Barcelona geschenkt werden sollen.
Dass solche PR ihren Preis im doppelten Sinne des Wortes haben kann, musste kürzlich die Romanautorin Faye Weldon erfahren. Sie hat für Bulgari ebenfalls einen Roman im Auftrag geschrieben unter dem Titel «Bulgari Connection» – und wurde prompt von der Literaturkritik zerzaust. Der Trend zu solcher Werbung in der Kunst dürfte sich aber weiterentwickeln, weil damit das Publikum auf ungewohnten Wegen erreicht werden kann, wie das Konzept von «Mission Mini» beweist.
«Mission Mini» spielt nicht nur mit neuen Formen der Werbung, sondern setzt auch die neuen Medien ein. Für die Internetpräsenz wurde die Krimigeschichte auf Basis von Flash 5 als spannende und multimediale Alternative zum herkömmlichen Romanformat aufbereitet. Spürnasen haben hier die Möglichkeit, auf eigene Faust mit den Ermittlungen in dem mysteriösen Fall von Kunstraub zu beginnen. «Ich musste untertauchen. Hier auf meinem Notebook befinden sich alle Infos über den Fall. Bis später.» Mit dieser Meldung fordert Sam Cooper die Surfer auf, ihn im Fall «Mission Mini» tatkräftig zu unterstützen.
Unter www.missionmini.com können berufene Spürnasen vom heimischen PC aus zugreifen und «mit der speziell entwickelten, interaktiven Datenbank-Software für Agenten arbeiten», wie BMW Switzerland verrät. Online-Agenten können Notizen zu Recherchen von Sam Cooper abrufen; gescannte Erpresserbriefe sowie «verdeckt aufgenommene Fotos und Videos von Verdächtigen» sind in diversen Dateiordnern zusammengefasst. Entsprechend der Grösse des Projekts ist diese Website in fünf verschiedenen Sprachen verfügbar.
