Alle Werber Berns wollen in die Südsee

Lotterien Die Berner Agentur Contexta hat für Swiss Lotto und Loterie Romande neue Träume für künftige Millionäre realisiert.

Lotterien Die Berner Agentur Contexta hat für Swiss Lotto und Loterie Romande neue Träume für künftige Millionäre realisiert.Verständlich, dass bei diesem Brainstorming die Einfälle gleich seitenweise aufs Papier purzelten. Schliesslich gehörts ja nicht zum Agenturalltag, im Auftrag eines Kunden Millionen zu verschenken. «Wir sind auf viele abstruse Ideen gekommen, was man mit Lottomillionen alles anstellen könnte», verrät Bernhard Abegglen. Der CD bei Contexta hat schliesslich die Fantasie seiner werktätigen Texter und Grafiker in realistische Bahnen gelenkt: «Reisen und das süsse Nichtstun pflegen» schienen des Werberknechts typische Sehnsüchte zu sein, mit denen er das Schicksal «Lottosechser» psychisch heilsam verkraften will – und somit auch bewerben könnte.Die Contexta-Kreativen haben für diese Kampagne ihre privaten Gelüste wieder beiseite geschoben. Brav schauten sie sich vorgängig alle wichtigen Ideen für Lottowerbung in der ganzen Welt an. Und stellten bei diesen Recherchen fest, dass Werbung für Glücksspiele überall «auf sehr hohem Niveau» daherkommt. «Die kreative Aufgabe ist natürlich hier sehr angenehm», meint Abegglen, «weil man kein Produkt verkaufen muss, sondern eine Sehnsucht wecken darf.»
Ein übergrosses Jaccuzzi zum Baden, eine kleine Südseeinsel mit einem fast ebenso grossen Swimmingpool neben dem Meer sowie ein gemütlicher Privatjet für die Reise ins Büro sind die drei Sujets, mit denen Contexta auch jenen, die nicht zu den Gates’ und Jacobs’ dieser Welt gehören, das nötige Verständnis für etwas mehr Reichtum beibringen möchte. Mit diesen Themen wird die bekannte Sehnsucht nach Luxus und Freiheit möglichst ironisch überspitzt dargestellt, so wie das schon bei den früheren Kampagnen der Fall war. Contexta arbeitet schon seit vier Jahren für Swiss Lotto und Loterie Romande. Die letzte Kampagne zeigte unter dem Slogan «Lotto kann Dein Leben verändern», wie die ehemaligen Habenichtse sich mehr oder weniger höflich von ihren Chefs verabschieden, weil sie nach einem Lottogewinn nicht mehr arbeiten müssen.
Geld macht wirklich glücklich
In der aktuellen Kampagne will man mit dem Gewinn von Lebenslust sowie mit Lebensfreude statt Schadenfreude argumentieren. Neu soll der Betrachter direkt zum Spielen aufgefordert werden. Der Claim «Jetzt sind Sie dran!» – verbunden mit dem Sinnbild einer übergrossen Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger – bringt es dabei auf den Punkt: Jeder kann der Nächste sein… aber nur wer mitmacht, kann auch gewinnen! Dabei sind gemäss dem Contexta-CD die Gewinnchancen auch bei nur zwei Franken Einsatz enorm hoch, nämlich 50 Prozent. «50 zu 50, ob man gewinnt oder nicht gewinnt», rechnet der Kreative vor. Zumindest für die Realisation dieser Ideen haben die Werber etwas vom Duft der reichen Welt einatmen dürfen. Der Spot mit dem Privatjet wurde von Wirz + Fraefel in Kapstadt produziert und danach am Computer in die Eigenheimsiedlung geflogen. Ebenfalls am Computer ist die kleine Südseeinsel mit dem Swimmingpool entstanden.
In Wirklichkeit beruhen solche Träume auf mathematisch genau ermittelbaren Zufällen. Um sechs Richtige zu tippen, müsste jemand für 8,1 Millionen Franken Lotto spielen. Pro Ziehung versuchen potenzielle Privatjet-Besitzer mit 560000 Lottoscheinen ihr Glück.
Andreas Panzeri

GAV steht zur Disposition

Gesamtarbeitsvertrag Das Präsidium des Verbands Schweizer Presse (VSP) stellt wachsende Unzufriedenheit der Verlage mit dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) fest.

Gesamtarbeitsvertrag Das Präsidium des Verbands Schweizer Presse (VSP) stellt wachsende Unzufriedenheit der Verlage mit dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) fest.Immer mehr VSP-Mitglieder schienen bereit zu sein, «wenn nötig einen vertragslosen Zustand gegenüber dem geltenden GAV zu bevorzugen», schreibt der VSP in der Einladung zur ausserordentlichen Mitgliederversammlung vom 24. April. Das Präsidium möchte von der Versammlung beauftragt werden, Verhandlungen mit den Sozialpartnern aufzunehmen. Falls diese «zu keiner Aussicht auf ein befriedigendes Resultat führen», soll das Präsidium den GAV kündigen dürfen. Der aktuelle GAV ist bis zum 20. April 2004 abgeschlossen und kann ab dem 30. April 2003 jederzeit gekündigt werden.

Mutter aller Kampagnen

Aufgefallen Was haben Medienkrieg und Werbung gemeinsam? Dass auf beiden Schlachtfeldern heute die Ästhetik über die Ethik siegt, beklagt Walter Bosch.

Kolumne Was haben Medienkrieg und Werbung gemeinsam? Dass auf beiden Schlachtfeldern heute die Ästhetik über die Ethik siegt, beklagt Walter Bosch.
Die Bilder auf CNN waren von verführerischer Schönheit. Von Staub bedeckte Panzer in der weiten Wüste und alles in den trendigen Pantone-Farben 13-0640 TC bis 17-1227 TC, dazu Akazie, Milchkaffee von Gelb über Grau bis Beige. Die Leuchtspurgeschosse im frischen Grün der Nachtsichtgeräte. Die digitalen Zooms an der Grenze ihrer Kapazität, um die Schlachtszenen in bunte Quadrate aufzulösen. Die Zielkameras der Kampfjets mit ihren Explosionen in Schwarzweiss.Und natürlich die Generäle, die weit ab vom Schuss in makellosen Kampfanzügen vor die Kameraaugen der Welt traten, mit modischen Gamaschen, als wärs ein Vogue-Shooting. Kurz: Die Bilder des Krieges waren eine ästhetisch perfekt inszenierte Soap. Besser beziehungsweise schöner kann man den Schrecken nicht verkaufen. Oder anders gesagt: Mit den richtigen Bildern kann man alles verkaufen. Sogar den Krieg.
Was wir zu sehen bekamen, war nicht nur eine Militärkampagne, sondern auch eine gigantische Werbekampagne. Mit der Copy-Plattform, dass die «Good Guys» im Auftrag der freien Welt sauber und effizient das Reich der Finsternis besiegen. Der vierte Teil von «The Lord of the Rings» sozusagen. Ein Videospiel der Extraklasse. Beinahe ist es gelungen, die weltweiten Antikriegs-Demonstrationen brutaler erscheinen zu lassen als die Einnahme von Basra.
In welch grellem Kontrast dazu standen doch die TV-Bilder, die man auf SF DRS sehen konnte, nie jedoch auf CNN. Den irakischen Arzt etwa, der verzweifelt inmitten ungezählter Leichen stand und nicht wusste, wie er sie loswerden sollte, während Zehntausende von Fliegen sich gütlich taten. Solche «Reality bites» hätten der Kampagne geschadet. Gerade so, wie wenn in einer Anzeige für den Porsche Cayenne Turbo erwähnt würde, dass er in der Stadt 21,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht. Viel mehr werden auch die gepanzerten Fahrzeuge der
17. Kavallerie der US Army nicht schlucken.
Werbung blendet aus, was nicht ins Bild passt. Hier kann man vom Pentagon noch viel lernen. Denn so sehr sich CNN bemühte, auch Hintergründe und Analysen zu vermitteln: Die Bilder waren stärker, sie waren überwältigend. Und die «embedded journalists» wurden schnell zu «buddies» der Truppe. Wie hätten sie sich dem Korpsgeist ihrer Einheiten auch entziehen können?
Und man kann noch mehr lernen vom Pentagon. Etwa, dass die einfachsten Ideen immer noch die wirksamsten sind. Zum Beispiel jene, die Konterfeis aller Bösewichte als Kartenspiel zu verteilen. Es geht zwar um Tod und Leben. Aber den Tod blenden wir aus in dieser Kampagne, so wie den Benzinverbrauch beim Geländeporsche. Das Motto lautet: Das Leben ist nur ein Spiel. Wer wollte da nicht mitspielen?
> Walter Bosch war Blick-Chefredaktor, Chef aller Ringier-Chefredaktoren und Mitgründer der Werbeagentur Bosch & Butz. Seit er diese 1998 verkaufte, ist er Unternehmer und Berater in Zürich und den USA.

Kauf Munteanu, bevor er zu teuer ist

Möbelhandel Jung von Matt/Limmat wirbt in Spots mit zwei unbekannten Designern für das Mobitare-Credo «Design zu vernünftigen Preisen».

Möbelhandel Jung von Matt/Limmat wirbt in Spots mit zwei unbekannten Designern für das Mobitare-Credo «Design zu vernünftigen Preisen».So schaffen sich kreative Werber unter kreativen Möbeldesignern keine Freunde. Statt angemessen für ihre Entwürfe bezahlt zu werden, müssen sie weggeworfene Zigarettenkippen rauchen oder heimlich Katzenmilchschalen auslöffeln. Was in 30 Sekunden aussieht wie ein Crashkurs in Sachen Manchesterkapitalismus, entpuppt sich unter dem Licht einer Designerlampe als Spot fürs Einrichtungshaus Mobitare, ausgeheckt vom Zürcher Ableger des Agenturnetzwerks Jung von Matt. Message der überdrehten Shortstory fürs TV- und Kinopublikum: Kauft Designermöbel, bevor sie unbezahlbar werden.Aber das ist nur die Hälfte der Geschichte. Denn es stimmt nicht mehr, dass in Krisenzeiten die Konsumenten ihr Geld lieber für die Verschönerung der eigenen vier Wände ausgeben, statt in ferne Länder zu reisen. Die Wohnung nach Lust und Laune umzugestalten und neu zu möblieren, ist den meisten Schweizer Konsumenten (siehe Kasten) angesichts der steifen Wirtschaftsbise dann doch zu teuer. Das bestätigt auch Christian G. Malzach, Unternehmensleiter Mobitare AG: «Die Leute kaufen zwar immer noch regelmässig ein, aber weniger und viel preissensitiver als früher.»
Ein Trend, der beim Designmöbel-Spezialisten aus der Pfister-Arco-Gruppe Spuren hinterlassen hat: Der Umsatz 2002 brach mit 22,5 Millionen Franken um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Dass die Branche unter der Unlust der Konsumenten leidet, bestätigen selbst Anbieter von Möbeln im niedrigen Preissegment. «Es heisst immer, dass es uns in schlechten Zeiten besser geht», meint Klaus Peter Mager, Ikea-
PR-Verantwortlicher. Auch beim schwedischen Einrichtungshaus spüre man trotz steigender Besucherzahlen einen Rückgang
im Pro-Kopf-Umsatz. Eine Entwicklung, von der auch das Migros-eigene Möbelhaus Micasa betroffen ist, wie Kommunikationsleiter César Keller einräumt: «Die Leute kaufen noch preisbewusster ein als früher.»
Tausche Ikea gegen Mobitare
Seit dem 21. April soll eine neue Kampagne das Möbelhaus Mobitare bei der potenziellen Kundschaft in Erinnerung rufen. Die verantwortliche Agentur Jung von Matt/Limmat (JvM) verfügt bereits über Erfahrungen im Einrichtungsbereich. Schliesslich betreute sie während mehreren Jahren das Schweizer Budget von Ikea. Dieser Etat hatte vorerst eine Zusammenarbeit zwischen Mobitare und dem JvM-Team verhindert: Auf Grund des Interessenskonfliktes musste sich JvM vor drei Jahren das Budget von Rüegg Werbung vor der Nase wegschnappen lassen.
Neben der Agentur wechselte Mobitare auch das Hauptmedium: Mit zwei Spots – flankiert von drei Plakatsujets – ist das Dübendorfer Einrichtungshaus heuer auf Tele Züri und Zürcher Kinoleinwänden präsent. Letztere würden allerdings in spezielleren Theatern wie dem Riff Raff geschaltet, erklärt JvM-CD Urs Schrepfer. Denn als Zielpublikum werden 30- bis 50-jährige Frauen und Männer angepeilt, die sich «sowohl beruflich als auch privat bereits orientiert haben». Der neue Auftritt will Mobitare als Anbieter von Designmöbeln zu vernünftigen, zahlbaren Preisen positionieren.
«Kaufen Sie seine Möbel, bevor er ein Vermögen damit macht», fordert die Off-Stimme im Mobitare-Spot die Betrachter auf – und zeigt die zwei Jungdesigner Andrei Munteanu und Jacco Bregonje in eindeutig armseligen Posen. Für mehr Authentizität verpflichtete JvM nebst dem Jungregisseur Enno auch gleich die «echten» Möbelentwerfer.
Mit dem neuen Konzept will die Möbel-Pfister-Schwester bekannt machen, dass sie vorwiegend mit Designern arbeitet, die erst «auf dem Sprung sind». Der Kunde müsse den Preis auf Grund des Stückgegenwertes stets nachvollziehen können. Mit Jungdesignern könne das eher erreicht werden, da diese noch keine «horrend hohen, utopischen Preisvorstellungen» hätten, offenbart Unternehmensleiter Malzach und präzisiert, dass dies nicht despektierlich gemeint sei, aber: «Wir wollen mehr als nur den Namen. Wir wollen auch ein tolles Produkt dahinter.»
Angst, dass die Designer durch die Spots «bekannt» werden und die Preise für ihre Kreationen in «utopische Sphären» abdriften könnten, hat Malzach keine. «Wir haben ihre Möbel ja bereits.»
No-Name-Designer sucht Mobitare-Möbelkunden zwecks Ausstieg aus dem Clochard-Milieu.
Umsatzentwicklung der drei grössten Schweizer Möbelhändler der vergangenen drei Jahre
Simone Keller

Westschweizer Barrikaden

Kinomagazine Bewegung bei Westschweizer Filmzeitschriften: Der Kinovermarkter Cinecom akquiriert neu für das kleine Films, Konkurrent Mediavision legt seine Hand auf das grosse Live.

Kinomagazine Bewegung bei Westschweizer Filmzeitschriften: Der Kinovermarkter Cinecom akquiriert neu für das kleine Films, Konkurrent Mediavision legt seine Hand auf das grosse Live.Vorsicht! Der französische Kinovermarkter Mediavision (MV), der in der Westschweiz einen Marktanteil von 45 Prozent bei der Kinowerbung hält, hat mit Live, der grössten Gratis-Kinozeitschrift der Romandie (140000 Exemplare), direkt nichts zu tun. Und doch gibts seit jüngstem eine Verbindung zwischen MV und Live – ähnlich der schon bestehenden zwischen MV und der zweiten Westschweizer Gratis-Kinozeitschrift Avant première (AP) und deren Deutschschweizer Schwester Film demnächst.Die Verbindung funktioniert so: AP (97845 Exemplare) und Film demnächst (134210 Exemplare) werden von Promoéditions herausgegeben, eine 100-prozentige Verlagstochter der Westschweizer Quorum Communication. Die Vermarktung beider Hefte (auch mit Anzeigenkombi) erledigt
Promoguide, ebenfalls eine 100-Prozent-Tochter der Quorum-Gruppe. Für die beiden Hefte ist Kinobranchenkenner Jean-Pierre Grey zuständig, seit kurzem auch bei Live Verlagsleiter im Auftrag von Promoéditions.
Zwar gehört Live dem Lausanner Verlag Télimage, dieser hat aber im Februar 2003 Promoéditions die Produktion von Live übertragen – mit dem Ziel, Kosten zu senken. Grey richtete das bisherige Musik- und Filmheft ganz auf Film aus und lässt Journalisten von AP auch für Live schreiben. Er betont jedoch, dass kein Heft Artikel vom andern übernehme. Auch im Anzeigenbereich sei keine Kooperation geplant. Eine solche würde sich aber anbieten, weil beide zusammen die Romandie-Kinos vollständig abdecken: Live liegt in Kinos der Europlex-Kette (in Cinecom-Pacht!) auf, AP bedient die übrigen.
Worin besteht nun eine Verbindung zwischen MV und Live? Vor allem in der Person von Olivier Bloch, Direktor von Mediavision Suisse, aber auch über Roland Ray, VR-Präsident der Quorum-Gruppe. Die beiden sind befreundet und auch über VR-Funktionen in verschiedenen Firmen liiert. So ist Bloch bei beiden Quorum-Töchtern zeichnungsberechtigt und innerhalb von Promoéditions VR-Vizepräsident beim Verlag von Film demnächst. Umgekehrt sitzt Ray als VR-Präsident in Blochs Anzeigenagentur Mediapresse.
(Anzeigen-)Korb für Luchsinger
Diese Verbindungen sind vor allem aus der Warte der MV-Konkurrentin Cinecom brisant, die in der Deutschschweiz das Teleclub-Kinomagazin Close-up (159840 Exemplare) vermarktet und auch in der Westschweiz im Printbereich aktiv sein möchte. Anfang Jahr hat sie nun die Vermarktung der Abo-Zeitschrift Films (20000 Exemplare) übernommen. Zwar macht ein Kombi mit dem Gratisheft Close-up keinen Sinn, doch Cinecom kommt mit Films, das auch in Kinos mit MV-Pacht aufliegt, in die Häuser der Konkurrentin. Matthias Luchsinger, CEO und Mitinhaber von Cinecom, sieht das neue Engagement vor allem als Ausbau der Cinecom-Präsenz in der Westschweiz. Er verhehlt auch nicht, dass er an der Vermarktung von Live interessiert wäre und schon Gespräche geführt hat. Tatsächlich würde Live gut ins Cinecom-Portfolio passen, denn wie Live ist auch Close-up an eine Kinokette – Kitag – gebunden. Doch Luchsinger ist offenbar bei Télimage abgeblitzt. Jedenfalls hat Télimage im Februar seinen Vertrag mit der Lausanner Agentur General Media erneuert. Sie konnte das Inseratevolumen von Live im letzten Jahr um 6,5 Prozent steigern! Das ist auch in dieser Branche aussergewöhnlich: AP zum Beispiel hat 11,6 Prozent verloren.
Solange die MV-Quorum-Télimage-Connection besteht, dürfte es für Cinecom künftig noch schwieriger sein, an Live heranzu- kommen. Das Umgekehrte ist wahrscheinlicher: Dass Teleclub Close-up in neue Hände, etwa in jene von General Media oder Promoguide, gibt. Dann wäre der Weg für neue Kombis frei. Ob es dazu kommt, hängt davon ab, was stärker ist: Der Druck an der Anzeigenfront oder die Verbindungen zwischen Teleclub, Ringier, Sat1 (Schweiz) und Cinecom.
Verschlungene Verlags- und Anzeigenwege im Westschweizer Kinozeitschriftenmarkt führen in die Kassen von Ray, Grey und Bloch.
Nebst Close-up neu im Portfolio von Cinecom: Films.
Markus Knöpfli

Verträge mit Haken

Pendlerzeitungen Kaum Hoffnungen auf Tamedia-Jobs für Express-Mitarbeiter.

Pendlerzeitungen Kaum Hoffnungen auf Tamedia-Jobs für Express-Mitarbeiter.
Nachdem die Tamedia-Führung den Angestellten des nicht lancierten Express noch eine gesicherte Zukunft im Konzern versprochen hat, sieht jetzt alles anders aus. Laut unbestätigten Informationen sind eine Mehrzahl der Verträge, die Express-Mitarbeitern bei anderen Tamedia-Titeln angeboten werden, «voller Haken». Haken 1: Fast alle Verträge sollen auf ein Jahr befristet sein. Haken 2: Die Express-Mitarbeiter bleiben Express-Angestellte, deren Lohn laut verlässlichen Quellen klar unter den Löhnen ihrer Tagi-, Sonntagszeitung- und Facts-Kollegen liegt. Haken 3: Ihre neuen Stellen sind nicht einmal im Budget ihrer neuen Arbeitgeber aufgeführt. Tamedia-Sprecherin Franziska Hügli gab sich zugeknöpft: «Diese Behauptungen sind so nicht korrekt. Bevor die Wettbewerbskommission über den Kauf von 20 Minuten entschieden hat, ist es zu früh, Aussagen über die Express-Redaktion zu machen.» (sm)

Matter & Partner wirbt für Bankensoftware

Die Werbeagentur Matter & Partner sicherte sich das Gesamtbudget des Bankensoftware-Entwicklers Sobaco.

Die Werbeagentur Matter & Partner sicherte sich das Gesamtbudget des Bankensoftware-Entwicklers Sobaco.Die Zürcher Kreativen setzten sich in einer Konkurrenzpräsentation gegen einen ungenannten Mitbewerber durch. Sobaco, mit Sitz in Zürich, bietet Software-Lösungen für Privatbanken an. Das Unternehmen wurde 1984 gegründet, betrieb aber gemäss Agenturchef Daniel Matter kaum Markenwerbung. Die bisher unter eigenen Namen auftretenden Produkte der Firma sollen unter der Marke Sobaco zusammengefasst werden. Nachdem Matter & Partner einen strategischen Ansatz entwickelt hat, ist im Mai eine erste Inseratekampagne zu erwarten, die sich an Entscheider in Privatbanken richtet.

Die Grillsaison wird heiss

Food Unter dem Motto «Licence to grill» schickt der Ketchup- und Feinkosthersteller Heinz seine sexy BBQ-Agentin ins Netz, um Schweizer Grillfreunden so richtig Feuer unter dem Rost zu machen.

Food Unter dem Motto «Licence to grill» schickt der Ketchup- und Feinkosthersteller Heinz seine sexy BBQ-Agentin ins Netz, um Schweizer Grillfreunden so richtig Feuer unter dem Rost zu machen.Auf der Aktions-Website www. licencetogrill.ch gibt es ab Mai unter anderem knallrote Grillföhns zu gewinnen. Die in der Schweiz von der Agentur Viva betreute Kampagne soll die Umsätze des Marktführers im Segment Tomato Ketchup «zum Glühen» bringen. Ketchup-Patrone einlegen und die gut gegrillten Würste damit verheinzen.

Hinter den Kulissen des Glücks

Erlebnismarketing «Brandlands» wie VWs Autostadt oder dieNike-Towns wollen ihre Besucher emotional involvieren. In seinem jüngsten Buch analysiert der Theater- und Filmwissenschafter Christian Mikunda die Psycho-Dramaturgie solcher «dritten Orte».

Erlebnismarketing «Brandlands» wie VWs Autostadt oder dieNike-Towns wollen ihre Besucher emotional involvieren. In seinem jüngsten Buch analysiert der Theater- und Filmwissenschafter Christian Mikunda die Psycho-Dramaturgie solcher «dritten Orte».
Zu Hause verströmt die Glotze pure Langeweile, im Büro ists nicht mehr so lustig wie auch schon, da bleibt einem nur die Flucht zum «dritten Ort». Gemeint sind damit Schauplätze wie Shopping Malls, Lounges oder Erlebnisparks – postmoderne Versionen des Marktplatzes also, in denen emotionale Inszenierungen für Zerstreuung und gute Laune sorgen sollen.In seinem neuen Buch «Marketing spüren. Willkommen am dritten Ort» nimmt Christian Mikunda den Leser mit auf eine ausführliche Studienreise zu solchen «3rd places». Die Expedition führt unter anderem in die Volkswagenstadt Wolfsburg, in Helmut Langs kontemplativen Parfumshop macj New York (in dem jeweils nur ein Parfumflakon ausgestellt ist), an den künstlichen Strand des japanischen «Ocean Dome» und selbstverständlich zur Lieblingsdestination der Marketer: nach Las Vegas.
Animierende Akustik
Als promovierter Film- und Theaterwissenschaftler analysiert Mikunda diese mittlerweile schon Kult gewordenen Konsumstätten mit dem Blick des Dramaturgen. Ein dritter Ort muss demnach einem «brain script» folgen, einem Drehbuch im Kopf, mit dem eine Geschichte erzählt wird. Beispielsweise in der Tennisabteilung von Nike-Towns, in der der Besucher aus versteckten Lautsprechern ein trockenes «Plop-Plop» hört. Das vom Fernsehen oder Court bekannte Geräusch ruft beim Konsumenten ein «tennis brain script» ab und versetzt ihn direkt in die Situation, in der die begehrte Ware verwendet wird.
Zudem soll der dritte Ort einen starken optischen Eindruck hinterlassen und eine ästhetische «Landmark» darstellen. Dabei verweist Mikunda auf Zunftzeichen, die während Jahrhunderten gültige Aussagen nach aussen gemacht haben. Ein Schlüssel an der Fassade etwa bedeutet: Hier arbeitet ein Schlosser. Durch die Erschliessung solcher und anderer historischer Kontexte wird ersichtlich, dass nicht alles, was im Marketing neu scheint, auch wirklich neu ist.
Versteckte Geschichten
Am Beispiel der Themenhotels in Las Vegas belegt der Autor weiter, dass dritte Orte meistens eine «hidden history» enthalten, die von Venedig, Piraten oder dem alten Ägypten erzählt. Solch klassische Themenwelten haben eine eskapististische Grundfunktion – sie ermöglichen die vorübergehende Flucht ins Land fremder Fantasien. Dabei konstatiert Mikunda eine paradoxe Entwicklung hin zur Echtheit. Selbst durch und durch kalkulierte «Kulissen des Glücks» (Gerhard Schulze) à la Planet Hollywood werden heute von einem jüngeren Publikum zunehmend als authentisch empfunden. Als zukunftsträchtiges Exempel erwähnt der Autor das Restaurant Noodles im Bellagio Hotel in Las Vegas. Mehrere Nudelsorten werden dort in Glaszylindern ausgestellt. Das Italo-Dekor passt zum kulinarischen Angebot. Mikunda hält das bereits für «artifizielle Authentizität» respektive die Inszenierung derselben.
Eine andere Ausdrucksform der offenbar unstillbaren Sehnsucht nach Authentizität will Mikunda in der gläsernen Manufaktur von Volkswagen entdeckt haben. In Dresden können die Autokäufer die Herstellung ihres bestellten Luxusguts mitverfolgen. Wer einen Phaedon kauft, soll bis zu einer Woche präsent sein dürfen, um beobachten zu können, wie sein neuer fahrbarer Untersatz produziert wird. Damit wird ein Prozess transparent gemacht, der seit der Industrialisierung hinter verschlossenen Fabriktoren stattgefunden hat.
Ohne Konsumkultur wären unsere Städte langweilig, behauptet Mikunda. Auch Stararchitekt Rem Koolhaas bezeichnet Shopping als «fundamentales Element moderner Urbankultur» und schon Walter Benjamin betrachtete Kaufhäuser als «dem Rausche geweihte Tempel».
Zwei Bücher in einem Jahr
Mikundas Reportagen aus den künstlichen Paradiesen unserer Konsumwelt leben vom Detailreichtum und plastischen Schilderungen und gelten deshalb als vergnügliche Lektüre.
Mit anderen Worten, der Autor hat aus der Analyse seiner Objekte gelernt, wie man ein süffiges Leseereignis inszeniert. Ein früherer solcher Event («Der verbotene Ort oder die inszenierte Verführung. Unwiderstehliches Marketing durch strategische Dramaturgie» von 1996) ist übrigens kürzlich neu aufgelegt worden und lädt zum Vergleich in Thesenbildung und Erzähltalent ein.
Schon Walter Benjamin betrachtete Kaufhäuser als «dem Rausche geweihte Tempel». > Marketing spüren. Willkommen am dritten Ort von Christian Mikunda. Redline Wirtschaft bei Ueberreuter, München 2002. 229 Seiten, Fr. 60.20.
Francis Müller

Durchgesickerte (Hinter-)Gründe

Weil wir mit dem Art Directors Club Stillschweigen über unsere Austrittsgründe vereinbart haben, wollen wir gar nicht gross auf Ihre Meldung über unser Ausscheiden eingehen.

Weil wir mit dem Art Directors Club Stillschweigen über unsere Austrittsgründe vereinbart haben, wollen wir gar nicht gross auf Ihre Meldung über unser Ausscheiden eingehen.Zwei Punkte sind uns aber dennoch wichtig, bevor wir das Thema ADC definitiv abschliessen:Erstens sind trotz unserer Stillschweigevereinbarung mit dem ADC ganz offensichtlich Infos aus dessen Vorstand über unsere Austrittsgründe an die Werbewoche durchgesickert. Und zweitens haben wir ADC-Chef Andreas Prokesch am 18. März bei einem «Abschiedsnachtessen» in Frauenfeld geschlagene drei Stunden lang im Detail über unsere vielfältigen Gründe, den ADC zu verlassen, ins Bild gesetzt. Seine Aussage, wonach wir zwar Vorwürfe erhoben, diese aber nicht näher erläutert hätten, ist also nicht richtig. Übrigens: Für die Ziele des ADC wollen wir uns auch in Zukunft einsetzen – einfach ausserhalb des ADC.
Tamàs Kiss, Mitinhaber der Werbeagentur Hesskiss, zum Artikel «ADC-Austritt» in WW 15/03

Benettons Fabrica sucht junge Kreative

«Kreativität ist etwas Ungewöhnliches: Sie erschreckt. Sie verstört. Sie ist subversiv.» Mit diesen Worten sucht Fabrica, Kreativshop und Werbeagentur des Modekonzerns Benetton, nach neuen Talenten.

«Kreativität ist etwas Ungewöhnliches: Sie erschreckt. Sie verstört. Sie ist subversiv.» Mit diesen Worten sucht Fabrica, Kreativshop und Werbeagentur des Modekonzerns Benetton, nach neuen Talenten.Junge Leute aus Grafik, Fotografie, Design, Video, Musik, Mode und neuen Medien sind aufgefordert, sich um einen Studienplatz zu bewerben. Kandidaten dürfen maximal 25 Jahre alt sein und müssen gut englisch sprechen. Die Bewerbung mit Lebenslauf und kurzer Präsentation bisheriger Arbeiten nimmt Elisabetta Prando unter der Adresse Fabrica Spa, Via Ferrarezza, I-31050 Catena di Villorba entgegen. Weitere Informationen finden sich auf www.fabrica.it

Gerührt, nicht geschüttelt

Heinz Bischof ist seit Anfang April neuer Geschäftsführer bei der Mediaagentur Universal McCann in Zürich.

Heinz Bischof ist seit Anfang April neuer Geschäftsführer bei der Mediaagentur Universal McCann in Zürich.Was unterscheidet Heinz Bischof von Ian Flemings Romanhelden James Bond? Klar, der neue Geschäftsführer von Universal McCann würde einen Dry Martini nie geschüttelt bestellen. Ob er den jeweils zu sich nimmt, wenn die Geschäfte rund laufen, bleibt seine Sache. Dass er mit Shaker und Barlöffel zu hantieren weiss, gehört jedenfalls zur Laufbahn dieses Mannes.
Doch der Reihe nach: Der neue Managing Director bei Universal McCann in Zürich wählte gezielt Mosse-Annoncen als Lehrbetrieb für seine kaufmännische Ausbildung. «Leider keine Agenturerfahrung», war zuerst einmal die enttäuschende Absage, als er später in eine richtige Werbeagentur einsteigen wollte. Bischof entschloss sich deshalb zu einem gut zweijährigen «Ausflug in die Gastronomie». Nach einem Umschulungskurs beim Schweizerischen Wirteverband und einem Weiterbildungskurs zum Barman folgte schliesslich eine kurzweilige Zeit als Barkeeper in Genf. Dort hat er in langen Nächten beim stundenlangen Zuhören an der Bar «Menschenkenntnis erworben». Eine Eigenschaft, die ihm in Kundengesprächen noch heute zugute kommt. «Herausspüren, auf was es der anderen Seite ankommt», fasst er seine Erfahrungen zusammen.
1979 kehrte Bischof in die Werbung zurück. Nachdem er sich als Beratungsassistent bei Gisler und Gisler beworben hatte, landete er in dieser Werbeagentur «eher per Zufall» in der Mediaabteilung, wo er während fünf Jahren als Mediaplaner arbeitete. «Doch bald merkte ich, dass dieser Job nicht nur mein Beruf, sondern meine Berufung ist». Als Nebenjob unterrichtete Bischof zuerst am KV Zürich (Werbeassistenten-Ausbildung) und später auch am Sawi.
Danach wechselte er als Medialeiter zu Young & Rubicam, die damals noch in Bern domiziliert war, wo er die Führung der Mediaabteilung übernahm. Gleichzeitig kümmerte er sich um den Aufbau der Mediaabteilung in der immer wichtiger werdenden Filiale in Zürich.
Auf Ende 2001 wollte sich der damalige Geschäftsführer von Innomedia und später Media Planning nach fast zwölf Jahren wieder einmal neu orientieren. Mediaforschung oder auch der Wechsel auf die Medienseite wären die Optionen gewesen, bevor ihn die Aufbauarbeit für die neue Kommunikationsschule Polycom schliesslich am meisten begeistern konnte. Für diese erste gesamtheitliche Kommunikationsausbildung in der Schweiz, die vom Sawi und SPRI gemeinsam in Lausanne und Zürich angeboten wird, hat Bischof in seiner kurzen Phase der Selbstständigkeit die Schulungsleitung übernommen. Er baute den Kontakt zu potenziellen Studenten und Dozenten auf, informierte die Berufsberater, suchte Schulungsräume und erstellte schliesslich das ganze Kommunikationskonzept.
«Es ist etwas Angenehmes und Interessantes, mit Leuten zusammenzukommen, die tiefer in die Materie eindringen wollen. Man muss ständig an vorderster Front der Entwicklung dabei sein», meint Bischof heute zu seinen Nebenbeschäftigungen als Dozent.
Bei seinem Hauptjob als Geschäftsführer bei Universal McCann locken ihn «so interessante Budgets» wie Camel, Unilever, Coca-Cola, XL Capital und Roche. Nachdem er viele Jahre in eher kleineren Agenturen gearbeitet hat, gefällt ihm jetzt die Tatsache, dass die Führung der Mitarbeiter zu einer grösseren Herausforderung geworden ist.
Bischof hat sich bei Universal McCann auch fürs New Business ehrgeizige Ziele gesetzt. Zwar drehe sich im Moment das Karussell der Budgets nicht so schnell wie auch schon. «Es gibt aber auch jetzt sehr spannende Jobs, um die wir uns bewerben werden.»
Jongliert gekonnt mit Zahlen und Eiswürfeln: Heinz Bischof.
Andreas Panzeri
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