Fabienne Marchand leitet mit 23 Jahren bereits ihre eigene Fullservice-Agentur und überrascht mit neuen Ideen zu Social Marketing.Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. In den kommenden Wochen will Fabienne Marchand mit dem bisher grössten Plakat der Welt ins Guiness Buch der Rekorde aufgenommen werden. Es soll eine Fläche von 4000 Quadratmetern aufweisen und als Riesenposter direkt vor der Eigernordwand für das Waschmittel Ariel werben. Geliefert wird das Plakat von Christinger & Partner. Die Idee und die ganze Abwicklung stammen aus der Küche von Fabienne Marchand und ihrer Agentur Fm/Projects. Die Aktion vor dem heiligen Dreigestirn des helvetischen Alpinismus wird nicht nur für Aufmerksamkeit sorgen, sondern für mehrere Interessengruppen gleichzeitig von kommunikativer Bedeutung sein. Procter & Gamble kann auf spektakuläre Weise für sein Waschmittel werben, die Tourismusregion rund um Grindelwald profitiert, weil die Medien europaweit vom Rekordplakat inmitten verschneiter Schneehänge sowie von der Aktion «Ski(s)Pass mit Ariel» berichten werden, und Christinger & Partner kann seine Kompetenz beweisen. Aber das ist noch nicht das Ende der Story: Nach dem Spektakel wird das Plakat sinnvoll zerschnitten. Angelehnt an die Methode der Gebrüder Freitag, werden aus dem Stoff 5000 Taschen hergestellt. Diese werden zu Gunsten von SOS-Kinderdorf verkauft. «Nicht nur ein Plakat aufhängen, Werbung machen und das wars dann», meint Fabienne Marchand zu dieser Idee. Sie nennt das Konzept eine «Win-Win-Win»-Situation, und das hält sie für ihr Markenzeichen.
Werbung, aus der alle Beteiligten Profit schlagen, das bietet Fabienne Marchand mit ihrer Projects GmbH, «Agentur für Events, Sponsoring und erlebnisorientierte Werbung». Die Fullservice-Agentur in Wangen an der Aare ist offen für verschiedenste kommerzielle Aufträge. Einen Schwerpunkt bildet das Social Marketing. Fm/Projects wurde im Juli 2002 gegründet und kann nach einem Jahr bereits einen Umsatz von 1,5 Millionen Franken ausweisen.
«Die Agentur gehört mir», erklärt die 23-Jährige stolz. Das Startkapital verdiente sich die Miss-Schweiz-Finalistin aus dem Jahr 2000 «mit Modeln». Die «Miss Amitié», zu der Fabienne als bes-
ter Kumpel der Miss-Konkurrentinnen gewählt worden war, steht auch heute noch für Agenturen wie Talents in München oder Option in Zürich vor der Kamera. «Nur Modeln genügt mir aber nicht», meint die Jungunternehmerin, die anlässlich der X’03 auf der Titelseite der Messe-Zeitung bereits als Senkrechtstarterin der Event-Branche gefeiert worden ist.
Die Fm/Projects beschäftigt zurzeit rund zehn Freelancer, die meisten davon aber belegen ihre Büros in der Agentur. Dieses Arbeitsmodell soll kontinuierlich um Firmen erweitert werden, die auf Freelance-Basis arbeiten und «schon länger im Business sind». Dazu umgibt sich Aushängeschild und Geschäftsführerin Marchand mit verschiedenen Beratern, zu denen auch André Fuchs gehört. Dieser ist schon länger im Business als Fabienne alt ist und schon mehrmals mit Social Marketing aufgefallen. Etwa als er für Frank Bodin die Tibet-Kampagne realisierte oder als Agent für den Fotografen Michel Comte wirkte.
Wichtigster Kunde von Fm/Projects ist derzeit Procter&Gamble mit acht Mandaten. «Ich konnte die Firma überzeugen, immer mehr soziale Projekte zu realisieren», erklärt Marchand. Sie ist überzeugt, dass Werbung mit sozialen Events eine ideale Kombination darstellt, um ein Waschmittel in der Masse der mit gleichen Argumenten werbenden Konkurrenzprodukte hervorzuheben. So verfrachtete sie einmal Christian Gross als «Mr. Proper» in einen Heissluftballon. Das Honorar des Basler Fussballtrainers wurde werbewirksam der Stiftung SOS-Kinderdorf überwiesen. Ebenso liess sich Alt-Bundesrat Adolf Ogi schon einmal für Ariel einspannen, weil damit 5000 Franken in die Kassen der Schweizer Berghilfe flossen. Weitere Projekte waren eine CD «Kids for Kids» mit Shaggy, Tempo-Taschentücher für Unicef oder die «Swiss Kiss Tour» mit Miss-Schweiz-Finalistinnen, die in Rekrutenschulen für Pringels warben. Für das Haushaltspapier Bounty organisierte Fabienne Marchand in sechs Coop-Restaurants mit prominenten Idolen wie Marc Sway einen Malwettbewerb für Kinder. Für jede Zeichnung auf Bounty-Papier machte Procter&Gamble 20 Franken (insgesamt 50000) locker und spendete sie an SOS-Kinderdorf. «Alles Win-Win-Situationen: Das Produkt bekommt Werbung. Das Hilfswerk bekommt Geld.» Und Fabienne Marchand verhehlt nicht, dass ihr Unternehmen in diesem Modell der dritte Gewinner ist, «obwohl unsere Rechnungen alles andere als kreativ sind».
Inzwischen zeigt sich die Agentur aber auch «ready für grössere und internationale Budgets». Drei solche wurden bereits in Deutschland akquiriert. Auch für schöne Ferien auf einer noch schöneren Inselgruppe soll in der Schweiz demnächst PR gemacht werden.
Die Idee zu ihrer Agentur kam Fabienne Marchand nach der Matur auf verschiedenen Reisen in Entwicklungsländer. Dort habe sie viel Armut gesehen und gleichzeitig gemerkt: «Ich will einen Beruf finden, bei dem ich einen sozialen Aspekt mit Business kombinieren kann.»
Familiär ist Fabienne nicht vorbelastet. Der Vater sei Ingenieur, die Mutter habe ihr aber viel soziales Bewusstsein mitgegeben. Schon mit zehn Jahren bastelte Fabienne Kärtchen und verkaufte diese für einen guten Zweck.
Der Rest war «learning by doing». Dazu passt auch, dass sie auf den Rat von erfahrenen Profis hört. «Ich bin gewillt, mir etwas sagen zu lassen. Ich habe alte Hasen geholt und von ihnen gelernt», erklärt sich die Jungunternehmerin den schnellen Erfolg ihres sympathischen Unternehmens. Kein Wunder lautet ihr Lebensmotto: «Man muss immer alles positiv sehen, dann kommt es auch positiv zurück.»
Nach einem Jahr weist Fabienne Marchands Agentur bereits einen Brutto-Betriebsertrag von 1,5 Millionen Franken aus.
Andreas Panzeri