Bis aufs F total geliftet

Frauenzeitschriften Die traditionsreiche Femina versucht mit einer Totalrevision, ihre Führerschaft auf dem Westschweizer Markt zu sichern.

Frauenzeitschriften Die traditionsreiche Femina versucht mit einer Totalrevision, ihre Führerschaft auf dem Westschweizer Markt zu sichern.Femina ist ein Phänomen. Ohne ernsthafte Konkurrenz und mit einer beachtlichen Reichweite von beinahe einer halben Million Leserinnen (Auflage 207021 Expl.) ist es – unabhängig vom Bildungsniveau – das Westschweizer Frauenmagazin par excellence. Konkurrentinnen wie Elle, Marie Claire, Vogue und Edelweiss kommen in der Romandie pro Woche auf jeweils nicht über 20000 verkaufte Exemplare und tangieren das Massenprodukt Femina kaum, weder kommerziell noch inhaltlich. Trotzdem: «Man kann Markt beherrschend sein und dennoch Verbesserungen nötig haben», sagt Femina-Geschäftsleiter Théo Bouchat mit Blick auf die 71-jährige Geschichte des Hochglanztitels.Es habe dem 1934 als «Semaine de la femme» gestarteten und seit 1962 als Femina erscheinenden Magazin zuletzt etwas an «Punch» gefehlt, einzelne Nummern seien beliebig und austauschbar gewesen. Ausserdem, so Bouchat, habe die Redaktion die jungen Frauen zunehmend verfehlt. In der Tat: Femina ist über die Jahrzehnte mit seinen Leserinnen gealtert und wurde für die neue Generation zunehmend «le journal de maman» oder gar zum Heftchen auf dem Teetischchen der Grossmutter.
Peppiger in Form und InhaltPer 6. Februar soll dies ändern: Ein grosses F ziert dann den im Format leicht verkleinerten Titel, der insgesamt lebhafter und farbiger daherkommt. Man wolle von Femina nur die Essenz behalten, heisst es in der Vorankündigung. Mit dem Mix verschiedener Schriften und der Schaffung neuer Bildatmosphären versuchen die Lausanner, den herkömmlichen Genre-Rahmen zu sprengen. Bisher bewältigte ein einziger Fotograf sämtliche Modereportagen, neu wird ein ganzer Pool von Lichtbildnern herangezogen. Neue Rubriken, mehr Service und Überschaubarkeit und ein Generationswechsel an der Redaktionsspitze sollen garantieren, dass Femina weiterhin den Status des Frauenmagazins für die 20- bis 50-jährigen Westschweizer Frauen behält.
«Wir konzentrieren uns deshalb auch künftig nicht auf ein Themengebiet wie etwa Vogue auf Mode, sondern bleiben Generalistinnen», sagt Chefredaktorin Renata Libal. Nicht allein Kleider, Körperpflege, Glamour und Prominenz «à la française» soll im Blatt stehen. Auch schwierige, kontroverse Inhalte will die Redaktion weiterhin aufgreifen. Und gelegentlich auch an Tabus rütteln. Wie etwa in der vorletzten Ausgabe, als betroffene Frauen über Erfahrungen und Konsequenzen einer Fehlgeburt berichteten.
Stärkerer Bezug zur RomandieAllerdings sollen die Texte in der neuen Femina kürzer und dynamischer werden und – wo möglich – einen noch stärkeren Bezug zur Romandie haben. Im benachbarten Frankreich stösst das Blatt entsprechend kaum auf Beachtung, umso mehr in der Westschweiz. «Praktisch alle Westschweizerinnen haben zu Femina eine Meinung», weiss Libal.
Von Edipresse-Boss Lamunière bei Ringier abgeworben, hat die Ex-Edelweiss-Chefin Libal als Projektleiterin vergangenes Jahr dem Magazin die neue Struktur verpasst. Seit Januar ersetzt sie die legendäre Marie-Pierre Dupont, welche die Redaktion sage und schreibe seit 1978 führte. Der entscheidende Durchbruch gelang Femina übrigens 1986, als Edipresse damit begann, seine Frauenzeitschrift der Sonntagsausgabe von Le Matin beizulegen. Vielleicht ja ein Modell mit Vorbildcharakter, auch für die Deutschschweiz.
Facelifting für die beliebteste Westschweizer Frauenzeitschrift: Femina kommt dynamischer und peppiger daher.
René Worni

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