Sandra Studer im ComSumCast: «Mir war immer sehr klar, was ich nicht will»
Sandra Studer hat 2025 mit Hazel Brugger den ESC in Basel moderiert. 1991 stand sie selbst im Final in Rom. Ab 11. 11. spielt sie wieder in «Sister Äct». Im ComSumCast spricht sie mit Reto Lipp über den Anruf von SRF, das Ende der grossen TV-Shows und vier Kinder. Warum sie nie selbst anrief: «Die wissen ja, wo ich bin.»
Reto Lipp und Sandra Studer kennen sich von Radio Z, dem Zürcher Lokalsender, der heute Energy heisst. Dort moderierte Studer Anfang der Neunzigerjahre eine Sendung, in der sie Gäste, Hörer, Musik und Werbung selbst fahren musste. Sie tat es genau einmal. «Das war der blanke Horror für mich.» Damals studierte sie Germanistik und Musikwissenschaft und wollte Operndramaturgin werden. Die Musik lief nebenher. Sie lief dann ziemlich weit.
Letzte, dann Fünfte
1990 trat Studer am Schweizer Vorentscheid an und wurde Letzte. Sie sei das «sehr sportlich» angegangen, als Wettbewerb. Familie und Freunde rieten ihr von einem zweiten Versuch ab. 1991 gewann sie mit «Canzone per te» den Vorentscheid. In Rom fand der Concours in einem kleinen Theater der Cinecittà-Studios statt, eine «Kartonschachtel» mit grossem Orchester. Platz fünf. Danach wollten deutsche Plattenfirmen sie in die Schlagerecke stellen. Sie lehnte ab: «Mir war oft nicht klar, was ich will, aber mir war immer sehr klar, was ich nicht will.»
Eine Postkarte von Marco Rima
Marco Rima hatte sie am ESC gesehen und schrieb ihr eine Postkarte: Sie müsse in seinem Musical mitspielen. Zu Hause lagen bei Studer Anmeldeformulare für Musicalschulen in Hamburg, nie abgeschickt. Sie sagte zu. «Keep Cool» wurde 1992 zum Erfolg und kommt diesen Herbst zurück, ohne sie. Das Stück sei ein Kind seiner Zeit, sagt sie, auch im Frauen- und Männerbild. Sie hoffe, die neue Fassung gehe mit der Zeit.
«Die Tage sind gezählt»
Nach 1991 kamen Fernsehsendungen wie «Traumziel» und der «Swiss Award», später Kulturprojekte wie «La Traviata» im Zürcher Hauptbahnhof. Studer sieht sich als Vermittlerin zwischen Hochkultur und Unterhaltung: «Leicht ist an der Unterhaltung nichts.» Beim Schweizer Fernsehen moderiert sie seit Jahren nichts mehr. Nostalgie bringe nichts. Die Tage des linearen Fernsehens seien gezählt, grosse Shows seien teuer, und wenn zu wenige zuschauten, werde die Rechnung schnell einfach.
«Die wissen ja, wo ich bin»
Als Nemo 2024 den ESC gewann, sass Studer mit 17 Leuten vor dem Fernseher. Die Kinder sagten sofort: «Mama, das wirst du machen nächstes Jahr.» Sie rief niemanden an. Die Verantwortlichen kennen ihren Namen, so ihre Haltung. Der erste Anruf von SRF war eine Frage: Hätte sie Interesse? Dann ein Chemistry Meeting mit Hazel Brugger, irgendwo in Deutschland. Beide mit Brille, ungeschminkt, beim zweiten Satz ging es um Kinder. Die Lorbeeren verteilt Studer weiter: an Headwriterin Nicole Simmen sowie an Lukas Hobi und Christian Knecht für das Minimusical «Made in Switzerland». «Das war so eine Energie, die hab ich schon sehr lange nicht mehr gespürt.»
«Wir sind viel lustiger als das Original»
Dass «Mamma Mia!» auf Schweizerdeutsch funktioniert, hat Studer vor acht Jahren in Thun zuerst bezweifelt und dann im Saal erlebt. Im Frühling spielte sie in der MAAG Halle die Donna. Die Mundart bringe eine komische Ebene dazu, die das Original nicht habe. Ab 11. November steht sie als Mutter Oberin in «Sister Äct», der zweiten Wiederaufnahme. Theater en suite war lange keine Option, mit vier kleinen Kindern. Die Jüngste wurde dieses Jahr 18. «Das gibt mir sehr viel mehr Freiheit.»
Im Gespräch geht es ausserdem darum, wie Studer Texte lernt (im Auto und in 18 Minuten rund um den Esstisch), um ihr Mani-Matter-Programm im Theater Rigiblick und um die Bühne. Die bedeute ihr erst etwas, wenn sie dort etwas zu sagen habe.
Die Podcastfolge mit Sandra Studer auf Spotify
Der ComSumCast wird vom Zürcher Presseverein und der Zürcher PR-Gesellschaft finanziert, moderiert von Reto Lipp, aufgenommen und produziert bei Castalavista von Christoph Soltmannowski. Die Folge ist auf Apple Podcasts und als Videocast auf YouTube und Spotify verfügbar.
