«Intelligente Kommunikation ist eine Lösungskommunikation»
Rolf Gruber teilt im Interview mit Expodata seine Gedanken zur Kommunikation in Zeiten von Corona.

Expodata: Rolf Gruber, machen Sie Homeoffice und wie läuft das?
Rolf Gruber: Homeoffice machte ich schon immer. Um dem Verkehr aus dem Weg zu gehen oder wenn ich mich für eine Aufgabe besonders konzentrieren muss. Meine Bürozeiten habe ich entsprechend angesetzt. Ich gehe also immer noch jeden Tag ins Büro, jetzt komme ich einfach schneller an. Aber natürlich gibt es auch im Büro Videokonferenzen. Ich bin zwar kein Technofreak, aber ein «happy user», ein zufriedener Anwender.
Und wie läuft der Kundendialog?
Ich treffe mich, mit den notwendigen Vorsichtsmassnahmen, auch mit Kunden. Wir führen Workhops mit den notwendigen Social-Distancing-Vorkehrungen. Das sowohl im Workshops als auch beim Lunch. Ganz restriktive Hygienemassnahmen werden befolgt, Respektsabstände beibehalten, darauf legen wir grossen Wert.
Nebenbei: Auch viele unserer Kunden haben keine Angst und verharren nicht in Schockstarre. Das ist eine gegenseitge Haltung, dass man sich angstfrei, aber mit Respekt – nicht unkontrolliert – bewegt. Hier beweist sich eine Art Grundhaltung im Leben: Will ich mich auf einen Angstzustand oder auf die nahe Zukunft konzentrieren?
Was halten Sie von Botschaften, zum Beispiel auf sozialen Netzwerken wie «arbeite jetzt zu Hause»? Gibt es eine bessere Option?
Es gibt bessere Optionen. Die beste Kommunikation ist tatsächlich, gar nicht gross auf das Thema Corona einzugehen. Wir führen mit unseren Kunden gemeinsame Zielbesprechungen, die wir auch ohne Corona geführt hätten, darin wollen wir uns nicht vom Virus hinhalten lassen. Das ist nichts anderes als Tagesgeschäft. Ein guter Unternehmer denkt doch immer in die Zukunft und gestaltet sie.
Ist es dringend angezeigt zu verkünden, dass ein Unternehmen jetzt Homeoffice macht? Versteht sich das nicht von selbst?
Besser als Probleme zu dramatisieren wäre es, Lösungen darzustellen. Ich habe einige wenige Beispiele gesehen. Intelligente Kommunikation ist eine Lösungskommunikation.
Ist es intelligent, während dieser Lage überhaupt zu kommunizieren?
Man erhält das, worauf man seine Aufmerksamkeit lenkt. Wenn man nur noch über Corona diskutiert, löst man das Problem nicht. Du erhältst das,woran Du dich konzentrierst. Das bedeutet nicht, Corona zu negieren, aber man darf sich nicht durch zu viele widersprüchliche Nachrichten versunsichern lassen. Das nützt niemandem etwas.
McDonalds hat in letzter Zeit mit seiner Kampagne mit dem berühmten «M» als gedehntes Social-Distancing-«M» aufmerksam gemacht. Wie beurteilen Sie diese Werbung?
Ich kenne den Ursprung dieser Werbung zu wenig. War da ein Aussenstehender kreativ? Dann ist das akzeptabel. Stammt sie von McDonalds? Dann ist die Kampagne völlig unnötig. Denn das ist keine Lösungskommunikation. McDonalds und sein «M» kennt ja jeder, das muss man im Moment nicht spezielle bewerben. Besser ist, wenn McDonalds in den USA konkrete Aktionen für eine Verbesserung der Lebensumstände vornimmt.
Sie sagen in Ihrem Buch «100 + 1 Tipps – Brand Power für Unternehmen», dass man jeglichen ‹liebgewordenen› Ballaststoff rigoros abschneiden müsse. Aber sind die Unternehmen nach Corona wirklich bereit dazu? Sind wir nicht alle froh, wenn es eine Rückkehr gibt zu den «good old days»?
Hier muss man drei Ebenen unterscheiden: Das durchschnittliche KMU in der Schweiz ist in dem meisten Fällen gut aufgestellt, innovationsgetrieben. Es kann sich auch in den Weltmärkten gut behaupten. Sie machen einen hervorragenden Job. Sie haben jetzt – unter dem Druck von Corona – auch gute Chancen, Dinge zu verbessern.
Anders ist es bei Kleinstunternehmen wie etwa Restaurants, die jetzt schnell in finanzielle Nöte kommen und existenziell kämpfen müssen. Börsenkotierte Firmen wie Banken und Versicherungen demgegenüber werden nichts lernen. Sie sind diejenigen, die nichts lieber wollen, als weitermachen wie vorher. Und sie sind im Moment die Gewinner, weil sie schon Geld verdienen, wenn der Staat Kredite verleiht, also wenn es uns schlecht geht. Sie werden nichts lernen. Die Finanzwirtschaft hat ja auch aus der Finanzkrise nicht gelernt und einfach weiter gemacht wie eh und jeh.
Grossbanken haben schon systembedingt wenig Lernfähigkeit, weil sie ihre Existenzberechtigung weniger im Kundenstamm, sondern primär als bei den Aktionären liegend definieren. Börsenkotierte Firmen müssen für ihre Aktionäre Dividenden erwirtschaften. Das ist ihr Ziel, Ihre Aufgabe. Dieses Spiel wird genau gleich weiter laufen.
Rolf Gruber ist Autor des Buches «Kompaktwissen in Markentechnik. 100 + 1 Tipps für eine kraftvolle Identität. Brand Power für Unternehmen» geschrieben. Verlag: BoD – Books on Demand. ISBN: 978-3-7504-0814-2. Erhältlich via Amazon.
