Die nächste Stufe
Koch Kommunikation ist eine etwas spezielle Kombination einer kreativen und inhabergeführten Fullservice-Agentur in Frauenfeld. Die erste BSW-Agentur im Kanton Thurgau ist nicht nur sympathisch bodenständig, sondern auch abgehoben digital. Von den 18 Mitarbeitenden beschäftigt sich nämlich ziemlich genau die Hälfte intensiv mit dem Zukunftsmarkt Online.

Knapp 50 Werbeagenturen gibt es im Kanton Thurgau. Erst eine davon ist bis jetzt auch in den Verband BSW Leading Swiss Agencies» aufgenommen worden. Die 1969 gegründete Koch Kommunikation in Frauenfeld hat sich damit Grosses vorgenommen.
«Früher waren wir eine Arbeiter-Agentur. Die Kunden kamen mit einer Idee, und wir haben etwas Schönes umgesetzt. Die Auftraggeber waren damit zufrieden. Bei den Endkunden erzeugten unsere Ideen den gewünschten Erfolg», beschreibt Philipp Koch das Konzept der alten Tage. «Vor ein paar Jahren stellte sich dann aber das Gefühl ein: Wir müssen einen Schritt weiter gehen.» Heute wird bei Koch Kommunikation «mehr hinterfragt und auch in andere Richtungen gesucht». Die neue Strategie heisst: «mehr kreative Lösungen – vom Konzept bis zur ganzen Umsetzung».
Eingeleitet wurde dieser Prozess im April 2012 mit einem Strategie-Workshop. Dort haben die beiden Brüder Philipp und Michael Koch als Inhaber sowie der im Jahr zuvor dazu gestossene Creative Director Jean-Marc Demeulemeester festgestellt, dass Koch Kommunikation sowohl personell wie auch bei den Aufträgen ziemlich genau «fifty fifty» ist in den Bereichen klassische Werbung und digitale Kommunikation. Eine Mischung, die in der heutigen Agenturszene nach wie vor noch selten ist. «Wir beschäftigen neben den klassischen Werbern eigene Entwickler, die Webseiten, Apps, Social Media und andere Online-Kampagnen entwickeln», erklärt Michael Koch. Ein Vorsprung, den man bei Koch Kommunikation in Zukunft deshalb noch besser nutzen will. Entsprechend wurde die neue Richtung definiert: «kreativ, aktiv, interaktiv.» Koch Kommunikation beschäftigt 18 Mitarbeitende. Die meisten davon arbeiten am Hauptsitz in Frauenfeld. Ein Teil davon wird für individuelle Aufträge auch in Brüttisellen eingesetzt. Dort betreibt die Agentur eine Zweigniederlassung. Diese hat sich ergeben, als Koch Kommunikation einen Teil der Dienstleistungen aus dem digitalen Bereich von ihrem früheren IT-Partner UMB übernehmen konnte. Als einer der führenden IT-Dienstleister in der Schweiz hatte UMB bisher bei Koch Kommunikation den Bereich Web Design eingekauft. Als das Unternehmen in Brüttisellen sein Web Business abstossen wollte, konnte Koch Kommunikation diese Kunden übernehmen. Dazu gehören zum Beispiel der Eishockeyclub ZSC Lions und der Fussballclub GC.
Diese Referenzen haben vor einem Jahr auch das Tor zu einem Pitch für die Swiss Football League geöffnet, für welche Koch Kommunikation jetzt die ganze Internet-Präsenz umsetzen durfte. Verschiedene Schnittstellen und eine Responsive Site sorgen dafür, dass Live-Daten, Match-Berichte, Statistik- Daten usw. für den User zur Verfügung stehen. Crossmediale Aufgaben sind eine der Kernkompetenzen, für welche immer mehr auch Kunden nach Frauenfeld kommen, die vorher ihr Glück in der Werbehochburg von Zürich gesucht haben. Etwas schwieriger sei es hingegen, auch die dazu nötigen Kreativen vom Seefeld weg in den Thurgau zu locken. «Aber der Werbestandort Ostschweiz wird immer interessanter», ist Philipp Koch überzeugt. Nicht zuletzt seien in dieser Region auch zahlreiche Unternehmen beheimatet, die ihre Produkte in der ganzen Schweiz verkaufen. Und damit auch ihre Werbung «made in Thurgau» in das Land hinaus tragen. Nicht nur die Frifag Märwil, der drittgrösste Geflügelproduzent des Landes, für welchen Koch Kommunikation schon seit über 20 Jahren die Werbung betreut.
Auch in der Werbung fällt im Thurgau der Apfel nicht weit vom Stamm
Philipp Koch hat bereits als Kind im Elternhaus in der Werbung «gearbeitet». Vater Hans-Peter hatte seine Agentur in den Anfängen noch zu Hause eingerichtet. So waren Philipps erste Jobs das Einpacken von Mailings. Als Teenager folgte eine Lehre bei Publicitas in Winterthur. «Das war meine grosse Chance. Die Ausbildung hat meine Leidenschaft für Marketing und Medien endgültig geweckt.» Philipp Koch liess sich beim Sawi zum Werbeassistenten weiterbilden. Dann ist er 1990 im Familienunternehmen eingestiegen.
Die Agentur wurde 1969 vom Vater als Einmannfirma mit nur einem einzigen Kunden gegründet. Als dieser wegfiel, stand das Werbebüro plötzlich ohne Arbeit da. Aber Herausforderungen provozieren zum Wachsen – und so erblühte Koch Kommunikation schnell wieder in neuer Stärke und bald auch mit sechs Mitarbeitenden. Seither ging es kontinuierlich, «aber im Rahmen eines gesunden Wachstums» nach oben. In dieser Phase war für Philipp später auch ein externes Jobangebot verlockend. Er hätte für sechs Monate bei einem befreundeten Agenturinhaber in New York arbeiten können. «Weil mir mein Vater aber ständig mehr Verantwortung übertragen hat, konnte ich inmitten der boomenden Entwicklung in Frauenfeld nicht einfach für ein halbes Jahr aussteigen », ist das Einzige, was Philipp rückwirkend ein bisschen schade findet. Ansonsten fühlt er sich «restlos ausgefüllt», das Familienunternehmen in der zweiten Generation jetzt zu einem florierenden KMU vorangetrieben zu haben. Auch Bruder Michael Koch hat in seiner Jugend zuerst einmal Couverts für den Vater eingepackt. Dann folgte eine Lehre beim Verlag und Druckerei der Thurgauer Zeitung. Hier wurde Michael auch in die Welt der Mediaplanung eingeführt. Später stieg er ebenfalls für kurze Zeit in die aufstrebende Agentur des Vaters ein. Nach zwei Jahren lockte ihn aber die Grossstadt Zürich. Mit einem Kollegen zusammen eröffnete er ein eigenes Büro am Limmatquai. «Wir machten das Marketing und die Kommunikation für die ganze Filialkette von Pierre Hairstylist», erinnert sich Michael an seine wilden Jahre. Aber weil sein Büropartner ein bisschen anders tickte und der Vater gleichzeitig dringend Verstärkung brauchte, kehrte der Auswanderer wieder nach Frauenfeld zurück.
Neue Verantwortung und sportliche Herausforderungen
«Ich musste meine Chance packen.» Zu dieser kam auch noch die Verantwortung, als 2003 der Vater unerwartet verstarb und die beiden Brüder das Familienunternehmen vollständig übernehmen mussten. Michael, der sich seither immer mehr im Bereich Internet spezialisiert hat und auch noch eine Ausbildung im Programmieren machte, ist heute Leiter Management und als «Digitaler» vor allem für Kunden wie Swiss Football League, ZSC Lions und GC in der Sparte Online verantwortlich. Philipp, bei dem auf der Visitenkarte Leiter Beratung steht, kümmert sich mehr um die klassischen Projekte. «Die Rollenverteilung kann aber kreativ angepasst werden.» Noch konsequenter für die Kreation zuständig ist seit drei Jahren Jean- Marc Demeulemeester. Mit dem erfahrenen Creative Director wollten die Koch-Brüder eine neue Epoche in der Geschichte der grössten Werbeagentur im Thurgau einläuten. Das Ziel geht Richtung kreative Qualität. Das heisst: Man will zusammen mit Jean-Marc Demeulemeester als CD noch einmal richtig durchstarten. Jean-Marc Demeulemeester entdeckte schon in der Schule seine «Urliebe für die Werbung» und begann mit 16 eine Lehre als Grafiker. Im nachfolgenden Karussell durch namhafte Agenturen gewann der Kommunikationsprofi und Gestalter zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch einen bronzenen Löwen in Cannes. Jean-Marc Demeulemeester entwickelte sich im Verlauf seiner Karriere vom Junior Art Director bei Advico Young & Rubicam zum AD bei Publicis.
Weitere Stationen waren Metzger Lehner Worldwide Partners, J. Walter Thompson und dann Lang Gysi Knoll, heute Neue Lgk. Hier wirkte Demeulemeester für vier Jahre als Creative Director. Aus dieser Zeit stammt die auch heute noch mit immer neuen Menüvorschlägen präsente Werbung mit den kreativ geschälten Kartoffeln für Schweizer Bauern. Auch das Konzept «Wir lassen uns nicht behindern» für Pro Infirmis hat seinen Anfang bei Jean-Marc Demeulemeester erlebt.
Im Jahre 2006 machte sich der CD zusammen mit seiner Frau Caroline Demeulemeester selbstständig. In Winterthur wollten die beiden «eine Art Boutique» sein, wo die Werber ihre Kunden sehr persönlich betreuen können. Zu diesen gehörte auch die Schweizerische Post. Für den nationalen Player waren die Strukturen der Mini-Agentur allerdings ein bisschen zu klein. So verlegte Jean-Marc Demeulemeester im Januar 2008 seinen eben ergatterten Post-Auftrag unter das Dach der GGK in Zürich. In der Agentur von Hermann Strittmatter wirkte er anschliessend drei Jahre als Creative Director, bis er sich dann 2011 erneut als Creative Consultant selbstständig machte, um nach wenigen Monaten im April 2011 in Frauenfeld als Ideenlieferant bei den Gebrüdern Koch einzusteigen. Wie schon bei der Neuen Lgk lockte ihn bei Koch Kommunikation die Aufgabe, eine Agentur in eine neue Dimension zu bringen. «Etwas Neues aufbauen, ist viel spannender, als sich in das gemachte Nest einer internationalen Netzwerkagentur zu setzen », beschreibt Demeulemeester seinen Antrieb. Und was ihm bei der neuen Lgk gelungen ist, die Agentur zu einer nationalen Grösse zu führen, hat er sich jetzt auch mit seinen neuen Partnern Philipp und Michael Koch zum Ziel gesetzt. «Bei Koch Kommunikation interessierte mich auch das Fifty-Fifty-Konzept mit einer gleichwertigen Gewichtung von Digital und Klassik. Und alles im Rahmen eines überschaubaren Gebildes. Jetzt müssen wir nur noch eine Stufe mehr zünden.»
Andreas Panzeri




