Ein Berg mit Spitze: Julian Schattner will das Matterhorn verhüllen
Der Zürcher Kommunikationsprofi Julian Schattner plant das Unmögliche: 25 Kilometer Stoff, 220’000 Quadratmeter Fläche und ein Gipfel, der im Sommer 2027 erstmals Spitze trägt. Die Idee kam ihm im Traum, und der Auftraggeber war sein verstorbener Grossvater.

«Ich habe versucht zu widersprechen», sagt Schattner. «Aber mein Opa hat nur gesagt: ‹Bub, ein Berg braucht Spitze.› Gegen dieses Wortspiel kommt man um drei Uhr morgens nicht an.»
Ein Plakat im Wohnzimmer
Dass der Auftrag aus dieser Familie kommt, ist kein Zufall. Karljosef Schattner baute in Eichstätt und prägte die Architektur mit dem Prinzip der Fuge: Neues und Altes sichtbar trennen und trotzdem zu einem Ganzen verbinden. 1993 war er Vorsitzender der Jury für den Umbau des Reichstags in Berlin. Zur selben Zeit kämpfte der Künstler Christo seit rund zwanzig Jahren um die Verhüllung des Gebäudes. Dank seines wesentlichen Einflusses achtete Schattner bei der Planung des Umbaus darauf, dass der Zeitplan enger wurde. So entstand ein Zeitfenster für Christo, denn der Umbau wäre der Verhüllung sonst zeitlich im Weg gestanden.
Als Dank widmete Christo ihm ein handsigniertes Plakat zur Ausstellung «Christo in Berlin». Es hängt heute im Wohnzimmer seines Enkels. 1995 war der verhüllte Reichstag zwei Wochen lang zu sehen, und Millionen Menschen schauten ein vertrautes Gebäude plötzlich neu an. Julian Schattner wusste lange nicht, warum das Plakat bei ihm hängt. Jetzt glaubt er es zu wissen.

Die Eckdaten des Projekts
Das Matterhorn ist 4478 Meter hoch. Für die Verhüllung rechnet Schattner mit etwa 25 Kilometern Stoff und 220’000 Quadratmetern Fläche. Das Gewebe soll recyclebar sein, und die Spitze soll aus St. Gallen kommen. Geplant ist die Verhüllung vom 15. Juni bis 30. September 2027 in Zermatt.
«Es geht um Licht, Wind, Berge, Menschen und Zeit», sagt Schattner. «Und um die Frage, wie viele Stickerinnen man braucht, damit der Gipfel nicht friert.»
Die Baubewilligung hat er noch nicht eingereicht.
Verhüllen, um neu zu sehen
Eine Studie zeigt das Projekt in Christo-Manier: ein blauer Himmel, ein weisser, von Seilen gehaltener Berg, dazu Notizen in roter Handschrift. «Gleicher Berg, andere Perspektive, mehr Bewusstsein», steht darauf. Christos Idee hinter allen Verhüllungen war, dass man Dinge erst richtig sieht, wenn man sie nicht mehr sehen kann. Schattner möchte diesen Gedanken in die Alpen tragen.

Konzeptstudie: Was ist echt, was nicht?
Eines muss an dieser Stelle klar gesagt werden: Das Matterhorn-Projekt ist eine Konzeptstudie und kein reales Vorhaben. Weder die Behörden noch Zermatt Tourismus haben etwas bewilligt, und echt sind nur das Plakat von Christo und die Geschichte der Familie Schattner.
Wir sind gespannt, was dieses fiktive Projekt an Reaktionen auslöst, und lösen schon bald auf, was dahintersteckt.
