Aus dem Geist des Klassenkampfs
Die Unternehmerzeitschrift A Propos wird von welschen Patrons ihren Mitarbeitenden gratis abgegeben
Die Unternehmerzeitschrift A Propos wird von welschen Patrons ihren Mitarbeitenden gratis abgegebenVon Christophe BüchiUnter dem Titel A Propos erscheint in der Westschweiz neu eine Zeitung mit eigenwilligem Marketingkonzept. Die Monatszeitschrift wird von einer Gruppe von Unternehmen gratis an ihre Mitarbeiter verteilt – die Firma kostet das Heft nur zehn Franken pro Abo.
Aus der welschen Wirtschaftspresse kommen zurzeit gegensätzliche Signale. Während gewisse Herausgeber leiden und teilweise sogar ans Aufhören denken – vor einigen Tagen gab die Agefi-Gruppe die Einstellung des E-Economy-Magazins Future(s) bekannt –, sind andere voller Optimismus und Zukunftspläne. Zu ihnen gehören die Verleger des Wirtschaftsmagazins A Propos, das vergangenes Jahr relaunched wurde und bereits neun Ausgaben vorweisen kann.
A Propos will weder elitär noch seicht sein
Die Zeitschrift, die zehnmal jährlich erscheint, ist ein Zwitter zwischen einer Gratiszeitung und einer abonnierten Publikation. Sie wird von einer Genossenschaft herausgegeben, der welsche Unternehmen und Arbeitgeberverbände angehören. Die Zeitschrift wendet sich an Unternehmen und wird über Kollektivabonnements abgesetzt. Sie will über politische und wirtschaftliche Themen informieren, die die Privatwirtschaft direkt berühren. Daneben ist die Zeitschrift aber auch als ein breit gefächertes Magazin gedacht, das einen Unterhaltungswert haben soll.
Cynthia de Araujo, Präsidentin der Herausgeberrats, formuliert die Zielsetzung so: «A Propos möchte populär und allgemein verständlich sein, aber auf einem guten Niveau. Das Blatt soll also weder elitär noch seicht daher kommen. Es will engagierte Analysen bieten und somit einen Kontrapunkt setzen zur Beliebigkeit der Boulevardmedien.»
Um diesem Ziel näher zu kommen, wurde die Redaktion einem bestandenen Profi anvertraut, dem Walliser Jean-Jacques Zuber, Inhaber eines Kommunikationsbüros in Monthey. Der Sekretär der Arbeitgeberverbands der Uhrenindustrie, François Matile, der ebenfalls aus dem Journalismus kommt, zeichnet als Directeur de publication. Daneben werden freischaffende Journalisten eingesetzt. Diese hoch karätige Herausgeberschaft soll für ein gutes Niveau, aber auch für eine professionell angenehme Machtart bürgen.
Die Zeitschrift wirkt tatsächlich gepflegt, auffallend unprätenziös und doch optisch reizvoll. Gedruckt wird auf einem mittelschweren Papier, das aber ohne Hochglanz auskommt. Der Text hat eindeutig Vorrang, doch wurden grosse Anstrengungen gemacht, um die Textfläche mit Bildern grosszügig aufzulockern. Gediegene grasgrüne Titel setzen optische Lesetupfer. Fotos, Kreuzworträtsel und andere Illustrationselemente werden gezielt eingesetzt. Und der welsche Karikaturist Mix et Remix, aufsteigender Star der welschen Comicsszene, steuert zu jeder Nummer einen Cartoon bei.
Ein Erbe des Klassenkampfes aus den Vorkriegsjahren
A Propos ist die Neuauflage einer alten guten Idee. Denn die «Grossmutter» des Medienbabys wurde bereits im Krisenjahr 1933 gegründet, unter dem sehr seriösen Namen Industrie et Travail. Pate stand der Verband der Schweizer Maschinenindustrie. Die Idee war, den Arbeitnehmern die patronale Sicht näher zu bringen und dabei ein Gegengewicht zu den Gewerkschaftszeitungen zu bilden.
Die Idee schlug ein. Die Zeitung gedieh und wurde bald auch in die deutsche und italienische Schweiz exportiert, wo sie Werkzeitung und Industria e Lavoro hiess. Während 40 Jahren ging das alles sehr gut. Doch in den kriselnden Siebzigerjahren kam die Zeitschrift ins Schlingern. Angesichts der audiovisuellen Medien sah das Blatt plötzlich alt aus. 1983 kam es zu einem Relaunch, wobei die Zeitschrift in Opinions umgetauft wurde. Aber auch dies brachte keine richtige Wende.
So entschied man sich letztes Jahr zu einem richtigen Neuanfang. Das Resultat? 11600 Abonnemente werden zurzeit abgesetzt. Das lässt sich durchaus sehen. A Propos möchte Unternehmen und ihr Personal über politische und wirtschaftliche Themen informieren, die sie angehen – «former et informer» formuliert es de Araujo. Aber: Sind Unternehmen noch bereit, etwas Geld für eine Zeitschrift auszugeben, auch wenn diese nicht direkt PR für das einzelne Unternehmen betreibt? Im Zeitalter des kurzfristigen Return on Investment ist dies die grosse Frage.
Auf zur NZZMit diesem Artikel verabschiedet sich unser langjähriger Westschweizer Korrespondent Christophe Büchi von der WerbeWoche. Büchi wechselt zur Neuen Zürcher Zeitung, deren Leser er künftig über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in der Romandie auf dem Laufenden halten wird. Die WerbeWoche wünscht ihm Freude und Befriedigung in seiner neuen Herausforderung.
Aus der welschen Wirtschaftspresse kommen zurzeit gegensätzliche Signale. Während gewisse Herausgeber leiden und teilweise sogar ans Aufhören denken – vor einigen Tagen gab die Agefi-Gruppe die Einstellung des E-Economy-Magazins Future(s) bekannt –, sind andere voller Optimismus und Zukunftspläne. Zu ihnen gehören die Verleger des Wirtschaftsmagazins A Propos, das vergangenes Jahr relaunched wurde und bereits neun Ausgaben vorweisen kann.
A Propos will weder elitär noch seicht sein
Die Zeitschrift, die zehnmal jährlich erscheint, ist ein Zwitter zwischen einer Gratiszeitung und einer abonnierten Publikation. Sie wird von einer Genossenschaft herausgegeben, der welsche Unternehmen und Arbeitgeberverbände angehören. Die Zeitschrift wendet sich an Unternehmen und wird über Kollektivabonnements abgesetzt. Sie will über politische und wirtschaftliche Themen informieren, die die Privatwirtschaft direkt berühren. Daneben ist die Zeitschrift aber auch als ein breit gefächertes Magazin gedacht, das einen Unterhaltungswert haben soll.
Cynthia de Araujo, Präsidentin der Herausgeberrats, formuliert die Zielsetzung so: «A Propos möchte populär und allgemein verständlich sein, aber auf einem guten Niveau. Das Blatt soll also weder elitär noch seicht daher kommen. Es will engagierte Analysen bieten und somit einen Kontrapunkt setzen zur Beliebigkeit der Boulevardmedien.»
Um diesem Ziel näher zu kommen, wurde die Redaktion einem bestandenen Profi anvertraut, dem Walliser Jean-Jacques Zuber, Inhaber eines Kommunikationsbüros in Monthey. Der Sekretär der Arbeitgeberverbands der Uhrenindustrie, François Matile, der ebenfalls aus dem Journalismus kommt, zeichnet als Directeur de publication. Daneben werden freischaffende Journalisten eingesetzt. Diese hoch karätige Herausgeberschaft soll für ein gutes Niveau, aber auch für eine professionell angenehme Machtart bürgen.
Die Zeitschrift wirkt tatsächlich gepflegt, auffallend unprätenziös und doch optisch reizvoll. Gedruckt wird auf einem mittelschweren Papier, das aber ohne Hochglanz auskommt. Der Text hat eindeutig Vorrang, doch wurden grosse Anstrengungen gemacht, um die Textfläche mit Bildern grosszügig aufzulockern. Gediegene grasgrüne Titel setzen optische Lesetupfer. Fotos, Kreuzworträtsel und andere Illustrationselemente werden gezielt eingesetzt. Und der welsche Karikaturist Mix et Remix, aufsteigender Star der welschen Comicsszene, steuert zu jeder Nummer einen Cartoon bei.
Ein Erbe des Klassenkampfes aus den Vorkriegsjahren
A Propos ist die Neuauflage einer alten guten Idee. Denn die «Grossmutter» des Medienbabys wurde bereits im Krisenjahr 1933 gegründet, unter dem sehr seriösen Namen Industrie et Travail. Pate stand der Verband der Schweizer Maschinenindustrie. Die Idee war, den Arbeitnehmern die patronale Sicht näher zu bringen und dabei ein Gegengewicht zu den Gewerkschaftszeitungen zu bilden.
Die Idee schlug ein. Die Zeitung gedieh und wurde bald auch in die deutsche und italienische Schweiz exportiert, wo sie Werkzeitung und Industria e Lavoro hiess. Während 40 Jahren ging das alles sehr gut. Doch in den kriselnden Siebzigerjahren kam die Zeitschrift ins Schlingern. Angesichts der audiovisuellen Medien sah das Blatt plötzlich alt aus. 1983 kam es zu einem Relaunch, wobei die Zeitschrift in Opinions umgetauft wurde. Aber auch dies brachte keine richtige Wende.
So entschied man sich letztes Jahr zu einem richtigen Neuanfang. Das Resultat? 11600 Abonnemente werden zurzeit abgesetzt. Das lässt sich durchaus sehen. A Propos möchte Unternehmen und ihr Personal über politische und wirtschaftliche Themen informieren, die sie angehen – «former et informer» formuliert es de Araujo. Aber: Sind Unternehmen noch bereit, etwas Geld für eine Zeitschrift auszugeben, auch wenn diese nicht direkt PR für das einzelne Unternehmen betreibt? Im Zeitalter des kurzfristigen Return on Investment ist dies die grosse Frage.
Auf zur NZZMit diesem Artikel verabschiedet sich unser langjähriger Westschweizer Korrespondent Christophe Büchi von der WerbeWoche. Büchi wechselt zur Neuen Zürcher Zeitung, deren Leser er künftig über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in der Romandie auf dem Laufenden halten wird. Die WerbeWoche wünscht ihm Freude und Befriedigung in seiner neuen Herausforderung.
