Am Code hängt doch alles
Wer tagesaktuelle Kioskzahlen will, muss einen Strichcode auf die Zeitungen drucken
Wer tagesaktuelle Kioskzahlen will, muss einen Strichcode auf die Zeitungen druckenVon Markus Knöpfli Seit letztem September sollten eigentlich alle Verkaufsstellen der Kiosk AG den Verlagen tagesaktuelle Verkaufszahlen liefern können. Dem ist aber nicht so. Die Kiosk AG hat ihre Investitionen vorläufig gestoppt. Der Hauptgrund: 30 Prozent der Tageszeitungen haben nach wie vor keinen EAN-Code. Sie behindern so das Projekt.
Was die Kiosk AG Anfang 1999 in Aussicht stellte, liess damals aufhorchen: Bis September 2001 wollte sie alle ihre 1350 Verkaufsstellen mit Scannerkassen ausrüsten (siehe WW 13/99). Dafür sah sie Investionen von knapp 33 Millionen Franken vor. Zudem wollte der Pressegrossist auch die rund 6000 Depositäre, die er täglich schweizweit beliefert, zum Mitmachen animieren. Der Vorteil des so genannten POSI (Point of Sale Information System): Die verkauften Titel und Produkte können, sofern sie mit einem Strichcode versehen sind, sofort zentral registriert und die Verkaufszahlen somit täglich, ja stündlich abgerufen werden – und zwar nach jeder einzelnen, angeschlossenen Verkaufsstelle. Dies ermöglicht Verlagen, aber auch allen Food- und Nonfoodlieferanten schnelle Nachlieferungen sowie die tagesaktuelle Steuerung der Ausliefermenge.
Doch heute liefert die Kiosk AG diese Daten noch nicht – oder höchstens in Ansätzen. Klar, denn bisher hat sie erst 500 Scannerkassen installiert, allerdings an jenen Verkaufsstellen, mit denen sie immerhin 60 Prozent ihres Gesamtumsatzes erzielt. «Diesen Stand werden wir mindestens bis Ende 2002 beibehalten, erst danach werden wir über einen allfälligen Weiterausbau entscheiden», stellt Josef Jungo, Geschäftsführer der zur Valora-Gruppe gehörenden Kiosk AG, klar. Auf jeden Fall würden die 1350 eigenen Verkaufsstellen der Kiosk AG frühestens Ende 2003 mit Scannerkassen bestückt sein, doch könne es durchaus auch Ende 2004 werden.
Die Verlage sind noch nicht auf den Strichcode gekommen
Für die Verzögerung nennt Jungo mehrere, auch firmeninterne Gründe, der Hauptgrund aber scheint banal: «Bei 30 Prozent aller in- und ausländischer Tageszeitungen fehlt nach wie vor ein EAN-Code auf der Frontseite», sagt Jungo. Wieder andere seien nicht in der Lage, einen sauberen Strichcode zu drucken. Ähnliches gelte für die Food- und Nonfoodlieferanten der Kiosk AG. Fehlende oder mangelhafte Codes aber würden die Arbeit an den Kiosken erschweren statt erleichtern, zudem würde dadurch die Aussagekraft der Daten geschmälert.
Jungo führt noch einen weiteren Punkt an: Bisher habe allein die Kiosk AG in Scannerkassen investiert, bei den Depositären hingegen habe sich (mit Ausnahme von Coop) nichts getan. Selbst wenn die Kiosk AG deshalb ihr eigenes Netz weiter ausbauen würde, wären schliesslich nur rund ein Siebtel aller kleinflächigen Verkaufstellen in der Lage, tagesaktuelle Daten zu liefern. Jungos Schluss: «So lange sich bei Verlagen, Produktelieferanten und Depositären nicht mehr bewegt, sind auch wir nicht bereit, weitere Scannerkassen aufzustellen.»
Gleichzeitig will er jegliche Zweifel zerstreuen: «Wir halten am POSI fest. Nur der Weg und die Dauer haben geändert.» So würden nun andere Bereiche POSI-tauglich gemacht: Nächstes Jahr richte die Kiosk AG ein Datawarehouse (für die Aufbereitung der POSI-Daten) und eine neue Kommissionierungsanlage ein. Ferner evaluiere man derzeit ein neues Pressesteuerungssystem. Kurz: «Die Kiosk AG bleibt nicht einfach stehen.»
Doch wissen die Verlage und Produktelieferanten, dass sie eine Millioneninvestition und eine ausgezeichnete Marktforschungsmöglichkeit verhindern, wenn sie ihre Produkte nicht mit sauberen Codes versehen? Gemäss einer Umfrage der WerbeWoche ist dies kaum der Fall. Auch bei der WerbeWoche nicht, die ohne EAN-Code auf der Titelseite ebenfalls zu den «Behinderern» gehört. «Die Kiosk AG ist nie auf uns zugekommen. Auch hat sie diesbezüglich nie irgendwelche Standards gesetzt», sagt Verlagsleiter Otto Eisenegger.
Bei der Kommunikation gesteht Jungo denn auch gewisse Defizite seitens der Kiosk AG ein. «Wir haben das erkannt und werden im nächsten Jahr vermehrt Anstrengungen in diesem Bereich machen», sagt er.
Andererseits zeigten die grossen Verlage bisher wenig Interesse an tagesaktuellen POSI-Daten. Jedenfalls stieg nur gerade Ringier auf Jungos Angebot ein, gegen einen gewissen Aufpreis die bestehenden Scannerkassen längerfristig zu testen (siehe Kasten). Erstaunlich, denn vor zwei Jahren machten die Verlage noch kräftig Druck auf die Kiosk AG.
Ein anderes neues Angebot scheint ihre Neugier eher zu wecken: Dank der 500 POSI-Kassen können zusätzliche, vorläufig aber erst punktuelle Marktdaten über die rund eine Million täglichen Kioskkunden bezogen werden. So sei es beispielsweise möglich, Angaben darüber zu machen, welche Produkte ein Kioskkunde zusätzlich zum Blick oder zur NZZ einkaufe, sagt Jungo. Diese Art Marktforschung könne als zusätzliches Argument bei der Anzeigenakquisition dienen.
Kinderkrankheiten
Was die Kiosk AG Anfang 1999 in Aussicht stellte, liess damals aufhorchen: Bis September 2001 wollte sie alle ihre 1350 Verkaufsstellen mit Scannerkassen ausrüsten (siehe WW 13/99). Dafür sah sie Investionen von knapp 33 Millionen Franken vor. Zudem wollte der Pressegrossist auch die rund 6000 Depositäre, die er täglich schweizweit beliefert, zum Mitmachen animieren. Der Vorteil des so genannten POSI (Point of Sale Information System): Die verkauften Titel und Produkte können, sofern sie mit einem Strichcode versehen sind, sofort zentral registriert und die Verkaufszahlen somit täglich, ja stündlich abgerufen werden – und zwar nach jeder einzelnen, angeschlossenen Verkaufsstelle. Dies ermöglicht Verlagen, aber auch allen Food- und Nonfoodlieferanten schnelle Nachlieferungen sowie die tagesaktuelle Steuerung der Ausliefermenge.
Doch heute liefert die Kiosk AG diese Daten noch nicht – oder höchstens in Ansätzen. Klar, denn bisher hat sie erst 500 Scannerkassen installiert, allerdings an jenen Verkaufsstellen, mit denen sie immerhin 60 Prozent ihres Gesamtumsatzes erzielt. «Diesen Stand werden wir mindestens bis Ende 2002 beibehalten, erst danach werden wir über einen allfälligen Weiterausbau entscheiden», stellt Josef Jungo, Geschäftsführer der zur Valora-Gruppe gehörenden Kiosk AG, klar. Auf jeden Fall würden die 1350 eigenen Verkaufsstellen der Kiosk AG frühestens Ende 2003 mit Scannerkassen bestückt sein, doch könne es durchaus auch Ende 2004 werden.
Die Verlage sind noch nicht auf den Strichcode gekommen
Für die Verzögerung nennt Jungo mehrere, auch firmeninterne Gründe, der Hauptgrund aber scheint banal: «Bei 30 Prozent aller in- und ausländischer Tageszeitungen fehlt nach wie vor ein EAN-Code auf der Frontseite», sagt Jungo. Wieder andere seien nicht in der Lage, einen sauberen Strichcode zu drucken. Ähnliches gelte für die Food- und Nonfoodlieferanten der Kiosk AG. Fehlende oder mangelhafte Codes aber würden die Arbeit an den Kiosken erschweren statt erleichtern, zudem würde dadurch die Aussagekraft der Daten geschmälert.
Jungo führt noch einen weiteren Punkt an: Bisher habe allein die Kiosk AG in Scannerkassen investiert, bei den Depositären hingegen habe sich (mit Ausnahme von Coop) nichts getan. Selbst wenn die Kiosk AG deshalb ihr eigenes Netz weiter ausbauen würde, wären schliesslich nur rund ein Siebtel aller kleinflächigen Verkaufstellen in der Lage, tagesaktuelle Daten zu liefern. Jungos Schluss: «So lange sich bei Verlagen, Produktelieferanten und Depositären nicht mehr bewegt, sind auch wir nicht bereit, weitere Scannerkassen aufzustellen.»
Gleichzeitig will er jegliche Zweifel zerstreuen: «Wir halten am POSI fest. Nur der Weg und die Dauer haben geändert.» So würden nun andere Bereiche POSI-tauglich gemacht: Nächstes Jahr richte die Kiosk AG ein Datawarehouse (für die Aufbereitung der POSI-Daten) und eine neue Kommissionierungsanlage ein. Ferner evaluiere man derzeit ein neues Pressesteuerungssystem. Kurz: «Die Kiosk AG bleibt nicht einfach stehen.»
Doch wissen die Verlage und Produktelieferanten, dass sie eine Millioneninvestition und eine ausgezeichnete Marktforschungsmöglichkeit verhindern, wenn sie ihre Produkte nicht mit sauberen Codes versehen? Gemäss einer Umfrage der WerbeWoche ist dies kaum der Fall. Auch bei der WerbeWoche nicht, die ohne EAN-Code auf der Titelseite ebenfalls zu den «Behinderern» gehört. «Die Kiosk AG ist nie auf uns zugekommen. Auch hat sie diesbezüglich nie irgendwelche Standards gesetzt», sagt Verlagsleiter Otto Eisenegger.
Bei der Kommunikation gesteht Jungo denn auch gewisse Defizite seitens der Kiosk AG ein. «Wir haben das erkannt und werden im nächsten Jahr vermehrt Anstrengungen in diesem Bereich machen», sagt er.
Andererseits zeigten die grossen Verlage bisher wenig Interesse an tagesaktuellen POSI-Daten. Jedenfalls stieg nur gerade Ringier auf Jungos Angebot ein, gegen einen gewissen Aufpreis die bestehenden Scannerkassen längerfristig zu testen (siehe Kasten). Erstaunlich, denn vor zwei Jahren machten die Verlage noch kräftig Druck auf die Kiosk AG.
Ein anderes neues Angebot scheint ihre Neugier eher zu wecken: Dank der 500 POSI-Kassen können zusätzliche, vorläufig aber erst punktuelle Marktdaten über die rund eine Million täglichen Kioskkunden bezogen werden. So sei es beispielsweise möglich, Angaben darüber zu machen, welche Produkte ein Kioskkunde zusätzlich zum Blick oder zur NZZ einkaufe, sagt Jungo. Diese Art Marktforschung könne als zusätzliches Argument bei der Anzeigenakquisition dienen.
Kinderkrankheiten
Im Rahmen eines ersten regulären Versuchs erhält Ringier seit einem Jahr täglich um 16 Uhr tagesaktuelle Blick-Verkaufsdaten von der Kiosk AG, allerdings auf eigenen Wunsch bloss ab 290 der 500 installierten Scannerkassen. Gemäss Clint Reichenbach, Leiter Verkauf bei Ringier, ist allerdings auf diese Daten (noch) kein absoluter Verlass – aufgrund technischer Probleme. Josef Jungo bestätigt «Kinderkrankheiten» und verspricht Abhilfe mit dem neuen Datawarehouse.
