«Menschen werden zu Designern – den Rest erledigen Roboter»
Seit jüngerer Zeit liegen die X.Days in der Verantwortung der NZZ. Das traditionelle Medienunternehmen unterstreicht mit diesem Anlass, dass es auch im Konferenzbereich Qualität liefert. Unter dem Motto «Wie gestalte ich die digitale Zukunft» werden Entscheidungsträgern der Schweizer Wirtschaft neue Denkansätze, kreative Geschäftsmodelle und disruptive Technologien aufgezeigt.Christoph Oggenfuss* war für MK an dem Anlass dabei und zeigt seine Highlights.

Peter Hinssen, Serial Entrepreneur: Klassische Budgetplanung ist Auslaufmodell.Unsere Rollen werden sich verändernIn seinem bemerkenswerten Referat legte der britische Professor Richard Susskind dar, dass wir in den kommenden Jahrzehnten durch die Digitalisierung nicht arbeitslos werden. Er ist aber gleichzeitig überzeugt, dass sich unsere Arbeit und v.a. unsere Rollen fundamental ändern werden. Er sieht für die Menschen in der Arbeitswelt vielmehr eine kreativ-gestaltende Rolle, was er als „Designer“ bezeichnet, im Unterschied zur ausführenden Tätigkeit. Hier meint Susskind, dass Computer schon heute die Fähigkeit besitzen, zahlreiche Probleme besser und schneller zu lösen als der Mensch.IoT ist die RealitätDer Tech-Experte Kevin Ashton brachte mit seinem Beitrag Ordnung in das Thema Internet of Things (IoT) und warnte davor, das Beispiel des intelligenten Kühlschranks als gute Illustration von IoT zu verwenden. „Computer können ihre Umgebung wahrnehmen, die Informationen analysieren und eigenständige Entscheidungen treffen“. Wenn wir diesen Gedanken zu Ende denken, wissend dass zukünftig Milliarden von Dingen miteinander vernetzt sein und kommunizieren werden, dann wird die Gewalt von IoT erkennbar. IoT sei nicht Zukunftsmusik, sondern bereits Realität, wie zum Beispiel mit dem selbstfahrenden Auto.Design hat WirkungAlastair Curtis, der Chief Design Officer von Logitech, konnte eindrücklich aufzeigen, welche Bedeutung überzeugendes Design in der heutigen Welt hat. Die Akzente die er in den letzten vier Jahren bei Logitech gesetzt hat, erinnern stark an die Apple-Geschichte. „Design verbindet das Produkt mit dem Menschen“, war das Credo am Ende seines Vortrages.Hacking ist nicht negativAuch dieses Jahr war das Thema Hacking wieder auf der Agenda und der Einblick für die Teilnehmenden in diese verborgene Welt war spannend und lehrreich. Die Bestsellerautorin Alexa Clay sprach über sogenanntes „Corporate Culture- Hacking“. Sie erklärte anschaulich wie unbequeme, aneckende Mitarbeitende eines Unternehmens (corporate and cultural mysfit) eine wertvolle Quelle für Innovation und kulturellen Wandel sein können. Das ruft als Konsequenz natürlich auch nach einem anderen Führungsstil. Mit diesem Beitrag wurde einmal mehr klar, dass der Begriff Hacking zu Unrecht einseitig negativ besetzt ist.Langfristige Budgetplanung hat ausgedientAm Ende der Konferenz sprach Peter Hinssen über Digitale Strategien – der engagierteste und brillianteste Beitrag dieser Konferenz. Mit anschaulichen Beispielen und eindrücklichen Analogien machte er deutlich, wie gross die Notwendigkeit für Wandel bei Unternehmen ist, und dass in der digitalen Transformation keine Ziellinie, wie bei einem Marathonlauf, erkennbar ist. Die heute praktizierte zwölf-Monats Budgetplanung stuft er demonstrativ als Auslaufmodell ein und propagiert eine rollende Planung in kürzeren Zyklen und dies in angepasster Form auch für die Unternehmensstrategie. Aus seinen Beobachtungen bei Facebook stellt er fest, dass dort über einen Zeitraum von sechs Monaten geplant wird und die Vision sich an dreissig Jahren orientiert.Peter Hinssen im Gespräch über digitale StrategienOGGENFUSS Gibt es überhaupt so etwas wie eine Digitale Strategie?HINSSEN Ich weiss nicht, wie mein Referatstitel entstanden ist. Aber ich glaube, dass es um Geschäftsstrategien in einer beschleunigten Welt geht. Das Wort „Digital“ ist eigentlich nur noch für die ältere Generation gebräuchlich.OGGENFUSS Wie hinterfragt ein etabliertes Unternehmen ihr Geschäftsmodell am wirkungsvollsten? HINSSEN Zum einen müssen vor allem junge Mitarbeitende involviert werden und zum anderen muss das Challenger Team ausserhalb des Unternehmens positioniert sein.OGGENFUSS Wer soll bei der Geschäftstransformation im Lead sein – Geschäftsleitung oder Verwaltungsrat?HINSSEN Nach meiner Erfahrung ist es das Aufsichtsgremium. Denn dieses ist offener für den Wandel und trägt letztlich auch die Verantwortung.OGGENFUSS Wie schätzen Sie die bisherigen Leistungen von Elon Musk (Tesla, SpaceX) ein?HINSSEN Musk macht mit seinem Vorhaben ein Hochseilakt. Bei ihm ist zwischen totalem Erfolg bis zum Absturz alles möglich. Dennoch darf man ihn nicht am Tesla-Resultat messen, sondern vielmehr an seiner Ausstrahlung für tausende von Jungunternehmern, die einem Traum folgen, sich viel zutrauen und sich auf den Weg machen, eine Idee umzusetzen.

