«Coop ist kein Corona-Gewinner»
Im Interview mit der SonnntagsZeitung spricht Coop-Chef Joos Sutter über die aktuelle Krise. Trotz der Hamsterkäufe leidet der Detailhändler. Dem grossen Online-Ansturm will Coop mit einem Mini-Sortiment gerecht werden.

Geht Coop trotz der abgesperrten Bereiche auch etwas als «Corona-Gewinner» aus der Krise heraus? Nein, sagt CEO Sutter: «Die Krise wird sich für Coop negativ auswirken.» Gründe dafür seien viele geschlossene Läden, die derzeit keinen Umsatz machen und das Grosshandelsgeschäft Transgourmet mit ebenfalls einbrechenden Umsatzzahlen. «Denn nicht nur das Non-Food-Geschäft ist geschlossen, auch die Gastronomie ist zu.»
«Unmöglich» sei es, so Sutter, diese Verluste durch die steigenden Umsätze im stationären Handel wettzumachen. «Dazu müssten wir in den Supermärkten hohe Gewinne machen. Das ist aber nicht der Fall, denn wir halten das Personal nicht knapp, sondern setzen es ein, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Supermarkt zu entlasten.»
Empfehlungen statt Verbote
«Auf Nadeln» sitze man jeweils bei neuen Ankündigungen des Bundesrats, so Sutter. Dennoch sei man vorbereitet, sollten weitere Verschärfungen beschlossen werden, Coop könne die Versorgung gewährleisten. Abstriche werde man in der Produktbreite in Kauf nehmen müssen, etwa weil Pasta-Produzenten aktuell in Grossmengen die Hauptsorten herstellten.
Dabei stellen sich Hamsterkäufe als Problem heraus. Dennoch will Sutter nicht konkret dagegen vorgehen, Coop reagiert mit Empfehlungen auf Plakaten, die den Einkauf in Haushaltsgrösse ans Herz legen. Er bringe es nicht übers Herz, das Verkaufspersonal Polizist spielen zu lassen, sagt der Chef des Detailhandelsgiganten.
Mini-Sortiment soll Kapazitätsengpässe lösen
Investieren will Coop nun in den Onlineverkauf. Coop@home hat den Umsatz verdoppelt, allerdings würde er sich um ein vielfaches vergrössern, wären die Kapazitäten da, sagt Sutter. Der Grund für die Engpässe sind demnach nicht fehlende Waren, sondern zu kleine Logistikzentren. Weil es unmöglich sei, jetzt ein neues Gebäude zu bauen, plane man ein reduziertes Onlinesortiment mit 100 Artikeln, welches den Kunden bis Ende nächster Woche zur Verfügung stehen soll. Nur durch diese Sortimentsverkleinerung sei eine Kapazitätserhöhung möglich, sagt der Coop-Chef im Interview. Die Folge seien – im Vergleich zum normalen, 11’00 Artikel umfassende Onlineangebot, bei welchem man bis zu zehn Tagen wartet – verkürzte Lieferzeiten für die Kunden.
