Alibaba will von Belgien aus den Westen erobern

Der chinesische Onlinehandels-Gigant Alibaba fordert Amazon heraus. Dabei geht's um nichts Geringeres als um die Vorherrschaft in Europa. Als Beschleuniger könnte Zalando übernommen werden.

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Wie die SonntagsZeitung in der aktuellen Ausgabe schreibt, baut Alibaba im belgischen Lüttich ein riesiges Logistik-Drehkreuz mit 220’000 Quadratmetern Nutzfläche. In zwölf Monaten soll der Bau fertig sein. Er ist nach Hongkong, Moskau, Dubai und Kuala Lumpur der fünfte seiner Art und soll von der Kapazität her halb Europa mit Waren versorgen können.

Damit könnte sich einiges ändern. Denn: Obwohl der Alibaba-Shop Aliexepress hierzulande immer beliebter wird und seit 2017 in der Liste der populärsten Onlineshops auftaucht, sind die hiesigen Märkte bisher nicht wirklich relevant für die Chinesen. Andere Märkte spielen da in einer ganz anderen Liga. Zum Vergleich: Allein am chinesischen Aktionstag Singles‘ Day hat Alibaba mit über 37 Milliarden (!) Franken mehr Umsatz gemacht als Coop im gesamten Jahr 2018 (30,7 Milliarden Franken). Laut WPP und Kantar ist Alibaba bereits heute die wertvollste nichtamerikanische Einzelhandelsmarke der Welt (Werbewoche.ch berichtete).

 

«Weltweite Lifestyleplattform»

Bisher hat man bei Alibaba den Schweizer Markt eher als Absatzkanal für hiesige Unternehmen nach China gesehen. Marken wie Tissot und Tag Heuer verkaufen beispielsweise über diesen Weg in den fernen Osten (Werbewoche.ch berichtete). Mit dem neuen Logistikzentrum könnte man aber nun mit voller Kraft den Endkunden ins Visier nehmen und so Amazon die Vorherrschaft im westlichen Onlinehandel streitig machen. Amazon beherrscht heute den Westen, Alibaba den Osten. Bisher ging man sich weitgehend aus dem Weg, doch dies könnte sich in Zukunft ändern.

Bereits im September hatte Alibaba-Chef Wang Mingquiang angekündigt, man wolle Aliexpress zu einer «weltweiten Lifestyleplattform für Konsumenten und Kaufleute» entwickeln.

Auf dem Weg zur globalen Vorherrschaft hat Alibaba mit Aliexpress bereits mehrere Märkte aufgerollt – darunter Osteuropa, Russland und die Türkei. Es scheint, als sei nun Westeuropa «an der Reihe». Das beunruhigt nicht nur die westlichen Händler, sondern auch die Industrie. Der Absatzkanal Aliexpress könnte zum direkten Einfallstor für chinesische Konzerne werden.

 

Zalando als möglicher Übernahmekandidat

Wie Alibaba vorgehen könnte, um sich schneller auszubreiten, zeigt ein von der SonntagsZeitung zitierter Report der UNO zur Digitalwirtschaft: Demnach ist eine wichtige Strategie für das Entern eines Marktes die Übernahme von bestehenden und potenziellen Wettbewerbern. Im Falle der Chinesen soll dabei immer wieder ein Name für einen möglichen Übernahmekandidaten fallen: Zalando. Die Marke ist vertrauenswürdig, etabliert und die Skepsis gegenüber dem chinesischen Umgang mit persönlichen Daten wäre mit einem deutschen Namen als Aushängeschild wohl auch geringer.

Das sind alles noch Spekulationen. Die Vermutung, Zalando könnte im Visier der Chinesen sein, ist allerdings nicht unbegründet. Denn Alibaba ist genau so in Südostasien vorgegangen, als der ursprünglich auf Mode, Schuhe und Kosmetik spezialisierte Onlinehändler Lazada übernommen wurde. Nach der Übernahme hat Alibaba Lazada schrittweise ausgebaut und das Sortiment erweitert. Heute bietet das Unternehmen auch beispielsweise Elektronik an.

 

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