PR-Plattitüden mit abgelaufenem Verfallsdatum
Karriereroman Wenn sich ein Redaktor schreibend selbst verwirklicht, wirds schnell peinlich
Karriereroman Wenn sich ein Redaktor schreibend selbst verwirklicht, wirds schnell peinlichDieses Buch ist zwar real, aber gleichzeitig Satire», wird man im Vorwort aufgeklärt oder besser: stutzig gemacht. Dass Satire per definitionem eine Überhöhung des Realen ist, scheint dem Autor Robert Jakob entgangen zu sein – wie vieles andere auch. Der namenlose Icherzähler im «Phrasen-Drescher-Roman für Aufsteiger» (Eigenwerbung) beginnt als kleiner PR-Wurm in der Zürcher Agentur Zum letzten Schrei und wird dann Redaktor beim Schweizerischen Handelsblatt(!). Dort klaut er Ideen und Texte und mausert sich nebenberuflich zunächst zum Ghostwriter, zum PR-Profi, Börsenmakler und schliesslich zum Inhaber mehrerer Kommunikationsfirmen. Da erst bekommt er vom Handelsblatt den blauen Brief. Doch Niederlagen steckt er locker weg, auch als der SAir-Auftrag an «einen kanadischen Branding-Spezialisten» geht.Bei der mit Superlativen ge-spickten Beschreibung dieser Parallelkarriere bleibt der Protagonist jedoch platt. Er selbst sieht das völlig anders. «Ich bin der Vordenker zur Umwertung aller Werte», schwadroniert er. Und: «Nietzsches Gesamtausgabe und Musils ‹Mann ohne Eigenschaften› gehen in mir eine gelungene Synthese ein. Doch genug philosophiert.» Zustimmen lässt sich bestenfalls Letzterem. Denn der Versuch, die peinliche Figur durch geistesgeschichtliche Anleihen zu profilieren, muss jedem halbwegs Belesenen Magenkrämpfe bereiten.
Seitenlang spielt Jakobs namenloses Alter Ego den Psycho- und Motivationsguru, wobei seine Weisheiten («Wer den Boden nicht verlässt, lernt nie fliegen») so banal sind wie seine sprachtheoretischen Exkurse. Anstatt «ablehnen» textet er «in den Reisswolf schicken», statt zu «organisieren», empfiehlt er, «einen Strukturbaum zu pflanzen». Das klingt nicht nach Ghostwriting, sondern nach Mittelstufendeutsch. Schliesslich lässt er Zum letzten Schrei noch die Post aus dem Briefkasten stehlen, um ihr Kunden abzunehmen. Die Agentur geht auch prompt Pleite, er kauft sie und – Traum jedes Zu-kurz-Gekommenen – stellt seine Ex-Chefin auf die Strasse.
So weit, so belanglos und bemühend. Interessant wirds erst bei der Frage, wer da so fad gekochte Kost auftischt. Ein deutscher Doktor sei dieser Robert Jakob, steht im Anhang. Heute sitze der Ex-Direktor mehrerer Life-Science-Firmen in der Chefredaktion zweier renommierter Schweizer Fachzeitschriften. Das klingt respektabel, und so staunt man, dass der Bluffer, der sich im Münchner Wirtschaftsverlag Redline selbstverwirklichen durfte, im richtigen Leben einfacher Redaktor beim Fachblatt New Management ist. Dieses wird übrigens von der Verlagsgruppe HandelsZeitung herausgegeben – womit wenigstens einige Anspielungen geklärt wären.
> Der Bluff. Eine schillernde Karriere von Robert
Seitenlang spielt Jakobs namenloses Alter Ego den Psycho- und Motivationsguru, wobei seine Weisheiten («Wer den Boden nicht verlässt, lernt nie fliegen») so banal sind wie seine sprachtheoretischen Exkurse. Anstatt «ablehnen» textet er «in den Reisswolf schicken», statt zu «organisieren», empfiehlt er, «einen Strukturbaum zu pflanzen». Das klingt nicht nach Ghostwriting, sondern nach Mittelstufendeutsch. Schliesslich lässt er Zum letzten Schrei noch die Post aus dem Briefkasten stehlen, um ihr Kunden abzunehmen. Die Agentur geht auch prompt Pleite, er kauft sie und – Traum jedes Zu-kurz-Gekommenen – stellt seine Ex-Chefin auf die Strasse.
So weit, so belanglos und bemühend. Interessant wirds erst bei der Frage, wer da so fad gekochte Kost auftischt. Ein deutscher Doktor sei dieser Robert Jakob, steht im Anhang. Heute sitze der Ex-Direktor mehrerer Life-Science-Firmen in der Chefredaktion zweier renommierter Schweizer Fachzeitschriften. Das klingt respektabel, und so staunt man, dass der Bluffer, der sich im Münchner Wirtschaftsverlag Redline selbstverwirklichen durfte, im richtigen Leben einfacher Redaktor beim Fachblatt New Management ist. Dieses wird übrigens von der Verlagsgruppe HandelsZeitung herausgegeben – womit wenigstens einige Anspielungen geklärt wären.
> Der Bluff. Eine schillernde Karriere von Robert
Jakob. Redline Wirtschaftsverlag, München 2002.
163 Seiten, Fr. 27.50.
Francis Müller
