Nicht in überholten Mustern verharren

Verleger-Umfrage Die Tendenz ist klar: Wer sich durch die neue Karte der Schweizer Wirtschaftsgebiete in seiner bisherigen Strategie bestätigt sieht, der unterstützt das Modell. Die anderen hingegen werden es eher ablehnen.

Verleger-Umfrage Die Tendenz ist klar: Wer sich durch die neue Karte der Schweizer Wirtschaftsgebiete in seiner bisherigen Strategie bestätigt sieht, der unterstützt das Modell. Die anderen hingegen werden es eher ablehnen.Regionen sind dynamische Gebilde. Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeit geschehen längst nicht mehr an einem Ort. «All business is local», stimmt zwar immer noch, aber «local» is getting big and bigger. Darum ist es ein Gebot intellektueller Redlichkeit, die veralteten Wirtschaftsgebiete den neuen Verhältnissen anzupassen. Wer glaubt, den Strukturwandel durch Verharren in überholten Mustern aufhalten zu können, den bestraft der Markt. Wir haben in unserem Unternehmen stets versucht, die räumlichen Veränderungen strategisch zu antizipieren: Konzession TeleBärn für den deutschsprachigen Espace Mittelland, Berner Zeitung mit neuen Splitausgaben oder an der Peripherie ihres Verbreitungsgebietes mit neuen Kooperationen. Und vor ein paar Jahren änderten wir sogar den Namen von Berner Tagblatt Mediengruppe in Espace Media Groupe. Wir sehen die geplante Anpassung vorwiegend als Verbesserung.Falsche Orientierung an den Grossstädten Die Neueinteilung der Wirtschaftsgebiete zeigt einen Widerspruch zur Praxis. Während der letzten Jahre haben die Verlage der grossen Zentren an Kraft verloren, die mittleren und grossen Verlage sind stärker geworden. Die Menschen orientieren sich vermehrt an Medien, die aus kleineren Regionen heraus kommen. Die Einteilung der Wirtschaftsgebiete, die sich vor allem an den Grossstädten orientieren, ist falsch. Die Information und Kommunikation kommt wieder vermehrt aus kleineren Räumen – wo der Mensch seine Emotionen und Informationen herholt ist wichtig und nicht, in welchen Regionen er pendelt. Beat Ravaioli, Verlagsleiter
Südostschweiz
Nahe liegend und vernünftigIn der Zentralschweiz haben die neuen Wirtschaftsgebiete fast keine Auswirkungen. Es ist vernünftig, die Zentralschweiz zu einem WG zusammenzufassen. Sie war immer ein kompaktes Wirtschaftsgebiet. Richtig ist auch, dass Ausserschwyz nach Zürich ausgerichtet ist, das war schon bisher so. Gewisse Schnittstellen ergeben sich im Freiamt, bei Zofingen und Zug. Zug gehörte aber schon bisher zur Zentralschweiz, neu zeigt sich dies noch klarer. Keine Diskussion gibt es bei der Grenze gegen Bern, sie entspricht exakt unserer Zeitungsverbreitung. Und gegenüber dem Tessin ist die Grenze sprachlich begründet.
Erwin Bachmann, Verwaltungsratsdelegierter LZ Medien
Zwar positiv und notwendig, aber …
Aus Nordwestschweizer Sicht ändert die Neueinteilung der Wirtschaftsgebiete nichts Wesentliches. Eine Anpassung der Gebiete an die heutigen Gegebenheiten erachten wir als positiv und notwendig. Unbefriedigend gelöst bleibt die Frage der Grenzregionen. Unsere Zeitungen finden auch ennet der Grenze zu Deutschland und Frankreich statt. Das Wirtschaftsgebiet jedoch macht an der Grenze Halt. So fehlen immer einige Tausend Leser unserer Zeitungen in der Mach, was periodisch Zusatzforschungen notwendig macht.
Daniel Sommer, Verlagsleiter Basler Zeitung
Wenig erstaunt über die neue LandkarteMir wurde das Publicom-Modell noch nicht präsentiert – einzig die «neue Landkarte» liegt mir unkommentiert vor. Wenig erstaunt bin ich, dass der Kanton Thurgau auf die Wirtschaftsgebiete St.Gallen und Zürich aufgeteilt wurde. Damit kann ich sehr gut leben, da diese Aufteilung auch meinen persönlichen Erfahrungen und Empfindungen entspricht. Mit dem Zuschlag des ganzen Bezirks Werdenberg zum Gebiet Chur bekunde ich wesentlich mehr Mühe. Daniel Ehrat, Verlagsleiter St. Galler Tagblatt
Bärendienst an den regionalen Zeitungen Aus unserer Sicht hat das Pendeln zur Arbeit mit dem Lebensmittelpunkt nicht viel zu tun. Auf Grund der Konzentration der Dienstleistungszentren der grossen Arbeitgeber in die Ballungsräume – notabene nicht in die Zentren, sondern in die Agglomeration – pendeln heute viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Für die Kommunikationsbranche und die Auftraggeber, welche die neue Einteilung nutzen sollen, ist jedoch relevant, wo Hypotheken abgeschlossen, Autos geleast und Fernsehgeräte gekauft werden. Und dies geschieht selten am Arbeitsort. Durch die Vergrösserung der Kommunikationsräume wird die lokale Verankerung der Regionalpresse weniger gewichtet. Und deshalb erweisen die Erfinder der neuen Gebietsaufteilung den regionalen Tageszeitungen und vor allem den Inserenten, welche den regionalen Kriterien in ihrer Mediaplanung Gewicht schenken, einen Bärendienst.
Ueli Eckstein, Leiter Printmedien der AZ-Mediengruppe
Albert P. Stäheli, CEO Espace Media und Vorsitzender der Gruppe Werbemarkt im Verband Schweizer Presse

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