Marketagent-Studie: Konstruktiver Journalismus im Stresstest

Zwischen News-Hunger, Frust und KI-Skepsis: Das Interesse an Nachrichten bleibt in der DACH-Region hoch – gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit mit der Berichterstattung. Eine aktuelle Studie von Marketagent zeigt: 86 % der Menschen interessieren sich (eher) für aktuelle Ereignisse, doch die tägliche Newsflut löst zunehmend negative Emotionen aus. Sorgen, Ärger und Frustration prägen das Nachrichtenklima – und das Vertrauen in KI-generierte Inhalte ist gering.

Rund ein Drittel der Befragten gibt an, häufig nur Schlagzeilen zu lesen. In der Schweiz ist dieser Anteil mit 39 % am höchsten. Der «pragmatische Nachrichtentyp» dominiert (36 %), während ein Viertel sich als «News-Junkies» bezeichnet. Nur 2,7 % zeigen keinerlei Interesse an aktuellen Geschehnissen.

Fernsehen bleibt Leitmedium – Social Media holt auf
Trotz digitaler Alternativen bleibt TV (49 %) der wichtigste Nachrichtenkanal, gefolgt von Radio (41 %) und Social Media (34 %). Bei den 18- bis 29-Jährigen führen soziale Plattformen mit 52 % klar das Ranking an. Die Studie zeigt damit einen deutlichen Generationenunterschied im Medienverhalten.

Objektivität und Gratiszugang zählen mehr als Marke
Für 46 % der Befragten ist Unabhängigkeit das wichtigste Kriterium bei der Wahl der Nachrichtenquelle, dicht gefolgt von Kostenfreiheit (45 %). Qualität (37 %) und Verständlichkeit (36 %) liegen auf den weiteren Plätzen.

Newsfrust durch Negativität und Überforderung
67 % der Befragten ärgern sich gelegentlich über die Berichterstattung, insbesondere zu Themen wie Innenpolitik, Krieg und Klimakrise. Über die Hälfte fühlt sich von der Newsflut überfordert. Positive Gefühle wie Freude oder Inspiration bleiben mit 14 % bzw. 18 % die Ausnahme.

Konstruktiver Journalismus als Gegengewicht
Die Mehrheit wünscht sich mehr Perspektiven (59 %), Kontext (48 %) und weniger Zynismus (47 %). 37 % fordern, dass Medien stärker lösungsorientiert berichten. Laut Marketagent-Gründer Thomas Schwabl zeigt die Studie «eine klare Sehnsucht nach Journalismus, der Probleme nicht nur beschreibt, sondern Wege aufzeigt».

KI in der Redaktion: Nutzung ja, Vertrauen nein
Mehr als ein Drittel (37 %) glaubt, dass KI bereits bei etwa der Hälfte aller Beiträge im Einsatz ist. Doch 73 % haben weniger Vertrauen in KI-generierte Inhalte, 81 % fordern eine klare Kennzeichnung. Für Roland Zeindler, Geschäftsführer von Marketagent Schweiz, ist klar: «Der Wunsch nach Transparenz ist enorm – Vertrauen bleibt die wichtigste Währung im Journalismus.»

Über die Studie
Für die Eigenstudie befragte Marketagent im Februar 2025 insgesamt 3.000 Personen in der Schweiz, Deutschland und Österreich online.

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